Bernd Deininger Wie die Kirche ihre Macht missbraucht

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Inhaltsangabe zu „Wie die Kirche ihre Macht missbraucht“ von Bernd Deininger

Gegen den Machtmissbrauch der Kirche Wie entsteht Machtmissbrauch durch kirchliche Amtsträger gegenüber niedriger Gestellten und Laien? Welche Entwicklungen entstehen durch diesen systematischen Machtmissbrauch? Wie begünstigt oder fördert die festgelegte Hierarchie den Machtmissbrauch innerhalb der Kirche? Theologe und Psychoanalytiker Dr. Bernd Deininger geht diesen und anderen drängenden Fragen in seinem Buch anhand außergewöhnlicher Fälle aus dreißigjähriger Berufspraxis nach. Er fordert, dass die streng hierarchische Struktur innerhalb der Kirche einem Miteinander auf Augenhöhe weichen muss, dass der Gehorsam gegenüber Höhergestellten nicht das eigenständige Denken ersetzen darf, dass das Zölibat auf Freiwilligkeit beruhen sollte und Missbrauchsopfer im kirchlichen Rahmen Hilfe erfahren müssen.
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    Wie die Kirche ihre Macht missbraucht
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    29. September 2014 um 12:45

    Ein interner Blick Dass seit 1918 Kirche und Staat in Deutschland sich rigoros getrennt vorfinden, eine Haltung, die in Europe weitestgehend verbreitet ist, hat die ehemalige starke, weltliche Macht der Kirche samt Inquisition, Kreuzzügen und aktives Spiel im politischen Machtpoker weitgehend beschränkt. Anders aber sieht es aus, schaut man sich die weiterhin dich fast unveränderte innere Struktur der Kirche, in diesem Buch vornehmlich der katholischen Kirche, näher an. Strikt Hierarchisch organisiert, Dogmen und Traditionen aktiv als Grundlage auch des Handelns in der Gegenwart zu Grunde legend, Deininger konstatiert eine „im System liegende (hohe) Macht“ und zeigt auf, dass diese Macht nicht nur hier und da in Einzelfällen, sondern aus dem System selbst heraus grundlegend unter der Gefahr des Missbrauchs steht. Wobei, einen wichtige Beobachtung, Deininger keineswegs polemisch oder „hetzerisch“ im Tonfall und seiner Argumentation vorgeht, sondern oft im Gegenteil sachlich und kühl die Strukturen der Macht innerhalb der Kirche und die teils massiven Folgen dieser Machstrukturen vor Augen führt. Dabei ist das Thema selbst natürlich in keiner Weise neu, noch nicht einmal unbedingt ein Thema der Moderne. Sexueller Missbrauch, Missbrauch gegenüber Untergebenen, Machtanspruch, eigenes Arbeitsrecht, all dies ist seit langem im Fokus der öffentlichen Diskussion. Deininger hebt sich in diesem Werk vor allem durch seine intensive „Sicht von Innen“, aus der therapeutischen Arbeit mit betroffenen einerseits von der breiten Diskussion ab und zeigt andererseits auf, dass nicht nur, aber gerade auch die Fälle des sexuellen Missbrauchs systemische Ursachen aufweisen. So gelingt Deininger, was er als Ziel ausweist: Die Dynamik (des Missbrauchs) als selbstgemachtes Unheil zu erkennen und Anstöße für Möglichkeiten des Dagegenwirkens anzubieten. Anhand sorgfältig aufgeführter und ausgewerteter Fallbeispiele, erklärt Deininger, worauf die Macht der kirchlichen Amtsträger beruht, wie die Kirche systemisch in die intimsten Lebensbereiche der Gläubigen eingreift. Wie „Laien zu Sündern“ gemacht werden und „Amtsträger über diese“ erhoben werden. Das alles liest sich sehr fundiert, sehr ruhig und sehr überzeugend. Anzumerken bleibt, dass Deininger das konkrete „Objekt“ seiner Untersuchung je konkreter hätte kennzeichnen können, es geht vorrangig um die Katholische Kirche, nicht in gleichem Maße und Sinne um „die (alle) Kirchen“ (auch wenn in den verfassten Religionen durchaus systemische Ähnlichkeiten an manchen Orten zu finden wären, die Deininger aufzeigt). Wie destruktiv dann aber im Einzelfall nachzulesen die Kirche auf Menschen einzuwirken versteht und damit dem eigenen Glaubensgrundsätzen diametral entgegenwirkt, das ist schon eine konzentrierte und gründliche Lektüre wert. Auch weil Deininger, fast im Vorbeigehen, immer wieder „das Eigentliche“ an möglicher positiver Kraft des christlichen Glaubens und der Kirche zur Sprache bringt. Ein wichtiges Buch, in dem Deininger sein Thema fundiert, verständlich und teils mit Erschrecken vor Augen führt.

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