Bernd F. Schulte Das Deutsche Reich von 1914

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Inhaltsangabe zu „Das Deutsche Reich von 1914“ von Bernd F. Schulte

Nicht getaumelt, sondern zum Krieg geschritten. Berlins Erwägungen, Zwänge und Perspektiven, die zur Übernahme des Kriegsrisikos führten.

— ching3

Jetzt als e-book: Keinesfalls vorstellungslos gingen demnach die deutsche Führungseliten aus Wirtschaft, Politik und Militär in den Krieg vo

— maxim1

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    Das Deutsche Reich von 1914

    ching3

    28. June 2014 um 13:36

    Die "Hamburger Studien zu Geschichte und Zeitgeschehen" bieten nun in der Reihe II ebenfalls einen Aufsatzband, wie zuvor schon in der Reihe I (von 2000-2008). Hier finden sich Artikel zu Fachfragen der Diskussion um den Ersten Weltkrieg, auch zu breit gespannten Beobachtungen zur Zeitgeschichte der jüngeren und jüngsten Zeit; wie zur inneren Entwicklung der Bundesrepublik und der Geschichte der DDR, aber auch akuten Problemen, wie jenen um Europa in der Finanz-, Euro- und Bankenkrise. Hier geht es zunächst um das hier gebotene aktuelle Bild zum Auftakt des Krieges von 1914. 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges geht es um dessen Anlaß und tiefere Ursachen. Von der Einleitung, in deren Zentrum eine hier erstmals veröffentlichte Denkschrift des Legationsrates an der Kaiserlichen Botschaft in Wien - Dietrich von Bethmann Hollweg für den Reichskanzler, aus dem Juni 1914 steht - wird die besondere wirtschaftliche Schwäche Österreich-Ungarns, als auslösender Faktor für den Entschluß zur Risikopolitik des Deutschen Reichs im Juli 1914 (nach Schulte: "Policy of Pretention"), geliefert. Neben der Tatsache, dass, angesichts des verlorenen Nachlasses des Kanzlers Theobald von Bethmann Hollweg, jedes Stück Papier zu 1914 von besonderem Wert ist, macht diese Denkschrift verständlich, dass der Reichskanzler, nach dem unvollständigen Riezler-Tagebuch (Ders., Die Verfälschung des Riezler Tagebuchs, Frankfurt-Bern- New York 1985; Pierre Barral, Rezension zu Ders., Weltmacht durch die Hintertür, in: Revue historique 2005), derartig verschwommen/unheilvolle Äußerungen tätigen konnte, als er am 5. Juli 1914, unter den Linden von Hohenfinow, mit seinem Assistenten Kurt Riezler, den Tag der Entscheidung ausklingen ließ. Die Entscheidung war gefallen, der Stein im Rollen. Vor welchem weltanschaulichen Spektrum es zu diesem Entschluß kam, zeigt ein Blick auf den, hier erstmals vorgestellten, Briefwechsel zwischen Theobald von Bethmann Hollweg und dem Universalhistoriker Karl Lamprecht, dessen Schulfreund. Es wird entwickelt, wie Deutschland ungebrochen - auch nach 1909 - Weltmacht werden wollte. Es bildete die Intention, dass quasi, in einer Stufenfolge unter zunehmender Intensität, Rußland von England und Frankreich zu trennen sei. England auf Deutschland zu zu zwingen wäre (Bethmann Hollweg, Febr. 1911). Das Band zu den Westmächten werde darauf Deutschland Bewegungsspielraum für weitere weltumspannende Aktivität gewähren. Erst im Krieg (während des Winters 1914/15; Bethmanns einsames Weihnachtsfest an der Front) wurde dann deutlich, dass dieses Ziel allein durch den Sieg über England erreichbar wäre (Scheitern der Vorkriegspolitik, 1909-14). Nun, im Krieg der Waffen, bedeutete diese Erkenntnis ein komplettes "renversement des frontières", der Grundausrichtung Bethmannscher Außenpolitik. Zuvor sollte nach Lamprecht, durch wirtschaftliche Kulturpolitik, durch den Zusammenschluß eines um Deutschland gravitierenden Europa mit China (damals 400.000 Millionen und genauso wichtig wie der Mitteleuropa-Plan Bethmanns, Naumanns, Rathenaus), der Aufstieg des europäischen Kulturraumes zur Weltmacht (gegen, oder in Nachfolge auf, England) gelingen. Im Krieg ging dann Lamprecht, im Auftrage des Kanzlers, nach Belgien um hier das Zentralproblem eines künftigen, gegen das Inselreich gerichteten, Europa unter deutscher Führung zu explorieren. Hier, in Belgien entschied sich der Erste Weltkrieg. So die Erkenntnis Moltkes (Febr. 1913), Tirpitz' und Bethmanns). Eine belgische Küste in deutscher Hand würde das Britische Empire nicht ertragen (Moltke). Darin waren sich in Berlin General- und Admiralstab (Armee und Flotte) einig. Dahin zielte - in seltener Einmütigkeit - der bislang als militaristisch apostrophierte deutsche Aufmarsch- bzw. Kriegsplan seit spätestens 1903/04 (enge Interdependenz der Ämter aus Politik und Militär, Ders., Deutsche Policy of Pretention, Norderstedt 2009) . Keinesfalls ohne Vorstellungen gingen demnach die deutsche Führungseliten aus Wirtschaft, Politik und Militär (Fritz Fischer, Bündnis der Eliten, Düsseldorf 1978) in den Krieg von 1914. Die Gewißheit herrschte, dieser werde kommen. Eine andere Form der Entscheidung wurde in dieser Welt von Gestern - in einer Art Betriebsblindheit - nicht gesehen.

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  • Krieg aus tieferen Gründen. Oder der Deutsch-Englische Gegensatz.

    Das Deutsche Reich von 1914

    maxim1

    26. February 2014 um 17:01

      Der Erste Weltkrieg: lediglich Fehlkalkulation oder wohlüberlegter, gescheiterter Plan? Wirtschaftsrivalität (so schweizerische Diplomaten vor 1914), Hochrüstung, Polykratie der Entscheidungsträger, überholte gesellschaftliche Strukturen, in Deutschland und Berlin, sollen dafür zusätzlich verantwortlich gewesen sein. Stand etwa ein großer Wurf eher dahinter, ein übergreifendes Bild, von Rang und Bedeutung, des Deutschen Reichs in der Zukunft? Nach den Ausführungen des engen Beraters Bethmann Hollwegs, des Universalhistorikers, und Freundes aus Schülertagen, Karl Lamprecht (Leipzig), könnte dies Tatsache gewesen sein. Die politisch Verantwortlichen in Berlin scheinen, anders als etwa Goebbels und Hitler das verstanden, durchaus mit begründeten Vorstellungen, von der deutschen und internationalen Politik, ja, von einem philosophischen Überbau aus, in die Krise des Jahres 1914 gegangen zu sein.  Es schält sich hier heraus, dass der eigentliche Gegner des Deutschen Reichs im Weltkrieg Großbritannien war. Dies macht die Epochenscheide dieses ersten universalen Krieges aus. Dessen war sich der Kanzler Bethmann Hollweg von Anfang an bewusst. Blieb doch die Grundlinie deutscher Politik - Weltmachstreben plus kontinentale Hegemonie - bis 1914 unangetastet. Das läßt sich an der Rüstungspolitik des Kaiserreichs seit 1909/10 ablesen. Damit war jedoch das Scheitern jeglicher Ausgleichsbestrebungen mit London programmiert. Ähnlich wie 1937/38 (Raeders Großschiffbau), als GB bereits mit Rüstung antwortete. Ebenfalls die Hoffnung auf eine Neutralität des Inselreichs - im Falle einer zentraleuropäischen, militärischen Auseinandersetzung - war bereits im April 1913, und damit an oberster Stelle, als wenig wahrscheinlich erkannt.  Auch zeigt sich am Beispiel Belgien, das Lamprecht für Bethmann Hollweg (vor dem Hintergrund der Kriegszielentwürfe) explorierte, was die europäischen Staaten, seien es Verbündete oder aber Kriegsgegner, von einer künftigen wirtschaftlichen und (oder) politischen Konföderation, als europäischer Verfaßtheit - mit dem siegreichen Deutschen Reich als Gravitationszentrum - hielten. Solange England nicht geschlagen wäre, hätte ein solcher Plan keine Chance. Allerdings gingen die Vorstellungen deutscherseits, in der Phase der eingehenderen Diskussion eines künftigen Deutschen Reiches von 1916 (nach dem gewonnen Krieg), auch in den Kriegszielen (z.B. Nordeuropa, Rußland betreffend) beträchtlich weiter, als das September-Programm Kurt Riezlers dies zeigt. Die tieferen Schichten solchen Denkens enthüllen gerade Forschungen zu den parallel anmutenden Weichenstellungen in der Krimkriegphase 1852-55 in Berlin, London und Paris.  1914 war sicherlich nicht dass Wunschdatum Berlins für eine derartig tiefgreifende Entscheidung. Zeit wäre Berlin bis 1918 geblieben, wenn es primär um die Kriegsbereitschaft Rußlands gegangen wäre. Deshalb auch die Ermutigung, den Krieg mit Serbien zu führen, die Österreich-Ungarn zuteil wurde (vgl. den Druck, der z.B. von der Wiener Botschaft, zunächst bis zum 23.7.1914, auf den Grafen Hoyos ausgeübt wurde). Aber der fortschreitende Verfall Wiens als Bündnispartner, die zunehmenden finanziellen Belastungen die das Deutsche Reich, trotz heraufziehender Konjunkturbaisse, bereits schulterte, ließen vor den Augen des Reichskanzlers den Schattenriß einer verloren gehenden hegemonialen Position Deutschlands in Europa über die Täfelung seines Arbeitszimmers in Hohenfinow huschen. Diese Überlegungen bestätigte der Kanzler 1919, vor dem Untersuchungsausschuß des Reichstages zu den Ursachen für den Verlust des Krieges.    Es waren das schwere Stunden, zwischen dem 28. Juni und dem 5. Juli 1914, in denen Theobald von Bethmann Hollweg entschied, das Wagnis einer kriegerischen Lösung des europäischen Problems sei einzugehen. Aber letztlich wußte er mehr, als der Generalstab offiziell behauptete. Bernd F. Schulte: Das Deutsche Reich von 1914. Europäische Konföderation und Weltreich. Hamburger Studien zu Geschichte und Zeitgeschehen, Reihe II, Bd. 2, Hamburg (Abteilung Geschichte und Zeitgeschehen) 2013, 265 S. ISBN 976-3-8448-3570-0.

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