Bernd Greiner

 3.9 Sterne bei 15 Bewertungen
Autor von Krieg ohne Fronten, Die Kuba-Krise und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Bernd Greiner

Krieg ohne Fronten

Krieg ohne Fronten

 (6)
Erschienen am 20.03.2009
9/11

9/11

 (2)
Erschienen am 18.03.2011
Die Kuba-Krise

Die Kuba-Krise

 (3)
Erschienen am 21.09.2015
Krisen im Kalten Krieg

Krisen im Kalten Krieg

 (2)
Erschienen am 26.09.2008
Ökonomie im Kalten Krieg

Ökonomie im Kalten Krieg

 (1)
Erschienen am 20.09.2010
War Without Fronts

War Without Fronts

 (0)
Erschienen am 29.06.2011

Neue Rezensionen zu Bernd Greiner

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Rezension zu "Krieg ohne Fronten" von Bernd Greiner

Ein bemerkenswertes und beeindruckendes Buch, welches von mehr Menschen gelesen werden sollte!
Sommerregenvor 3 Jahren

Der Vietnamkrieg forderte zahlreiche Opfer. Darüber hinaus wurden bis jetzt zu keiner anderen Zeit so unglaublich viele Vernichtungsmittel eingesetzt, wie in Vietnam zwischen 1964 bis 1975: Im Zeitraum zwischen 1964 und 1966, nach zwei Jahren Luftkrieg, gingen rund 860.000 Tonnen Bomben allein auf den Norden nieder, in den nächsten beiden Jahren folgten 2.865.808 Tonnen Bomben, die sich über Vietnam, Kambotscha und Laos verteilten. “Bis 1975 verfeuerten die US-Streitkräfte sieben Millionen Tonnen Bomben und Artilleriegranaten in Nord- und Südvietnam.” (S. 41)
So blieben auf einem Land, welches mit rund 330.000 Quadratkilometern kleiner als Deutschland ist, unvorstellbare 26 Millionen Bombenkrater zurück. Aber nicht nur das; folgt man den niedrigsten Schätzungen, so starben zwischen 1965 und 1974 um die 627.000 Zivilisten in Nord- und Südvietnam, des weiteren 444.000 Mann der vietnamesischen Armee und des Vietcong, die USA verloren rund 56.000, ihre Alliierten knapp 226.000 Soldaten. Rechnet man diese, von vielen Autoren für zu niedrig angesetzten Zahlen, zusammen, so kommt man auf 1.353.000 Kriegstote. Andere gehen von rund 7 Millionen Toten aus (S. 43).

Zahlen, die man sich kaum vorstellen kann. In seinem Buch “Krieg ohne Fronten- Die USA in Vietnam” hat Bernd Greiner unzählige Informationen zum Vietnamkrieg zusammengetragen. So erklärt er zum Beispiel die Dynamik dieses asymmetrischen Krieges, bei dem die involvierten Parteien in vieler Hinsicht vollkommen unterschiedlich ausgerichtet sind und deswegen die Chance der Schwächeren der beiden darin liegt, dass der Krieg in die Länge gezogen wird. Für den starken Gegner hingegen sind schnelle Erfolge nötig, um erfolgreich aus der militärischen Auseinandersetzung hervorzugehen. Doch es wird nicht nur über die Dynamik und Strategie einer solchen Kriegsführung geschrieben, sondern Greiner stellt ebenso Bezüge zu aktuellerer Kriegsführung her.
Es wird darüber hinaus erklärt, weswegen sich die USA überhaupt auf diesen aussichtslosen Krieg einließen und immer weiter machten, obwohl das Scheitern so vorhersehbar war. Auch, dass die vielen Gräueltaten in Vietnam nicht durch einzelne Exzesstäter verursacht wurden, sondern dass sie Ergebnis eines Zusammenspiels genauer Planung, Absicht und Radikalisierung waren und von ganzen Einheiten wie der “Tiger Force” verübt wurden. Die militärische sowie politische Weichenstellung, die Reaktionen der Öffentlichkeit werden ebenso beschrieben und erklärt, wie Hintergründe, Auslöser und Folgen des Vietnamkrieges.
Sehr spannend und auch unfassbar war es für mich ebenfalls, über die Prozesse, das Kriegsrecht, die Ermittlungen und die militärische Rechtskultur zu lesen. Es laufen einem zahllose Schauer über den Rücken, wenn ein Befragter berichtet, wie er als mehrfacher Familienvater, seine Waffe auf Automatik gestellt, Männer, Frauen, Kinder und Babys erschossen hat, jedoch nicht mehr weiß wie viele und das ganze mit einem “Es kommt halt vor” kommentiert. (S.9,10) Der “Body Count” zählte- Erfolg hieß viele Tote.
Ebenso unbegreiflich ist die Rechtssprechung. “Man muss bedenken, dass Krieg eben Krieg ist und dass es alles andere als ungewöhnlich ist, wenn unschuldige Zivilisten zu Opfern werden. Das war in der Geschichte schon immer so. So war es auch, als Joshua in biblischen Zeiten Jericho einnahm (…) Und Joshua wurde nicht wegen des Gemetzels unter den Zivilisten von Jericho angeklagt. Sondern ‘der Herr war mit Joshua’, wie wir (aus der Bibel) wissen.“, hielt der verhandelnde Richter Robert Elliot fest (S. 494). Die Täter mussten mit kaum Konsequenzen rechnen.

Es war nur möglich, dieses Buch zu schreiben, da der zuvor unter Verschluss gehaltene riesige Bestand der “Vietnam War Crimes Working Group” und der “Peers-Kommission” seit 1994 zugänglich ist. Allerdings hat er bisher kaum Beachtung gefunden und Greiner befürchtet, dass die Akten bald wieder unter Verschluss geraten. Schließlich ist bereits so vieles vertuscht, zurückgehalten und verfälscht worden, weil es für die Regierung einfach von Vorteil war.

Dieses 596 Seiten starke Buch behandelt den Vietnamkrieg unter besonderer Betrachtung des Massakers von “My Lai” in einem unglaublichen Ausmaß. Der deutsche Historiker, Politikwissenschaftler und Amerikanist Bernd Greiner hat das weltweit erste Buch, das mit diesen so lange Zeit unter Verschluss gehaltenen Quellen arbeitet, veröffentlicht. Er erklärt alles so genau, umfangreich und aus so vielen verschiedenen Blickwinkeln, dass einem dieses Buch wie ein riesiges Lebenswerk erscheint. Es ist für mich unfassbar, wie ein Mensch sich so viel Wissen aneignen, so viel Material durcharbeiten und so viele Informationen zusammentragen kann. Denn auch an den unglaublich vielen Anmerkungen wird klar, dass dieses Buch sehr fundiert und das Ergebnis harter und langer Arbeit ist.
Auch wie der Autor eine Verbindung zwischen dem Vietnamkrieg und der Gegenwart sowie Zukunft herstellt, ist beeindruckend. Ich bin von diesem Buch schwer beeindruckt und kann es wirklich jedem empfehlen! Zwar muss man sich für dieses Buch Zeit nehmen und nebenbei immer wieder parallel etwas recherchieren (weil die Thematik einfach so spannend ist), doch ist dies auch nötig und lohnend! Der Preis, den Bernd Greiner für dieses Werk erhielt, ist in meinen Augen mehr als verdient.
Es ist nahezu unmöglich, den Inhalt dieses Buches in eigenen Worten kurz und bündig wiederzugeben, weswegen ich jedem nur noch mehr ans Herzen legen kann, dieses Buch zu lesen, damit die Gräueltaten des Vietnamkrieges nicht in Vergessenheit geraten und stattdessen besser verstanden werden können.

“Krieg ohne Fronten- Die USA in Vietnam” ist ein derart informatives, spannendes, umfassendes, genaues und fundiertes Werk, dass es bei mir einen unglaublich tiefen Eindruck hinterlassen hat. Ich zolle dem Autoren meinen vollen Respekt und bin ganz begeistert über das viele Wissen, welches in diesem Buch vermittelt wird.
Meine klare Leseempfehlung!!!

Kommentare: 6
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S

Rezension zu "Die Kuba-Krise" von Bernd Greiner

Drin was draufsteht - nicht mehr
sKnaerzlevor 5 Jahren

Das Buch schildert die Kuba-Krise, genau die Kuba-Krise nicht mehr und nicht weniger. Das heißt es gibt einen kurzen Vorspann, wie Castro Kuba eroberte und noch etwas über das Schweinebucht-Debakel. Am Ende gibt es noch eine halbe Seite, dass es für die spätere Politik der USA fatal war, dass sie damals mit Druck und Drohung Erfolg hatte.

Der Rest sind detaillierte Schilderungen des Ablaufs der Kuba-Krise, jedes U-Boot, jedes Frachtschiff und jede Äußerung in Kennedys Krisenstab! Dafür keine Silbe über Betroffene außerhalb des "inner circle". Irgend wann taucht der Generalsekretär der Vereinten Nationen auf. Aha, die UNO war also eingebunden. Wo? Wann? Egal, der Generalsekretär hat kurz die Kreise der Hauptakteure gestreift, jetzt kann er wieder verschwinden.

Die amerikanische Seite wird dabei deutlich ausführlicher dargestellt, das liegt daran, dass Kennedy im Weißen Haus Tonbandaufnahmen machte, die alles heimlich aufzeichneten. Da gibt es einfach mehr. Leider fand Greiner dann in der Fülle der Details keinen roten Faden mehr.

Diese Rezension ist deutlich subjektiv und übellaunig, das liegt an der redaktionellen Schlamperei der ebook-Ausgabe. Da steht dauernd Jahrhundert statt Oktober (Chruschtschow besuchte am Abend des 23. Jahrhunderts demonstrativ das Bolschoitheater). Und da gewöhnt man sich nicht dran. Auch mit der Zusammen- und Getrenntschreibung klappt es nicht. Wie war doch noch der Spruch: Irren ist menschlich, aber für das große Fehlerchaos braucht es doch einen Computer


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Stefan83s avatar

Rezension zu "Krieg ohne Fronten" von Bernd Greiner

Sent me off to a foreign land - To go and kill the yellow man
Stefan83vor 7 Jahren

Vietnam. Bei Nennung dieses Landes denkt man unweigerlich an den blutigen Konflikt zwischen den USA und den Vietcong bzw. Nordvietnamesen in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Trotz der allgemeinen Bekanntheit dieses Krieges, weiß die Öffentlichkeit nur wenig über die genauen Vorgänge im südostasiatischen Dschungel, über das reale Ausmaß der Kämpfe.

Bernd Greiner legt nun die wohl weltweit erste Buchpublikation vor, die sich auf eine Reihe von Akten bezieht, die ab 1994 für einige Jahre zugänglich gewesen ist und bis dato kaum Beachtung gefunden hatte. Die riesigen Bestände der "Vietnam War Crimes Working Group" und der "Peers-Kommission". Mithilfe dieser Quellen rekonstruiert er die hintergründige Aktualität des Vietnamkrieges, einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen vermeintlich starken und vorgeblich schwachen Kontrahenten, welche sich mit grundverschiedenen Mitteln und vor allem mit diametral entgegen gesetzten Strategien bekämpfen.

Dabei betont er insbesondere das Massaker von My Lai und revidiert bis ins kleinste Detail die Annahme, das derartige Verbrechen an der vietnamesischen Zivilbevölkerung lediglich eine Ausnahme waren. 26 Millionen Bombenkrater in Vietnam, mehr als 2 Millionen tote Vietnamesen bei 58.000 eigenen Opfern zeigen, dass hier die Militärische Führung und die Politik die Genfer Konventionen nicht nur nicht eingehalten, sondern bewusst durch oberste Direktiven dagegen verstoßen hatte. Und gleichzeitig wird zum ersten Mal wirklich klar, wo die für die US-Soldaten unlösbare Aufgabe dieses Krieges lag. In der Umsetzung einer absurden, den Umständen nicht angepassten Strategie. So wurden sie unter anderem nach dem "Body Count" bewertet, also nach der Zahl der getöteten Feinde, was schließlich dazu führte, dass fallweise jeder, der in bestimmten, von den Amerikanern als gesperrte Zone ausgewiesenen Bereichen, als Zuträger der Nordvietnamesen getötet, mehr noch exekutiert wurde. Zwischen Männern, Frauen und Kindern wurden keine Unterschiede gemacht. Viele Bauern, die auf Aufforderung ihre Dörfer nicht verlassen wollten, meist auch nicht konnten, besiegelten damit ihr Schicksal. Diese Kriegsverbrechen, und darin liegt die größte Tragik, wurden entweder vertuscht, durch militärische Vorgesetzte nur abgemahnt oder mit lächerlichen Urteilen bestraft. Im Falle des grausamen Massakers von My Lai mit lediglich 44 Monaten Hausarrest für den Hauptschuldigen.

Kurzum: "Krieg ohne Fronten" führt dem Leser, wie wahrscheinlich noch kein anderes Buch zuvor, die volle Grausamkeit des Vietnamkrieges sowohl in Schrift als auch in Bildern vor Augen, ohne dabei in irgendeiner Weise in Polemik zu verfallen.

Insgesamt ein erschütterndes, ergreifendes Buch, das sich, obwohl es wissenschaftlichen Charakter hat und daher mit vielen Zitaten und Fußnoten ausgestattet ist, spannend liest und einen umfassenden und plastischen Einblick gewährt. Unbedingte Leseempfehlung für alle Interessierten an diesem Thema.

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