Bernd Kuhlmann ist genau der Experte, den diese Thematik verlangt. Anhand von Lageplänen und akribisch ausgewerteten Originalquellen stellt er die unvollendeten Bauprojekte des Berliner Eisenbahnnetzes vor, beginnend in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Dass dieses Thema ein ganzes Buch, noch dazu ein solch textlastiges Exemplar füllt, überrascht auf den ersten Blick. Doch immer wieder schlägt der Autor passend den Bogen ins Heute, denn Pläne wie die Untertunnelung in Richtung des heutigen Hauptbahnhofs sind nicht neu.
Gerade die in der DDR-Zeit sehr enge Verzahnung von Zielen im Wohnungsbau, sowie Industrie- und Verkehrsplanung macht deutlich, warum so viele Projekte scheiterten und wie von außen undurchsichtige politische Beschlüsse und bürokratische Hürden darauf Einfluss nahmen. Die Textbeiträge werden regelmäßig durch passende Fotos und Auszüge aus Gleisplänen und Karten aufgelockert, auch wenn es zu nicht existierenden Strecken naturgemäß wenig zu bebildern gibt.
Zugegeben, die Thematik ist recht speziell, eine Nische in der Nische. Wer sich für Streckenplanung und konkret Berliner Verkehrgeschichte begeistern kann, findet hier jedoch eine detaillierte Aufarbeitung von Bauprojekten, die der Stadtbahn, den S-Bahn-Strecken und auch den Bahnnetzen im Umland der Hauptstadt ein anderes Gesicht verliehen hätten als wir es heute kennen.
Bernd Kuhlmann
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Neue Bücher
Bahnknoten Berlin
Alle Bücher von Bernd Kuhlmann
Eisenbahnen über die Oder-Neisse-Grenze
Berliner Bahnprojekte - Nie gebaut!
Die Deutsche Reichsbahn in West-Berlin
1945 - Bahnfahrten im zerstörten Berlin
Auf Schienen zum BER
Bahnknoten Berlin
Berlin Nordkreuz
Reichsbahn unterm Roten Stern
Neue Rezensionen zu Bernd Kuhlmann
Laut Klappentext "erwartet [den Leser] kein Geschichtsbuch im eigentlichen Sinne", doch eigentlich liegt genau das hier vor. Das Format lässt einen Bildband vermuten, doch großformatige Eisenbahnbilder mit Hochglanzoptik spielen fast gar keine Rolle. Die vielen kleinen, dennoch hochgradig interessanten und aussagekräftigen Aufnahmen nehmen nie mehr als ein Drittel der Seite ein. Der Rest gehört akribisch zusammengetragenem Archivmaterial, Quellenauszügen und intensiv recherchierten Texten, wodurch Autor Bernd Kuhlmann ein umfassendes Gesamtbild der ungewöhnlichen Situation zeichnet.
Kenner der Zeitgeschichte vermuten richtig, dass diese Konstellation reichlich Konfliktpotenzial barg. Das betrifft sowohl die hier aufgearbeiteten Aktivitäten der Bahnpolizei als auch die immer wieder auf der Reichsbahn unterstehenden Westberliner Bahnhöfen auftauchenden politischen DDR-Losungen, die in einigen Fällen gleich wieder von den zuständigen Organen mit Farbe überstrichen wurden. Ein deutlich ernsteres Kapitel betrifft die gefährlichen Streiks der Eisenbahner - in der BRD Grundrecht, in der DDR deutlich strenger geahndet. So wurde der Bahnbetrieb in vielen Fällen zum Politikum.
Einer der interessantesten Abschnitte dieses Buches erzählt aber auch von Imagekampagnen der DR, die unter anderem Flugblätter für den Westberliner Ausflugsverkehr und andere, im Vergleich zu den im eigenen Land kaum in Umlauf befindlichen, aufwändigen Werbematerialien für Berufseinsteiger hervorbrachten. Neben den vielfältigen historischen und politischen Hintergründen widmen sich mehrere Kapitel auch den in Westberlin eingesetzten Fahrzeugen sowie den bei Eisenbahnfreunden aus der BRD stets beliebten Sonderfahrten mit DR-Dampfloks.
Ein umfangreicher Anhang mit Zeittafeln, Gleisplänen und Bahnhofsporträts beschließt den eindrucksvoll recherchierten Band. Wer sich verkehrsgeschichtlich weiterbilden will, stößt hier auf einen ganz neuen Aspekt der Zeitgeschichte, der den Rahmen des Genres "Eisenbahnliteratur" sprengt. Einzig die Fotografien kommen nie über den rauhen Charme des Selbstgemachten hinaus, im Grunde passt es aber zum nüchternen dokumentarischen Ton des Buchs. Wie gesagt: Wer hier keinen Hochglanz-Bildband erwartet und darüber hinaus gelegentlich zu ausführlichem Quellenstudium bereit ist, wird mit Sicherheit viel Spannendes dazulernen.
Bonusmaterial: Abkürzungsverzeichnis, Zeittafeln, Bahnhofsporträts u.v.m.
Dieses Bruch beschreibt die grenzüberschreitenden Eisenbahnlinien der Oder Neiße Grenze. Eine Vielzahl der Strecken ist heute nicht mehr vorhanden. Es werden die einzelnen Strecken vorgestellt und Ihre Lage im Streckennetz dargestellt. Ein kurzer geschichtlicher Abriß ist auch dabei. Es werden aber auch die Probleme der Grenzstädte, die durch den zunehmenden Verkehr entstehen erklärt.
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