Das Schattencorps

von Bernd Ohm 
3,8 Sterne bei11 Bewertungen
Das Schattencorps
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Überzeugender und stimmiger Spionageroman im klassischen Stil , der aber doch auch leichte Schwächen aufweist

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Ein Spionageroman aus dem alten Deutschland der 60er Jahre, bepackt mit goldenen Schätzen, diversen Spionageagenten und dem kalten Krieg.

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Inhaltsangabe zu "Das Schattencorps"

Hans Barkhusen hat viel verloren: die Zukunft, die ihm im »Dritten Reich« offenstand, den Kampf gegen den Kommunismus, den Anschluss an das bürgerliche Leben. Nach dem Krieg von den Briten für eine geheime Kampftruppe angeworben, arbeitet er 1962 desillusioniert als Taucher und hofft darauf, das vom Atomkrieg bedrohte Europa zu verlassen. Als er für die Suche nach dem sagenumwobenen »Rommel-Schatz« angeheuert wird, glaubt
er zunächst an einen schlechten Scherz. Aber dann taucht plötzlich sein alter Agentenführer auf, und Hans erhält einen neuen Auftrag, der ihn von Hamburger Hafenkais und einsamen Heideforsten in die Sonne Italiens führt, wo die Jagd nach dem Schatz im Dickicht der Geheimdienstintrigen und internationalen Verschwörungen immer rasanter wird, bis schließlich der Friede der Welt selbst auf dem Spiel steht …

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783869137643
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:357 Seiten
Verlag:ars vivendi
Erscheinungsdatum:13.06.2017

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    echvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Überzeugender und stimmiger Spionageroman im klassischen Stil , der aber doch auch leichte Schwächen aufweist
    Überzeugender und stimmiger Spionageroman im klassischen Stil , der aber leichte Schwächen aufweist

    Der Autor Bernd Ohm legt mit seinem zweiten Buch einen klassischen Spionageroman vor, der mich zwar unter dem Strich überzeugen konnte, aber dennoch auch leichte Schwächen aufweist.

    Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Taucher Hans Barkhusen, der nach dem Ende des 2. Weltkrieges den Boden unter den Füßen verloren hat und nun im Hamburg des Jahres 1962 ziemlich desillusioniert vor sich hinlebt und von einem Leben in Australien träumt. Als seine Vergangenheit wieder zum Leben erwacht und er in die abenteuerliche Suche nach dem sagenumwobenen "Rommel-Schatz" im Mittelmeer verwickelt wird, ergibt sich urplötzlich die Chance, seinem Leben doch noch eine neue Richtung zu verschaffen. Doch in Italien stellt Hans fest, das sich hinter der Schatzsuche wesentlich mehr verbirgt und dabei sogar der Friede der Welt auf dem Spiel steht . Wem kann Hans in dieser Situation nun noch trauen ?

    Der Autor versteht es, kontinuierlich Spannung aufzubauen und diese dann auf hohem Niveau zu halten. Die gelungenen Beschreibungen von Land und Leuten zeugen zudem von einer sorgfältigen Recherchearbeit und kurbeln das Kopfkino beim Lesen mächtig an. Der Schreibstil ist eindringlich, aber dennoch flüssig zu lesen. Auch der Aufbau der Geschichte weiß zu überzeugen, einige überraschenden Wendungen lenken das Geschehen immer wieder in eine neue Richtung.
    Die Charakterisierung der Protagonisten ist zwar ebenfalls grundsätzlich gelungen, hier bleibt aber zu vieles aus der Vergangenheit der einzelnen Personen im Unklaren bzw. wird nur angedeutet. Dies gilt im Besonderen gerade für die Hauptfigur Hans Barkhusen, dessen Vorgeschichte seltsam schwammig bleibt und mir so den Zugang zu der Figur doch ziemlich erschwert hat.

    So konnte mich die Geschichte zwar gut unterhalten, auch das Flair der 60er-Jahre wird gut getroffen und sorgt so für ein stimmiges Setting, emotional packen konnte mich das Buch aber nicht so richtig, so das ich beim Lesen weitesgehend nur die Rolle des neutralen Beobachters einnehmen konnte.    

    Die beim Klappentext vorgenommene Verknüpfung mit dem nazionalsozialistischen Untergrund (NSU) unserer Zeit mag zudem marketingtechnisch ja durchaus seine Berechtigung haben, wird der Geschichte des Buches aber nicht wirklich gerecht. Diesen reißerischen Vergleich haben das Buch und seine Geschichte meiner Meinung auch gar nicht nötig.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr
    Nachkriegsspionagekrimi, ungewöhnlich, aber gelungen

    Hans Barkhusen ist Anfang der 1960er ziel- und planlos. Als Jugendlicher war er als überzeugter Nazi und Kriegsteilnehmer dabei, nun dümpelt er als Berufstaucher in der Provinz herum. Durch seinen Schwager, den Münchener Polizisten Fritz, gerät er bald wieder an seine alten Kameraden, an die Engländer, für die er zu Kriegsende gearbeitet hatte und an unerledigte Sachen, wie z. B. den legendären Rommelschatz, gestohlene Wertsachen von ermordeten Juden, den es zu heben gilt... 

    Die Story ist wirklich außergewöhnlich und ich habe bislang thematisch nichts Vergleichbares gelesen. Es war durchweg spannend und rätselhaft und auch die Figuren waren interessant, vor allem Hans als Hauptfigur.

    Einen Stern Abzug gibt es lediglich für den Erzählstil. Er war komplett in Präsens gehalten, was bei diesem Buch als Spannungsroman nicht wirklich stimmig war. Man hatte mehrfach den Eindruck, man lese eine Zusammenfassung eines Buches und nicht das Buch selbst. Eigentlich spannende Szenen und atmosphärisch dichte Beschreibungen von Schauplätzen wurden dadurch erheblich gestört. 

    Fazit: Ein ungewöhnlicher Roman, der mir trotz des schwierigen Erzählstils gut gefallen hat. Thematik und Zeit fand ich sehr interessant und auch die Hauptfigur vielversprechend für einen Nachfolgeroman. 

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    kassandra1010s avatar
    kassandra1010vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Spionageroman aus dem alten Deutschland der 60er Jahre, bepackt mit goldenen Schätzen, diversen Spionageagenten und dem kalten Krieg.
    Auf der Suche nach einem mystischen Schatz

    Hans Barkhusen, ehemaliger Soldat und jetzt Berufstaucher und frisch aus Australien abgereist, gerät durch seinen Schwager und Polizisten Fritz in eine lebensgefährliche Situation.

    In dessen Auftrag spioniert er alten Weggefährten nach. Dank diesem kleinen Nebenjob im Auftrag der Familie erhält er seit langem mal wieder Besuch von seinem alten Lebensretter im Dienste Ihrer Majestät. Captian Rowland beauftragt Hans ebenfalls mit dem gleichen Job und der beginnt zu ahnen, dass mehr dahinter steckt.

    Er nimmt Kontakt zu alten "Freunden" auf und der Plan steht fest. Der angebliche Goldschatz Rommels soll im adriatischen Meer geborgen werden.

    Die illustre Gruppe, die aus alten Nazis, mittellosen Adligen, urigen Hamburgern, rüstigen Seefahrern und Waffenschiebern besteht schmiedet also einen scheinbar wasserdichten Plan.

    In Italien angekommen, scheint sich Hans allerdings nicht mehr so sicher zu sein, auf welcher Seite ersteht und wo genau der Rest der Truppe steht.

    Er lernt im Laufe der Tage die Bedeutung von Freundschaft, wahrer Liebe und den Preis der Erinnerung kennen und begibt sich damit auf einen schmalen Grat der Wahrheit.

    Hans begreift, dass hier nicht nur die Altnazis und die Engländer Interesse an dem Schatz haben, sondern die Reihe weiterer Interessenten ziemlich lang ist.

    Ein Spionageroman aus dem guten alten Deutschland der 60er Jahre, bepackt mit mystischen Schätzen, diversen Spionageagenten und dem kalten Krieg.

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    camilla1303s avatar
    camilla1303vor einem Jahr
    Wer ist Kamerad und wer ist Feind?

    Der Spionageroman „Das Schattencorps“ von Bernd Ohm ist 2017 im Ars Vivendi Verlag erschienen und spielt in der Zeit des kalten Krieges.

    „Das Schattencorps“ spielt im Jahr 1962. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Hans Barkhusen. Als ehemaliger Napola-Schüler gehörte er als Teil der Nazi-Elite am Ende des Krieges zum letzten Aufgebot, damals war er gerade 15 Jahre alt. Nach dem Krieg wurde er, um sein eigenes Leben zu retten, von den Briten für eine geheime Kampftruppe angeworben. Nun arbeitet er als Taucher in Hamburg und hofft darauf, Europa, das mittlerweile von einem Atomkrieg bedroht wird, zu verlassen.

    Hans‘ Schwager Fritz überredet ihn, zusammen mit einer ganzen Truppe nach dem sagenumwobenen „Rommelschatz“ zu suchen und bald darauf meldet sich sein früherer Agentenführer mit einem neuen Auftrag zurück. Schnell wird klar, dass alles viel verworrener ist, als anfänglich erahnt. In der italienischen Hafenstadt La Spezia angekommen beginnt ein Katz und Maus Spiel um den Schatz und auch die westlichen und östlichen Geheimdienste mischen mit, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen.

    Ich habe wirklich lange gebraucht um in das Buch zu finden. Der Schreibstil im Präsens ist gewöhnungsbedürftig und die einzelnen Charaktere wurden für mich nicht aussagekräftig hinausgezeichnet. In einem Roman suche ich immer nach einer Figur an der ich mich anhalten kann, die mich durch das Buch begleitet und mir als Stütze dient. Diese Figur konnte ich in „Das Schattencorps“ nicht finden. Trotzdem war die Geschichte an einzelnen Stellen fesselnd und ich konnte bis zur Auflösung nicht erahnen, wer hinter dem „Verräter“ steht. Der Übeltäter selbst war jedoch schnell gefunden.

    Ich bin zwiegespalten. Das Buch finde ich zwar lesenswert, würde es aber nicht noch einmal lesen. Wobei mir gut gefallen hat, wie die einzelnen Handlungsstränge in einander verwoben waren. Erwähnenswert finde ich auch, dass Bernd Ohm von seinen LeserInnen viel geschichtliches Vorwissen abverlangt. Man sollte mit den Begriffen der nationalsozialistischen Ideologie und der Interessen der Alliierten vertraut sein, um nicht ständig einzelne Begriffe nachzuschlagen.

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    CanYouSeeMes avatar
    CanYouSeeMevor einem Jahr
    Das Schattencorps

    Hans Barkhusen hat viel verloren: die Zukunft, die ihm im »Dritten Reich« offenstand, den Kampf gegen den Kommunismus, den Anschluss an das bürgerliche Leben. Nach dem Krieg von den Briten für eine geheime Kampftruppe angeworben, arbeitet er 1962 desillusioniert als Taucher und hofft darauf, das vom Atomkrieg bedrohte Europa zu verlassen. Als er für die Suche nach dem sagenumwobenen »Rommel-Schatz« angeheuert wird, glaubt er zunächst an einen schlechten Scherz. Aber dann taucht plötzlich sein alter Agentenführer auf, und Hans erhält einen neuen Auftrag, der ihn von Hamburger Hafenkais und einsamen Heideforsten in die Sonne Italiens führt, wo die Jagd nach dem Schatz im Dickicht der Geheimdienstintrigen und internationalen Verschwörungen immer rasanter wird, bis schließlich der Friede der Welt selbst auf dem Spiel steht …

    ‚Das Schattencorps‘ war mein erstes Buch des Autors Bernd Ohm. Der Einstieg in das Buch ist mir nicht leicht gefallen, nicht nur der Schreibstil konnte mich nicht packen, auch die Charaktere blieben mir eher fremd.
    Der Schreibstil ist eher beschreibend und der Autor setzt viel geschichtliches Vorwissen bei seinen Lesern und Leserinnen voraus. Viele Begrifflichkeiten konnte ich nicht zuordnen und musste daher erst recherchieren, was genau es denn damit auf sich hat. Hier hätte mir ein Glossar am Ende des Buches gut gefallen, in dem ich unkomplizierter hätte nachschlagen können. 
    Protagonist Hans blieb für mich stets vage und nicht recht greifbar. Der Darstellung hätte für meinen Geschmack generell etwas mehr Tiefe gut getan. Mit Hans wurde ich jedoch zum Ende des Buches hin warm und auch seine Charakterisierung wurde facettenreicher. Die Nebencharaktere sind gut dargestellt, ich konnte mir zu jeder Person ein ausreichendes Bild machen. Teilweise fand ich die Darstellungen jedoch wenig lebensnah. Ein für mich großes Manko ist die Eigenart Dialekte und Fremdsprachen mit in die Dialoge einzubauen. Ich hatte zwar wenig Verständnisprobleme, dennoch blieb ich immer wieder daran hängen und musste kurz überlegen, was der Satz bedeutet, was mich leider aus dem Lesefluss gerissen hat. 
    Die Handlung an sich war solide. Spannung ist für mich persönlich erst ab etwa der Hälfte des Buches aufgekommen, aber dann wollte ich wirklich wissen, wie es weiter geht. In der zweiten Hälfte des Buches gibt es viele interessante Wendungen, die für mich selten vorhersehbar waren und mir somit viel Vergnügen beim Lesen bereitet haben. Für mich persönlich waren viele Schilderungen jedoch nicht ganz greifbar, einfach weil mir das historische Vorwissen gefehlt hat, ich musste mich nebenher immer ein wenig schlau machen, um einige Handlungsstränge besser nachvollziehen zu können. 
    Insgesamt bin ich mit dem Roman jedoch zufrieden, sobald die Handlung an Fahrt aufgenommen hat und ich mit den Charakteren klargekommen bin, war er angenehm zu spannend zu lesen. Ich bin nun geschichtlich besser informiert als vor der Lektüre und habe definitiv etwas dazugelernt.

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    mabuereles avatar
    mabuerelevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Interessanter Einblick in die 60er Jahre!
    Zurück in die Vergangenheit?

    „...Und weißt du, meine größte Sorge ist gerade nicht, dass die Russen angreifen. Das ist jetzt alles Diplomacy...“

    Wir schreiben das Jahr 1962. Hans Barkhusen arbeitet als Taucher in Hamburg. Er ist zur Taufe seines Neffen geladen. Dazu kommt auch die Verwandtschaft aus München. Auf einem gemeinsamen Spaziergang macht ihm Fritz, sein Schwager und Kriminalkommissar in München, einen Vorschlag. Die Polizei hat Informationen erhalten, dass sich vor Kreta der geheimnisvolle Rommel-Schatz befinden soll. Für dessen Bergung brauchen sie einen Taucher. Bei dem Schatz handelt es sich um Schmuck, Gold und Wertsachen, die den Juden in Tunis abgenommen wurden.

    Der Autor hat einen spannenden Spionageroman geschrieben. Er zeichnet darin ein bizarres Bild des politischen Untergrunds in Deutschland in den 60er Jahren.

    Im Mittelpunkt steht Hans. Er hat ein bewegtes Leben hinter sich. Erzogen wurde er in der Napola, der Eliteschule der Nationalsozialisten. Am Ende des Krieges gehörte er mit seinen 15 Jahren zum letzten Aufgebot. Um sein Leben zu retten, verpflichtete er sich nach der Besetzung einer geheimen Organisation der Engländer.

    Nach dem Gespräch mit Fritz meldet sich bei Hans plötzlich Jim Rowland, sein ehemaliger Agentenführer der Engländer, wieder.

    Eine weitere schillernde Gestalt ist Ira von Mallank. Sie verdient sich ihren Lebensunterhalt mit Waffenhandel und hofft darauf, ihre verlorengegangenen Ostgebiete zurück zu erhalten.

    Und dann gibt es noch den undurchschaubaren Max von Krein. Er war Hans` Vorgesetzter, ist Taucher und begeisterter Schatzsucher. Seine politischen Ambitionen lassen alle Möglichkeiten für mich als Leser offen.

    Der Schriftstil des Buches ist anfangs gewöhnungsbedürftig. Das liegt daran, dass die Geschichte im Präsens erzählt wird. Nachdem ich allerdings in die komplexe Handlung eingetaucht war, ist mir das kaum noch aufgefallen.

    Die politischen Positionen der einzelnen Akteure waren lange Zeit unklar. Am einfachsten war es noch bei den Ewiggestrigen, die glaubten, das Deutsche Reich wieder aufrichten zu können. Dazu war ihnen jedes Mittel recht, und jede Besatzungsmacht war der Gegner. Die Einstellung verdeutlicht das folgende Zitat:

    „...Die Wehrmacht hat kapituliert, das Reich nicht...“

    in Italien steht das Schiff für die Bergung des Schatzes noch nicht zur Verfügung. Dafür belauert dort jeder jeden. Es geht weniger um politische Befindlichkeiten, mehr um persönliche Gier. Jeder möchte in Stück vom Kuchen haben und träumt von einer sicheren Zukunft.

    Der Autor nutzt die Situation des Stagnierens der eigentlichen Handlung auf zweierlei Weise. Einerseits wird die Gegend um La Spezia sehr detailliert beschrieben. Schöne Metapher veranschaulichen die abwechslungsreiche Landschaft. Auch ein Blick in die Geschichte der Stadt wird mir als Leser gewährt. Andererseits beginnt hier Hans` Wandlung. Tiefgreifende Gespräche mit Carlo, einem Student, und Betty, der Wirtin der Jugendherberge, geben nicht nur Einblick in das Denken eines Teils der italienischen Jugend. Gerade Betty führt Hans die Schattenseiten des Naziregimes vor Augen. Nicht nur diese Dialoge im Buch gehören für mich zu den stilistischen Höhepunkte. Auch andere Gespräche zeigen das innere Gedankengebäude der Akteure..

    Wie ein roter Faden durchzieht die Angst das Buch, dass einer der Großmächte den falschen Knopf drücken könnte und Deutschland im Atomkrieg versinkt. Obiges Zitat stammt von einem reichen Amerikaner und fällt nach Beginn der Kubakrise. Er hat Angst vor den eigenen Offizieren und ihren Handlungen. Dass die eigentliche Gefahr im deutschen Untergrund liegt, begreift Hans noch rechtzeitig.

    Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es arbeitet ein Stück Geschichte auf, von dem nur Bruchteile je an die Öffentlichkeit gedrungen sind.

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    Bellis-Perenniss avatar
    Bellis-Perennisvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein verschachtelter Krimi, in dem sich unterschiedliche Geheimdienste, Spitzel, Schatzsucher und Waffenhändler ein Stelldichein geben.
    Traue niemandem, außer dir selbst..

    Deutschland um 1962: Es ist die Zeit des Kalten Krieges, die Berliner Mauer ist errichtet, die USA und die UdSSR stehen einander Säbel rasselnd gegenüber. Nur, dass der Säbel neuerdings Atomsprengköpfe hat. 
    Es ist die Zeit des langsamen Wohlstandes und der Geheimdienste von West und Ost, in dem sich der Bodensatz des verlorenen Krieges sammelt. Viele trauern noch immer dem Deutschen Reich nach. Die inneren Überzeugungen streift man nicht so leicht ab wie eine Uniform.

    Und eben in dieses Spannungsfeld führt uns der Autor.

    Hans Barkusen, ist knapp über dreißig, ehemaliger Schüler der Napola mit anschließender Partisanenausbildung und Bergungstaucher. Schwager Fritz Lehmann, (wieder) Polizist in der Bundesrepublik Deutschland heuert Hans und ein paar seiner alten Kumpel aus dem Werwolf-Milieu an, um einen sagenumwobenen Goldschatz aus dem Mittelmeer zu bergen: den legendären Rommel-Schatz. Gold und Wertgegenstände, die die Deutschen in Nordafrika den Juden abgepresst und geraubt haben. Mit von der Partie sind die Waffenhändler Ira von Mallank und der etwas schräge Max von Krein.

    Doch so ganz einfach und ungesehen geht es nicht zur Sache. Hans, vom Britischen Geheimdienst einst in der „King’s German Legion“ zum Kampftaucher und Dschungelkämpfer ausgebildet, hat noch immer Kontakte auf die Insel. Und so mischt auch sein ehemaliger Führungsoffizier Jim Rowland mit.

    Noch bevor es auf die Reise nach Italien geht, entdeckt Hans einige „Überfall spielende“ „alte Kameraden“. Wen oder was soll das Ziel der Aktion sein?

    Man begibt also nach La Spezia, dem idealen Stützpunkt, um von dort aus in Korsika mit einem Sprengstoffanschlag von der eigentlichen Kommandoaktion abzulenken.
    Hier kommt es zu einem Slapstick artigen Katz-und-Maus-Spiel, das sowohl die Mitwirkenden als auch die Leser in die eine oder andere Sackgasse manövriert.

    Es kommt zum Showdown, der ein für alle doch überraschendes Ende bereithält.

    Meine Meinung:

    Der Autor flicht Wahrheit und Fiktion zu einem vielschichtigen Spionageroman zusammen. Die „King’s German Legion“  z.B. existierte von 1803-1816 und war eine sehr erfolgreiche Kavallerie-Truppe, die aus vorwiegend Hannoveraner bestand, und gegen Napoleon kämpfte. Bernd Ohm lässt diese Truppe wiederaufleben, allerdings als Guerillakämpfer.

    Manchmal ist es nicht leicht, die Beweggründe einzelner Personen festzumachen. Der eine oder andere windet sich ein bisschen oder hält sich bewusst bedeckt. Oft ist nicht klar, wer für welche Gesinnung steht. Grundsätzlich wird einmal jedem und jeder misstraut.

    Gut gefallen hat mir die Darstellung der Zusammenhänge in dieser brenzligen Zeit. Noch nie ist die Welt so knapp an einem Atomkrieg vorbeigeschrammt, wie damals. Die Kuba-Krise überdeckt dann auch kurzfristig die Schatzsuche.
    Herrlich finde ich die „Kleider-machen-Leute“-Sequenz als sich Hans mit italienischen Klamotten versorgt.

    Die ganze Story ist im Präsens geschrieben. Ein meisterhafter Kunstgriff des Autors – so habe ich mich mitten im Geschehen gefunden.

    Fazit:

    Ein dichter historischer Kriminalroman, in dem  trotz Geheimdienste wenig spioniert wird. Dafür gebe ich 4 Sterne. 

    Kommentare: 2
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    Beusts avatar
    Beustvor einem Jahr
    Kurzmeinung: verschachtelt konstruierter, historischer Krimi in der heißen Phase des Kalten Krieges
    Die Bedrohung „alter Kameraden“

    „Das Schattencorps“ von Bernd Ohm spielt in der kurzen heißen Zeit des Kalten Krieges, im Jahr nach dem Mauerbau und der Konfrontation der Blockmächte in der Türkei und China. Nicht ohne Grund ist das Buch als „Spionageroman“ untertitelt, denn die Handlung spielt sich im unklaren Nebelfeld der westlichen und östlichen Geheimdienste ab, von denen gar nicht klar ist, ob sie mitmischen, wer für welchen Dienst steht und mit welchem Ziel eigentlich. In diesem Nebel bewegen sich überdies die alten Nazikader, die sich entweder dem Zugriff der Justiz entzogen oder sich einfach nach der Niederlage des Deutschen Reichs weggeduckt haben, ohne ihre inneren Überzeugungen von Blut und Boden aufzugeben. das ist die Situation, in die der Handlungsfaden führt:

    Hans Barkhusen ist Anfang Dreißig, Taucher und ehemaliger Napolaschüler mit anschließender Guerillaausbildung, der von seinem Schwager Fritz Lehmann in eine abenteuerliche Kiste hineingezogen wird: Hans soll helfen, den sagenhaften „Rommelschatz“ zu heben, der aus dem im Mittelmeer versenkten „Raubgold“ der nordafrikanischen Juden bestand. Dazu soll Hans auch seine alten Kontakte spielen lassen, nämlich zu einer „Werwolf“-Truppe, die nach dem Krieg nicht von den Nazis, sondern von den Briten in Wasserkampf und Guerillataktik ausgebildet wurden. In diesem Dunstkreis befinden sich auch die Waffenhändler Ira von Mallank und Max von Krein, die in die Aktion eingebunden werden, sowie Hans‘ ehemaliger britischer Führungsoffizier Rowland.

    Schnell wird klar, dass alles viel verworrener ist, als Hans und der Leser ahnen: Was planen eigentlich die alten Nazis? Wer trauert dem Reich nach und will es womöglich wieder auferstehen lassen? Welche Kriegsspiele veranstalten die „alten Kameraden“ in den Wäldern bei Hamburg? Wie spielt Schwager Fritz von er Münchner Kripo mit hinein und wen schleppt Max von Krein, der reichsdeutsche Tausendsassa, an, um die Schatzsuche zu unterstützen?

    Die ganze Truppe begibt sich nach la Spezia, um dort in einem Katz-und-Maus-Spiel dem Rommelschatz hinterherzujagen und den anderen Beteiligten die Maske vom Gesicht zu reißen. Dabei begleitet der Leser den Protagonisten Hans Barkhusen, dessen abgeklärte Weltsicht - als Mensch nämlich dem Menschichsein treu bleiben zu wollen - ihn immer sympathischer werden lässt. In der italienischen Hafenstadt nimmt die Handlung gehörig Fahrt auf, während die Geheimdienste ihre sich überlagernden Interessen durchzusetzen versuchen.

    Stil und Erzählweise

    Bernd Ohms „Spionageroman“ nutzt die Leerstellen der Geschichte zwischen Kriegsende und Neubeginn geschickt, um die Motivationen seiner Figuren aus zum Teil nicht historischen Situationen und Lebensstationen herzuleiten. Das ist ebenso gekonnt wie auch die der Handlung zugrundeliegende Konfliktkonstruktion. Allerdings fällt es beim Lesen nach Beginn sehr schwer, die einzelnen Interessengruppen, ihre Vertreter und die Interessen auseinanderzuhalten. Auch die Entscheidung, Hans’ Hintergrund auf den ersten hundert Seiten nur langsam und durch ständige Andeutungen zu enthüllen, sorgt für eine gewisse Unschärfe, die wiederum meine Ungeduld geweckt hat. Der Roman ist im Präsens geschrieben, was eine ungewöhnliche Autorenentscheidung ist, die der Handlung allerding keineswegs zu fließen hilft.

    Fazit

    „Das Schattencorps“ ist ein verschachtelt konstruierter, historischer Krimi, der die beunruhigende Frage aufwirft, was die nach dem Kriegsende übriggebliebenen Nazis mit gern noch unserer Welt angestellt hätten. Wer die Romane der Großmeister Eric Ambler oder John le Carré kennt und mag, wird mit dieser deutschen Variante gut bedient sein.

    Kommentare: 1
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    Gwees avatar
    Gweevor einem Jahr
    Tiefer Einblick in den NSU der 60er

    Meinung:
    Ich muss ja zugeben, dass mich die Thematik, die auch in diesem Buch teilweise aufgegriffen wird, noch nie sonderlich begeistern konnte. Dennoch klang der Klappentext an und für sich ganz interessant. Gerade meine Generation kann sich ja trotzdem nur schwer vorstellen wie die Zeiten nach dem Weltkrieg für die Menschen waren, gerade für diejenigen, die einen nationalsozialistischen Hintergrund hatten. Der Einstieg ins Buch gestaltete sich trotzdem als sehr mühselig. Es dauert ein bisschen bis man endlich die Zusammenhänge erkennt und weiß, worum es geht. Dadurch blieb der Unterhaltungsfaktor leider ziemlich auf der Strecke. Die Handlung an sich ist typisch verschleiert und komplex. Viele verschiedene Plotstränge werden hier ineinander verflochten. Trotzdem kann man sich zusammenreimen, wer hinter den Verschwörungen am Ende steckt. Das war dann doch etwas zu offensichtlich gelöst. Der Protagonist Hans ist ehrlich gesagt nicht sehr sympathisch, vielleicht soll er es auch gar nicht sein. Sein Charakter ist jedenfalls sehr wechselhaft und man kann ihn kaum greifen. In dem Zusammenhang war auch seine Beziehung zu seiner On-/Off-Flamme Eva unglaubwürdig. Man kann die beiden leider nicht richtig ernst nehmen, was vor allem an der Darstellung durch Hans liegt. Generell springt die Handlung an manchen Stellen sehr seltsam. Das Beste am Buch war der Schreibstil, denn der ist wirklich gelungen. Ohm schafft es sehr gut, den Eindruck der verschiedenen Handlungsorte einzufangen und zu vermitteln. Insgesamt konnte mich der Roman dennoch nicht beeindrucken. Zwar ist der Einblick in die Thematik ganz interessant, aber das Buch konnte mich nach dem Lesen nicht längerfristig reizen.

    Fazit:
    „Das Schattencorps“ ist ein sehr komplexer und raffinierter Spionageroman, der allerdings kein wirklich sympathisches Repertoire an Charakteren zeigt. Im Gegenteil lassen diese einen nahezu kalt.

    Inhalt: 3/5
    Charaktere: 3/5
    Lesespaß: 2/5
    Schreibstil: 4/5


    Gesamt: 3/5

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    hundertwassers avatar
    hundertwasservor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein origineller historischer Krimi mit ganz eigenem Flair. Italien, der legendäre Rommel-Schatz und undurchsichtige Geheimdienste ...
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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    ars-vivendi-Verlags avatar

    Die Geschichte des nationalsozialistischen Untergrunds der 60er-Jahre

    Liebe Lovelybooks-Community,

    wir, der ars vivendi verlag, laden euch herzlich zu unserer Leserunde zum Spionageroman »Das Schattencorps« von Bernd Ohm ein.

    Zum Inhalt:

    Hans Barkhusen hat viel verloren: die Zukunft, die ihm im »Dritten Reich« offenstand, den Kampf gegen den Kommunismus, den Anschluss an das bürgerliche Leben. Nach dem Krieg von den Briten für eine geheime Kampftruppe angeworben, arbeitet er 1962 desillusioniert als Taucher und hofft darauf, das vom Atomkrieg bedrohte Europa zu verlassen. Als er für die Suche nach dem sagenumwobenen »Rommel-Schatz« angeheuert wird, glaubt er zunächst an einen schlechten Scherz. Aber dann taucht plötzlich sein alter Agentenführer auf, und Hans erhält einen neuen Auftrag, der ihn von Hamburger Hafenkais und einsamen Heideforsten in die Sonne Italiens führt, wo die Jagd nach dem Schatz im Dickicht der Geheimdienstintrigen und internationalen Verschwörungen immer rasanter wird, bis schließlich der Friede der Welt selbst auf dem Spiel steht …

    Haben wir deine Neugier geweckt? Hier kommst du zur Leseprobe.

    Über den Autor:

    Bernd Ohm, Jahrgang 1965, studierte Anglistik, Hispanistik sowie Neuere und Neueste Geschichte in Augsburg. Später arbeitete er als Musiker, Drehbuchautor, Übersetzer, Übersetzungslektor und Berater für Softwarelokalisierung. 2015 erschien sein Debütroman »Wolfsstadt« im ars vivendi verlag.


    Im Rahmen der Leserunde vergeben wir 10 Hardcover-Exemplare. Bewerbt euch bis zum 23. Juli über den blauen »Jetzt bewerben«-Button! Beantwortet uns dafür einfach folgende Frage: Wie stellt ihr euch das Leben im Deutschland der 60er-Jahre als Person mit einschlägigem nationalsozialistischem Hintergrund vor?

    Wir freuen uns auf euch und eure aktive Beteiligung sowie eine diskussionsreiche Leserunde.

    Euer ars vivendi verlag Team


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    Letzter Beitrag von  echvor einem Jahr
    Hier nun meine Rezension, die ich auch bei Amazon, Buch.de, Thalia.de, Was liest Du, der Bastei-Lesejury und im großen Bücherforum auf Literaturschock.de veröffentlicht habe: https://www.lovelybooks.de/autor/Bernd-Ohm/Das-Schattencorps-1360603883-w/rezension/1497744579/1497748933/ Danke, das ich hier mitlesen durfte und nochmals ein fettes sorry für meine verspätete Teilnahme an der Runde hier.
    Zur Leserunde

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