Warten auf Goebbels

von Bernd Schroeder 
3,7 Sterne bei6 Bewertungen
Warten auf Goebbels
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Ein pontierter und skurriler Roman, der die Ernthaftigkeit des Themas aber nicht ins Lächerliche zieht!

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Irrsinniges Buch über die letzten Kriegstage 1944/45 abseits vom Schuss, das vom Größenwahn der Nazi-Propaganda erzählt

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Inhaltsangabe zu "Warten auf Goebbels"

Anfang 1945, Berlin steht in Flammen. Doch die UFA dreht einen Film über den Tag, an dem der Führer mit seinem Volk den Sieg feiern wird. Ein Motorrad saust durch schöne Kulissen, der Vater zeigt seinem Sohn, wofür er in Russland gekämpft hat. Noch einmal wird den Deutschen Mut gemacht, Mut im letzten Augenblick. Während der 2. Weltkrieg auf sein Ende zu tobt, spielen berühmte Schauspielerinnen und ehrgeizige Statisten, schwule Stars und diktatorische Regisseure immer weiter. Und das Schlimmste: Goebbels spielt Goebbels. Das Warten beginnt. Bernd Schroeders verblüffender Roman bringt das Lächerliche und das Grauenvolle zusammen, er spiegelt die große Katastrophe in einem grotesken Endspiel.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783446254527
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:240 Seiten
Verlag:Hanser, Carl
Erscheinungsdatum:20.02.2017

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    AgnesMs avatar
    AgnesMvor 9 Monaten
    Warten auf Goebbels

    Konrad Eisleben hat sich dazu bereit erklärt einen Film im Auftrag des Propagandaministeriums zu drehen. 1944 finden die Dreharbeiten in einem kleinen Dorf statt, da Berlin und somit auch die Filmstudios in Babelsberg in Trümmern liegen. Der Regisseur selber sieht sein Projekt eher als eine Art „Arche Noah“, die alle Beteiligten vor dem Einzug an die Front schützen soll und zieht die Dreharbeiten auch entsprechend in die Länge. Die Ungeduld mancher seiner engagierten Schauspieler nimmt er hin und argumentiert gekonnt für diverse Drehpausen und für die Überarbeitung mehrere Szenen.


    So werden in dem Buch nicht nur die Filmszenen detailliert beschrieben, sondern auch das wahre Leben hinter den Kulissen auf engstem Raum in einer Scheune. Während draußen die Flieger Bomben abwerfen, zweifeln drinnen die Protagonisten an einem möglichen Endsieg. Viele sehen den Krieg bereits hinter vorgehaltener Hand als verloren an und fragen sich, wozu ein Film, der den Sieg Deutschlands aufzeigt, überhaupt gedreht wird. Immer öfter erreichen Schreckensmeldungen aus Berlin, Dresden und Umgebung die Protagonisten. Immer mehr Menschen sterben, werden obdachlos und immer ängstlicher und betrübter wird die Stimmung am Set.


    „Warten auf Goebbels“ ist meines Erachtens ein etwas skurriles Buch, welches jedoch hin und wieder mit witzigen Szenen, interessanten Hintergrundinformationen und teils interessanten Charakteren aufspielt. Wenn man sich bewusst macht zu welchen Zeitpunkt der Film gedreht wird und was in den Monaten auf die Menschen zukommt, dann wird man doch ein wenig nachdenklich und fragt sich, ob die Ironie und der Witz hier an der richtigen Stelle seinen Platz gefunden haben. Doch ohne diese wäre die Story sicher schwerer zu verdauen.


    Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig und hat mir das Lesen leider erschwert. Auch die Vielzahl an Protagonisten hat mich überfordert. Diese werden zwar im Laufe der Story alle vorgestellt, doch konnte ich hier leider nicht den Überblick behalten und konnte bis zum Schluss nur wenige Personen ihren Rollen zuordnen. Das Leseerlebnis wurde leider dadurch getrübt, während ich die Idee zu dem Buch gut finde. Allzu viel zu diskutieren gibt es nicht, da man weiß wie der Krieg ausgegangen ist, aber man könnte die Handlung des Regisseurs hinterfragen. Insgesamt kann ich das Buch so nur als durchschnittlich bewerten.

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    Miamous avatar
    Miamouvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein pontierter und skurriler Roman, der die Ernthaftigkeit des Themas aber nicht ins Lächerliche zieht!
    Die Arche Noah...

    Im September 1944 versammelt der Regisseur Konrad Eisleben einen Trupp von Schauspielern im Dorf Altenburg, um die in Babelsberg zu riskant gewordenen Dreharbeiten eines Films fortzusetzen. Im Auftrag des Propagandaministeriums soll der Film die Bevölkerung auf den Wiederaufbau nach dem Endsieg einstimmen. Die Premiere ist für den 1. Mai 1945 geplant. Doch Eisleben hat keine Eile den Dreh zu beenden, er sieht das Projekt eher als „Arche Noah“ um die zwangsverpflichteten Schauspieler vor einem Einsatz an der Front zu bewahren. Und er nutzt die Zeit um die vorgesehene utopische Schnulze in einen realitätsnahen Film umzumodeln, um damit die Alliierten quasi um den Finger zu wickeln.

    Soweit der Inhalt. Gekonnt verbindet der Autor Bernd Schroeder damit eine fiktive Geschichte und haucht ihr aber gleichzeitig sehr viel Realität ein. Die Handlung besteht aus zwei Wirklichkeitsebenen, was zum einen der Filmdreh selbst ist, wo die Schauspieler auch wirklich mit ihren Rollennamen angesprochen werden und die „Wirklichkeit“ an sich – also diese Welt, in der die Schauspieler leben. Dabei wirkt die gesamte Szenerie wie ein Kammerspiel in sich, da es in der Filmcrew natürlich sehr menschelt und einer mit den anderen seine Konflikte austragen muss.

    Die Charaktere erscheinen am Anfang sehr viel und man verwechselt sie mitunter auch, was sich irgendwie durch das gesamte Buch zieht. Schroeder trennt sie zwar in ihren Charaktereigenschaften voneinander und spickt seine Filmcrew mit den Obernazis, die voll und ganz an den Endsieg glauben, jenen, die Mitläufer sind und jenen, die versuchen wie die Made im Speck zu leben, ohne wirklich an die Naziideologie zu glauben. Trotzdem merkt man sich bis zum Ende hin nicht, wer jetzt eigentlich wer ist. Aber der Autor bietet dem Leser das breite Spektrum seiner Figuren an, da er sie zwischendurch in Kapitelauszügen vorstellt. Im Grunde steht und fällt das Buch mit den Charakteren, da die Handlungsbogen an sich ja eher flach bleibt. Der Autor spielt mit den Figuren und auch mit seinen Lesern, da man oft schmunzeln muss, trotz des sehr ernsten Themas. Trotzdem zieht er die Geschehnisse rund um die Nazis niemals ins Lächerliche, was Bernd Schroeder sehr hoch anzurechnen ist.

    Das Endezeigt dann, das eigentlich nicht auf Goebbels, sondern bereits auf die Alliierten gewartet wurde. Es bleibt sehr offen und man weiß als Leser nur bedingt, was aus den Charakteren geworden ist. An sich stört mich bei einem Buch, wenn das Ende zu offen bleibt, hier allerdings weniger, weil man ja aus der Geschichte weiß, was aus den Menschen nach dem Krieg geworden ist, angefangen bei dem Prozess der Entnazifizierung bis hin zum Wiederaufbau. Man kann sich daher einiges zusammenreimen.

    Dazwischen bekommt der Leser immer wieder Tagebucheinträge von Goebbels, die ja heute als wichtiges Zeitzeugnis rund um die Naziideologien gelten. Und es gibt im Roman auch immer wieder Texte, die wie Zeitungsausschnitte wirken und den Leser in die Realität der damaligen Zeit holen.
    Ein sehr spezielles Leseerlebnis!

    Kommentare: 1
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    M
    michael_lehmann-papevor einem Jahr
    Bestens getroffene Charaktere

    Bestens getroffene Charaktere

    Wenn es nicht auch so dramatisch wäre, wäre es einfach nur lustig. Zumindest das ein- oder andere breite Lächeln wird der Leser sich kaum verkneifen können, wenn er inmitten des Chaos der letzten Monate des zweiten Weltkrieges in diesem idyllischen Dorf Altenburg, fern vom „Schuss“ (im wahrsten Sinne des Wortes) der Filmcrew beim Schaffen zusieht.

    Eine Siegesfeier, das wird vorab inszeniert. Ein Film, der genau im Moment des Endsieges in den Kinos platziert werden soll, um den Freudentaumel des Volkes bildlich einzufangen und zu befördern.

    Natürlich wird Berlin als „Repro“ gezeigt. Filmszenen aus der Zeit vor dem Krieg in den Film eingeschnitten, denn das aktuelle Berlin kann man ja leider nicht zeigen. Zumindest sähe es bei Weitem nicht so schön aus.

    So schreiten die Arbeiten voran, wenn da nicht……

    Der „tragende Hauptdarsteller“ ständig herum zicken würde. Vielleicht fehlt einfach auch der ein- oder andere attraktive junge Mann, um den Theaterschauspieler bei Laune zu halten.

    Und wenn das nicht Eisleben, der Regisseur, diesen Stoff weit unter seiner Würde angenommen hätte, um das nun sehr gründlich zu gestalten. Man könnte gar auf die Idee kommen, das Eisleben sich überaus viel Zeit lässt. Denn wäre der Film fertig, würden die beteiligten Männer umgehend dem Feind entgegengeworfen werden.

    Was die beiden aufrechten Nationalsozialisten am Set unruhig werden lässt. Und das zunehmend im Lauf der Dreharbeiten.

    Bei denen im Übrigen auch ein wirklich wichtiges Parteimitglied mitspielen soll. Niemand weiß genaueres. Aber die Gerüchte haben sich schon entschieden, dass Goebbels persönlich vorbeischauen wird. Mit kleinen Einschüben bereitet Schroeder den Leser quasi mit darauf vor, indem er kurze Einblick in den Werdegang und das Denken des Propagandamisters mit dem Klumpfuß und der Neigung zu Schauspielerinnen mit einfließen lässt.

    Mit viel Humor und im Ton präzise treffend lässt Schroeder den Leser zudem teilhaben an all den Animositäten, dem stillen Protest und dem lauten Vorantreiben am Set. An den fehlenden Zündkerzen, weswegen die Motorradszene einfach nicht gelingen will. Wie Schroeder alle handelnden Personen jeweils in Ruhe vorstellt und differenziert den Gang der Ereignisse gestalten lässt.

    Und drängt doch immer wieder mit einem kühlen, kalten Satz den Leser immer wieder aus dem komödienhaften des Romans heraus in die harte Realität hinein.

    „Sie wollen dich nicht Juden von Ariern spielen lassen?“, ist so ein Satz, an dem Schroeder den Irrsinn des Films in genau jener Zeit einfängt. Und die Protagonisten auch bei ihrem Versuch begleitet, die sich anbahnende, umfassende Niederlage in diesem Krieg für sich bestmöglich vorzubereiten. Zunächst also einfach ungestört am Leben bleiben zu können,

    Ob das allen gelingt, ob Goebbels noch kommt, wie da ist mit all den persönlichen Eitelkeiten, dem Opportunismus, der Ideologie, das liest sich in diesem Roman ganz hervorragend mitsamt der immer mitschwingenden, bedrohlichen Atmosphäre des Krieges und des „Untergangs“.

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    krimielses avatar
    krimielsevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Irrsinniges Buch über die letzten Kriegstage 1944/45 abseits vom Schuss, das vom Größenwahn der Nazi-Propaganda erzählt
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    E
    elillybethvor 5 Monaten
    buecher_heldins avatar
    buecher_heldinvor einem Jahr

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    Pressestimmen

    Anfang 1945: Sie drehen einen Film vom glücklichen Kriegsende. Obwohl der Abspann längst läuft. – Bernd Schroeders neuer Roman

    "Ein Roman, den man sich auf einer Theaterbühne wünscht." Anne Heucher, Trierischer Volksfreund, 15.08.17
    "Das Buch über diesen letzten Nazi-Film hat es also schon lange gegeben. Bernd Schroeder gelingt es jedoch mit seinem Roman, den Irrsinn dieses Vorhabens in seiner ganzen Deutlichkeit zu zeigen, ihn jenseits der historischen Fakten gewissermaßen zu konturieren, inklusive der Motivation aller Beteiligten.“ Gerrit Bartels, Tagesspiegel, 02.08.17
    "Anspielungsreich, mit persönlichen Verstrickungen und klug gesetzten Biografien, entsteht so ein Kammerspiel, das zugleich den Irrsinn realistisch und die Schicksale glaubwürdig erscheinen lässt. Eine Groteske, die sich nicht am Gewicht der Geschichte verhebt. Fein!" Augsburger Allgemeine, 19.04.17
    "Bernd Schroeder gelingt es (…) mit seinem Roman, den Irrsinn dieses Vorhabens in seiner ganzen Deutlichkeit zu zeigen. Ihn jenseits der historischen Fakten gewissermaßen zu konturieren, inklusive der Motivation aller Beteiligten.“ Gerrit Bartels, SWR 2 "Forum Buch", 12.03.17
    "Der Autor verwebt Historisches und Fiktives, Dokumentiertes und Erfundenes, macht aus der absurden Geschichte dieses letzten NS-Propagandafilms einen pointierten Roman über Größenwahn und den Zusammenhang von Kunst und Politik.“ Deutsche Welle Online, 12.03.17

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