Bernd Schroeder Warten auf Goebbels

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Inhaltsangabe zu „Warten auf Goebbels“ von Bernd Schroeder

Anfang 1945, Berlin steht in Flammen. Doch die UFA dreht einen Film über den Tag, an dem der Führer mit seinem Volk den Sieg feiern wird. Ein Motorrad saust durch schöne Kulissen, der Vater zeigt seinem Sohn, wofür er in Russland gekämpft hat. Noch einmal wird den Deutschen Mut gemacht, Mut im letzten Augenblick. Während der 2. Weltkrieg auf sein Ende zu tobt, spielen berühmte Schauspielerinnen und ehrgeizige Statisten, schwule Stars und diktatorische Regisseure immer weiter. Und das Schlimmste: Goebbels spielt Goebbels. Das Warten beginnt. Bernd Schroeders verblüffender Roman bringt das Lächerliche und das Grauenvolle zusammen, er spiegelt die große Katastrophe in einem grotesken Endspiel.

Ein pontierter und skurriler Roman, der die Ernthaftigkeit des Themas aber nicht ins Lächerliche zieht!

— Miamou
Miamou

Irrsinniges Buch über die letzten Kriegstage 1944/45 abseits vom Schuss, das vom Größenwahn der Nazi-Propaganda erzählt

— krimielse
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    • 1705
  • Die Arche Noah...

    Warten auf Goebbels
    Miamou

    Miamou

    16. June 2017 um 16:48

    Im September 1944 versammelt der Regisseur Konrad Eisleben einen Trupp von Schauspielern im Dorf Altenburg, um die in Babelsberg zu riskant gewordenen Dreharbeiten eines Films fortzusetzen. Im Auftrag des Propagandaministeriums soll der Film die Bevölkerung auf den Wiederaufbau nach dem Endsieg einstimmen. Die Premiere ist für den 1. Mai 1945 geplant. Doch Eisleben hat keine Eile den Dreh zu beenden, er sieht das Projekt eher als „Arche Noah“ um die zwangsverpflichteten Schauspieler vor einem Einsatz an der Front zu bewahren. Und er nutzt die Zeit um die vorgesehene utopische Schnulze in einen realitätsnahen Film umzumodeln, um damit die Alliierten quasi um den Finger zu wickeln. Soweit der Inhalt. Gekonnt verbindet der Autor Bernd Schroeder damit eine fiktive Geschichte und haucht ihr aber gleichzeitig sehr viel Realität ein. Die Handlung besteht aus zwei Wirklichkeitsebenen, was zum einen der Filmdreh selbst ist, wo die Schauspieler auch wirklich mit ihren Rollennamen angesprochen werden und die „Wirklichkeit“ an sich – also diese Welt, in der die Schauspieler leben. Dabei wirkt die gesamte Szenerie wie ein Kammerspiel in sich, da es in der Filmcrew natürlich sehr menschelt und einer mit den anderen seine Konflikte austragen muss. Die Charaktere erscheinen am Anfang sehr viel und man verwechselt sie mitunter auch, was sich irgendwie durch das gesamte Buch zieht. Schroeder trennt sie zwar in ihren Charaktereigenschaften voneinander und spickt seine Filmcrew mit den Obernazis, die voll und ganz an den Endsieg glauben, jenen, die Mitläufer sind und jenen, die versuchen wie die Made im Speck zu leben, ohne wirklich an die Naziideologie zu glauben. Trotzdem merkt man sich bis zum Ende hin nicht, wer jetzt eigentlich wer ist. Aber der Autor bietet dem Leser das breite Spektrum seiner Figuren an, da er sie zwischendurch in Kapitelauszügen vorstellt. Im Grunde steht und fällt das Buch mit den Charakteren, da die Handlungsbogen an sich ja eher flach bleibt. Der Autor spielt mit den Figuren und auch mit seinen Lesern, da man oft schmunzeln muss, trotz des sehr ernsten Themas. Trotzdem zieht er die Geschehnisse rund um die Nazis niemals ins Lächerliche, was Bernd Schroeder sehr hoch anzurechnen ist. Das Endezeigt dann, das eigentlich nicht auf Goebbels, sondern bereits auf die Alliierten gewartet wurde. Es bleibt sehr offen und man weiß als Leser nur bedingt, was aus den Charakteren geworden ist. An sich stört mich bei einem Buch, wenn das Ende zu offen bleibt, hier allerdings weniger, weil man ja aus der Geschichte weiß, was aus den Menschen nach dem Krieg geworden ist, angefangen bei dem Prozess der Entnazifizierung bis hin zum Wiederaufbau. Man kann sich daher einiges zusammenreimen. Dazwischen bekommt der Leser immer wieder Tagebucheinträge von Goebbels, die ja heute als wichtiges Zeitzeugnis rund um die Naziideologien gelten. Und es gibt im Roman auch immer wieder Texte, die wie Zeitungsausschnitte wirken und den Leser in die Realität der damaligen Zeit holen. Ein sehr spezielles Leseerlebnis!

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  • Bestens getroffene Charaktere

    Warten auf Goebbels
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    03. April 2017 um 12:27

    Bestens getroffene CharaktereWenn es nicht auch so dramatisch wäre, wäre es einfach nur lustig. Zumindest das ein- oder andere breite Lächeln wird der Leser sich kaum verkneifen können, wenn er inmitten des Chaos der letzten Monate des zweiten Weltkrieges in diesem idyllischen Dorf Altenburg, fern vom „Schuss“ (im wahrsten Sinne des Wortes) der Filmcrew beim Schaffen zusieht.Eine Siegesfeier, das wird vorab inszeniert. Ein Film, der genau im Moment des Endsieges in den Kinos platziert werden soll, um den Freudentaumel des Volkes bildlich einzufangen und zu befördern.Natürlich wird Berlin als „Repro“ gezeigt. Filmszenen aus der Zeit vor dem Krieg in den Film eingeschnitten, denn das aktuelle Berlin kann man ja leider nicht zeigen. Zumindest sähe es bei Weitem nicht so schön aus.So schreiten die Arbeiten voran, wenn da nicht……Der „tragende Hauptdarsteller“ ständig herum zicken würde. Vielleicht fehlt einfach auch der ein- oder andere attraktive junge Mann, um den Theaterschauspieler bei Laune zu halten.Und wenn das nicht Eisleben, der Regisseur, diesen Stoff weit unter seiner Würde angenommen hätte, um das nun sehr gründlich zu gestalten. Man könnte gar auf die Idee kommen, das Eisleben sich überaus viel Zeit lässt. Denn wäre der Film fertig, würden die beteiligten Männer umgehend dem Feind entgegengeworfen werden.Was die beiden aufrechten Nationalsozialisten am Set unruhig werden lässt. Und das zunehmend im Lauf der Dreharbeiten. Bei denen im Übrigen auch ein wirklich wichtiges Parteimitglied mitspielen soll. Niemand weiß genaueres. Aber die Gerüchte haben sich schon entschieden, dass Goebbels persönlich vorbeischauen wird. Mit kleinen Einschüben bereitet Schroeder den Leser quasi mit darauf vor, indem er kurze Einblick in den Werdegang und das Denken des Propagandamisters mit dem Klumpfuß und der Neigung zu Schauspielerinnen mit einfließen lässt.Mit viel Humor und im Ton präzise treffend lässt Schroeder den Leser zudem teilhaben an all den Animositäten, dem stillen Protest und dem lauten Vorantreiben am Set. An den fehlenden Zündkerzen, weswegen die Motorradszene einfach nicht gelingen will. Wie Schroeder alle handelnden Personen jeweils in Ruhe vorstellt und differenziert den Gang der Ereignisse gestalten lässt.Und drängt doch immer wieder mit einem kühlen, kalten Satz den Leser immer wieder aus dem komödienhaften des Romans heraus in die harte Realität hinein.„Sie wollen dich nicht Juden von Ariern spielen lassen?“, ist so ein Satz, an dem Schroeder den Irrsinn des Films in genau jener Zeit einfängt. Und die Protagonisten auch bei ihrem Versuch begleitet, die sich anbahnende, umfassende Niederlage in diesem Krieg für sich bestmöglich vorzubereiten. Zunächst also einfach ungestört am Leben bleiben zu können,Ob das allen gelingt, ob Goebbels noch kommt, wie da ist mit all den persönlichen Eitelkeiten, dem Opportunismus, der Ideologie, das liest sich in diesem Roman ganz hervorragend mitsamt der immer mitschwingenden, bedrohlichen Atmosphäre des Krieges und des „Untergangs“.

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