Von diesem Buch war ich höchst angenehm überrascht, denn es enthält wesentlich vielfältigere Informationen als ich erwartet habe. Ich hatte zuvor befürchtet, es würde hauptsächlich um Reiseberichte und Landschaftsbeschreibungen gehe, aber dem Autor gelingt es, uns anhand von Fontanes Sommerurlauben ungemein viel über Fontane selbst, seine Arbeitsweise, sein Umfeld und seine Bücher zu vermitteln. Fontane reiste nämlich überwiegend zu Arbeits- und Recherchezwecken und so bieten diese Reisen eine Unmenge an Informationen über die Bücher, an denen er jeweils arbeitete und auch darüber, wie die Umgebung in die Bücher einfloss, wie genau oder ungenau manches geschildert wurde. So bekam ich einen ganz neuen Blick auf einige seiner Werke.
Auch über Fontane selbst habe ich Neues erfahren, obwohl ich bereits viel von ihm und über ihn gelesen habe. Durch den Fokus auf die Urlaube bieten sich neue Perspektiven, die Seiler zu nutzen weiß. Die vielfältigen Bekanntschaften und Freundschaften, die Fontane während seiner Urlaube schloss oder pflegte (und manchmal beendete) liefern reichlich interessantes Material und weitere Hintergrundinformationen über seine Werke, in welche vieles aus eben diesen Beziehungen einfloss. Auch seine Äußerungen über die Unterkünfte, andere Urlaubsgäste, manche gesellschaftlichen Konventionen und zu anderen Beobachtungen sagen viel über den Menschen aus. Manches davon ist keineswegs erfreulich. Fontanes antisemitische Äußerungen sind teils drastisch und bei jemandem, der doch sonst die Menschen so gut zu beobachten und schildern wußte, erschreckend. Der Autor hat sich in dieses Thema aber leider sehr verbissen - die Botschaft, daß Fontane viele solcher unangenehmen Äußerungen getätigt hat, kommt auch an, ohne daß dies auf jeder zweiten Seite noch mal ausführlich dargelegt werden muß. Auch sonst scheint Seiler Freude daran zu finden, die unangenehmen Seiten Fontanes zu betonen, so wirken z.B. seine häufigen Verweise auf Fontanes Bewunderung für die sog. höheren Stände irgendwann geradezu stichelnd. Vielleicht ist es aber auch nur eine Neigung, Dinge zu oft zu wiederholen.
Allgemein aber liest sich der Text flüssig und leicht, angereichert durch Zitate aus Briefen. Dazu kommen zahlreiche Abbildungen, welche die Orte, an denen Fontane weilte, damals und manchmal auch heute zeigen. Hintergrundinformationen zu den Orten gibt es ebenfalls, aber erfreulicherweise im Rahmen des Nötigen, ohne das Thema Fontane zu sehr zu überlagern. So ergibt sich eine sowohl unterhaltsame wie auch ausgesprochen informative Mischung aus Wort und Bild, die ich jedem Fontane-Fan nur empfehlen kann.





