STORY
Als der Berliner Pressefotograf David Bronski den Anruf seines früheren Kollegen Kurt aus Innsbruck erhält, reagiert er zunächst wenig begeistert. Kurt, inzwischen obdachlos, verspricht ihm jedoch die Story seines Lebens: In einer verlassenen Villa, die ihm als Unterschlupf dienen sollte, hat er die mumifizierte Leiche der seit rund zwanzig Jahren verschwundenen Millionärin Zita Laufenberg entdeckt.
Der Fund wird für Bronski allerdings persönlich. Bei der Toten wird das Polaroid eines Säuglings gefunden, auf dem er seine Tochter erkennt, die vor mehr als zwanzig Jahren im Alter von wenigen Monaten entführt wurde. Zita Laufenberg kann nicht die Entführerin sein, doch sie muss mit dem Fall in Verbindung stehen.
Gemeinsam mit seiner neuen Kollegin Svenja Spielmann und seiner Schwester Anna, die als Privatdetektivin arbeitet, beginnt Bronski nach Antworten zu suchen. Dabei wird ihm erst spät bewusst, dass er längst Teil eines perfiden Plans geworden ist – und dass jemand seine Vergangenheit gezielt gegen ihn verwendet.
MEINUNG
Bernhard Aichner dürfte Krimifans spätestens seit der Serienadaption seiner „Totenfrau“-Reihe bekannt sein. Mit „Dunkelkammer“, dem Auftakt der Bronski-Reihe, legt er einen wendungsreichen Thriller vor, der durch einen nüchternen Stil und eine stetig wachsende Beklemmung überzeugt.
David Bronski ist von seiner schmerzvollen Vergangenheit gezeichnet, die ihn hier unvorbereitet wieder einholt und überrollt. Die zunächst nüchterne Erzählweise erzeugt dabei eine trügerische Ruhe: Erst nach und nach zeigt sich, wie tief Bronski durch immer neue Wendungen in einen Fall hineingezogen wird, der nicht nur seine berufliche Neugier, sondern vor allem seine persönlichsten Abgründe auslotet.
Die Figuren sind bewusst sperrig und widersprüchlich angelegt. Das macht nicht jede ihrer Entscheidungen sofort sympathisch, aber es verleiht dem Roman Reibung und eine reizvolle Eigenständigkeit.
DAS HÖRBUCH
Die Hörbuchumsetzung fällt ungewöhnlich aus. Sie greift die Struktur des Romans auf, der erzählende Passagen mit längeren Dialogsequenzen verbindet. So entsteht eine Mischung aus klassischem Hörbuch und Radio-Hörspiel: Die Dialoge sind mit mehreren Sprecherinnen und Sprechern besetzt, die ihre Rollen vor dem Mikrofon hörbar ausspielen.
Das ist zunächst gewöhnungsbedürftig, doch das Konzept entwickelt schnell einen eigenen Reiz, weil es die Nähe zu den Figuren verstärkt und die Beziehungen, Konflikte und Bedrohung unmittelbar hörbar macht.
Bei der aktuellen Download-Veröffentlichung des Audio-Verlags handelt es sich um die Fassung, die zuvor als MP3-CD bei Der Hörverlag erschienen ist.
FAZIT
„Dunkelkammer“ ist ein düsterer Thriller mit einer ungewöhnlichen Hauptfigur, die mittels perfider Manipulation immer tiefer in einen verhängnisvollen Strudel gerissen wird. Ein spannender Reihenauftakt mit Ecken, Kanten und psychologischer Fallhöhe.




































