Bernhard Conrad

 5 Sterne bei 8 Bewertungen
Autorenbild von Bernhard Conrad (© Bernhard Conrad)

Lebenslauf von Bernhard Conrad

Bernhard Conrad, Jg. 1961, studierte Philosophie, Politikwissenschaften, Pädagogik, Germanistik und Sinologie in Trier, Mainz und Hamburg. Seit 1993 ist er schriftstellerisch tätig, seine erste Verlagsveröffentlichung war 1995.

In den 80er- und 90er Jahren war er aktiver Teil der Hausbesetzer- und Protestbewegung. Er war der erste Totalverweigerer in Deutschland, der nicht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde.

Seine Reisen führten ihn insbesondere nach Südamerika, wo er mehrere Jahre in Französisch-Guayana auf einem Segelschiff lebte. Er hielt sich mehrmals während des dortigen Bürgerkrieges in Suriname auf. Mit seiner Familie lebte er später einige Jahre in der Ukraine und wurde dort Zeuge der „Orangenen Revolution“. Inzwischen befindet sich sein Lebensmittelpunkt im Südwesten Deutschlands.

Er ist Verfasser mehrerer erfolgreicher Reiseführer, einer Anthologie mit Kurzgeschichten über die Guyanas sowie eines Fotokunstbandes, der in Deutschland und Frankreich erschienen ist. Weiterhin veranstaltet er zusammen mit Christian Holveck (Ile de la Réunion) international Fotoausstellungen, die bisher von rund 50.000 Personen besucht wurden.

In seinem Leben kam er mehrmals mit Gewalt in Berührung, mußte miterleben, wie Menschen gewaltsam starben, wurde von Polizisten und Militärs verschiedener Länder bedroht. In persönlichen Gesprächen mit Opfern von Gewalt, Folter und Verfolgung konnte er sich in diese Thematik, mit der er sich bereits während seines Studiums über Marquis de Sade auseinander gesetzt hatte, vertiefen.  Diese Erfahrungen nutzt er insbesondere für die thematische Bearbeitung und Ausgestaltung seiner Romane und Kurzgeschichten.

Quelle: Verlag/ vlb und Eigenveröffentlichung

Botschaft an meine Leser

Liebe LeserInnen,

ich freue mich über Ihr Interesse an meinen Büchern. Aus meiner Vita können Sie bereits die Vielfalt meines Lebens ersehen. In meinen Büchern geht es daher informativ, abenteuerlich, lustig, ernst, kontrovers, erzählend, experimentell, erotisch, gewaltsam aber auch kindlich zu, jedoch sind insbesondere meine Romane für Kinder, Jugendliche und sensible Menschen nicht bzw. nur bedingt geeignet. Sollten sie mehr über mich und meine Bücher erfahren wollen oder an einer Lesung interessiert sein, so besuchen Sie meine Homepage www.bconrad.eu.

Mit besten Grüßen

Bernhard Conrad

Alle Bücher von Bernhard Conrad

Cover des Buches La Libertad (ISBN: 9789463985666)

La Libertad

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Erschienen am 08.01.2020
Cover des Buches Guyana (ISBN: 9783749468744)

Guyana

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Erschienen am 23.09.2019
Cover des Buches Zwischen Ariane, Merian und Papillon (ISBN: 9783734798146)

Zwischen Ariane, Merian und Papillon

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Erschienen am 02.06.2015
Cover des Buches Französisch-Guayana (ISBN: 9783895350931)

Französisch-Guayana

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Erschienen am 01.08.2011
Cover des Buches Französisch-Guayana (ISBN: 9783748199038)

Französisch-Guayana

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Erschienen am 19.11.2018
Cover des Buches Suriname und das Weltkulturerbe Paramaribo (ISBN: 9783895350924)

Suriname und das Weltkulturerbe Paramaribo

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Erschienen am 01.08.2011
Cover des Buches Reiseland Französisch-Guayana (ISBN: 9783895350467)

Reiseland Französisch-Guayana

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Erschienen am 01.01.1995

Neue Rezensionen zu Bernhard Conrad

Cover des Buches La Libertad (ISBN: 9789463985666)A

Rezension zu "La Libertad" von Bernhard Conrad

Macht nachdenklich
Annette126vor 10 Monaten

❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤


Rezension zu "La Libertad" am 26.06.2020 (nach reiflicher Überlegung)


Macht nachdenklich🤔🤔🤔


Gabriel - ist ein junger Mann und verreist für sein Leben sehr gerne. Er ist bitter enttäuscht - da er von seiner Freundin verlassen wurde - sein Herz ist nun sehr einsam. Er beschliesst nun - von Paris aus ins wunderbare Südamerika zu fahren - eine Reise in eine ihm noch unbekannte Welt. Dabei - lernt er auch die liebe Maria kennen.....


WIE wird seine Reise verlaufen?🤔


Mich - hat dieser Roman wirklich sehr bewegt. Ich finde ihn dabei auch sehr real, abenteuerlich - aber auch teilweise grausam - was dort passiert ist. Um ihn zu lesen - da braucht man wirklich viel Mut dazu - denn - er ist nichts für schwache Nerven.


Den Gabriel darin finde ich mittelsüss und Maria von Anfang an supernett. Sie hat auch das Talent dazu, sehr gut auf ihn einzugehen. Dabei habe ich auch einige im Buch genannte Stichpunkte im Internet näher nachgeforscht über die Zeiten zum Krieg im damaligen Zeitraum und mir noch unbekannte Ausdrücke angeschaut. Dabei auch wieder etwas feines dazugelernt.


In meinen  Augen ist es dabei auch ein sehr wunderbarer Roman, der mir sehr in Erinnerung bleiben wird und ich gebe ihm heute liebend gerne die vollen 5 Sterne dafür.


💚Kommt mit auf diese Reise - es lohnt sich sehr💚


❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤

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Cover des Buches La Libertad (ISBN: 9789463985666)SunshineBaby5s avatar

Rezension zu "La Libertad" von Bernhard Conrad

Menschen auf Folter aufmerksam machen
SunshineBaby5vor einem Jahr

Der Roman "La Libertad" handelt von einem jungen deutschen Touristen, der nach Südamerika reist um sich von seinem Liebeskummer abzulenken. Zu Beginn seiner Reise ist er sehr naiv und kommt in seiner neuen Umgebung nur schwer ohne fremde Hilfe zurecht. Durch Zufall gerät er schließlich in einen Militärputsch und wird gefangen genommen. Dort durchlebt er die Hölle.

Sehr eindrücklich schildert der Autor die Foltermethoden die an dem jungen Touristen angewandt werden. Dem Leser soll dadurch aufmerksam gemacht werden auf immer noch aktuell angewandte Methoden auf der Welt. Es ist eben nicht nur ein Roman. Unterstrichen wird dies durch diverse Quellenangaben am Ende des Buches, wodurch sich der interessierte Leser weiter informieren kann.

Doch der Roman beinhaltet weit mehr. Der Tourist kann entkommen und durchlebt in der Folge eine sehr intensive Wandlung. Neue Protagonisten spielen hierbei eine große Rolle und unterstützen seine Heilung.

So kann das Buch thematisch kaum eingeordnet werden. Der Schreibstil ist gut lesbar. Die Szenen die beschrieben sind werden dem Leser sehr anschaulich.

Für empfindliche Menschen ist der Roman nicht geeignet, bzw. sollten die harten Passagen besser übersprungen werden. Dies klappt aber problemlos, da zu Beginn der entsprechenden Kapitel Warnhinweise aufgeführt sind.

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Cover des Buches La Libertad (ISBN: 9789463985666)P

Rezension zu "La Libertad" von Bernhard Conrad

La Libertad
Pixibuchvor einem Jahr

Ein Buch, das mich beim Lesen meine ganze Konzentration gekostet      hat, das ich mehrmals absetzen mußte, um das Gelesene besser      verarbeiten zu können, ein Buch, das vom Leser wirklich alles      fordert. Es beinhaltet Folter, Qualen, Erotik, Hass, Humanität,      Freundschaft, Befreiung, Schuld, Macht und Vergebung. Ein      25jähriger Mann, ziemlich von seinen Eltern verwöhnt, wird von      seiner Freundin verlassen. Um sie zu vergessen, reist er nach      Südamerika, wo er sich mit Nichtstun, Alkohol, Drogen und      Porstituierten seine Zeit vertreibt. Durch Zufall gerät er in      einen Militärputsch, wird gefangengenommen und aufs Übelste      gefoltert, muß mitansehen und mitwirken bei der Folterung einer      jungen Frau, die daran stirbt. Als gebrochener Mensch, schwer      verwundet und ohne Zähne, dem Tod schon sehr nahe, wird er in eine      Zelle geworfen, wo ein alter Guerillakämpfer sich seiner annimmt.      Die Ziehtochter des alten Mannes nimmt sich des inzwischen      sprachlos gewordenen Mannes an und verliebt sich in ihn. Langsam      nimmt er wieder am Leben teil, bis er dann eines Tages vor seinem      Peiniger steht und die Lage total eskaliert. Der Autor verarbeitet      hier Reales mit Fiktion. Da er in Krisengebieten lebte, hat er genauere Kenntnisse über die geschilderten Ereignisse. Bereits am Anfang      des Buches warnt er die Leser vor der Brutalität des zu Lesenden      und teilt mit, dass dieser Roman von sensiblen Menschen nicht zu      lesen ist. Am Ende befindet sich dann ein erläuterndes Nachwort.      Außerdem werden Quellen zur weiterführenden Literatur angegeben.      Sehr traurig auf den letzten Seiten in Memoriam. Ein Buch, das den      Menschen bewußt macht, in welchem freien Land wir leben, denn in      vielen Teilen der Welt sind Folter und Qualen an der Tagesordnung.      Ich kann bis jetzt den Inhalt des Buches noch nicht so richtig      verdauen. Ich muß alles erst einmal setzen lassen und mir dann      nochmals über alles Gedanken zu machen.Eine Lektüre, die bis in die      Tiefe der menschlichen Seele reicht. Und es bleibt die Frage für      mich offen: Wie kann ein Mensch so tief fallen, um einen anderen      so zu schaden und zu demütigen.

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Gespräche aus der Community

Liebe Leser,

Ich möchte Sie heute zu einer besonderen Leserunde einladen, die aufgrund des Themas Folter und der expliziten Darstellung von Gewalt und Sexualität nicht für sensible Menschen geeignet ist. Die Lektüre kann Sie bis an die Schmerzgrenze führen.

Ich bitte also darum, dass an dieser Leserunde ausschließlich Leser teilnehmen, die sich intensiv mit Folter auseinandersetzen wollen.

Liebe Leserinnen und Leser,

in dem hier vorgestellten Roman habe ich sowohl persönliche Erfahrungen mit Gewalt als auch intensiv geführte Gespräche mit Opfern von Gewalt, Folter und Vertreibung einfließen lassen. Als theoretischen Hintergrund sind eine große Anzahl von Werken zu diesem Thema verwendet worden, die der Leser in der Literaturliste des Romans findet. Den Anstoß zu diesem Buch haben neben meinen Studien des Marquis de Sade insbesondere mein Aufenthalt in Französisch-Guayana und Suriname geliefert, zum einen zwei Länder mit einer sehr gewaltvollen Vergangenheit zum anderen meine Konfrontation mit dem Bürgerkrieg in Suriname. Nie aus meinem Kopf gehen werden allerdings die Wandgemälde gegen Folter, die ich in den Favelas Brasiliens gesehen haben, die Aufschluss darüber geben, wie sehr Südamerika bis heute unter den Zeiten der Diktaturen gelitten hat.

Um Sie nunmehr auf eine besondere Lektüre vorzubereiten, die sicherlich für den Leser eine schmerzhafte Herausforderung sein kann, stelle ich Ihnen Auszüge aus den Vor- und Nachworten des Romans vor.

Ich bitte also nochmals darum, dass sich an dieser Leserunde ausschließlich Leser beteiligen, die sich wirklich mit der Thematik der Folter und ihren Folgen auseinandersetzen wollen und die insbesondere dazu bereit sind, sich auf extreme Darstellungen einzulassen und sich mit provokanten Thesen auseinanderzusetzen.

In diesem Sinne bin ich auf eine hoffentlich anspruchsvolle Diskussion gespannt.

Da ich allerdings auch noch anderweitig eingespannt bin, bitte ich um Verständnis, dass ich sicherlich nicht immer sofort auf Ihre Beiträge reagieren kann; ich werde aber versuchen, auf alle fairen Kommentare und Fragen einzugehen.

Sollte es im Laufe der Lektüre dazu kommen, dass der eine oder andere Teilnehmer eine längere Pause benötigt, so bitte ich alle anderen Teilnehmer der Leserunde darum, unbedingt darauf Rücksicht zu nehmen. Wir sollten dann gemeinsam nach einer Lösung suchen, falls die benötigte Zeit für die Runde zu lange sein sollte.


Auszüge aus den Vor- und Nachworten des Romans:

La Libertad ist eine Reisebeschreibung, doch die Reise geht nach innen, beginnt zwar mit klar umrissenen Abenteuern in einem eindeutig zu erkennenden Land, doch sie setzt sich fort in der Selbstfindung eines gepeinigten Menschen, dessen Befreiung sowohl äußerliche als auch innerliche Züge an sich hat. Aus diesem Grunde sind die Darstellungen der Gebiete, die der Held durchwandert, nur zu Anfang und am Ende, dort, wo seine Reise einen äußerlichen Charakter hat, klar zu erkennen. Während seiner inneren Reise treten die äußerlichen Attribute seines Aufenthalts dagegen zurück, sind nicht Bestandteil seiner Reise in die Freiheit. 

Die Reise des Helden findet in keinem eindeutigen historischen Kontext statt. Aus diesem Grunde sind verschiedene historische Ereignisse und reale geographische Gegebenheiten ineinander verwoben. (...) Diese historischen Verquickungen finden in einem imaginären Putsch nach dem zweiten Golfkrieg ihren Höhepunkt. 

Das Land des Putsches ist beliebig gewählt, erhebt keinen Anspruch auf die Darstellung einer realen Gefahr in diesem Land. Ebenso sind die geschilderten Menschen frei erfunden, sofern sie nicht als historische Personen kenntlich gemacht wurden. Die Qualen dagegen, die der Held erleiden muss, sind nicht gänzlich erfunden. Folter wie die geschilderte, gab und gibt es immer wieder! Die Helden aus La Libertad könnten überall leben, ihnen könnten überall dieselben Leiden widerfahren, ihre Befreiung würde überall denselben inneren Schmerz heraufbeschwören, denn: 

Freiheit muss erkämpft werden! 

(...), als ich die erste Fassung des Romans einigen Freunden zur ersten Lektüre gab, musste ich mich (...) mit ungeahnten Reaktionen auseinandersetzen. Mir waren diese zentralen Kapitel anscheinend so schockierend gelungen, dass die Leser mit Albträumen wach in ihren Betten lagen und partout nicht weiterlesen wollten ... Es kam zu mehrwöchigen Pausen der inneren Erholung, bevor die Lektüre wieder aufgenommen werden konnte. Also musste ich mir überlegen, was ich ändern könnte.

(...) Ich entschied mich also zur Überarbeitung und Entschärfung der wuchtigsten Stellen (...). 

Was Sie nun also in den Händen haben, ist eine „entschärfte“ Version, welche die tödlichen Ereignisse immer noch darzustellen vermag, dies jedoch in einer Form, so glaube und hoffe ich, die einer aufgeschlossenen Leserschaft und den Verlagen entgegenkommt und zumutbar ist. (Anmerkung zu dieser Textstelle: Es war mir tatsächlich unmöglich, in Deutschland einen Verleger zu finden, selbst die „on demand“-Verlage weigerten sich, daher ist dieser Roman in den Niederlanden erschienen.)

Es geht um Folter. Über Folter wurde und wird viel geschrieben. Folter scheint ein Teil unseres menschlichen Daseins zu sein, scheint uns Menschen von Geburt an als Disposition inne zu wohnen. Die Frage, warum dies so ist, warum Menschen zu Folterern werden, welches ihre Motivationen dazu sind, wird im Laufe des Romans noch vertieft werden. In den folgenden Kapiteln allerdings geht es um die Darstellung von Folter. Es handelt sich nicht um eine Art Dokumentation, nicht um die Distanziertheit, die uns aus den Fesseln der Emotionalität entlässt. Mein Ziel war es, Folter in ihrer ganzen „unmenschlichen" Grausamkeit darzustellen, in ihrer Abfolge der Zerstörung einer Persönlichkeit, in der Vernichtung der Gefühls- und Seelenwelt des Opfers. Ich hätte dabei den „einfachen“ Weg einschlagen können und eine psychologische, ein Weiße Folter beschreiben können, womit ich sicherlich „im Trend“ gelegen hätte. Auch eine „konventionelle“ Gewaltdarstellung hätte eine Wahl sein können, die Leser sind heute bereits in einfachen Krimis mit solchen Gewaltformen konfrontiert. Ich entschied mich jedoch für die Form der Folter, die psychische und konventionelle Gewalt mit Sexualität verbindet und damit die tödlichste aller Foltern darstellt, da sie sowohl die Psyche als auch den Körper zu zerstören sucht. 

Mir fiel es schwer, dieses Kapitel zu schreiben, ich litt unter Atemnot und konnte nur unruhig schlafen. Ich fragte mich schon während des Schreibens, wie weit durfte ich gehen, was war zumutbar, was klang zu fantastisch, wie konnten die Emotionen des Opfers dargestellt werden (...).

Ich kam zu dem Ergebnis, dass nichts unzumutbar sein kann, wenn es um die Aufklärung zur Folter geht, dass nichts zu fantastisch klingen kann, wenn es in der mörderischen Realität existiert, dass die Zerstörung von Emotionen, die Abstumpfung des Opfers gegenüber seinem eigenen Tod nur als bruchstückhafte Versatzstücke erscheinen konnte, (...). 

(...) Die fast schon sezierende Genauigkeit in der Darstellung ist ein Aufschrei der Seelen der Gefolterten, die nie zu Wort kommen, oder wenn, dann nur distanziert dokumentierend. Wir halten es für unzumutbar, uns mit der grausamen Wirklichkeit der Folter auseinanderzusetzen, doch die Worte Holocaust, Vergewaltigung, Zerstückelung, ethnische Säuberung oder ähnliche verbale Versatzstücke, bleiben an der Oberfläche, entfernen uns von den Opfern und ihren Leiden! Und selbst de Sade, der als erster die Grausamkeiten zum Exzess beschrieb, gab seinen Opfern keine Seele, keine Gefühle, sodass sich seine Werke wie Staffelläufe der Grausamkeiten lesen. Ich habe versucht, eine Folter in all ihren widerwärtigen Facetten zu schildern, in Schuld und Mitschuld, in Vernichtung von Leben und Seelen. 

(...) Ich selbst musste die Folterszenen dieses Romans mehrmals durchleiden, und jedes Mal fiel es mir schwer, es war wie ein Kampf gegen den Teufel und seine Hölle! Doch dann erinnerte ich mich an die Opfer des Bürgerkrieges in Suriname, wo ich mich während dieser Zeit aufhielt, die zerstörte Seele eines Indianers, der gefoltert worden war, (...) und ich musste erkennen, dass selbst meine Schilderungen wahrscheinlich noch weit von den Qualen derer entfernt sind, die von der Folter perverser Mitmenschen getroffen werden! 

(...) Mir geht es aber eben auch um die Monster in uns allen, (...). Wir müssen uns klar sein, dass wir alle potenzielle Folterer sind, die einen mehr, die anderen weniger! (...)

(...) Ist die Welt etwa grausamer geworden? Ich glaube nein, sie erscheint uns jedoch in zunehmender Verrohung zu versinken, Gewalt und Menschenverachtung sind medial weltweit stets präsent. 

Seit ich diesen Roman geschrieben habe, sind einige Jahre ins Land gezogen. Während damals über die Gräuel gesprochen wurde, werden diese heute medial von Terrorgruppen zur Spielfilmreife gebracht. Hass wird weltweit mittels Internet und Neuen Medien verbreitet, Gewalt allenthalben verherrlicht. Ich wurde vor Jahren tatsächlich gefragt – von Freunden wie von Verlegern –, ob ich mit meinem Roman (...) nicht die Welt mit grausamen Gedanken „verschmutzen“ würde. Doch heute muss ich erkennen, dass die Welt durch den Terror im Namen der Religionen genauso wie im Namen der Unabhängigkeit, der ethnischen Zugehörigkeit oder einfach der Kriminalität viel mehr verunreinigt wird, als ich dies mit einem Roman je könnte. (...)

Es mag verwundern, dass der Protagonist des Romans (...) für seine Tat am Ende des Romans nicht zur Rechenschaft gezogen wird. In einer zivilisierten Gesellschaft würde er sicherlich vor ein Gericht kommen und ebenso sicher auch verurteilt werden. (...)

Die Situation im Roman betrifft allerdings keinen wie auch immer gearteten Rechtsstaat, sondern die Ereignisse finden in einem Willkürstaat statt, in einem Staat zudem, der sich (...)  in einer Phase der Umwälzung befindet. 

In solchen Phasen gibt es keine Gerechtigkeit in dem Sinne, wie wir ihn in unserer Gesellschaft verstehen. Im Nazideutschland gab es keine Gerechtigkeit, ebensowenig in den totalitären Staaten des Sozialismus oder der Diktaturen. (...)

Fakt ist aber, dass der Rückzug auf eine scheinbar gerechte Judikative in einem Willkürstaat nicht zulässig ist, (...) denn in einem Unrechtsstaat kann es kein gerechtes Recht geben, Recht wird zum spiegelnden Zerrbild der herrschenden Verhältnisse, wird zum Unrecht im scheinbaren Recht. (...)

Während sich der Folterer und staatliche Mörder durch das scheinbare Recht seines Unrechtsstaates gedeckt sieht, kann sich der Gefolterte und Gemordete nur auf sein natürliches Recht auf Leben sowie seine körperliche und seelische Unversehrtheit berufen. Wird ihm dieses Recht während der Folter genommen, so hat er keine Möglichkeit, sein Recht vor einer anderen Instanz als seiner Selbst einzuverlangen. 

(...)

Den Weg, den der Protagonist hierbei einschlägt, ist seltsam, er entspricht nicht unserem Bild von Gerechtigkeit, von Rache oder Vergebung, er ist metaphysisch und archaisch. Diese Herangehensweise an die Frage, wie geht ein Opfer von Folter mit seinem Folterer um, würde er die Gelegenheit dazu bekommen, ist insofern eher theoretische Natur, da die Opfer meist keine Gelegenheit mehr bekommen, auf den Folterer in überhaupt einer Weise zu reagieren. (...)

(...) Menschen sind von Natur aus nicht nur in der Lage, bestialisch zu handeln, nein, sie tun es auch, sobald eine Gesellschaft es ihnen erlaubt - dies belegt die Geschichte in unzähligen Variationen über die Jahrtausende menschlicher Gesellschaften hinweg. 

(...) Er (der Roman) konfrontiert an dieser Stelle den Leser mit einer ursprünglichen Frage, mit der Frage nach Gerechtigkeit im Angesicht der unbeschreiblichen Folterqualen, mit der Frage also, was uns als zivilisierte Menschen von der Barbarei der Folter unterscheidet, oder ob wir nicht doch Teil dieser unmenschlichen Disposition sind, so wie dies bereits de Sade in seinem Vorwort zu den „Hundertzwanzig Tagen“ beschrieben hatte.

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