An New York kann man sich abarbeiten. Oder man kann es als Kulisse betrachten, um die eigene Kunst der fotografischen Wahrnehmung vor einem bekannten Hintergrund zu zelebrieren, so wie es Bernhard Hartmann in diesem Bildband vormacht. Insofern täuscht der Titel etwas. Selbstverständlich sieht man bei Hartmanns Bildern etwas von dieser Stadt, aber eben nicht so, dass man hinterher von ihr einen prägenden Eindruck hätte.
Im Vorwort liest man etwas vom "Drama der Formen". Ich bin ein großer Bewunderer solcher wohl formulierter Einführungen, weil mir das Meiste davon nie eingefallen wäre. Beim ersten Betrachten sind mir Dramen jedoch nicht aufgefallen, wohl aber, dass Hartmann das Tageslicht scheut. Die meisten Aufnahmen haben die Sonne nicht gesehen. Und wenn es mal hell ist, dann sieht man meistens künstliches Licht. Abgesehen von wenigen Ausnahmen kann man auf Hartmanns Bildern kaum scharfe Einzelheiten erkennen, was wohl Absicht ist. Bilder mit scharfem Vordergrund meinen eigentlich die unscharfe Ferne, in der man oft New York sieht oder einen Teil dieser erdrückenden Stadt, in der Menschen scheinbar nebensächlich zu sein scheinen.
Was bei Tage sicher grau und recht trostlos wirken würde, machen nächtliche Lichter glitzernd und bunt. Und diffus. Formen verschwimmen völlig undramatisch unscharf im bunten Lichtermeer. Oder man kann sie nicht mehr genau identifizieren, weil das Licht auf den Bildern zu grell ist, wie in Hartmanns Fotos von der WTC Path Station.
Allerdings findet man auch einige Ausnahmen in diesem Band, die die übrigen Aufnahmen konterkarieren, etwa Bilder von der St. Patrick’s Cathedral, der Public Library oder der Grand Central Station. Ganz aus der Reihe tanzen Bilder von New Yorker Polizisten, die irgendwie nicht in diesen Band passen wollen, weil man sonst kaum wirklich Menschen sieht.
Betrachtet man Hartmanns Bilder unter ästhetischen Gesichtspunkten und nicht als eine Führung durch New York (und so sind sie wohl gemeint), dann schmeicheln sie oft dem Auge, wenn man einen Blick dafür aufbringen kann.
Bernhard Hartmann
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Bernhard Hartmann
New York
Souveräne Bankrotte: Die Implosion der globalen Schwellenländerschulden
Havana
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Von einem bekannten Ökonomen stammt der Satz, dass der Sozialismus nur so lange überleben kann wie die von ihm einst übernommenen Gebäude. Dieses auf den ersten Blick merkwürdige Gesetz kann man auf Kuba in seiner ganzen Wirksamkeit beobachten. Der Bildband von Bernhard Hartmann dokumentiert das in einer seltenen Eindringlichkeit. Mit der Verbannung des Bürgerlichen stirbt auch die bürgerliche Kultur. Verfall und Elend bestimmen zunehmend das Bild. Es ist weder der Wille, noch das Kapital für den Erhalt von Gebäuden vorhanden, die aus einer Zeit stammen, mit der sozialistische Diktaturen nichts mehr zu tun haben wollen.
Aber die Gebäude sind nur ein Indikator für den ökonomischen Verfall. Auf welche Weise die sozialistische Führung im Angesicht einer solchen Situation kapituliert, ist der jeweiligen Situation geschuldet. Die kubanischen Kommunisten wollen das Land für ausländische Investoren öffnen, immer noch hoffend, dass ihre heruntergewirtschaftete Insel dennoch so bleiben wird, wie sie es wollen. Aber das wird erfahrungsgemäß nicht passieren.
Und genau deshalb ist es wichtig, dass Fotografen wie Bernhard Hartmann den Zustand dokumentieren, der vom Verfall einstmaligen Glanzes zeugt. Zwar heißt dieser Bildband "Havana", aber in Wirklichkeit sieht man nur Ruinen von außen und von innen. Faszinierend finde ich immer wieder, dass die wirklichen Zusammenhänge auch in diesem Band nicht genannt werden. Vielleicht liegt es am karibischen Flair dieser Insel, dass man den Duft des Todes nicht so spürt wie anderswo in Ruinen.
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