Bernhard Kegel Taschenbücher / Die Herrscher der Welt

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Inhaltsangabe zu „Taschenbücher / Die Herrscher der Welt“ von Bernhard Kegel

Ob kilometertief unter dem Meeresboden oder hoch oben in der Troposphäre: Mikroben sind unangefochten die vorherrschende Lebensform auf Erden! Erst in den letzten Jahren erkennen Forscher im Zuge verbesserter DNA-Analysen wie schwindelerregend hoch ihre Zahl und Vielfalt tatsächlich ist und wie eng und vielfältig die Verbindungen von Tieren und Pflanzen mit den mikrobiellen Winzlingen wirklich sind.
In »Die Herrscher der Welt« erzählt Bernhard Kegel kenntnisreich und höchst anschaulich von diesen revolutionären Entdeckungen, die die Art, wie wir uns selbst und das Phänomen Leben sehen, vollständig verändern.

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    Taschenbücher / Die Herrscher der Welt

    Kaivai

    27. December 2015 um 17:05

    Ach ja, es ist schön ein Buch zu lesen, das von Revolution handelt. Von wissenschaftlicher Revolution. Anfang des 20. Jahrhunderts revoltierte die Physik, da wäre ich gern dabei gewesen, heute zählt sie ja nur noch Erbsen. Dafür stürzt die Biologie gerade um. Schuld sind "Die Herrscher der Welt". Die Herrscher sind, nein, nicht die Menschen, es sind die Mikroben und vor allem die Könige der Mikroben, die Bakterien. Die ersten Lebewesen auf diesem Planeten. Über 2 Milliarden Jahre lebten sie auf dieser Welt, bevor der erste Vielzeller das Licht derselben erblickte. Hatten also Zeit sich auf uns, auf Pflanzen und Tiere vorzubereiten. Und unsere Welt erst möglich zu machen. Die Cyanobakterien erfanden die oxygene Photosynthese und lösten damit den Sauerstoff, den es auf der Erde nur in Molekülen gebunden gab, aus seiner Fixierung. So entstand die Athmosphäre. Cyanobakterien wandelten sich später, in den Pflanzen, zu Chloroplasten, zu dem Photosyntheseorgan in den Pflanzenzellen. Auch die Mitochondrien, die Motoren der tierischen Zellen, haben bakteriellen Ursprung. Bakterien sind überall. In rauen Massen. Keimfreie Zonen gibt es nur im Außerirdischen und im Labor. Und überall haben sie ein Wörtchen mitzureden. Helfen nahrung zu zerkleinern, erzeugen Duftstoffe, sind zentrale Protagonisten im Immunsystem undundund. Ca. 100 Billionen Bakterien leben in und auf einem Menschen. Pathogen, also krankheitserregend, sind die wenigsten, wie auch, dann wären wir ja ständig krank. Die Bakterien sind vor allem Symbionten, d.h. sie haben es gelernt mit uns zu leben, zu ihrem und zu unserem Vorteil. "Mögen unsere Symbionten auch künftig mit uns sein!" ist der letzte Satz dieses Buches. Das wie ein Hammer in verkrustete Denkstrukturen schlägt. Der Autor ist klug. Beleuchtet von vielen Seiten. Und macht gerade darum die Umwälzung, die eine vermoderte Biologie hinweg spült, umso deutlicher und glaubhafter. Dies Buch ist eine Knackdiewissenschaftnuß, doch auch sehr unterhaltsam geschrieben. Schillernde Fakten, so wie die Bakterienübertragungsrate bei einem zehnsekundigen Zungenkuß. 80 Millionen. Auch erhellend, dass auf der Haut von Frauen mehr Bakterien rumhoppeln, als auf der von Männern. Der ph-Wert ist niedriger, die Haut nicht so sauer. Das ziehen Bakterien als Lebensraum vor. Und dann das Händewaschen. Bringt die Bakterienvölker nur kurzfristig in Existenznot, schnell finden sie wieder zu sich und füllen die Lücken. Einige Bakterienarten wie bsw, die Stoplylococcen und die Streptococcen neigen sogar dazu sich durch das Händewaschen zu vermehren. Dann noch dies: "Auch wenn wir es nicht gern hören: Kot ist nahezu überall. Wussten Sie, dass mit jeder Spülung ein kleiner Teil des Toiletteninhalts als feiner Aerosolnebel in der Badezimmerluft verteilt wird? Und wo befindet sich ihre Zahnbürste? Das Labor des gebürtigen Neuseeländers Rob Knight in Boulder, Colorado, eine wichtige Adresse in der Mikrobiomforschung, hat Zahnbürsten untersucht.Und was war wohl das Ergebnis?"..." "Die Welt ist von einer feinen Patina aus Fäzes bedeckt", bestätigt Stanley Falkow, Mikrobiologe an der renommierten Stanford University. Das ist allerdings weniger ein hygienisches Problem als eine der Voraussetzungen dafür, dass Mikroben überhaupt in ihre Wirte gelangen." Seit der Mensch das erste Bakterium entdeckt hat, führt er einen Feldzug. Bakterien sind Feinde. Wie dumm. "Ein Wirt, der über effektive Waffen verfügt und Mikroben auf breiter Front den Kampf angesagt hat, der sich dabei wie ein Elefant im Porzellanladen aufführt und ungewollt das Millionen jahre alte Zusammenspiel der Partner im eigenen Superorganismus durcheinanderbringt, dürfte ein echtes Novum in der Geschichte des Lebens darstellen. Er hätte ohne Zweifel das Potential, zu einer tragikomischen Figur zu werden, die im Glauben, sich abgrenzen und schützen zu müssen, auch die Verbindungen und Äste kappt, die ihn am Leben und bei guter Gesundheit erhalten. Das ganze erinnert an einen König, der sein gesamtes Volk töten läßt, weil eine wenige Untertanen ihm nach dem Leben trachten. Bis er selber verhungert, weil niemand mehr für ihn Nahrung produziert." Was tun? Ein Interviewer fragte Mikrobiologen, was sie selbst in ihrem Leben verändert hätten, seitdem sie an diesem Thema arbeiten. Ihre Antwort: "Zurückhaltung mit Antibiotika, besonders bei Kindern, daheim keine übertriebene Sauberkeit und die Aufforderung an die lieben Kleinen, draußen und mit Tieren zu spielen, sowie last but not least eine Ernährung, die weitgehend auf industrielle Fertigprodukte verzichtet." Aber was bleibt den Menschen, wenn sie die feindliche Umwelt nicht mehr mit Pillen und Putzen im Zaum halten können? Eine neue Angst muß her. Die Viren? Sind ja noch zahlreicher als die Bakterien. Die Welt der Viren. Gelten nicht als Lebewesen, sind aber da. Sechzig Prozent der Viren leben in Bakterien als Phagen. Und kontrollieren sie? Um uns zu zerstören? Wir werden es erfahren. Die Biologie schreitet voran.

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  • Wir sind im eigenen Körper eine Minderheit

    Taschenbücher / Die Herrscher der Welt

    R_Manthey

    24. June 2015 um 09:44

    Als Mediziner im 19. Jahrhundert zur Kenntnis nehmen mussten, dass es im menschlichen Darm nur so von Bakterien wimmelt, von denen Robert Koch gerade bewiesen hatte, dass sie Krankheiten verursachen können, wurde sogleich ein wichtigtuerischer Name für diese scheinbar krankhafte Darmverunreinigung erfunden. Sie hieß von nun an "intestinale Toxämie". Zu ihrer Vorbeugung wurde von britischen Hofmediziner Sir William Arbuthnot Lane sogar die prophylaktische Entfernung großer Teile des Dickdarms empfohlen. Irgendetwas an dieser historischen Episode kommt einem doch irgendwie merkwürdig bekannt vor. Sie wird vom Autor dieses Buches im Text erwähnt, weil er seinen Lesern zeigen möchte, wie sich inzwischen die Sichtweise vollständig umgekehrt hat. Es geht in seinem Buch um die unglaublichen Kooperationen, die fast alle komplexen Lebewesen mit Kleinstorganismen zum beiderseitigen Vorteil eingehen. Man möchte fast noch das Wort "bewusst" einfügen, scheut sich aber, weil das schließlich einen Willen oder ein bewusstsein voraussetzen sollte. Man könnte sich nun fragen, was denn daran neu sein sollte. Auf diese berechtigte Frage geht der Autor gleich zu Beginn seiner Ausführungen ein. Heute kann man beispielsweise Meerwasser einem Sequenzierungsautomaten zuführen und bekommt dann eine Analyse dieses DNA-Gemisches. Auf diese Weise entstand ein völlig neues Bild der lebendigen Mikrowelt und eine riesige DNA-Datenbank von Mikroorganismen, die Forscher noch nie zu Gesicht bekommen haben, geschweige denn züchten konnten. Nur die Existenz einer immer größer werdenden Zahl bisher unbekannter Bakterien wurde mit dieser Methodik bewiesen. In der Folge untersuchten Mikrobiologen auch das mögliche Zusammenspiel und die Funktionsweise unter anderem auch unserer körpereigenen Mikroben. Immerhin bewohnen uns schätzungsweise dreimal mehr dieser Organismen als wir Körperzellen besitzen. Ein großer Teil unseres Körpers sind also gar nicht wir selbst. Abgesehen von den vielen faszinierenden Einzelheiten, über die Bernhard Kegel ausführlich und begeistert berichtet, werfen diese neuen Erkenntnisse zahlreiche fundamentale Fragen auf. Zum Beispiel: Was ist eigentlich ein Lebewesen? Tatsache ist nämlich, dass wir ohne unsere Mitbewohner schnell sterben würden. Eine andere Frage betrifft die Evolutionstheorie. Wenn es keine "reinen" Lebewesen gibt, muss man dann nicht von "Gruppenevolution" sprechen? Das allerdings treibt Evolutionstheoretiker auf die Barrikaden. Vielleicht sind das nicht die Fragen, die praktisch orientierte Mitmenschen interessieren, die in der Biologie nicht unbedingt ihre Lebensaufgabe sehen. Doch dieses Buch enthält auch Antworten oder neue Sichtweisen auf ganz praktische Fragen. Beispielsweise wie unser Immunsystem entsteht und wie es funktioniert. Und wie wir es sabotieren können. Wirklich bemerkenswert sind Kegels Schilderungen, wie in einer schwangeren Frau eine "Grundausstattung" an Mikroorganismen auf das Kind übertragen wird, wie sich die Mikrowelt in der Schwangeren ändert oder wie man das oft seltsam anmutende Verlangen schwangerer Frauen auf bestimmte Nahrungsmittel mit diesen Veränderungen erklären kann. Wir werden ohne unser Wissen von unseren Mitbewohnern gesteuert. Wie das genau funktioniert, ist noch unklar, aber diese Tatsache an sich ist inzwischen unbestreitbar. Kegel erklärt in diesem Buch auch, warum Kaiserschnitte ohne medizinischen Grund keine gute Idee sind oder wieso manche Säuglinge in den ersten Monaten ständig schreien und ihre Eltern damit fast in den Wahnsinn treiben. Das Buch liest sich gut, allerdings erweist sich die Lektüre gelegentlich auch als etwas anstrengend. Das hat wahrscheinlich sowohl etwas mit Kegels Bedürfnis zu tun, so viel wie möglich von seinen Erkenntnissen an seine Leser zu bringen, als auch mit dem gegenwärtigen Zustand dieser Forschungen. Die meisten Erkenntnisse sind noch so jung, dass die ganze Wissenschaft davon noch recht weit entfernt von allgemeinen oder abstrakteren Aussagen ist. Folglich lernt man auch in diesem Buch sehr viele Beispiele kennen. Darunter sind auch viele aus der Meeresbiologie, die einen nicht so schrecklich an diesem Gebiet interessierten Leser nicht unbedingt vom Hocker reißen. Wenn man das durchhält, wird man am Ende des Buches mit Erkenntnissen zur innermenschlichen Mikrowelt belohnt. Und das wiederum ist wirklich äußerst interessant und lehrreich. Vielleicht hätte eine größere Konzentration auf den menschlichen Holobionten das Buch einer breiteren Leserschaft zugänglicher gemacht. Denn alleine in dieser Symbiose, die man leichter nachvollziehen kann, weil man sie schließlich erlebt, gibt es viele neue, faszinierende und völlig überraschende Details.

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  • Leserunde zu "Die Versuchung der Pestmagd" von Brigitte Riebe

    Die Versuchung der Pestmagd

    Brigitte_Riebe

    Wer von euch "Die Pestmagd" kennt, möchte sicherlich wissen, wie die Geschichte von Johanna, Vincent und ihrem gemeinsamen Sohn Jakob weitergeht ... Sie müssen Köln verlassen und kommen über Basel nach Mainz - wo  die Schwarzen Pocken zu wüten beginnen ...
    Leserunde startet am 3.4.2015 - es werden vom Diana Verlag 15 Bücher verlost - also bitte bewerben!

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