Bernhard Nette »Vergesst ja Nette nicht!«

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Inhaltsangabe zu „»Vergesst ja Nette nicht!«“ von Bernhard Nette

Bruno Nette (1887-1960) organisierte die Deportationen der von den Nazis als jüdisch klassifizierten Menschen aus Bremen und dem Regierungsbezirk Stade. Er war an der Verfolgung und Ermordung von über 800 Menschen direkt beteiligt. Am 29. April 1945 wurde er von den Briten verhaftet.

Bernhard Nette erforscht das Leben seines Großvaters und seiner Großmutter von der Kaiserzeit bis zur Bundesrepublik. Während der NS-Diktatur ging ein Riss durch die Familie in Bremen und in Varel mit ihren kommunistisch-sozialdemokratischen Mitgliedern und dem NS-treuen Großvater, aber auch durch die »unpolitische« Hitlerjugend-Generation.

Obwohl die meisten Opfer des »Judenreferenten« ermordet worden waren und obwohl die Gestapo Bremen noch im März 1945 alle Akten verbrannt hatte, belasteten doch knapp 85% der Überlebenden Bruno Nette im März 1949 als Zeugen vor der 1. Bremer Spruchkammer. Sie erinnerten sich daran, wie er gegen Menschen, die in »privilegierter Mischehe« lebten, vorging und »Arier« zur Scheidung von jüdischen Ehepartnern zwingen wollte. Dazu kam seine fast pornographisch zu nennende Lust an der Verfolgung von »Rassenschande«. Dem entsprach allenfalls sehr bedingt das Bild des korrekten Beamten, das Bruno Nette von und für sich nach 1945 entwarf. Dass ca. 15% der Zeugen ihn teilweise sogar entlasteten, lag daran, dass sie aus den Reihen derjenigen Überlebenden stammten, die erst ab Herbst 1944 deportiert wurden, und dass er einige wenige von ihnen wegen des Herannahens der Alliierten vorsichtiger behandelte. Wie viele NS-Täter konnte Bruno Nette das über ihn gefällte Urteil bis zur Unkenntlichkeit abmildern. Anfangs noch als »Belasteter« eingestuft, wurde er am 23. Juni 1950 zum »Mitläufer« erklärt.

Der Historiker Karl Heinz Roth: »Bernhard Nettes Buch ist eine kompromisslos offene Suche nach der historischen Evidenz, in der der existenzielle Antrieb, mit der Biografie eines schreibtischmörderischen Großvaters zurande zu kommen, beeindruckt. Dabei lotet der Autor alle Abgründe aus und wägt seine eigene Berechtigung zum Urteil (etwa über die Kollaborateure der jüdischen Gemeinde) immer wieder ab.«

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