Der Titel klingt banal: „Zuhören“, doch betrachtet man das genauer, wird man feststellen, dass schon der Titel und vermutlich erst recht der Inhalt es in sich haben.
Bernhard Pörksen geht in diesem Buch der Frage nach, warum wir nicht mehr zuhören, und erläutert, warum er diese Fähigkeit als zentral betrachtet. Ausgangspunkt hierzu ist für ihn der Grundgedanke des Buches, dass es manchmal überlebenswichtig sei, dem Clown (einer Figur Kierkegaards, bei der er mit vorgefassten Erwartungen „spielt“) zuzuhören. Im durch Rollen bzw. Sprecher vorbelegten sofortigen Bescheidwissen bzw. vorschnellen Urteil sieht Pörksen eine Gefahr, die er in „Zuhören“ umkreist. Im ersten Teil geht es um grundsätzliche Fragen, seine Motive und Erfahrungen; weiter geht es mit einer „Praxis des Zuhörens“, der Bedeutung von Kontexten (man könnte sagen einer Art theoretisch-praktischer Basis), um sich letztlich mit einer „Politik des Zuhörens“ auseinanderzusetzen. Es geht ihm letztlich um angemessenes Verstehen, das ohne Zuhören und Kontext unmöglich sei. Die wiederum seien Voraussetzung für adäquate Positionen und Urteile, um nicht auf Klischees und vorschnelles Urteilen „hereinzufallen“.
Schon anhand dieses kurzen Inhaltsabrisses wird klar, dass Pörksen ein Problem erkannt hat, nämlich dass wir kaum mehr zuhören (sondern meist „senden“). Er geht den Ursachen für nicht stattfindendes Zuhören nach, und zwar sowohl im privaten wie öffentlichen Umfeld. Er analysiert also zunächst und auf Basis dieser Analyse präsentiert er Ansätze und Methoden, wie wir das Zuhören wieder lernen. Dabei arbeitet er quasi interdisziplinär zwischen Philosophie, Soziologie und Kommunikationstheorie, was klarmacht, dass der Inhalt nicht gerade die Zugänglichkeit eines Comics hat, für die Dichte der Information jedoch noch sehr gut lesbar ist, was nicht zuletzt an zahlreichen Beispielen liegt. Da Pörksen seinen Lesern auch den Spiegel vorhält, ob man selbst immer genau genug zuhört, leistet er einen Beitrag zur (dringend nötigen) Verständigung. Das mag nicht alles neu sein, aber gut zusammengefasst. Wer nicht eine Art „Arbeitsanweisung“ sucht, wird nicht glücklich werden, aber wer auf Basis von Hintergrundwissen selbst zu einer Verhaltensänderung kommen will, sollte das Buch dringend lesen – eigentlich sollte es Pflichtlektüre sein.



















