Bernhard Pörksen Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter

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Inhaltsangabe zu „Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter“ von Bernhard Pörksen

WikiLeaks blamiert zuerst eine Weltmacht unddann sich selbst. Blogger prangern einige wenige,bis dahin unbeachtet gebliebene Sätze des Bundespräsidentenan und forcieren im Verbund mitklassischen Massenmedien seinen Rücktritt. Politikerstürzen über Plagiate, die sich im Netz detailgenaudokumentieren lassen. In die falschenKanäle gelangte Fotos und Handyvideos, SMS-Botschaftenund Twitter-Meldungen beenden Karrierenund werden zu global zirkulierenden Beweiseneines Vergehens, die sich nicht mehr aus derWelt schaffen lassen. Immer mehr Daten lassensich immer leichter verknüpfen, rekonstruieren,dauerhaft speichern – und eines Tages in öffentlicheDokumente der Diskreditierung verwandeln,die sich nicht mehr nur gegen Mächtige undProminente, sondern auch gegen Ohnmächtigeund gänzlich Unbekannte richten. Blitzschnellsind im digitalen Zeitalter Transparenz und Aufklärungmöglich – und in rasender Geschwindigkeitverbreiten sich Falschmeldungen, bilden sichWut- und Empörungsgemeinschaften, die mitSchicksalen auf einer weltweit sichtbaren Bühnespielen. Dieser materialreiche Essay ist eine Provokation.Zur Debatte steht die Diagnose der Autoren:Der Skandal ist kein Distanzereignis mehr,sondern hat unser aller Leben erreicht.

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  • Rezension zu "Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter" von Bernhard Pörksen

    Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter

    Sophia!

    02. May 2012 um 17:48

    *„Handle stets so, dass dir öffentliche Effekte langfristig vertretbar erscheinen. Aber rechne damit, dass dies nichts nützt.“* _ Dieser neu formulierte, speziell für Online-Medien geltende kategorische Imperativ plädiert für einen bewussten Umgang mit persönlichen Daten. Gerade in Zeiten, in denen digitale Medien nicht nur Hochkonjunktur haben, sondern in denen wir uns ein Leben ohne sie schon gar nicht mehr vorstellen können, ist eine erneute Sensibilisierung für mögliche Gefahren überaus angebracht. Denn heute gilt Aufmerksamkeit längst nicht mehr nur Prominenten, sondern jeder kann gewollt und vor allem ungewollt zum Mittelpunk öffentlichen Interesses werden. _ Peinliche auf einer Party aufgenommene Fotos, heimlich gedrehte Filme oder die Veröffentlichung allzu privater Daten sorgen immer wieder für eine dauerhafte Zerstörung der digitalen Reputation. Und einmal losgetreten, kommt eine gewaltige Lawine in Gange, die sich rasend schnell und ungehindert auszubreiten vermag. Die Autoren nennen dieses seit geraumer Zeit zu beobachtende Phänomen den entfesselten Skandal. Cybermob und Crowdsourcing sind zudem Begriffe, die man sich künftig merken sollte. Sie bezeichnen die beiden wichtigsten Charakteristika digitaler Medien, nämlich einerseits durch die Masse ausgelöste positive Folgen eines Ereignisses und andererseits regelrechte Beobachtungen einer Hetzjagd bis hin zu Rufmord. Viele Beispiele werden von den beiden Autoren diesbezüglich genannt. Sei es der Fall eines 17-Jährigen, der öffentlich als Mörder denunziert wurde, natürlich fälschlicherweise, oder der bekannte Diskurs rund um die Guttenbergsche Plagiatsffaire. Vielfache Belege verdeutlichen zumeist negative Folgen eines allzu unreflektierten Umgangs mit Daten. Erschreckend sind die Wirkungen solcher Skandale neuen Ausmaßes. An nicht wenigen Stellen des Buches wird man als Leser regelrecht wachgerüttelt. Aber auch positive Effekte sind beschrieben. Als Beispiel sei an die Greenpeace-Kampagne gegen Nestlé erinnert, die durch ihre besondere Radikalität eine große Adressatenschaft ansprechen und somit letztlich zu einer Veränderung bewegen konnte. _ Insgesamt vertritt das Buch eine eher pessimistische Einstellung in Hinblick auf die Potenziale digitaler Medien, meines Erachtens völlig zu Recht. Es wird höchste Zeit, einigen Nutzern gewisser Sozialer Netzwerke die Augen zu öffnen und sie zu einem Umdenken anzustiften. Welche Gefahren sich durch eine enthemmte Kommunikation ergeben können, werden hier sehr anschaulich vorgeführt. Den beiden Autoren ist es gelungen, ein Thema, das uns alle betrifft, auf wissenschaftlicher Basis ansprechend aufzubereiten. Jedes Kapitel ist hochinteressant und bietet zahlreiche ungeahnte Einblicke und Hintergrundinfos! _ Fazit: Wir haben uns dem Ende der Kontrolle zu stellen. Am besten kann dies durch umfassende Information gelingen. Genau das bietet dieser Text! Unbedingt zu empfehlen!

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  • Rezension zu "Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter" von Bernhard Pörksen

    Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter

    michael_lehmann-pape

    02. May 2012 um 11:29

    Digitales Leben ohne Kontrolle Die Piratenpartei im bundesweiten Aufwind. Eine expansive Ausweitung sozialer Netzwerke, die sich beileibe nicht nur in Facebook erschöpft. Dies einhergehend mit einer zunehmenden Diskussions- und Recherchefreudigkeit im Net (hier reicht alleine schon die Erwähnung der inzwischen mannigfaltig durchleuchteten Doktorarbeiten, um die Macht des Netzes auch für das „analoge“ Leben zu dokumentieren), aber auch mit einer hohen Anonymität und durchaus rauen Sitten (die unter Umständen genau mit dieser Schutz Anonymität einhergehen). Zudem eine Allgegenwärtigkeit und eine Speichermöglichkeit gerade für mannigfaltige Bild, Film und Wortschnipsel, die durchaus zu Lasten des ein oder anderen Angesprochenen oder Abgebildeten gehen. Shit Storms auf Twitter, Mobbing, Verleumdung, unflätige Sprache in vielfachen Foren und Kommentarfunktionen sprechen eine klare Sprache dahin, dass sich Form, Art und Stil des öffentlichen Diskurses in und durch das Internet und in und durch eine „mediale Allgegenwart“ in einer starken Veränderung befinden. Schon das erste Beispiel im Buch zeigt auf, wie leicht und schnell jeder in verfängliche Situationen geraten kann, welche sich dann umgehend und dauerhaft „gespeichert“ in der „weltweiten“ Öffentlichkeit des Net wiederfinden. So manch einer fand sich durchaus bereits als „Netzberühmtheit wider Willen“ schon auf youtube verewigt, wie das „Star Wars Kid“, mit durchaus belastenden Folgen für das „ganz normale“ Leben. Eine Masse an „Skandalen“ kleinen und größeren Ausmaßes, die durchaus allein bereits durch ihre Verkürzungen ein Problem darstellen (Edmund Stoiber lässt sich sicherlich im Gesamten nicht auf seine sprachlichen Transrapidäußerungen alleine reduzieren). Selektive Auswahl, Nachbearbeitungen, der Unterschied zu den alten Medien, die „neuen Opfer“ und die Macht des Publikums, die umfassenden Möglichkeiten einer „gandenlosen Dokumentation“ und die Folgen, wenn jedes Handy zu geschärften „Allzweckwaffe“ wird, all diesem gehen die Autoren im Buch in leicht verständlicher Sprache und anhand griffiger Beispiele nach. Zeigen dabei auf, wie die allzumenschliche „Lust an der Diffamierung“ ganz neue, breite und durchaus nachhaltige „Spielweisen“ erhält. Folgen, welche die Autoren in den beiden Begriffen „Kontrollverlust“ und „Kontextverletzung“ ebenso griffig dann zusammenfassen und einer Kritik somit zuführen. Denn es ist eine offene und durchaus mehr und mehr drängende Frage, wessen Geschichte und wessen Sichtweise zählt und damit zur Grundlage für zu findende Regelungen werden kann. Die mannigfaltigen Geschichten der Cyber-Opfer und der degenerierenden sozialen Umgangsformen oder die des arabischen Frühlings? Beides Folgen einer Transparenz, die neu und breit im Raume steht. Fragen, auf die Autoren keine einfache und klare Antwort zu geben bereit sind, zu deren möglicher Beantwortung sie aber vielfaches Material für die eigene Reflektion und die öffentliche Debatte liefern. Verständlich, präzise und an der Praxis orientiert, bieten die Autoren eine sehr interessante Lektüre zur „Öffentlichkeit des Internet“, die einen Anstoß zu einer größeren (und nötigen) Diskussion liefern will und liefern kann.

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