Olga

von Bernhard Schlink 
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Olga
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Positiv (109):
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Lesenswerter Roman über eine starke Frau.

Kritisch (9):
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Fand ich leider zum Großteil sehr langweilig. Nur Teil 3 mit den Briefen hat mir gut gefallen.

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Inhaltsangabe zu "Olga"

Die Geschichte der Liebe zwischen einer Frau, die gegen die Vorurteile ihrer Zeit kämpft, und einem Mann, der sich mit afrikanischen und arktischen Eskapaden an die Träume seiner Zeit von Größe und Macht verliert. Erst im Scheitern wird er mit der Realität konfrontiert – wie viele seines Volks und seiner Zeit. Die Frau bleibt ihm ihr Leben lang verbunden, in Gedanken, Briefen und einem großen Aufbegehren.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783257070156
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:320 Seiten
Verlag:Diogenes
Erscheinungsdatum:12.01.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 12.01.2018 bei Diogenes erschienen.

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Rezensionen und Bewertungen

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    BluevanMeers avatar
    BluevanMeervor 2 Tagen
    "Ich verlor etwas, das ich nie wieder finden würde."

    Olga ist ein Mädchen, das aus armen Verhältnissen stammt, keine Probleme macht und relativ schlau ist. Während die anderen Kinder spielen, steht sie lieber am Rand und schaut zu. Ihre Eltern sterben früh am Fleckfieber, sie wird von der Großmutter in einem pommerschen Dorf aufgezogen, einer strengen Frau. Olga lernt fleißig, damit sie selbst einmal Lehrerin werden kann. Und dann kommt Herbert, der sich in Olga verliebt und gleichzeitig auch Deutschland zu neuem Ruhm verhelfen möchte.


    "Aber sie gehörte nicht wirklich dazu. Sie sehnte sich nach anderen, die ebenfalls nicht dazugehörten. Bis sie einen fand. Auch er war anders. Von Anfang an." (S.12) 

    Der Roman gliedert sich in drei Teile, der letzte Teil besteht aus Briefen, die von Olga verfasst wurden. Ihre Mutter war Polin, ihr Vater Deutscher, sie selbst kommt 1893 in Breslau zur Welt. Nachdem sie bei der Großmutter landet, flieht sie nach Heidelberg, dort stirbt sie Anfang der 1970er Jahre. "Olga" ist nicht nur die fiktive Biografie einer ungewöhnlichen Frau, sondern auch eine Liebesgeschichte und auch ein Stück erzählte Zeitgeschichte. Bismark, Kolonialismus, zwei Weltkriege - Olga erlebt alles mit und hat schon früh eine große Sorge, wenn es um die deutsche Neigung geht, immer alles "zu groß" zu wollen. Und auch Herbert verfällt dieser Idee.

    Spannend sind die wechselnden Erzählperspektiven. Das ist vielleicht auch der spannendste Moment dieses Romans. 

    Der erste Teil des Romans ist aus auktorialer Sicht geschrieben. Er umfasst die Zeit in Breslau bis nach Heidelberg. Der zweite Teil wird aus Ich-Perspektive erzählt. Erzähler ist ein Pfarrerssohn. Olga arbeitet für seine Familie als Näherin und zu dem jungen Ferdinand entwickelt sich ein besonders Verhältnis. Anders als im Vorleser wird die Beziehung zwischen einer älteren Frau und einem jüngeren Mann hier aber nicht erotisch aufgeladen. Sie ist trotzdem etwas ganz besonderes:

    "Sie war alt. Aber das Verständnis, das ich bei ihr fand, neugierig und nachsichtig, und ihre Liebe, die sich an mir freute, mich aber nicht brauchte und nicht forderte - es hatte das noch bei den Großeltern gegeben, gab es aber sonst bei niemandem, nicht bei den Eltern, nicht beim Freund, nicht bei der Geliebten. Ich verlor etwas, das ich nie mehr finden würde . (S.159)

    Der dritte Teil besteht aus Briefen, die lange nach dem Tod der Verfasserin wiederauftauchen und die zurückführen in die gemeinsame Zeit mit Herbert. Herbert ist der Sohn eines wohlhabenden Gutsbesitzers, den die Lust nach Abenteuern in fremde Länder aufbrechen lässt. Die Briefe erreichen Herbert nicht, er wird nie zurückkommen, denn er hat beschlossen, "ein Übermensch zu werden und Deutschland groß zu machen". 


    Durch die Briefe klären sich viele Andeutungen aus den ersten beiden Teile auf. Das ist gut, ziemlich auf den Punkt und sehr schnörkellos erzählt.  

    Man kann den Roman sehr gut lesen, keine Frage. Die Kapitel sind so kurz, dass man sich nicht verlieren kann, die Briefe ebenfalls. Trotz der gelungenen Konstruktion ist das erzählerisch leider kein all zu großer Wurf. Obwohl ich so viele Seiten über Olga lese, wirkt sie auf mich sehr eindimensional. Bei einer so überragenden Lebensgeschichte ziemlich schade. 

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    -Leselust-s avatar
    -Leselust-vor 8 Tagen
    Kurzmeinung: Fand ich leider zum Großteil sehr langweilig. Nur Teil 3 mit den Briefen hat mir gut gefallen.
    Ich war leider enttäuscht.

    Oh je. Über die Hälfte des Buches fand ich einfach soooo langweilig. Ich hätte das Buch mehrmals fast abgebrochen. Aber so viele Leser*innen waren so begeistert von dem Roman, dass ich mir dachte, ich muss durchhalten. Tatsächlich hat mir dann der dritte Teil mit den Briefen sehr gut gefallen. Letztendlich konnte es mich aber nicht für die sehr drögen Teil 1 und 2 entschädigen. Irgendwie war mir der Teil über Olgas Kindheit/ Jugend zu schnell vorbei und zu wenig ausführlich. Dafür, dass es doch eigentlich um sie gehen sollte. Und auch die Liebesgeschichte hat mich nicht überzeugt. Irgendwie hatte dieser Roman keinen richtigen Höhepunkt. Und ein schönes Lesegefühl hat sich bei mir leider auch nicht eingestellt. Von diesem berühmten und begabten Autor hatte ich mir eigentlich mehr erhofft. Schade.

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    Maldorors avatar
    Maldororvor 11 Tagen
    Schlinks-schlapper Stil

    Bernhard Schlink schreibt Bücher die sich gut verkaufen. Meist stehen diese in den Buchbestsellerlisten, oft ein Merkmal qualitativ hochwertiger marktkonformer Mittelmäßigkeit bis Minderwertigkeitsliteratur. Er schreibt sie mit kurzen Sätzen voll. Kurze Sätze finden viele gut, weil die meisten Menschen lange Sätze nicht verstehen können. Das weiß auch Herr Schlink und seine vertrauten Mitarbeiter des Verlags und der Marketingabteilung. Er will den deutschen Leser nicht überfordern. Deswegen kommt in diesem anspruchslosen Roman der Begriff Nazis nur viermal vor. Mehr ist ja auch nicht nötig. Die Titelfigur kommt nämlich 1883 zur Welt und stirbt 1971. Dazwischen gab es bekanntlich kaum Nazis. Das Wort Juden verwendet Schlink einmal. Und einmal kommt eine „Jüdin“ vor, die von einer guten Deutschen versteckt worden war.

    Vermutlich vor Gespenstern oder anderen übernatürlichen Fabelwesen.

    In Olga gibt es (natürlich) auch Romanzen. Olga liebt Herbert. Herbert ist aber ein Tausendsassa. Immer unterwegs. Herbert „liebt Deutschland“. Herberts Eltern sind reich, Olgas Eltern überraschenderweise nicht. Deswegen wird natürlich nichts aus der Beziehung. Nichts Körperliches zumindestens. Die beiden schreiben einander. Sie schreiben viele Briefe. Dann fährt Herbert in die Arktis. Von dort kommt er nicht zurück. Olga schreibt aber weiter Briefe. Rührend!


    1914 warnt Olga Herbert in einem Brief vor dem Krieg. Olga ist nämlich furchtbar klug. Ein Krieg wäre für Deutschland nicht gut, erklärt sie Herbert. Dann kommt der Krieg. Die Soldaten sind arm dran. Und eigentlich will keiner Krieg. „Die wenigen Freiwilligen sind junge Leute, die von ihren Vätern schlechter als Knechte gehalten werden“, lässt Schlinki Olga schreiben. Der Zweite Weltkrieg ist dann im Buch so kurz wie Schlinkis Sätze. Er wird in einem einzigen, gerade mal eineinhalb Seiten kurzen Brief Olgas abgehandelt. Das gefällt deutschen Lesern.

    In jenem Brief deutet Olga an, dass die Nazis eventuell nicht die nettesten Menschen der Welt seien. Ach, wie scharfsinnig und tiefgründig analysiert!

    Aber dann kommt auch schon er nächste Brief. Datiert 1956. Nach dem Weltkrieg ohne Erwähnung des Holocaust ändert Schlink die Erzählperspektive. Ein Meisterleistung schriftstellerischer Raffinesse. Jetzt berichtet er aus der Sicht eines Knaben. Der Knabe ist ein Pfarrersohn, für dessen Eltern Olga schneidert. Der Junge mag die ältere Frau. Fast wie ein Vorleser.

    Bekanntester schicklicher Schlink-Stoff des Vorleser wurde bekanntlich ein Riesenknüller, verkaufte sich wie Milka Schokolade, wurde schließlich erfolgreich von „holy“ Hollywood mit der „amazing“ Kate Winslet verfilmt.

    Auch „Olga“ verkauft sich blendend. Kurze Sätze, fast keine Nazis und andere Überraschungen. Viel biedere Landschaft und Biedemeieratmosphäre eingebettet in innerdeutsche Ethnologie.

    Schlesier sind „lebhaft“ und Pommern sind „ruhig“. Na dann, weiterschlummern und weiter stoisch die kontinuierlich klimpernden Taler verwalten.


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    Sikals avatar
    Sikalvor einem Monat
    Kurzmeinung: Lesenswerter Roman über eine starke Frau.
    Eine beeindruckende Frau

     

    Nachdem ich bereits vor längerer Zeit von Bernhard Schlink „Der Vorleser“ genießen durfte, hatte ich mich sehr auf sein neuestes Werk „Olga“ gefreut – und meine Erwartungen wurden zum Glück nicht enttäuscht. Der Roman ist in drei Teile geteilt, der erste Teil Olgas Kindheit und Erwachsenwerden gewidmet. Im zweiten Teil erzählt Ferdinand, der Sohn ihrer Arbeitgeber Olgas Leben und im dritten Teil erfährt man durch erhaltene Briefe Olgas an ihre große Liebe ihre Geschichte noch mal aus anderer Perspektive. Wobei man durch die unterschiedlichen Erzählvarianten als Leser gefordert wird, erst im Laufe des Buches alle Fragen beantwortet werden.

     

    Anfangs wird sehr distanziert aus Sicht eines Erzählers über Olgas Leben berichtet, ihre Kindheit bei der hartherzigen Großmutter, ihre Begegnung mit Herbert, ihre Liebe zu ihm und seinen ausgeprägten Sinn für Freiheit und Abenteuerlust. Herbert und Olga sind ein sehr ungleiches Paar, sie stammt aus ärmlichen Verhältnissen während er „gut situiert“ ist. Sie hat ein klares Ziel vor Augen während er damit so gar nichts anfangen kann. Herbert ist beeindruckt vom Fremden, will die neue Welt entdecken, erfreut sich an der Kolonialpolitik, bis er sich letztendlich auf eine aussichtslose Expedition begibt. Olga bleibt zurück, hält ihre Verbindung zu Herbert aufrecht, indem sie ihm Briefe über ihr Alltagsleben und auch die Veränderung der politischen Situation schreibt.

     

    Im zweiten Teil erzählt Ferdinand über Olga, bei dessen Familie sie Arbeit und Anschluss fand. Man erfährt über die Verbindung zwischen den beiden, durch die man langsam einen tieferen Einblick in Olgas Charakter bekommt. Doch so richtig greifbar wird Olga erst nach dem Lesen und Interpretieren der Briefe.

     

    Schlink ist eine starke Persönlichkeit gelungen, eine Frau, die alles zu ertragen scheint und immer weiter wächst obwohl sie – so scheint es – vieles verloren hat in ihrem Leben. Sie lebt mit den Dingen, die das Leben ihr auferlegt. Zugleich werden die historischen Gegebenheiten mit ihrem Leben verwoben, wird ihr Schicksal z.B. eng mit Bismarck verknüpft - wie sie es eigentlich nie wollte.

     

    Der Autor schreibt knapp, einfach und doch so tiefgründig, dass ich den Roman sehr gerne gelesen habe. Schlink ist ein großartiger, bewegender Roman über eine starke Frau gelungen, vielschichtig und genussvoll zu lesen. Gerne vergebe ich hier 4 Sterne.

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    Ro_Kes avatar
    Ro_Kevor einem Monat
    Kurzmeinung: In grauen Farben erzählte "Wald- und Wiesenliebe", deren Sehnsüchte ziellos verlaufen. Unaufgeregt geschrieben.
    Eine graue Wald- und Wiesenliebe, deren Sehnsüchte ziellos verlaufen

    Klappentext (Lovelyboos):

    Die Geschichte der Liebe zwischen einer Frau, die gegen die Vorurteile ihrer Zeit kämpft, und einem Mann, der sich mit afrikanischen und arktischen Eskapaden an die Träume seiner Zeit von Größe und Macht verliert. Erst im Scheitern wird er mit der Realität konfrontiert – wie viele seines Volks und seiner Zeit. Die Frau bleibt ihm ihr Leben lang verbunden, in Gedanken, Briefen und einem großen Aufbegehren. 

    Meine Meinung:  

    Ich kannte von dem Autor bislang nur „Der Vorleser“. Ein Buch, das mir vor allem aufgrund seiner eher außergewöhnlichen Liebesgeschichte sehr gut gefallen hat. Um so gespannter war ich, was die Begegnung mit „Olga“ für mich bereit hält.

    Der Aufbau hat mir gut gefallen, denn erzählt wird der Roman in drei Abschnitten. So erhält der Leser zunächst einen Einblick in die Anfänge der Liebe zwischen Olga und Herbert, dann erfolgt ein Wechsel mit deutlichen Zeitsprüngen und erzählt wird, wie Olgas Leben ohne ihren Herbert weiter verläuft, bis es dann in Form von Briefen aus ihrem Nachlass endet.  

    Bernhard Schlink zeigt erneut, dass er sein Handwerk versteht und braucht nur wenig Worte, um eine Geschichte mit ganz viel Inhalt zu füllen. Nur hätte es für mich, insbesondere was die Protagonistin Olga betrifft, ein wenig mehr in die Tiefe und auch in die nähere Erklärung gehen dürfen, denn um Olga zu einer mir greifbaren Figur zu machen, musste sie erst sterben. Dabei hätte ich sie gerne auch während ihres langen Lebens verstehen wollen.  

    „In der Liebe ist man nicht verfügbar, sondern ein Geschenk.“

    Leider bleibt es während Olgas Beziehung zu Herbert nur beim Betrachten der Schleife, mit der dieses Geschenk verpackt wurde und es wird sich beidseitig nicht getraut, sie aufzubinden und sich daran willentlich zu erfreuen. Zu wenig wird deutlich, was beide einander begehrenswert finden und ihre Sehnsüchte zielen deshalb ins Leere.  

    Fazit:  

    Auch wenn mir die Intention des Autors hinter dieser grauen Wald- und Wiesenliebe nicht ganz klar geworden ist, so hat mich die Geschichte berühren können und ich bin um eine interessante Bekanntschaft reicher geworden.  

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    LaLectures avatar
    LaLecturevor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Portrait eines faszinierendes Lebens mit abwechslungsreichem Aufbau ​
    Portrait eines faszinierenden Lebens ​

    Inhalt

    „Olga“ erzählt die Geschichte einer gleichnamigen Frau, die Ende des 19. Jahrhunderts geboren wird und über die folgenden Jahrzehnte hinweg viel erlebt. Sie findet ihre große Liebe, der gesellschaftliche Konventionen im Weg stehen, erlebt zwei Weltkriege mit, eckt mit ihrer selbstbewussten und unabhängigen Art an und prägt das Leben ihrer Mitmenschen.


    Meinung

    „Olga“ wurde mir von meiner besten Freundin empfohlen und von mir aus hätte ich vermutlich auch nie zu dem Buch gegriffen, allein deswegen, weil von einem Klappentext alleine her nicht verständlich ist, worum es überhaupt geht, was dieses Buch eigentlich ist. Um den Roman vollends zu verstehen, muss man es vermutlich einfach lesen.

    Tatsächlich fällt mir noch immer zur Beschreibung dieses Buches kaum ein anderer Satz ein als „‚Olga‘ erzählt die Lebensgeschichte von Olga“.
    Die Geschichte ist dabei in drei Abschnitte eingeteilt. Der erste fasst Olgas Leben von ihrer Kindheit bis zum späten Erwachsenenalter zusammen. Dabei verweilt der Erzähler viel in ihrer Kindheit und Jugend und überspringt andere Abschnitte ihres Lebens eher. Der zweite Abschnitt wechselt, obwohl vermutlich vom selben Erzähler erzählt, die Perspektive ein wenig und konzentriert sich auf einen ganz bestimmten Abschnitt von Olgas Leben und den Einfluss, den sie auf das Leben eines ganz bestimmten Menschen hatte. Der letzte Abschnitt besteht nur aus Briefen, die ebenfalls wieder einen neuen Blick auf die Figur eröffnen.

    Durch diesen Aufbau enthält das Buch natürlich keinen klassischen Spannungsbogen und wirkt auch nicht, als würde es auf ein bestimmtes Ereignis, eine bestimmte Botschaft hinarbeiten. Auch der Schreibstil ist manchmal etwas hochgestochen (als hätte Schlink so schreiben wollen, wie man zum Zeitpunkt, an dem das Buch spielt, gesprochen hat) und der Einstieg daher etwas mühsam.
    Dennoch unterhält der Roman, wenn man erstmal reingefunden hat, erstaunlich gut und es lohnt sich auf jeden Fall, ihn bis zum Ende zu lesen. Denn man lernt Olga mit jeder Seite, jeder Perspektive und jedem Abschnitt besser kennen und ist immer wieder überrascht von Facetten, die man von ihr noch nicht kannte.

    Olga ist eine faszinierende Figur, die trotz der eher distanzierten Einstellung des Erzählers sympathisch ist. Sie ist intelligent und kämpft für das, was sie will. Gleichzeitig ist sie angenehm und fast schon ironisch unpolitisch in einer Zeit, in der es so viele politische Unruhen gibt. Ihre bodenständige Einstellung und ihr Misstrauen allen abstrakten „großen Zielen“ gegenüber macht sie sehr sympathisch.
    Spannend ist auch zu lesen, wie sie mit ihrer speziellen Art auf die Menschen in ihrem Leben, vor allem Männer, Einfluss genommen hat.
    Probleme hatte ich lediglich mit ihrer Beziehung zu Herbert, die ich leider überhaupt nicht nachvollziehen konnte.


    Fazit

    „Olga“ ist durch den ungewöhnlichen Aufbau und die Tatsache, dass es lediglich das Leben einer einigen Figur beschreibt, mit Sicherheit ein ungewöhnliches Buch, doch wenn man sich für fiktive Biografien und starke Frauenfiguren erwärmen kann, wird man Gefallen daran finden.

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    Nils avatar
    Nilvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Gute Prosa, locker zu lesen & spannend eine Frau durch diese Zeit mit vielen Umbrüchen zu begleiten!
    Ein Ritt durch 70 Jahre in 250 Seiten!

    Endlich wird ein Autor meinem Ruf nach schnörkelloser kompakter Prosa gerecht! Wobei ich zugeben muss, dass selbst mir das Tempo der Ereigniszusammenfassung an manche Stelle zu extrem ist, wenn ein Leben von Studium bis Rente auf 3 Seiten zusammengefasst wird.

    Der Roman ist in drei Teile gegliedert. Zunächst aus Olgas Perspektive erzählt sie ihr Leben. Dann wird aus der Perspektive eines seiner Schützlinge nach dem 2. Weltkrieg weitererzählt und Teil 3 sind Briefe.

    Märchenhaft erzählt trotz rasantem Tempo. Gespickt mit reflexiven Unterhaltung, wie auf Seite 149: „Wer moralisiert, will es groß haben und zugleich gemütlich. Aber keiner ist so groß, wie er moralisiert, und die Moral ist nicht gemütlich.“

    Meine geringe Kritik gilt dem extrem zusammengekürzten Ereignisverlauf in den ersten beiden Teilen, um dann wiederholende Elemente in den Briefen zu finden.
    Auch finde ich den Klappentext irreführend.

    Fazit: Gute Prosa, locker zu lesen und spannend eine Frau durch diese Zeit mit vielen Umbrüchen zu begleiten, wie anders war das Leben noch vor 100 Jahren!

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    wortmeers avatar
    wortmeervor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Ich habe im Laufe des Lesens Respekt vor der Figur der Olga entwickelt, die der Zeit und ihren Wirren immer etwas entgegenzusetzen hatte.
    Facetten des Jahrhunderts - und von Olga

    Im ersten Teil des Buches war ich etwas erschlagen von der Geschwindigkeit, mit der sich die Handlung entwickelt. Auf nur wenigen Seiten werden ganze Jahre erzählt. Dabei hat für mich teilweise der Tiefgang gefehlt. So wurden selbst die Figuren von Olga und Herbert nur skizzenhaft beleuchtet, der Fokus liegt klar auf dem Fortgang der Handlung. Da mich dieser interessiert hat, habe ich das Buch dann doch fast am Stück durchgelesen. Schlinks gewohnt prägnante und dennoch emotionale Sprache tat ihr Übriges dazu. Dann freute ich mich über den zweiten und dritten Teil des Buches, die neue Facetten an der Figur der Olga zulassen. So blicken wir im zweiten Teil mit den Augen Ferdinands zurück auf das Leben der Olga Rinke, gekennzeichnet von Brüchen und Neuanfängen – und damit eine „typische“ Biografie des 20. Jahrhunderts? Die Fluchterfahrung teilt sie zumindest mit vielen. Ich habe im Laufe des Lesens Respekt vor der Figur der Olga entwickelt, die der Zeit und ihren Wirren immer etwas entgegenzusetzen hatte. Schlink schreibt in die Figur der Olga zudem ein moralisches Plädoyer ein, sich nicht gedankenlos den Ideen der Zeit hinzugeben, sondern mit wachem Blick gesellschaftliche Veränderungen zu beobachten und im besten Fall darauf zu reagieren.

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    Lilli33s avatar
    Lilli33vor 3 Monaten
    Das war mir zu wenig

    Gebundene Ausgabe: 311 Seiten

    Verlag: Diogenes (12. Januar 2018)

    ISBN-13: 978-3257070156

    Preis: 24,00 €

    auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


    Das war mir zu wenig


    Bernhard Schlink hat seinen neuen Roman in drei Teile geteilt. Im ersten Teil wird über Olgas Kindheit und Jugend berichtet und darüber, wie ihre Liebe zu Herbert beginnt. Eine Liebe, die nicht sein darf und die immer wieder getrennt wird. Olga arbeitet schließlich für eine Familie, mit deren Sohn Ferdinand sie eine Art Freundschaft verbindet. Ihm erzählt sie von ihrem Leben, von Herbert und seinen Abenteuern. Und er berichtet uns über Olgas zweite Lebenshälfte. Schließlich gelangt er in den Besitz von Briefen, die Olga an Herbert geschrieben hat. Diese Briefe bilden Teil drei des Romans.


    Die Handlung erstreckt sich ab dem Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. An Olgas Seite reisen wir Leser durch die deutsche Geschichte. Kolonialkriege, 1. und 2. Weltkrieg werden kurz gestreift. Auch die Entwicklung der Gesellschaft wird deutlich, Klassengegensätze, Machtlosigkeit der Frau und vieles mehr. 


    Olga erweist sich als stark und unbeugsam trotz aller Widrigkeiten. Nur leider kam ich ihr nicht nahe. Die Erzählung ist einfach zu distanziert und zu trocken. Erst die Briefe im letzten Teil des Romans bergen Gefühle. Auch der Ich-Erzähler Ferdinand blieb mir fremd. Er wirkt ziemlich blass, mein Bild von ihm ist schemenhaft. 


    Die Sprache empfand ich als sehr schön und zur Zeit passend. Aber die Erzählweise war mir einfach zu minimalistisch, zu distanziert und zu emotionslos. Fast wirkte das Buch auf mich wie das Grundgerüst eines Romans, der noch ausgeschmückt werden muss. Das war mir einfach zu wenig.


    ★★★☆☆


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    JuliaSchus avatar
    JuliaSchuvor 3 Monaten
    Eine Geschichte über die Geschichte selbst

    Zu Beginn des Jahres habe ich meine Freude gegenüber dem Programm des diogenes-Verlags entdeckt. Bereits im letzten Jahr las ich den Klassiker „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink, weshalb ich mich über sein neues Buch mit dem Titel „Olga“ sehr freute. Als Geschichtslehrerin begrüße ich Gegenwartsliteratur mit historischem Zwischenspiel sehr. Doch Schlink widmet sich keinesfalls nur einem Zwischenspiel, die deutsche Geschichte tritt in diesem besonderen und interessanten Roman als eine Art Nebenfigur selbst auf und katapultiert den Leser somit in einen großen Teil der deutschen Geschichte selbst zurück. „Olga“ ist ein bewegender, interessanter und tiefschichtiger Roman über eine starke Frau, die in Zeiten lebte, die bis heute nicht für jeden erfassbar sind.


    Klappentext

    Die Geschichte der Liebe zwischen einer Frau, die gegen die Vorurteile ihrer Zeit kämpft, und einem Mann, der sich mit afrikanischen und arktischen Eskapaden an die Träume seiner Zeit von Größe und Macht verliert. Erst im Scheitern wird er mit der Realität konfrontiert – wie viele seines Volks und seiner Zeit. Die Frau bleibt ihm ihr Leben lang verbunden, in Gedanken, Briefen und einem großen Aufbegehren.


    Meinung

    Bernhard Schlink ist ein großer Name der deutschen Gegenwartsliteratur und das auch zurecht. Sein Roman „Der Vorleser“ überraschte mich maßlos und deswegen waren auch meine Erwartungen an „Olga“ nicht gering. 
    Was zunächst auffällt ist die relativ distanzierte Erzählart des Autors. Bernhard Schlink versucht nicht seine Figuren in einem guten Licht darzustellen. Man soll gar nicht mit ihnen sympathisieren. Gerade ihre Schwächen, die mehr als deutlich gezeichnet werden, sorgen aber für Identifikation. Dies trifft in jedem Fall auf die Titelfigur Olga zu. Olgas Geschichte wird in drei Teilen erzählt, die alle eine andere Art des Erzählens haben. Der Roman beginnt sehr unmittelbar, man wird direkt in das Geschehen gezogen und dem Leser wird die Kindheit von Olga in wenigen Sätzen präsentiert. Schlink setzt dabei keinerlei Wert darauf, Emotionen beim Leser hervorzurufen. Im Gegenteil, die Erzählweise suggeriert Neutralität, vielleicht sogar Objektivität und Distanz. Der Leser soll sie seine Meinung über Olga im Laufe des Romans selbst bilden, was auch wunderbar funktioniert. Der Autor findet sehr schnell zum Hauptthema des Buches, nämlich die Beziehung zwischen Olga und Herbert.
    Wobei man sagen muss, dass diese untypische Liebesgeschichte eigentlich nur eine Stellvertreterrolle für die angegebene historische Zeit ist. Denn Schlink erzählt eigentlich zwei Geschichten und macht die erste am Beispiel der zweiten deutlich. Soll heißen: Schlink hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Bild der brisanten deutschen Geschichte zwischen dem ausgehenden 19. Jahrhundert und dem endenden 20. Jahrhundert darzustellen. Und um diese Zeit zu verstehen, bettet er die Geschichte einer Frau ein, die alle Höhen und Tiefen miterlebt. Dabei werden epochale und weltverändernde Phasen, wie etwa der Nationalsozialismus, beinahe ausgespart und eher am Rande erwähnt. Denn für Olga ist das eine schmerzliche Phase. Die Präsenz der Zeit ist aber immer allgegenwärtig und beeinflusst Olga in ihrem Lebensweg. Es geht um die Zeit. Aber um diese zu verstehen, wurde Olga erschaffen. An ihrem Beispiel wird das Schicksal einer Generation deutlich und dieses Schicksal ist mehr als bewegend, weil grausam. Dieses Grundgerüst ist meiner Meinung nach grandios gelungen und konnte mich begeistern. Das Cover mit der scheinbar einsamen und nachdenken Frau passt dementsprechend hundertprozentig zur Geschichte. Mir gefiel die Komponente der Geschichte selbst als Hauptfigur wirklich gut!
    Aber genug der interpretatorischen Worte. Das Buch ist sehr gut aufgebaut, denn es ist in drei ungleiche Teile unterteilt. Der erste Teil handelt von Olga und Herbert selbst: ihre Kindheit, ihre Jugend, ihre beginnende Liebe, der Schmerz des Schicksals. Beiden ist es vergönnt aufgrund ständischer Gegebenheiten zusammen zu sein. Herbert ist ein träumerischer Charakter, der ruhelos und suchend ist. Ich mochte ihn nicht. Doch Olga hat sich in diesen Mann verliebt und ihn bei all seinen Wolkenschlössern unterstützt, soweit dies möglich ist. Mir gefiel zwar Herberts Charakter nicht, seine Rolle ist aber bedeutend und gut gewählt. Dass Schlink sein Schicksal ausspart, ist eine interessante Wendung, die dem Leser Spielraum ermöglicht. Olga wird in diesem Teil des Buches hingegen sehr genau gezeichnet. Man bekommt einen guten Eindruck von der strebsamen jungen Frau, die eigentlich gar nicht in ihre Zeit passt. Auch Olga ist keine Sympathieträgerin, soll dies aber auch nie sein. Was sie aber unbestritten ist, ist authentisch. Und das ist für diesen Roman entscheidend. Bereits nach dem ersten Teil ist ein Großteil der Geschichte erzählt und die Perspektive wechselt. Der Autor deckt hierbei eine Zeit vom Ende des 19. Jahrhunderts bis ca. 1950 ab, was enorm ist. Kennt man sich mit Geschichte nicht so sehr aus, sollte man die Jahreszahlen und Ereignisse immer im Blick behalten, da man sonst schnell den Überblick verliert und nicht mehr weiß, in welcher Zeit sich das Buch gerade befindet. Hierbei sind die Sprünge manchmal auch sehr chaotisch, was das Verstehen des Romans erschwert. Wissen über deutsche Geschichte wird in gewissem Maße vorausgesetzt. 
    Der zweite Teil des Romans wird von jemand vollkommen Neues erzählt. Seinen Namen erfährt der Leser erst auf den letzten Seiten. Es handelt sich um einen Sohn eines Pfarrers in dessen Familie Olga ab den 50ern als Näherin gearbeitet hat. Die Perspektive wird nun vollkommen verschoben, denn eine andere Generation erzählt. Dementsprechend ist die Sicht komplett umgedreht, etwas rebellischer, etwas jünger. Olgas zweiter Lebensabschnitt nach den beiden Weltkriegen wird aufgezeigt. Es ist für den Leser nahezu ein Mysterium, was ein einzelner Mensch in diesen Jahren alles erlebt haben kann. Wie grausam muss es in dieser Zeit gewesen zu sein, den Ersten und den Zweiten Weltkrieg miterlebt zu haben, die verschiedenen Systeme und das fragile Nachkriegssystem. Und in all diesem großen Ganzen musste man sich zurecht finden: eine nahezu unlösbare Aufgabe – in meinen Augen. Der zweite Teil verliert ein wenig an Spannung, doch erzählt er sehr gut. Interessant ist vor allem, dass aufgezeigt wird, wie ein Mensch aus verschiedenen Perspektiven ganz anders wirken kann.
    Der dritte Teil besteht dann lediglich aus Briefen. Briefe, geschrieben von Olga an Herbert. Der anfangs anonyme Erzähler beschafft diese und durch die Briefe wird das bisher erworbene Wissen über Olga noch einmal deutlich revidiert. Schlink meistert es bravourös, die Botschaften seines Romans immer wieder umzukehren und zu verändern. Er lässt verschiedene Figuren auf den Plan treten, um die ganz große Geschichte, die er erzählen will, zu erschaffen – und das gelingt. Der Briefteil gefiel mir inhaltlich sehr gut, ist aber ebenfalls wenig abwechslungsreich. Hier spricht aber zum ersten Mal Olga selbst, was wiederum interessant ist.
    Der Schreibstil von Bernhard Schlink bleibt den ganzen Roman über distanziert. Es ist nicht die spannendste Art zu schreiben, doch diese Beschreibungen machen den Roman wirklich interessant. Die Aufgliederung in die drei Teile ist sehr klug und sorgt für Abwechslung. Man lernt die Protagonistin aus immer wieder neuen Blickwinkeln kennen, was sehr gelungen ist und Authentizität schafft. Was mir die meiste Zeit fehlte war Sympathie und Identifikation. Aber ich glaube auch nicht, dass diese beiden Faktoren vom Autor gewollt wären. Was Schlink aber schafft, ist eine tolle und interessante, manchmal sogar abgrundtiefe und geheimnisvolle Geschichte einer Frau zu erschaffen, die in die wahren Verstrickungen der Geschichte hervorragend eingearbeitet wurde. Man darf aber nicht vergessen, dass der Roman daher relativ ernst und nicht immer spannend oder schön zu lesen ist. Aber er ist ein Erlebnis – ein Erlebnis eines Teils der deutschen Geschichte.



    Fazit

    „Olga“ ist ein Roman mit viel Anspruch, der Geschichtskenntnis benötigt, aber auch erschafft. Bernhard Schlink schreibt mit seiner distanzierten Art keine Sympathiegeschichte einer tollen Protagonistin nieder, sondern eine ernste und authentische Geschichte einer Frau, die in den historischen Tücken der deutschen Geschichte leben muss. Hierbei spielt die Liebe immer eine Rolle, denn sie definiert Olga. Vielmehr bewundere ich aber die Geschichte selbst, die die größte Nebenrolle spielt. „Olga“ ist nicht unbedingt ein unglaublich spannendes Buch, aber ein ernster und anregender Roman, der jeden Geschichtsinteressierten in seinen Bann ziehen kann. Ich vergebe vier Spitzenschuhe für diese interessante und abwechslungsreiche Lektüre.

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