Der böhmische Samurai

von Bernhard Setzwein 
4,1 Sterne bei14 Bewertungen
Der böhmische Samurai
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I

Informativ und spannend ;-)

Nicky_Gs avatar

Ein gut zu lesender historischer Roman, der den Umbruch in Europa anhand einer Familiengeschichte widerspiegelt.

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Inhaltsangabe zu "Der böhmische Samurai"

HEIMKEHR IN DIE BÖHMISCHE PROVINZ

Im Frühjahr 1896 rollt eine Kutsche auf Schloss Ronsperg im Böhmerwald zu: Heinrich Graf Coudenhove-Kalergi kehrt nach Jahren im diplomatischen Dienst des Kaisers in seine Heimat zurück. Begleitet wird er von seiner japanischen Ehefrau Mitsuko, deren exotische Erscheinung allerorts für Aufsehen sorgt, und seinen Söhnen Richard und Johannes.

DIE GESCHICHTE EINER FASZINIERENDEN FAMILIE

Viele Jahre später wartet der ältere der beiden, Johannes, in einer Baracke eines tschechischen Internierungslagers auf seine Abschiebung nach Bayern. Durch die "Beneš-Dekrete" haben die Coudenhove-Kalergi alles verloren, was sie einst besaßen - nur nicht ihre große Geschichte. Und so erzählt "Graf Hansi" seinen Leidensgenossen von den Schicksalen seiner Familie: Von der kosmopolitischen Atmosphäre, die in Schloss Ronsperg stets herrscht; von den revolutionären Ideen seines Bruders Richard, der die Paneuropa-Bewegung ins Leben rief. Und er erzählt von seinem eigenen exzentrischen Leben zwischen mondänen Salons in Berlin und rauschenden Festen auf Ronsperg, von seiner Ehe mit der Flug-Pionierin Lilly und seiner eigenen Begeisterung für das Automobil.
Jahre später begegnen wir "Graf Hansi" noch ein letztes Mal: Als verarmter Aristokrat ist er in Regensburg gestrandet, sein Leben nur noch ein Abglanz der großen alten Zeit. Doch noch ein letztes Mal blitzt seine spitzbübische Extravaganz auf: Mit seinem Menschenfresser-Roman "Ich fraß die weiße Chinesin" sorgt er auf der Frankfurter Buchmesse 1967 noch einmal für Furore - und für Rätselraten, wer der Autor hinter diesem skandalösen Buch sein mochte.

KENNTNISREICH, LEBENDING UND HÖCHST UNTERHALTSAM

Im Schicksal der Familie Coudenhove-Kalergi begegnen einander kosmoplitisches Denken und provinzieller Nationalismus, fernöstliche und mitteleuropäische Kultur, trifft die glamouröse Ära der Jahrhundertwende-Aristokratie auf die neuen Zeiten von Technik und Fortschritt. Mit hinreißender Fabulierlust und leichter Hand erzählt Bernhard Setzwein die Geschichte dieser ungewöhnlichen Familie an der Schwelle vom alten zum neuen Europa - kenntnisreich, lebendig und höchst unterhaltsam.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783709972861
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:448 Seiten
Verlag:Haymon Verlag
Erscheinungsdatum:11.04.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Jezebelles avatar
    Jezebellevor einem Jahr
    Hansi - Ein japanisch-böhmischer Don Quichote durchstreift das 20. Jahrhundert

    Ich bin ein Fan von gut geschriebenen, historischen Romanen. Gern darf es Bezüge zu Menschen geben, die wirklich existiert haben und besonders mag ich es, wenn ich damit in einen historischen Bereich hineinstoße, zu dem ich noch nicht sehr viel wusste. Unter diesem Aspekt allein ist der vorliegende Roman schon ein voller Erfolg, denn über japanische Mischlingskinder in Europa habe ich noch nichts gelesen. Aber darüber hinaus kann der Roman noch viel mehr. Er verbindet Bekanntes mit Unbekanntem und hat einen spleenigen, skurillen Haupthelden geschaffen, der ähnlich eines Don Quichotes aus seiner Zeit herausfällt und durch seine Charaktereigenschaften zum Amüsement anderer Figuren und natürlich der Leserschaft beiträgt. Ein genialer Schachzug! Der Autor ist Kenner der Materie und auch noch der Literaturgeschichte, wie man an der Verbindung des Massakers an den Armeniern mit Franz Werfel und am Ende des Romans mitbekommt, in der das Who ist Who der bundesdeutschen Literaturschaffenden einen Gastauftritt hat. Trotzdem wirkt es niemals belehrend oder konstruiert, um Ideen unterzubringen. Zum Teil gibt es besonders sprachliche Erläuterungen zu bestimmten authentischen Wendungen am Ende. Die sind jedoch ein wirkliches Extra. Soll heißen, man braucht sie nicht, um den Text als solchen zu verstehen, kann sich aber hier noch einmal ein zusätzliches Fußnotenwissen holen. Kultur- und Geistesgeschichte ist zwar Kern, aber eben nicht der Handlung untergeordnet, was bei dem reichlichen Umfang des Werkes aus meiner Sicht eine Glanzleistung ist. Manchmal kommen Autoren auf diese Fülle, indem sie ein ganzes Arsenal an Personen aufkreuzen lassen, sodass der Lesende nahezu gezwungen ist, immer wieder vor- und zurückzublättern, um nicht den Anschluss zu verlieren. So sind bestimmt auch die vielberüchtigten Stammbäume in den Wälzern entstanden. Hier ist das nicht nötig, denn die Familienmitglieder und handelnden Personen bleiben überschaubar. Sie werden jeweils auch immer sehr behutsam eingeführt. Deswegen kann sich der Autor auch Vor- und Rückblenden erlauben, ohne das verwirrte Kopfschütteln seiner LeserInnen zu ernten. Vom Schreibstil her hat das Buch diese herrliche Ironie, diesen schwelgerischen Erzählton, der mir persönlich sehr gefällt. Der Ton ist auch dann noch passend, wenn die Themen ernster werden, weil sie ja nicht verlacht werden und zum Protagonisten eben auch gut charakterlich passen. Verstörend fand ich nur das Festhalten an der alten Rechtschreibung und den ein oder anderen Setzfehler. Aber vielleicht ist das nur dem Rezensionsexemplar geschuldet. Auch ein kleines Kapitel oder eine weitere Abbildung zu dem noch vor Ort vorhandenen Überresten des Schlosses oder eine knappe Aufklärung über Wahrheit und Dichtung hätten dem Buch gut getan, aber sind vielleicht aus Plattgründen unterblieben, was verständlich war. Wer da von Neugierde geplagt wird, wird bestimmt auch nachträglich selbst fündig. Insgesamt hat mich das Buch total geflasht, sodass ich es sofort an eine gute Freundin weitergereicht habe, um ihr hoffentlich auch ein tolles Lesevergnügen, was noch lange nachhallt, zu ermöglichen.

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    Ivonne_Gerhardvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Informativ und spannend ;-)
    Interessante Familiengeschichte mit History Hintergrund ;-)

    Ein wirklich sehr gut geschriebenes Buch über eine sehr interessante Familie mit unterschiedlichen Charakteren und Auswirkungen. Eine Frau die um die Familie kämpft und deren Zusammenhalt, ein unerwarteter Tod und der weitere Kampf der einzelnen Mitglieder. Mit viel historischem Hintergrund und Informationen,... Bis zum Schluss bleibt ein gleichbleibender spannender Bogen und ein Niveau was sehr hoch ist. Mir hat es Spaß gemacht auf eine Zeitreise zu gehen und nebenher noch beim lesen, etwas Geschichtliches lesen und lernen zu können ;-)

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    histerikers avatar
    histerikervor einem Jahr
    Ein ungewöhnlicher Schicksal

    Inhalt:
    Graf Hansi landet 1945 in einem tschechischen Internierungslager und erzählt seine ungewöhliche Geschichte als Sohn eines österreichischen Diplomaten und einer Japanerin, der in einem Schloss in Tschechien aufwächst.

    Bewertung:
    Es war gerade seine Herkunft, die mich an der Geschichte sehr interessiert hat. Ich kenne mich mit der Geschichte Tschechiens und Mitteleuropas eigentlich ziemlich gut aus, aber über diese Familie habe ich noch nie gehört. Diese Lücke musste ich mit diesem Buch schließen.
    Der Roman beschäftigt sich mit einem wahrscheinlich ziemlich unbekannten Mann der Familie, da seine Geschwister sehr viel berühmter geworden sind. Mich hat es aber nicht gestört, sein Leben ist interessant genug und gerade die Unbekanntheit macht die Geschichte interessant, weil so ein neuer Teil der Geschichte beleuchtet wird.
    Hansi ist kein Charakter, den man liebt oder sich mit ihn identifizieren kann. Er ist an manchen Stellen gerade das Gegenteil, man kann seine Handlungen gar nicht nachvollziehen und denkt, dass er so anders ist, dass es so etwas gar nicht geben kann. Gleichzeitig eröffnet dies neue Perspektiven, auf die man sich einlassen kann, was für mich zum Teil den Reiz dieses Buches ausgemacht hat.
    Teilweise war das Buch etwas langatmig, vor allem der späte Mittelteil war es für mich, aber trotzdem finde ich den Stil des Autors in Ordnung. Es ist ganz gut zu lesen.
    Mir haben vor allem die Teile, die 1945 spielten, gefallen, da sie sehr glaubwürdig geschrieben wurden und die Probleme der Beziehung zwischen Deutschen (oder den Leuten, die dafür gehalten wurden) und den Tschechen sehr gut dargestellt haben.
    Ein Buch, das man schon empfehlen kann.

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    irismarias avatar
    irismariavor 2 Jahren
    ungewöhnliche Familiengeschichte

    "Der böhmische Samurai" ist ein historischer Roman von Bernhard Setzwein, der von einer ungewöhnlichen böhmischen Adelsfamilie handelt. Heinrich Graf von Coudenhove-Kalergi ist Diplomat in Japan und setzt sich über die Konventionen Ende des 19. Jh. hinweg, indem er eine Japanerin heiratet. Mitsuko und die Kinder folgen ihm in die ferne Heimat und leben auf Schloss Ronsperg in Böhmen. Dort lebt Heinrich sein intellektuelles Leben und forscht über die Wurzeln des Antisemitismus. Doch nach dem frühen Tod des Schlossherren muss Mitsuko um das Erbe ihres ältesten Sohnes Hansi kämpfen. Hansi wächst zu einer schillernden Persönlichkeit heran und mogelt sich sogar durch den Nationalsozialismus und das tschechische Arbeitslager, in das er nach Kriegsende eingeliefert wird.
    Mir hat der Roman gut gefallen und ich habe viel über eine ungewöhnliche Familie erfahren. Allerdings war die Geschichte nicht besonders flüssig zu lesen und manchmal wurden Aspekte sehr ausführlich behandelt, die ich nicht so interessant fand, während anderes offen blieb (etwa das Schicksal von Graf Hansis Frau).

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    Nicky_Gs avatar
    Nicky_Gvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein gut zu lesender historischer Roman, der den Umbruch in Europa anhand einer Familiengeschichte widerspiegelt.
    Der böhmische Samurai – Schwelgerischer Unterricht in Europäischer Geschichte

    1896: Graf Heinrich kehrt nach Jahren im diplomatischen Dienst im Ausland zurück auf das väterliche Schloss. Mit ihm reisen seine japanische Frau und seine beiden Söhne an. Einer von ihnen wird fast fünfzig Jahre später seine Geschichte in einem tschechischen Internierungslage erzählen, der andere für ein Paneuropa kämpfen, bis die Nationalsozialisten dem Traum ein Ende machen.

    Die Sprache ist sehr gesetzt und passt zur damaligen Zeit.

    Das Leben der Familie war weltoffen, interessiert und kenntnisreich, ganz im Gegensatz zu ihrer nun eingeschränkten Umgebung im Schloss und im Ort, wo Ausgrenzung und Misstrauen keine Fremdwörter sind. Fast schon philosophisch berichtet Bernhard Setzwein von den Erlebnissen in der Kindheit der beiden Brüder und ihrem weiteren Lebensverlauf.

    Wie unterschiedlich Kinder aufwachsen mit ihren Vorurteilen und Lebenseinstellungen, wenn man eine Kleinigkeit im Ablauf des Lebens ändert wie der Vater, der mit dem Rabbiner die Abmachung der Weihnachtsgans trifft. Schon sieht man den Rabbiner mit ganz anderen Augen. Eine simple, aber verblüffende Erkenntnis.

    Schade ist, dass das Hauptaugenmerk auf den ältesten Sohn gelegt wird, der in seiner Lebensweise egoistisch und exzentrisch ist, was ihn nicht gerade sympathisch macht. Da hätte ich mir mehr Informationen über den zweiten Sohn gewünscht.

    Alles in allem ist das Buch etwas umständlich geschrieben. Manche Szenen blättern sich nach und nach auf, was mich dazu verleitet zu denken: komm mal zum Punkt. Diese ausufernde Sprache ist zwar schön zu lesen, aber es fehlt ein wenig an spannender Handlung. Dennoch werden die historischen Fakten detailliert dargestellt, was einen äußerst versierten Eindruck hinterlässt.

    Besonders das letzte Drittel des Buches war mitreißend, als von den immer stärker auftretenden Nationalsozialisten erzählt wird und die Konsequenzen für die einzelnen Familienmitglieder aufgezeigt werden.

    Ansonsten aber ein gut zu lesender historischer Roman, der den Umbruch in Europa anhand einer Familiengeschichte gut widerspiegelt.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    Der böhmische Samurai

    Der Autor Bernhard Setzwein hat eine Biographie über die außergewöhnliche Adelsfamilie Coudenhove-Kalergi geschrieben, die ein hervorragendes Beispiel für Multi-Kulti darstellt.

    Die Familie der Coudenhoves ist uralter Adel (seit 1099 aufgrund der Kreuzzüge) und ursprünglich aus Brabant kommend. Heinrich Graf Coudenhove-Kalergi ist als sprachbegabter (18 Sprachen) Diplomat in der KuK-Monarchie zuletzt in Japan tätig. Dort lernt er seine Ehefrau Mitsuko – die Tochter eines Samurai, also selbst adlig – kennen und lieben. Trotz aller Widerstände heiratet er sie, was eine weitere Arbeit im Diplomatischen Dienst eigentlich schier unmöglich macht. Er hat mit ihr 7 Kinder, vor allem deren Leben, bis Ende des Zweiten Weltkriegs, sind in diesem Roman beschrieben.


    Das Buch liest sich gut und flüssig, obwohl es zwei Erzählebenen besitzt. Denn die Hauptperson Johann erzählt die Familiengeschichte, während er aufgrund der Benes-Dekrete inhaftiert wird. Begriffe, die nicht jedem bekannt sein dürften – handele es sich um historische Personen oder Begriffe aus Dialekten – werden sehr schön in einem Glossar zusammengefasst. So weit so gut.


    Leider hat mich das Buch trotzdem sehr enttäuscht, viele spannende Möglichkeiten und Aspekte wurden verschenkt.


    Warum der Autor sich ausgerechnet die langweiligste Person von allen Familienmitgliedern als Protagonist erkoren hat bleibt mir unklar. Johann/Hansi ist nur ein ichbezogener Langweiler, der sich wohl vorgenommen hat Ludwig dem II. von Bayern nachzueifern. Und mit Akteuren des III. Reiches flirtet. Zumindest schließt er sich nicht völlig dem Regime an.

    Die anderen Figuren bleiben da völlig im Hintertreffen und werden nur dürftig gezeichnet. Eine Ausnahme ist Richard/Dicky, doch selbst dieser wird vernachlässigt.


    Richard/Dicky ist meines Erachtens die interessanteste Person dieser Geschwister, ein früher Europäer, der den ersten Karlspreis überhaupt 1950 verliehen bekam. Auch die Idee zu unserer Europahymne stammt von ihm. Bei einer derart bekannten Person muss man natürlich seine literarische Phantasie ein wenig zügeln.Mit Details wird vom Autor allerdings manchmal ein wenig lässig umgegangen. z. B. soll Richard im Roman ein wichtiges Buch des Vaters zum Antisemitismus beenden, dabei hatte sein Vater dieses Buch sehr wohl beendet und wie geplant als Dissertation vorgelegt.


    Gut, Johann/Hansi ist der Haupterbe, wie es damals dem Erstgeborenen zukam, dies mag wohl ein Grund gewesen sein ihn in den Vordergrund zu stellen. Seine anderen Geschwister sind jedoch viel interessanter, auch menschlich gesehen. Sie bleiben jedoch sehr im Hintergrund, sodass manche Entwicklung unklar bleibt.


    Warum wird die Mutter auf einmal derart despotisch, aufbrausend und cholerisch? Wie mag sie sich wohl gefühlt haben, allein, in der Pampa, der Sprache nicht mächtig mit dem Wissen, dass sie Japan und ihre Familie nicht wiedersehen wird?

    Warum wendet sich seine Schwester Ida urplötzlich dem Katholizismus in einem sehr strengen Sinne zu? Anfangs hatte man den Eindruck Kirchenbesuche seinen eher ein gesellschaftliches Muss statt Ausdruck tiefen Glaubens. Und Ida wird vorher als Wildfang beschrieben.

    Von Elisabeth hört man quasi gar nichts, dabei war sie Sekretärin bei Dollfuß und hätte sehr gut in den historischen Kontext gepasst, der den Hauptteil des Buches umfasst.

    Auch Karl/Eri wird eigentlich nur mit einem Jugendstreich erwähnt,

    Olga als Opfer der Mutter gekennzeichnet.

    Was ist mit Gerolf? Seine Entwicklung vom kriegsbegeisterten Jungen zu jemanden, der aus der erzwungene Zusammenarbeit mit Heydrich, seine Konsequenzen zieht ist viel zu ungenau.


    Wie war es für die Kinder, dass sie immer auf ihr exotisches Aussehen reduziert wurden? Der Aspekt des erlebten Fremdenhasses wird im Buch nur kurz gestreift.


    Warum erfahren wir über die Geschwister nach Ende des Zweiten Weltkrieges nichts mehr? Schließlich war Ida so bedeutend, dass Ratzinger anlässlich ihres Todes die Gedenkrede hielt.


    Daher – obwohl ich den Romanaufbau und Schreibstil sehr wohl für gelungen halte – und besonders aufgrund der Detailgenauigkeit vergebe ich nur drei Sterne.

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    Lesewunders avatar
    Lesewundervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: So sollte Geschichte vermittelt werden: spannend und ohne erhobenen Zeigefinger
    Unterhaltsame Geschichtsstunde


    Das Buch erzählt das Leben von Graf Hansi von Ronsperg in Böhmen und spannt dabei den Geschichtsbogen von 1895 ins in die 1960iger Jahre.
    Die Erzählung beginnt mit der Ankunft der Grafenfamilie Ronsperg aus Japan auf Schloss Ronsperg im Jahr 1895. Die Mutter Mitsuko - Japanerin und der Vater, aus dem aktiven Dienst ausgeschiedener Diplomat, erziehen die Kinder, sieben an der Zahl, abgeschirmt von äußeren Einflüssen auf dem Schloss. Aufgrund dieser Tatsache und der exotischen Abstammung geschuldet, bleibt die Familie für sich. Der Vater stirbt früh und die Mutter, auch nach Jahren nicht heimisch in der böhmischen Provinz, zieht die Kinder alleine groß. Im ersten Weltkrieg verarmt die Familie und die Geschwister verlassen das elterliche Zuhause. Nur Hansi, nach Schuljahren in München, bleibt mit dem Personal zurück. Er heiratet Lilly, eine der ersten Pilotinnen. Doch die Ehe ist nicht glücklich. Sie scheitert, nicht zuletzt an der Exzentrik Hansis. Hansi überlebt den 2. Weltkrieg, um sich dann 1945 aufgrund der Benes-Dekrete im Lager Chrastavice wieder zu finden. es gelingt im die Flucht nach Regensburg, wo er allein und verarmt stirbt.
    Der Autor nutzt die Lebensgeschichte des Grafen, um einige geschichtliche Ereignisse dieser Zeit ins Gedächtnis zu rufen. Die geschieht spannend und mit dem Blick für nicht so im Bewusstsein verankerte Details. Bei der Schilderung der Lagererlebnisse bleibt er sachlich und unsentimental und macht  das Unmenschliche der Verhältnisse um so sichtbarer.
    Der wahre Wert des Romans liegt für mich darin, geschichtliche Ereignisse in Erinnerung zu rufen und damit Lust darauf zu wecken, sich mit Geschichte zu befassen.

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    Euridikes avatar
    Euridikevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Eine Familiensaga aus dem letzten Jahrhundert, die durch ungewöhnliche Familienmiglieder auffällt.
    Der böhmische Samurai

    Der Autor erzählt die Geschichte der Familie Coudenhove-Kalergi in den Zeiten vor dem Ersten Weltkrieg und bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese hatte ihr Schloss in Ronsberg in Böhmen. Als sein Vater stirbt, muss er mit seiner japanischen Frau und seinen zwei Söhnen nach Ronsberg zurück kehren. Diese ungewöhnlichen neuen Schlossbesitzer sind natürlich eine Sensation für die Einheimischen.
    Dieses Buch handelt im ersten Teil von Heinrich, der sehr gebildet und weltoffen ist. Im zweiten Teil steht Heinrichs Sohn, Hansi und dessen schilllernde Persönlichkeit im Mittelpunkt. Durch seine kuriose, abgehobene Art wird die Geschichte wunderbar aufgelockert. Die Schilderung von Hansis Eigenheiten gelingt dem Autor meisterhaft.Durch seine lebhafte, leicht ironische Erzählweise, kann man sich Hansi vorstellen, wie er unbeirrbar seinen Weg geht.
    Der Autor verknüpft zwei Erzählstränge miteinander und macht so das Ganze abwechslungsreicher.
    Der Titel hätte nicht passender gewählt werden können.


    Für alle empfehlenswert, die sich für Geschichte interessieren, die nicht so staubtrocken erzählt wird.

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    Vampir989s avatar
    Vampir989vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Sehr interessante Geschichte über eine böhmische Adelsfamilie
    Sehr interessante Geschichte über eine böhmische Adelsfamilie

    In dieser Geschichte geht es um eine böhmische Adelsfamilie.Heinrich kehrt als Diplomat von Japan nach Ronneburg zurück um das Erbe anzutreten.Gemeinsam mit seiner japanischen Frau Mitsuko  und den zwei Kindern leben sie nun in dieser Provinz.Im Laufe der Zeit werden noch fünf weitere Kinder geboren.Doch plötzlich stirbt Heinrich und Mitsuko ist nun mit den Kindern völlig allein in einer fremden Kultur und fern der Heimat.


    Das Buch hat mich gleich von Anfang an fasziniert.Es ist jedoch nicht für zwischendurch zum Lesen,denn es benötigt viel Konzentration.


    Die Protoganisten werden sehr gut beschrieben und ich konnte sie mir bildlich gut vorstellen.Jeder von ihnen hatte seinen eigenen induviduellen Charakter und das macht das Buch auch sehr lesenswert und es wird dadurch nie langweilig.Viele Szenen werden sehr gut dargestellt und so war ich teilweise direkt im Geschehen dabei.Der Autor versteht es uns in die Welt des böhmischen Adels zu verführen.Das ist ihm hervorragend gelungen.Gleichzeitig gelingt es ihm sehr viel geschichtliche Details und Informationen in die Lektüre einzubringen.So erfahren wir viel über fremde Kulturen und Religionen.Auch der 1.Weltkrieg wird uns Nahe gebracht.Das hat mir sehr gut gefallen.


    Das Cover finde ich auch sehr interessant und genau passend zum Buchtitel und der Geschichte.


    Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen.Für Leseliebhaber die sich sehr für Geschichte in Verbindung mit einer Familiensaga interessieren ist dieses Buch sehr empfehlenswert.

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    bettinahertzs avatar
    bettinahertzvor 2 Jahren
    Der böhmische Samurei....

    Der böhmische Samurai Autor: Bernhard Setzwein In diesem historischen Roman geht es um Heinrich Graf Coudenhove-Kalergi, der 1896 aus seinem diplomatischen Dienst in Japan nach Böhmen zurückkehrt, um sein Erbe im beschaulichen Ronsperg anzutreten und dies mit seiner japanischen Ehefrau Mitsuko und seinen beiden Söhnen Hansi und Richard (Dicky). Zwei Kulturen knallen aufeinander, so muss zumindest Mitsuko empfunden haben. Sie bekommen noch fünf weitere Kinder. Mit dem Tod des Grafen wird die Familie regelrecht auseinander gebrochen. Erzählt wird aus zwei Zeitebenen, einmal von 1896 bis ca. 1945 und dann aus Sicht von Hansi nach 1945 in einem tschechischen Internieungslager. In den verschiedenen Zeitabschnitten erlebt man u. a. die Schrecken der zwei Weltkriege. Bernhard Setzwein hat eine faszinierende Erzählweise, anfangs brauchte ich ein wenig Zeit, in die Geschichte richtig einzutauchen und ich musste sehr hoch konzentriert lesen. Im Nachhinein kann ich sagen, dass mir dies ab ca. einem Drittel des Buches keine Schwierigkeiten mehr bereitete. Die Charaktere sind sehr außergewöhnlich und speziell und nicht immer sympathisch, z.B.ist Hansi, Erbe des Schlosses Ronsperg keineswegs ein Held seiner Zeit, eher einer, der sich gerne durch die Zeit mogelte und auch immer irgendwie ohne größere Opfer durchkam, wenn man bedenkt, wieviel Elend und Not in dieser Zeit herrschten. Er versteht es exzellent seine Gegner zu manipulieren, zu täuschen, zu verunsichern und es gelingt ihm selbst nach 1945 ohne Grafentitel und genügend Kleingeld in der Tasche und ohne jegliche Ausbildung/Beruf/Erfahrung noch viele Jahre in Regensburg zu leben. Der Roman hat mich definitiv in seinem Bann gezogen und ich kann hier gute vier Sterne vergeben.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    bernhardsetzweins avatar

    Liebe Leserinnen und Leser,


    habt ihr Lust auf eine Zeitreise ins frühe 20. Jahrhundert? Zwischen altem Glanz und neuer Welt, zwischen deutsch-böhmischem Adel und Fliegerpionieren, dort spielt mein Buch „ Der böhmische Samurai“ – die bewegte Geschichte einer außergewöhnlichen Familie.

    Bewerbt euch bis zum 8. März um eines von 15 Vorab-Exemplaren und taucht ein in jene spannende Epoche, die sich im Schicksal der Familie Coudenhove-Kalergi so einzigartig widerspiegelt. Ich freue mich auf meine erste Lovelybooks-Leserunde mit euch und bin schon sehr gespannt auf eure Fragen!

    Die Geschichte beginnt im Jahr 1896. Der Habsburger Diplomat Heinrich Graf von Coudenhove-Kalergi bezieht das Familienschloss im böhmischen Ronsperg, an seiner Seite die beiden erstgeborenen Söhne Richard und Hansi sowie seine japanische Ehefrau Mitsuko. In Japan ist sie eine Berühmtheit wie bei uns Kaiserin Sisi. Sieben Kinder bringt sie zur Welt, die in einer ungewöhnlich kosmopolitischen, freidenkerischen Atmosphäre aufwachsen. Richard wird später die Paneuropa-Bewegung ins Leben rufen, während sein älterer Bruder Hansi mitten im Böhmerwald ein exzentrisches Phantasiereich errichtet. Heiraten wird er Lilly Steinschneider, eine der frühen Flugpionierinnen des Habsburgerreiches.

    Basierend auf der faszinierenden Familiengeschichte der Coudenhove-Kalergis entfaltet dieser episodenreiche Roman ein stimmungsvolles Bild vom alten Europa. In ihm lebt noch ein dandyhafter Adel ebenso wie Technikbegeisterung und Fortschrittsglaube. Doch der unter allen Völkern grassierende unheilvolle Nationalismus reißt diese Welt schließlich in den Abgrund, dort wo sich auch der böhmische Samurai am Ende wiederfinden wird.


    Alle Infos zum Buch findet ihr hier 
    Hier geht's zur Leseprobe:  http://b2l.bz/pCAJnE 

    Gewinnt schon vor Erscheinen des Buches eines von 15 Vorab-Exemplaren von „Der böhmische Samurai“, indem ihr euch hier bis zum 8. März bewerbt. 

    Ich nehme an der Leserunde teil und freue mich bereits darauf, mit euch über die Entstehung des Buches, die wahren Hintergründe und natürlich über eure Fragen zum Inhalt zu diskutieren.

    Ich drücke euch allen die Daumen und freue mich auf einen fruchtbaren Austausch!

    Liebe Grüße
    Bernhard Setzwein
    Jezebelles avatar
    Letzter Beitrag von  Jezebellevor einem Jahr
    Ich bin ein Fan von gut geschriebenen, historischen Romanen. Gern darf es Bezüge zu Menschen geben, die wirklich existiert haben und besonders mag ich es, wenn ich damit in einen historischen Bereich hineinstoße, zu dem ich noch nicht sehr viel wusste. Unter diesem Aspekt allein ist der vorliegende Roman schon ein voller Erfolg, denn über japanische Mischlingskinder in Europa habe ich noch nichts gelesen. Aber darüber hinaus kann der Roman noch viel mehr. Er verbindet Bekanntes mit Unbekanntem und hat einen spleenigen, skurillen Haupthelden geschaffen, der ähnlich eines Don Quichotes aus seiner Zeit herausfällt und durch seine Charaktereigenschaften zum Amüsement anderer Figuren und natürlich der Leserschaft beiträgt. Ein genialer Schachzug! Der Autor ist Kenner der Materie und auch noch der Literaturgeschichte, wie man an der Verbindung des Massakers an den Armeniern mit Franz Werfel und am Ende des Romans mitbekommt, in der das Who ist Who der bundesdeutschen Literaturschaffenden einen Gastauftritt hat. Trotzdem wirkt es niemals belehrend oder konstruiert, um Ideen unterzubringen. Zum Teil gibt es besonders sprachliche Erläuterungen zu bestimmten authentischen Wendungen am Ende. Die sind jedoch ein wirkliches Extra. Soll heißen, man braucht sie nicht, um den Text als solchen zu verstehen, kann sich aber hier noch einmal ein zusätzliches Fußnotenwissen holen. Kultur- und Geistesgeschichte ist zwar Kern, aber eben nicht der Handlung untergeordnet, was bei dem reichlichen Umfang des Werkes aus meiner Sicht eine Glanzleistung ist. Manchmal kommen Autoren auf diese Fülle, indem sie ein ganzes Arsenal an Personen aufkreuzen lassen, sodass der Lesende nahezu gezwungen ist, immer wieder vor- und zurückzublättern, um nicht den Anschluss zu verlieren. So sind bestimmt auch die vielberüchtigten Stammbäume in den Wälzern entstanden. Hier ist das nicht nötig, denn die Familienmitglieder und handelnden Personen bleiben überschaubar. Sie werden jeweils auch immer sehr behutsam eingeführt. Deswegen kann sich der Autor auch Vor- und Rückblenden erlauben, ohne das verwirrte Kopfschütteln seiner LeserInnen zu ernten. Vom Schreibstil her hat das Buch diese herrliche Ironie, diesen schwelgerischen Erzählton, der mir persönlich sehr gefällt. Der Ton ist auch dann noch passend, wenn die Themen ernster werden, weil sie ja nicht verlacht werden und zum Protagonisten eben auch gut charakterlich passen. Verstörend fand ich nur das Festhalten an der alten Rechtschreibung und den ein oder anderen Setzfehler. Aber vielleicht ist das nur dem Rezensionsexemplar geschuldet. Auch ein kleines Kapitel oder eine weitere Abbildung zu dem noch vor Ort vorhandenen Überresten des Schlosses oder eine knappe Aufklärung über Wahrheit und Dichtung hätten dem Buch gut getan, aber sind vielleicht aus Plattgründen unterblieben, was verständlich war. Wer da von Neugierde geplagt wird, wird bestimmt auch nachträglich selbst fündig. Insgesamt hat mich das Buch total geflasht, sodass ich es sofort an eine gute Freundin weitergereicht habe, um ihr hoffentlich auch ein tolles Lesevergnügen, was noch lange nachhallt, zu ermöglichen.
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    Pressestimmen

    "So viele Namen, so viele Geschichten. Schon ein Glück, dass Bernhard Setzwein sie jetzt alle in einen grandiosen Roman gepackt und vor dem Vergessen gerettet hat."
    Süddeutsche Zeitung, Sabine Reithmaier

    "Virtuose Mischung von Authentizität und Dichtung"
    Die Presse, Spectrum, Thomas Rothschild

    "eine informative und unterhaltende Lektüre"
    Ö1 Ex libris, Grudrun Hamböck

    "Setzwein findet und erfindet dieses Leben. In einem sich unglaublich flüssig lesenden, abenteuerlichen Roman breitet er über fast 500 Seiten Anekdote um Anekdote aus, bringt ein vergessenes Kapitel mitteleuropäischer Historie in Erinnerung."
    Passauer Neue Presse, Stefan Rammer

    "eine Familiensaga, die Stoff für Hollywood böte."
    Mittelbayrische, Petra Schoplocher

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