Bernhard Strobel

 4,1 Sterne bei 17 Bewertungen
Autor*in von Nach den Gespenstern, Sackgasse und weiteren Büchern.

Lebenslauf

BERNHARD STROBEL, * 1982 in Wien, Studium der Germanistik und Skandinavistik. Lebt als Autor und Übersetzer aus dem Norwegischen in Neusiedl am See. Österreichischer Staatspreis für literarische Übersetzung 2021. Zuletzt erschienen: »Der gute Mann Leidegger« (Roman, Droschl 2023).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Bernhard Strobel

Cover des Buches Sackgasse (ISBN: 9783854209256)

Sackgasse

(1)
Erschienen am 09.05.2012
Cover des Buches Nach den Gespenstern (ISBN: 9783990590867)

Nach den Gespenstern

(1)
Erschienen am 27.08.2021
Cover des Buches Der gute Mann Leidegger (ISBN: 9783990591406)

Der gute Mann Leidegger

(0)
Erschienen am 25.08.2023

Neue Rezensionen zu Bernhard Strobel

Cover des Buches Der Tøyen-Effekt (ISBN: 9783903422520)
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Rezension zu "Der Tøyen-Effekt" von Bjarte Breiteig

Hyperikum
Eindringliche Geschichte über gesellschaftlichen Umbruch

Oslo/Tøyen 2018

Kalle vermisst Papa, doch Jostein ist in Kopenhagen. Kalle zockt am Tablet, obwohl er das nicht soll. Seine grenzenlose Langeweile treibt ihn immer wieder zum Controller. Seine Mutter Mona will, dass er sich mit anderen Kindern trifft. Er weiß das und entschuldigt sich. Seine Gefügigkeit ist ihr unangenehm. Sein Klassenlehrer hat sie schon darauf angesprochen, dass Kalle Konflikten grundsätzlich aus dem Weg geht. Mona fürchtet, dass ihm der nötige Biss fehlt, um sich durchzusetzen. 

Während sie das Essen zubereitet, liegt ihr das unangenehme Gespräch mit Jostein gestern Abend schwer im Magen, der viele Alkohol und wenige Schlaf. Sie würden besser getrennt wohnen, hatte sie ihm gesagt, kalt, herzlos. Er leistete keinen Widerstand, schien das erwartet zu haben. Er wolle doch depressiv sein, warf sie ihm vor und sie halte das nicht noch einmal aus. Heute Morgen dann war Jostein in der Früh nach Kopenhagen aufgebrochen. 

Vor acht Jahren hatten sie sich entschieden, nach Tøyen zu ziehen, den Osloer Stadtteil mit der höchsten Kriminalität, der größten Armut. Es hatte sich so ergeben, nachdem sie ihre Zweizimmerwohnung verkauft hatten. Sie brauchten eine größere Wohnung für ihre kleine Familie und Tøyen versprach günstigen Wohnraum. Sie nahmen das Straßenbild der Backsteinbauten, Hochhäuser und Junkies in Kauf. Jostein kam mit den Anwohnern ins Gespräch und erfuhr von deren Problemen. Die meisten kamen aus Pakistan und Somalia. Er half bei Anträgen und der Jobsuche. Mona eröffnete einen Social-Media-Account, postete Fotos und schrieb Artikel. Viele Menschen aus Norwegen interessierten sich für die Entwicklung von Tøyen, sie folgten ihnen und die Resonanz war positiv. Doch schon bald erntete sie Hasskommentare über die Sozialschmarotzer, man fühlte sich überfremdet. Nach und nach driftete die kleine Familie auseinander.

Fazit: Bjarte Breiteig hat eine brandaktuelle Fiktion geschaffen. Seine Protagonistin lässt die Jahre mit ihrem Mann Revue passieren, als er für zwei Tage nach Kopenhagen fährt. Über ihre Gedanken erfahre ich, wie sie sich engagieren, die Lebensqualität der Menschen und auch ihre eigene, in einem verrufenen Stadtteil zu verbessern. Sie trotzen den Widrigkeiten und bauen ein tragfähiges Netzwerk auf. In den Jahren des Aufbaus bekommen sie viel Energie zurück. Eine neue Flüchtlingswelle überfordert vor allem Mona, die mit ihrer Arbeit als Lektorin die Hauptverdienerin ist und das Überleben ihrer Familie sichert. Interessant fand ich, wie gut der Autor das Familienleben Monas zeichnet, die viele Arbeit, die sie in ihr Engagement stecken. Sie ziehen Jahre an einem Strang, doch während Jostein sich wie selbstverständlich mit seiner großen Offenheit und seinem Charisma einbringt, steht Mona, die voller Selbstzweifel ist, lieber im Hintergrund. Mona stellt sich infrage, bezweifelt ihre Intention in den Interaktionen und das finde ich lehrreich. Letztendlich zeigt die Geschichte auf eindringliche Weise, was gesellschaftlich möglich wäre, wenn wir offen blieben und auch, wie lohnenswert das für jeden einzelnen sein kann. Gemeinsam können wir Berge versetzen. Eine schöne Vorstellung.

Cover des Buches Der Tod ist eine Liebkosung (ISBN: 9783991200253)
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Rezension zu "Der Tod ist eine Liebkosung" von Arve Moen

aus-erlesen
Auf und Ab und Auf und Ab und Ab und Ab

Für ihn sind sie unausweichlich: Die Frau und die Katastrophe. Sie geht offensiv zur Sache. Mit jedem noch so kleinen Problemchen ihres Wagens (einmal hilft sie kräftig nach) behelligt sie den Mechaniker in der Werkstatt, in der ihre Familie schon immer ihre Wagen reparieren und auf Vordermann bringen lässt. Er hat keine Chance! Schon zappelt er in ihrem Netz aus Verführung und Begehren. Dass er und sie in einer Beziehung – sie ist verheiratet – sind, ist doch den beiden anfangs egal. Als es ernst wird, denkt sie daran einen Rückzieher zu machen. Mit dem Angelhaken im Fleisch überzeugt er sie, dass sie das Richtige tun … werden … sollen.

Kaum der Ehe entronnen – in ihrem Fall – kaum der Beziehung entkommen – in seinem Fall – beginnt der Beziehungsalltag. Alte Freunde sind zufällige Erscheinungen. Der Job wird zur Nebensache. Doch die anfänglichen Schmetterlinge sind satt gewordene Brummer geworden. Sie will den Rausch des Anfangs ewig fortführen. Er will Normalität.

Leider werden Streit und Misstrauen zur Normalität. Und Gewalt. Erst wird es nur lauter. Nach knallt die Faust auf den Tisch. Es wird körperlicher. Aber anders als zuvor. Angsterfüllte Blicke. Die Beziehung im Würgegriff im Lauf der Dinge. Bis zum Äußersten.

Nun sitzt er hinter schwedischen Gardinen. Sinniert über sein Tun. Und kommt zu dem Entschluss, dass er gar nicht anders hätte handeln können. Das ewige Hin und Her zwischen Aktion und Reaktion ist ihm bewusst. Die Schuld sieht er auch, aber nicht bei sich. Das hat er zu oft schon getan. Hat alles nichts gebracht. Wer Schuld hat, bekommt die Chance es wieder gut zu machen. Er hat das Bewusstsein falsch gehandelt zu haben und in Zukunft rechtens zu handeln. Doch er…

Über siebzig Jahre ist „Der Tod ist eine Liebkosung“ alt. Ein Hit schon bei Erscheinen. Verfilmt. Zum Klassiker erkoren. Und noch immer fesselt er in seiner Stringenz und Klarheit den Leser. Weglegen, und sei es auch nur für Sekunden wird mit Schuldbewusstsein bestraft. Schon beim Cover ist einem klar, dass hier Opfer und Täter von jedem Leser anders bewertet werden. Eine offene Tür. Aus dem Dunkel ins Helle schauend – Luc Besson hat das Spiel von Gut und Böse ebenso eindrucksvoll in „Leon der Profi“ angewandt – und mittendrin die femme fatale. Ihr aber allein die Schuld zu geben, ist ebenso falsch wie billig. Und Billig hat in der suspense-Reihe vom Septime-Verlag nichts zu suchen. Schwarz und Weiß sind eben nur Kontraste und kein Bestandteil der Farbpalette. Sie richtig anzuwenden ist eine Kunst. Ein Kunst, die der norwegische Journalist und Autor Arve Moen exzellent anzuwenden versteht. Auch wenn dieser Roman als One-Hit-Wonder eingestuft wird, so wirkt er auf ewig nach bei denen, die Qualität und pure menschliche Reaktionen in Einklang bringen können.

Cover des Buches Femina erecta (ISBN: 9783902711922)
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Rezension zu "Femina erecta" von Jan Kjaerstad

Catastrophia
Eine kreative Positionierung Norwegens in der Weltgeschichte

Wir schreiben die ferne Zukunft, in der China zum ökologisch und sozial orientierten Weltmittelpunkt aufgestiegen ist. Ein Team aus Forscherinnen möchte die nicht unerhebliche Rolle Norwegens bei diesem Aufstieg dokumentieren,  genauer gesagt die Rolle der Familie Bohre.

Aus einer Mischung aus Fiktion und Realismus, die in der Zukunft offenbar einer weit verbreiteten und tiefsinnigen Methode entspricht, entwerfen diese Forscherinnen ein Familienepos, das sich vom 19. bis 21. Jahrhundert erstreckt und insbesondere die in diese Familie Bohre verstrickten Frauen und ihre Leistungen betrachtet - eine Schauspielerin, eine Ministerin, eine Pilgerin, eine Wissenschaftlerin, eine Journalistin...

Damit sind wir bereits nach wenigen Sätzen in einer großartigen Schachtelkonstruktion angelangt, die es Kjærstad zudem erlaubt, scharfe Sozialkritik zu üben, denn die Kritik wird ja aus einer fernen und reflektierteren Zukunft geäußert.

Im Zentrum steht Rita Bohre, geboren Ende des 19. Jahrhunderts, Forscherin, Ratgeberin, eine Frau mit dem Ziel, Emanzipation voranzutreiben. Um sie und ihre Mutter, Schwiegertochter, Enkelinnen und Nichten wird eine Geschichte gespannt, die auch die norwegische Geschichte in einer Mischung aus Fiktion und Wahrheit greift - wie stark die jeweiligen Anteile sind, kann ich mit meinen rudimentären Norwegen-Kenntnissen leider nicht genau sagen.

Ich brauchte eine Weile, um in das Buch hineinzukommen und würde empfehlen, dass man sich dafür entsprechend Zeit nimmt, denn sonst läuft man Gefahr, Namen durcheinanderzubringen. Ist man einmal in der Handlung drin, ist es nämlich ein absolut lesenswertes, sprachlich tolles und beeindruckend komponiertes Buch.


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