Bernhard Wucherer Der Peststurm

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Inhaltsangabe zu „Der Peststurm“ von Bernhard Wucherer

Staufen im Jahr 1635. Inmitten des Dreißigjährigen Krieges bricht die Pest aus. Aber nicht nur der Schwarze Tod fordert Opfer. Zwischen dem Totengräber und der Familie des Staufener Kastellans, Ulrich Dreyling von Wagrain, ist noch eine alte Rechnung offen und der missgünstige Dorfschuster setzt alles daran, die jüdische Familie Bomberg aus ihrem Haus zu vertreiben und zu vernichten …

Anfangs war es schleppend, dann ging es gut zur Sache. Ein guter historischer Roman.

— Lissy
Lissy

Fazit: fundiert recherchierter, äußerst spannender Roman mit komplexer Story und ausgereiften Charakteren

— Bellexr
Bellexr

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    Der Peststurm
    goat

    goat

    19. January 2014 um 21:44

    Mit „Der Peststurm“ halte ich die Fortsetzung des bereits im März 2012 erschienenen Buches „Die Pestspur“ in den Händen. Begeistert bin ich wieder von dem Cover, welches sich aus zwei Bildern zusammensetzt: „Man on Horseback“ von Gerard ter Borch und „Der Doctor Schnabel von Rom“ von Paul Fürst. Somit offenbart sich dem Leser der Blick auf den Rücken eines Mannes, der in einer Rüstung auf einem dunklen Pferd sitzt und dem sich eine als Vogel verkleidete Gestalt in den Weg stellt. So macht es zumindest den Anschein, denn die Gestalt hält einen Stock in der Hand. Da ich wissen wollte, was es mit dieser merkwürdigen Vogelmaske auf sich hat, habe ich mich im Internat mal auf die Suche gemacht. Die Schnabelmaske und ein langer Umhang waren die Schutzkleidung der sogenannten Pestärzte (Medico della peste). In der mittelalterlichen Medizin ging man davon aus, dass der schlechte Geruch („mal aria“) und seine Ausbreitung die Krankheitsursache war. Ihn machte man dafür verantwortlich, dass die Krankheit überhaupt erst entstand und oft tödlich verlief. Irrtümlicherweise nahm man auch an, dass gewisse Gegengerüche wie Tabak, Weihrauch oder Parfum eine Ansteckung verhindern würde und somit füllte man diese Schnäbel mit „wohlriechenden Spezereien“. Damals war man noch weit davon entfernt zu wissen, dass eine Tröpfcheninfektion ein möglicher Übertragungsweg war. Diese Schnabelmasken und der lange Umhang boten jedoch unwissentlich einen Schutz davor. Beweise, dass es sie in dieser Form gegeben hat, gibt es jedoch nicht. Aber mit diesem Cover hat der Gmeiner Verlag mal wieder ein glückliches Händchen bewiesen. Aber auch das Innere des Buches kann sich sehen lassen. Beim Öffnen fiel mir gleich die Widmung ins Auge. Bernhard Wucherer widmet seinen Roman den 706 Pesttoten Staufens des Jahres 1635. Es folgen eine Karte inklusive Beschreibung des Marktes Staufens im 17. Jahrhundert, eine Karte mit Grundriss und Beschreibung des Schlosses von Staufen und im Anhang befindet sich ein Personenverzeichnis sowie eine Erläuterung der Begriffe, Namen und Zitate. Außerdem hat der Verlag noch ein Lesezeichen beigefügt mit einem Ausschnitt des Covers. Der Umfang des Romans ist für ein Buch des Gmeiner-Verlages ungewöhnlich dick. Dennoch sind die fast 570 Seiten wie im Flug vergangen. Bernhard Wucherer widmet sich, wie der Leser dem Titel entnehmen kann, dem Thema Pest. Schauplatz ist Staufen im Jahr 1635. Inmitten des Dreißigjährigen Krieges bricht die Pest aus. Der Totengräber Ruland Berging ist der Einzige, der einen Vorteil aus dem Elend, den diese Krankheit verbreitet, ziehen kann. Wer seine toten Angehörigen begraben lassen möchte, muss tief in die Tasche greifen. Doch die Skrupellosigkeit des Totengräbers reicht noch viel weiter. Im Jahr zuvor tat sich Berging mit dem Medicus Heinrich Schwarz zusammen mit gut dosierten Kräutergiftmischungen machten die beiden die Bauern und Handwerksleute glauben, sie wären an der Pest erkrankt und bereicherten sich daran. Doch der Totengräber musste fliehen, da er zwei Knaben ermordete, die er aufgrund einer Namensverwechslung für unliebsame Zeugen gehalten hatte. Doch nun ist Ruland Berging wieder nach Staufen zurückgekehrt und das genau zu dem Zeitpunkt, an dem zumindest Heinrich Schwartz seine gerechte Strafe bekommt und nun dafür am Strick baumelt. Dass der Totengräber gerade jetzt wieder zurück ist, scheint kein Zufall zu sein, denn dem Medicus blieb keine Zeit mehr seinen ehemaligen Kumpan zu verraten. Für den Totengräber die Chance, sich um die wahren Zeugen seines Gesprächs mit dem Medicus seiner Zeit zu kümmern: Diederich und Lodewig, die beiden jüngeren der drei Söhne des Staufner Schlossverwalters Hannß Ulrich Dreyling von Wagrain. Lodewig, der nicht ahnt, dass ihm jemand nach dem Leben trachtet, hat nur Augen für seine zukünftige Frau Sarah, mit der er sich täglich trifft und die bereits seit fünf Monaten sein Kind unter ihrem Herzen trägt. Und auch Sarah ahnt noch nicht, dass ihr Leben in Gefahr ist, denn Sarah und ihre Familien sind Juden und haben einen nicht zu unterschätzenden Feind, Schuhmacher Hemmo Grob, der nichts unversucht lässt, die jüdische Familie Bomberg aus ihrem Haus zu vertreiben und dabei geht er über Leichen … „Der Peststurm“ ist eine mitreißende Geschichte, die mich sehr berührt hat. Bernhard Wucherer hat jede seiner Charaktere sehr gut herausgearbeitet, mit all ihren Ecken und Kanten – sowohl die Guten als auch die Bösen. Sehr überzeugend geschildert ist die Veränderung der Menschen, die durch die Pest alles verloren haben, was ihnen lieb gewesen ist. Ist zunächst noch die Trauer übermächtig, ändert sich dieses, als die Verzweiflung einsetzt, weil das Trinkwasser und die Essensvorräte knapp werden und schlägt um in Gleichgültigkeit, die versucht, die Verrohung zu rechtfertigen, die die Menschen befällt. Wucherers Schreibstil ist spannend und überzeugend. Ich konnte tief in die Geschichte eintauchen und mit den Protagonisten mitfühlen und mitleiden. Es fiel mir schwer, das Buch zwischendurch aus der Hand zu legen. Da ich kein Fan von trockenen Geschichtsbüchern bin, die mir nur Fakten vermitteln, bin ich immer froh, wenn es sich Autoren zur Aufgabe machen, die historischen Abläufe, gepaart mit einer fiktiven Handlung, in einem spannenden Roman zu verpacken. Viele Personen, die Bernhard Wucherer in seinem Roman untergebracht hat, haben tatsächlich existiert, wie zum Beispiel Hannß Ulrich Dreyling von Wagrain, Landrichter Hans Zwick, der Jude Jakob Bomberg oder der Propst Johannes Glatt, um nur einige zu nennen. Nie hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte langatmig ist, ganz im Gegenteil, denn die Spannung nimmt von Seite zu Seite zu. Für diesen Roman, der keinen Wunsch offen lässt und mich vom Anfang bis zum Ende gut unterhalten hat, vergebe ich nur zu gerne fünf Sterne und spreche eine Empfehlung aus.

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  • Die Pestilenz wütet in Staufen

    Der Peststurm
    Bellexr

    Bellexr

    30. April 2013 um 18:31

    Während Allerortens die Folgen des Dreißigjährigen Krieges zu spüren sind, blieb Staufen bisher noch vor marodierenden Soldaten verschont. Allerdings nicht vor der Pest, die Staufen im Jahr 1635 bald fest im Griff hat. Doch die Dorfbewohner werden nicht nur Opfer des Schwarzen Todes, auch der Totengräber des Ortes hat mit der Familie des Kastellans Ulrich Dreyling von Wagrain noch eine Rechnung offen und auch Neid und Missgunst kursieren im Ort und richten sich bald gegen die jüdische Familie Bomberg. Für das allgemeine Verständnis und einem schnelleren Zurechtfinden in der komplexen Geschichte ist es empfehlenswert, zuerst den ersten Band „Die Pestspur“ zu lesen, da Bernhard Wucherer direkt an das Ende des ersten Teils anknüpft und einem ansonsten viele Zusammenhänge nicht sofort verständlich sind. Am Galgenbihl baumeln noch die letzten Überreste des ehemaligen Medicus Heinrich Schwarz, der aus lauter Geldgier mehrere Staufener Bürger in den Tod geschickt hatte. Doch für die Menschen in Staufen verläuft das Leben nun endlich wieder in geregelten Bahnen, vom Schrecken des vergangenen Jahres hat man sich weitgehend erholt, erste Händler erscheinen zum Markttag in Staufen und der Krieg ist noch fern, da schlägt die echte Pestilenz in Staufen zu. Für den skrupellosen Totengräber Ruland Berging ein lohnendes Geschäft, welches er weidlich auszunutzen versteht. Dabei vergisst er allerdings nicht, dass die Söhne des Kastellans sterben müssen. Hatten doch Diederich und Lodewig im vergangenen Jahr ein verhängnisvolles Gespräch zwischen ihm und dem Medicus Schwarz belauscht. Ulrich Dreyling von Wagrain wie auch seine Familie ahnen nichts von der drohenden Gefahr durch den gerissenen Totengräber. Man sollte meinen, die Staufener hätten aus ihren Fehlern durch das Wüten der falschen Pest im letzten Winter gelernt, doch als nun der Schwarze Tod über das Dorf herfällt, sind schnell alle guten Vorsätze vergessen. Sehr eindringlich und ungeschönt beschreibt Bernhard Wucherer, wie die Dorfbewohner bald immer mehr verrohen. Der Aberglaube nimmt wieder Oberhand, schnell sind Schuldige für die Pest ausgemacht, Lebensmittel und Feuerholz werden immer knapper und bald schon stapeln sich die Pesttoten auf den Gassen. Der Hilfstotengräber Fabio kommt mit seiner Arbeit kaum noch hinterher, das Spital platzt bald schon aus allen Nähten und auf Anordnung bleiben der Kastellan und seine Familie vorwiegend im Schloss. Doch wäre dies nicht alles schon schlimm genug, geschieht auch noch ein Mord, der für einen Unfall gehalten wird. Sehr abwechslungsreich erzählt der Autor seine Geschichte, den Schreibstil immer seinen Figuren angepasst, mal etwas derb und rau, dann wieder geschliffen und höflich. Und durch seinen bildhaften, farbenprächtigen Erzählstil gelingt es Bernhard Wucherer zudem problemlos eine atmosphärische Dichte aufzubauen, sodass man Staufen, das Schloss wie auch die Dorf- und Schlossbewohner schnell vor Augen hat. Zudem verwendet der Autor immer wieder Begrifflichkeiten aus der damaligen Zeit und lässt wie nebenbei noch eine Fülle von Informationen über das Leben von Bauern und Adligen im 17. Jahrhundert im Allgäu mit einfließen. Gestaltet sich die Geschichte anfangs abwechslungsreich und unterhaltsam, so entwickelt sie sich im Verlauf immer mehr zu einem äußerst rasanten, fesselenden und zum Schluss hin sogar hochspannenden Kriminalroman, der es einem fast unmöglich macht, das Buch aus der Hand zu legen. Und der Schluss lässt sogar hoffen, dass es möglicherweise noch einen dritten Band geben könnte. Fazit: Ein äußerst unterhaltsamer und zunehmend immer spannender werdender Roman, der durch fundiertes Hintergrundwissen, einer packenden Erzählweise und hervorragend beschriebenen Charakteren absolut überzeugt.

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