Berni Mayer Rosalie

(4)

Lovelybooks Bewertung

  • 6 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 3 Rezensionen
(1)
(3)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Rosalie“ von Berni Mayer

Nach vielen Jahren kehrt Konstantin in den Ort seiner Kindheit zurück, nach Praam an der Schwarzen Laaber, tief in der bayrischen Provinz. Er hat immer unter der Enge gelitten, aber auch seine erste große Liebe hier erlebt – zu Rosalie, einer Außenseitergestalt wie er. Plötzlich ist alles wieder da: die Erinnerungen an das Erwachsenwerden auf dem Land. Und an die Schatten dieser Zeit, denn neben der magischen ersten Romanze gab es auch ein düsteres Ereignis, das sein Leben tief erschüttert hat. Berni Mayer erzählt von einer heimlichen Liebe, die immer mehr zur Verschwörung wird gegen die autoritäre Welt der Eltern und der Kirche. Und er erzählt, wie ein Leichenfund in einem heruntergekommenen Wasserschloss alles verändert. Denn die Geschichte, die hinter diesem Toten steckt, führt tief hinein in die Vergangenheit und offenbart die Verstrickung der alteingesessenen Dorfbewohner in ein sorgfältig verdrängtes NS-Verbrechen. Am Ende müssen Konstantin und Rosalie sich entscheiden: für jeweils eine Seite und für oder gegen das Schweigen.

Eine Libesgeschichte, ein Heimatroman kurz und atmosphärisch erzählt, schön zu lesen, spannend und gefühlvoll, ohne Kitsch und Verklärtheit.

— FrauGoldmann_Buecher

Berni Mayer schildert in “Rosalie” seine “harmlose Heimat” als Nährboden für toxische Verbindungen.

— jamal_tuschick

Stöbern in Romane

Sieben Nächte

Ein Klagegesang an der Schwelle zum 30.

dicketilla

Kukolka

Hammerharte Realität, hammerhart erzählt. aber Umsetzung + Stil waren leider nicht so mein Fall. Sehr distanziert. Dennoch grausame Realität

Yuyun

Lauter gute Absichten

Kurzweilige Geschichte um einen angry young man, der sich gegen die Familie auflehnt - und an den eigenen Ansprüchen scheitert.

Marina_Nordbreze

Die Lichter von Paris

Generationenübergreifend. Legt sich wie eine kuschelige Decke romantisch um deine Schultern! Angenehme Atmosphäre.

Simonai

Was man von hier aus sehen kann

Eine Geschichte, die mich mit ihrer Wärme und liebevollen Erzählart absolut bezaubert hat.

Kathycaughtfire

Wie der Wind und das Meer

Eine wunderbare Geschichte über eine Liebe, die nicht sein darf! Ein Lesegenuss!!!

Fanti2412

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Eine Provinz-Novell

    Rosalie

    FrauGoldmann_Buecher

    05. June 2017 um 19:29

    Ein Buch namens „Rosalie“  ist im Dumont Buchverlag im Spätherbst 2016 erschienen. Die Handlung spielt 1985 in der bayrischen Provinz, in Praam an der Schwarzen Laaber.  Ländlicher geht es fast kaum. Eigentlich, ein kleines unscheinbares, aber wild romantisches katholisches Dorf mit einer verlassenen Burg.  Hier ist Konstantin aufgewachsen: seine Eltern betrieben die Dorfwirtschaft, sein Großvater war schon als Hausmeister der Burg und später als Holzhändler im Dorf ansässig, Konstantin besuchte das örtliche Gymnasium, nahm an festgesetzten Kirchenritualen teil, tanzte sich durch die Dorfdiscos und verlebte eine eher unspektakuläre Kindheit und Jugend auf dem Lande – bis er sich verliebte.  Als Konstantin nach Jahren wieder in den Ort seiner Kindheit zurückkehrt, um den Vater zu beerdigen, die Familie und die einstigen Nachbarn wiedersieht, die bekannten Wege wieder abläuft,  kommen auch die Erinnerungen wieder. Erinnerungen an die Kindheit, aber vor allem  an seine Jugendliebe Rosalie, und die kurze gemeinsame Zeit, die sie miteinander verbracht haben, an die Ablehnung, die Ihnen als Paar entgegengebracht wurde. Nicht ohne Augenzwingern und mit viel schwarzem Humor,  berichtet der junge Autor über die Prozession  am Karfreitag und das Leid Christi, das für die jungen Menschen im Dorf nur als Treff zum Kennenlernen und Flirten benutzt wird … Eines Tages ist auch Rosalie in der Kirche dabei und schnell ist Konstatins Interesse geweckt, nicht zuletzt, wegen der zarten, weißen Haut und der schwarzen Haare von Rosalie. Eine Märchengestalt möchte man als Leser meinen, inmitten dieser tristen Dorf-Welt.  Mit Rosa, wie sie kurz genannt wird,  der die Gepflogenheiten des Dorflebens nicht bekannt sind -   sie ist in München aufgewachsen -  und so wie es aussieht nur vorübergehend in Praam, erlebt Konstantin eine kurze aber sehr emotionale und zarte Verbundenheit.  Doch ihre Zweisamkeit und Verliebtheit ist im Dorf nicht  gern gesehen, die Beziehung wird nicht gut geheißen, deswegen suchen sie sich eher abgelegene Orte aus, um sich  zu treffen. Bei einem dieser Stelldicheins – dem ersten intimeren  - dringen sie tief in die verlassene Wasserburg hinein und machen eine grausame Entdeckung. Konstantin lässt nicht locker und geht dem aufgedeckten Verbrechen auf die Spur. Immer mehr wird er zum Außenseiter und immer weiter entfernt sich Rosalie von ihm. Doch der Mantel des Schweigens wird gehüllt, die Verbrechen werden öffentlich gemacht, die Presse berichtet, die Dorfbewohner sind Mitschuldige, Konstantin der Verräter, der auch bald das Dorf verlassen wird. Jetzt, bei der Beerdigung des Vaters, ist Konstantin soweit sich den Dingen seiner Vergangenheit zu stellen. Der Autor dieses Heimat- und Leibesromans ist Bernie Mayer, ein Journalist, Musiker,  Blogger und Autor.  Wie der Verlag über den Autor informiert: „ 2012 bis 2014 erschien seine dreibändige Krimireihe um den arbeitslosen Musikjournalisten und Detektei-Erben Max Mandel.“ Rosalie“ ist sein literarisches Debüt und wie ich finde, ein gelungenes. Ein Heimatroman, der viel Atmosphäre hat, einen gewissen Graphic-Novel-Touch, der den Leser Praam zieht. Kein Heimatkitsch aber auch keine verklärte dörfliche Welt. Ich habe den Roman sehr gerne gelesen und gab dem jungen Liebespaar meine ganze Sympathie.

    Mehr
  • Jugend, Heimat, erste Liebe und die Schatten der Vergangenheit

    Rosalie

    winter-chill

    02. April 2017 um 14:28

    Wirtshaus, Sägewerk, Sportplatz und über allem die katholische Kirche: So sieht die Welt der knapp 100 Einwohner im niederbayerischen Dorf Praam aus. Konstantin, Sohn des Wirts, wächst in den 1980er Jahr in diesem beengten Kosmos auf. Für ihn fühlt sich dieses Aufwachsen an, wie ein immer fortwährender Karfreitag. Das äußert sich darin, dass Konstantin nur schwarze Klamotten trägt und die Wände seines Zimmers mit schwarzen Postern beklebt. Aus dieser bleiernen Langeweile wird Konstantin aber eines Tages herausgerissen: die 14-jährige Rosalie zieht mit ihrem Vater von München nach Praam und stellt Konstantins Welt auf den Kopf. Nach seiner Krimi-Trilogie um die Musikjournalisten Sigi Singer und Max Mandel hat Berni Mayer nun mit „Rosalie“ eine Coming-of-Age-Geschichte in der bayerischen Provinz vorgelegt, die tatsächlich etwas anders ist, als die üblichen Post-Heimatromane, die es sonst so auf dem Markt gibt. Was zunächst nämlich nach einer typischen Geschichte über das Leben in der bayerischen Provinz, garniert mit einer Jugend-Romanze, aussieht, bekommt bald eine fundamentale Wendung. Beim heimlichen Stelldichein im heruntergekommen Wasserschloss machen Rosalie und Konstantin einen grausigen Fund, der die Verstrickung der alteingesessenen Dorfbewohner in ein sorgfältig verdrängtes NS-Verbrechen offenbart. Und das hat weitreichende Konsequenzen. Gerade diese Mischung aus erstem Verliebt sein, Jugend auf dem Dorf und Umgang mit altem Verbrechen machen die Stimmung des Romans aus – verleihen ihm auch etwas düsteres, bedrückendes, ernüchterndes. Berni Mayer hat seinen Roman selbst als „Southern Gothic“ bzw. „Bavarian Gothic“ bezeichnet und das passt ganz gut, finde ich. Auch seine Figuren sind – zum Genre passend – recht speziell, werden aber mit viel Empathie beschrieben. Ein weiterer Pluspunkt: Mayer beleuchtet in „Rosalie“ die bayerische Provinz zwar kritisch – man hat aber zu keiner Zeit das Gefühl, dass er überheblich von oben herab darauf blickt. Die Geschichte ist aber auch nicht heimattümelnd oder verklärend. Mayer erzählt die Geschichte der beiden Außenseiter Rosalie und  Konstantin nüchtern, lakonisch und schnörkellos – trotzdem aber auch zart und mit ganz viel Gefühl zwischen den Zeilen. Ein sehr empfehlenswerter, bodenständiger Roman über Heimat, Jugend, Liebe und die Schatten der Vergangenheit.

    Mehr
  • Leibesfruchtwegnahme

    Rosalie

    jamal_tuschick

    17. November 2016 um 19:20

    Konstantin Wolff, genannt der Schwarze, kehrt zur Beerdigung seines Vaters, einem eingesessenen Gastwirt, in das Dorf seiner Herkunft zurück. Praam liegt an der Schwarzen Laaber. Der Donauzufluss war in besseren Zeiten ein Paradies für Krebse, die es bis auf das Siedlungswappen geschafft haben. Das Fischerviertel erinnert nur dem Namen nach an einen geknickten Erwerbszweig. Doch wird die Gegend heute noch in einer Touristik-Prawda als “Flusslandschaft zum Verlieben” über den grünen Klee verkohlt. Der Tod des Vaters nötigt den Sohn zu innerer Einkehr. Kindheit und Jugend unter der Fuchtel katholischer Fundamentalisten kommen ihm hoch. Sein Schöpfer, Berni Mayer, lässt ihn zwischen den Polen erste Liebe und Faschismus vorläufige und endgültige Grenzen erreichen. Konstantin lebt mit einem “permanenten Karfreitaggefühl”. Frei fühlt er sich höchstens unfreiwillig, während seine vorderhand konventionelle Schwester tatsächlich ein schwungvolles, von Selbstbestimmung und ungehemmter Eigenliebe loderndes Leben führt. Sie bestimmt Schauplatz und Gepräge des Leichenschmaus’, Kremess auf bayrisch, der die bucklige Verwandtschaft final zusammenführt, so dass sich die Familienfehden zum letzten Mal personalisieren und die Verödungen ihrer Verläufe ein memorables Datum kriegen. So wie der Vater einst den Tod seines Bruders Alfons mit der letzten Kutschfahrt des Bestatters Hinrainer zu einem bei vielen Gelegenheiten besungenen Schatz des Vorhergegangenen gemacht hat. Nach dem Alfons kam der “Hinrainer nur noch mit dem Leichenwagen”. Das liest sich richtig als Schnurre, süddeutsch sämig serviert. In Praam nimmt man sich gegenseitig auf die Schippe, man ist sich aus Prinzip nicht grün und legt Wert auf die kleinen Unterschiede. Zu Konstantins Vater kamen die Bauern nicht und nicht die Speichellecker der Großköpfe, der alte Wolff hielt das Schwesternbier und den Schweinsbraten für die Arbeiter im Vorrat. Schwesternbier, da von Nonnen gebraut; die Braumeisterin erschien den Jungen monströs. Damals wohnte der Schwarze in einem schwarzen (Kinder)zimmer, während Praam in das Einzugsgebiet größerer Werke geriet, die ihre Busse ausschwärmen ließen, um die Ärmsten auf dem Land einzusammeln. Plötzlich verdienten Arbeiter mehr als Bauern. Das führte zu Verwerfungen wie zum Beispiel besonders falschen Ehen, unauflösbar geschlossen vom Pfarrer Parzefall, dem Garanten der Gottesfurcht vor Ort. In diesem Klima verliebt sich Konstantin in eine Halbwaise aus der Großstadt. Die Fremde Rosa legt ein erwachsenes Tempo vor, sie macht den Schwarzen auf Kollisionskurs klar. Ihr Vorsprung reißt eine Lücke in die Gewissheiten des Eingesessenen. Er schludert im Jahr von Tschernobyl vor sich hin, schließlich spricht ein athletischer Großbauernsohn mit den Initialen SS die Vorwitzige treffender an. Mich erinnert Mayers einseifende Melodik an den frühen Helmut Krausser und an den früh verstorbenen Heiner Link. Mir hätte der kleine Plot von der traurigfrohen Rosieliebe zwischen Wirtshaus und Wasserschloss gereicht, eingedenk des Franzdoblerfazits, dass in jeder bayrischen Bretterbude mehr Leben zu erwarten sei als am Nacktbadestrand von Sylt. Der Autor lässt eine schaurige Vergangenheit, mit vom Hinrainer (Senior) gelieferten Kindersärgen und amtlich angeordneten Abtreibungen (Leibesfruchtwegnahmen) bei aus Kinos und Kirchen weggefangenen, polnischen Zwangsarbeiterinnen die Wände der Gegenwart einreißen. Das moralische Versagen der Gemeinde manifestiert sich im Boykott der Gaststätte Wolff.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks