Bernulf Kanitscheider

 4.3 Sterne bei 3 Bewertungen

Alle Bücher von Bernulf Kanitscheider

Das hedonistische Manifest

Das hedonistische Manifest

 (2)
Erschienen am 21.03.2011
Kleine Philosophie der Mathematik

Kleine Philosophie der Mathematik

 (1)
Erschienen am 20.02.2017
Entzauberte Welt

Entzauberte Welt

 (0)
Erschienen am 14.05.2008

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Rezension zu "Kleine Philosophie der Mathematik" von Bernulf Kanitscheider

Wissenschaft und Science-Fiction
Reinhard_Gobrechtvor einem Jahr

Im Buch werden viele Richtungen und Strömungen innerhalb der Mathematik und Philosophie aufgezeigt. Es werden Bezüge zwischen Mathematik und Philosophie, aber auch zwischen Mathematik und anderen Wissenschaften hergestellt. Die Logik spielt eine wichtige Rolle und gehört zu einer wissenschaftlichen Kultur. Es wird zurecht festgestellt, dass bestimmte Bereiche der Logik, wie etwa das Prinzip vom ausgeschlossenen Widerspruch, nicht verhandelbar sind. Was manche der diskutierten Vorstellungen, insbesondere physikalischer Vorstellungen betrifft, fehlt hier oft jeder Realitätsbezug und man könnte meinen ein Buch über Science-Fiction zu lesen. Bei Algorithmen des Universums samt etwaigen Parallelwelten z. B., scheint die Vernunft völlig spekulativ über alle Grenzen zu gehen. Die theoretische Konstruktion von immer mächtigeren Kardinalzahlen und das spekulative Spiel mit dem Unendlichen, sowie mit möglichen Welten (die nicht genau definiert werden) ist äußerst kritisch zu betrachten. Unvernünftige Vorstellungswelten sollten aus einer realen Wissenschaft ausgeklammert werden. Eine Philosophie der Mathematik sollte Science-Fiction kritischer beurteilen.

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Rezension zu "Das hedonistische Manifest" von Bernulf Kanitscheider

Rezension zu "Das hedonistische Manifest" von Bernulf Kanitscheider
michael_lehmann-papevor 8 Jahren

Theorie und Praxis der hedonistischen Haltung

Gründlich und ernsthaft geht Bernulf Kanitscheider in seiner Untersuchung dem Hedonismus nach.
Von seiner Entstehung in der griechischen Philosophie der Antike (epikur) bis zu konkreten und praktischen Ausformungen der Gegenwart spannt Kanitscheider den Bogen seiner überwiegend theoretischen und argumentativ begründeten Betrachtungen, die, wenn auch oft nicht offen zugegeben, dem westlichen Lebensmuster mehr und mehr inne wohnt.
Freude, Glück und Lust bilden im Hedonismus die obersten Zielvorstellungen und, trotz einer immer noch innewohnender, protestantischer Arbeitsethik und eines offiziellen Geringachtens der „Lust“ und des „Lustprinzips“, ist doch deutlich gesellschaftlich erkennbar, dass in den letzten 30-40 Jahren die Zielvorstellungen westlich geprägter Menschen sich in diese Richtung hin entwickelt haben (Ausnahmen bestätigen die Regel).

„Selbstverwirklichung“ ist eines jener Schlagwörter, dass von Beginn an in eine solche, der Steigerung des persönlichen Wohlbefindens, der Abwesenheit von Schmerz und, zudem, einen Entzug von möglichst viel Verantwortung mit sich schwingen lässt. Haltungen wie „Job statt Beruf“, Lebensabschnittspartner statt lebenslange Ehe“ deuten deutlich darauf hin, dass ein möglichst breiter Raum ungestörter, persönlicher Freiheit eines der wichtigsten Elemente in den Zielen modernen Lebens ist.

Dass eine solche Haltung keine „moderne“ Erfindung darstellt, sondern historisch tief verwurzelt sich im Lebensvollzug und der philosophischen Überlegung wiederfindet, das weist nun Kanitscheider nachdrücklich nach. Beginnend beim Naturalismus der griechischen Philosophie, in der die Ausrichtung auf das „Diesseits“ ihre Grundlagen findet.

Nach einer Positionierung des Ansatzes im Gesamtgebäude philosophischer Überlegungen, wendet er sich fünf Hauptteilen dem Hedonismus in aller Gründlichkeit zu. Die Philosophie der Lust zeigt das Rahmengerüst des Hedonismus auf. Die dunkle Macht der Triebe verankert dieses in den Emotionen. Kognitive und moralische Aufklärung geht dem Hedonismus in Fragen der Tugend, der Begierden, der Freiheit und im Rahmen analytischer Philosophie und Tiefenpsychologie nach, bevor auch naturale Fundamente (Die Chemie der Gefühle, evolutionäre Determinanten u.a.) zu Wort kommen. Hier ist besonders das Kapitel über „Liebe, Besitz und Eifersucht“ hervorzuheben, im Rahmen dessen Kanitscheider die „Romantik“ gründlich entzaubert und alternativen „offener Beziehungen“ durchaus überzeugend in den Raum zu setzten vermag.

Abgeschlossen werden die Untersuchungen und Einlassungen durch den gesellschaftlichen Bezug, der „Hedonist und die anderen“ bietet den Brückenschlag von der „Eigenliebe“ hin zu Freundschaft und Geselligkeit, somit zur sozialen Verbindung. Und dies ganz pragmatisch, egozentrisch, nicht plakativ und fordernd.

Wer beim Titel des Buches an eine lockere und vielleicht ironisch nicht ganz ernst zu nehmende Betrachtung genussvollen Lebens denken mochte, wird schon auf den ersten Seiten des Buches (und im Folgenden durchweg) eines Besseren belehrt. Bernulf Kanitscheider legt eine komplexe und wissenschaftliche Untersuchung vor, anhand derer sich der individuelle Freiheitsbegriff und die daraus resultierende individuelle Lebensgestaltung im Rahmen einer liberalen Gesellschaft mit dem Ziel höchstmöglichen Genusses im Leben fundiert herleitet. Sprachlich ebenfalls nicht einfach zugänglich fordert das Buch ein konzentriertes Erarbeiten. Durchaus differenziert erläutert Kanitscheider die Entwicklung des Hedonismus und seine möglichen Folgen für den Einzelnen und die Gesellschaft (z.B. die Auflösung monogamer ehelicher Beziehungsformen) und stellt so ein fundiertes Gedankengebäude jener spürbaren Ablehnung eines „Wein, Weib und Gesang“, mithin eines Lebensstils, der sich dem Genuss mehr zuwendet als der Pflicht, gegenüber.

Fundiert und komplex bietet das Buch eine Darstellung und Begründung des Hedonismus aus philosophischer, psychologischer und naturalistischer Sicht, wobei die jeweiligen Argumente und Forschungsergebnisse erkennbar subjektiv vom Autor ausgewählt wurden. Eine grundlegende , kritische Reflektion möglicherweise negativer Folgen der Haltung und ebenso eine kritische Würdigung jener Philosophie und naturalen Wissenschaft, die gegen die Etablierung eines Hedonismus ins Felde geführt werden könnten, finden im Buch keinen ausreichenden Platz. Dennoch gelingt es Kanitscheider ohne sture Ideologie, die „Lust“, die dem Hedonismus zugrunde liegt, aus ihrem „niedrigen Platz in der Skale der moralischen Werte“ heraus zu lösen und in ihrer Bedeutung für das praktische Leben deutlich zu würdigen. Ein wenig mehr richtig verstandenen „klugen“ Hedonismus ins Leben zu bringen wäre durchaus angemessen und würde aus rein egozentrisch-pragmatischen Überlegungen das Zusammenleben der Menschen durchaus angenehmer und friedlicher gestalten. Und nach der Lektüre des Buches wäre dies nun auch klar zu begründen.

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