Bert Flossbach

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Bert FlossbachDie Schuldenlawine
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Die Schuldenlawine
Die Schuldenlawine
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Erschienen am 08.06.2012

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Rezension zu "Die Schuldenlawine" von Bert Flossbach

"Demagogie schlägt Sachkenntnis. Das gilt auch in der Finanzkrise." (139)
R_Mantheyvor 3 Jahren

Die durch beratungsresistente Politiker angehäuften Schulden der EU-Staaten stellen eine extreme Gefahr für Demokratie, Wohlstand und private Vermögen dar. Das jedenfalls ist die zentrale Botschaft dieses Buches, die wohl inzwischen niemand mehr bestreiten kann.

Bert Flossbach und Philipp Vorndran gehören zum unabhängigen Investmenthaus Flossbach von Storch, das ein Vermögen von über sieben Milliarden Euro verwaltet. In ihrem Buch beschreiben sie zunächst die Entstehungsgeschichte der Schuldenkrise und ihre Verschärfung durch den Euro und die Finanzkrise, um dann die wahrscheinliche weitere Entwicklung aufzuzeigen.

Daneben bietet der Text einige Vorschläge zur Lösung akuter Probleme und zeigt am Ende einige Möglichkeiten, um persönliches Vermögen einigermaßen unbeschadet durch die staatlichen Entschuldungsmechanismen zu retten, an denen kein Weg mehr vorbeiführt.

Nach der Aufhebung der Golddeckung des Dollars durch Nixon lässt sich eine beschleunigte Neigung zur Staatsverschuldung in den westlichen Industriestaaten beobachten. Darüber hinaus überschütteten freigiebige Notenbanken die Finanzmärkte in jeder Krise mit Liquidität, die nie wieder zurückgeführt wurde. Dieses herumschwirrende Geld suchte Anlage. Und weil es nicht genügend solcher Möglichkeiten gab, bildeten sich immer wieder Blasen, deren Platzen mit neuen Geldinfusionen begegnet wurde.

Dadurch verschärfte sich die Asymmetrie zwischen Finanz- und Realwirtschaft immer mehr. Großbanken erhielten Systemrelevanz, weil ohne sie die immer heftiger werdenden Schuldenorgien der Staaten nicht mehr finanzierbar waren. Systemrelevante Banken stehen damit jedoch außerhalb marktwirtschaftlicher Gesetze und können risikolos mit dem überflüssigen Geld herumzocken, was das ganze System zwangsläufig immer mehr ad absurdum führt und bereits ganze Volkswirtschaften an den Rand einer ökonomischen Katastrophe beförderte. Diese Zusammenhänge schildern die beiden Autoren im ersten Kapitel.

Unglücklicherweise wurde in diesen Zeiten in Europa auch noch der Euro eingeführt. Noch nie in der Geschichte hatte eine Währungsunion ungleicher Partner Bestand. Im zweiten Kapitel schildern Flossbach und Vorndran, warum diese unselige Idee gegen jeden ökonomischen Sachverstand verstößt. Bereits 1996 beschied der Bundesbänker Issing den Regierenden, dass man mit einer gemeinsamen Währung niemals eine Staatenunion oder gar einen gemeinsamen Staat erzwingen kann. Doch genau das war der eigentliche Grund für die Einführung dieser Währung.

Und nun, da die ganze Konstruktion, wie die Autoren darlegen, durch unfassbare Vertragsbrüche in eine Transferunion umgewandelt wurde, nutzt man die Angst vor dem Zusammenbruch, um das ursprüngliche Vorhaben erst recht zu erzwingen. Der Leser findet in diesem Kapitel lehrreiche Belege für Lügen und katastrophale Irrtümer von Politikern sowie Darlegungen zur wirklichen Lage der südlichen Problemländer und Irlands. Bei dieser Gelegenheit konstatieren die Autoren die großen kulturellen und wirtschaftlichen Unterschiede der Euro-Staaten, die sich nicht durch eine gemeinsame Währung beseitigen lassen werden. Im Gegenteil, eine solche Währung führt, wie man sieht, nur zu einer Verschärfung latenter Konflikte, anstatt eine einstmals relativ gut funktionierende Wirtschaftsunion zu stärken.

In den folgenden drei Kapiteln versuchen die Autoren dann Auswege aus dem Schlamassel aufzuzeigen. Insbesondere befassen sie sich mit sehr vernünftigen Vorschlägen, endlich ein Trennbankensystem einzuführen und dem Haftungsprinzip wieder Geltung zu verschaffen. Nur so kann die verheerende Asymmetrie zwischen Real- und Finanzwirtschaft endlich beseitigt und den Banken ihr ursprünglicher Platz in den Volkswirtschaften wieder zwangsweise zugewiesen werden. Allerdings ist die Verquickung zwischen Politik und Geldwesen inzwischen so komplex, das man vor einer großen Katastrophe kaum noch Hoffnung für eine solche Lösung entwickeln kann.

Dann kommen Flossbach und Vorndran zu den Auswegen aus der Schuldenkrise. Der Zug für milde Lösungen scheint inzwischen schon lange abgefahren zu sein. So bleiben nur noch die harte Variante einer Währungsreform und die von beiden Autoren für wahrscheinlicher gehaltene Entschuldung durch eine moderate Inflation. Durch einen solchen Prozess würden die Bürger nicht schlagartig enteignet, sondern langsam und für viele wohl auch fast unbemerkt.

Im ersten Schritt müssen die planwirtschaftlich durch die Notenbanken festgelegten Zinsen über einen langen Zeitraum tief gehalten werden. Zeitgleich muss die Geldmenge beständig vergrößert, also inflationiert werden. Erst später werden sich die Verbraucherpreise erhöhen, was dem Volk als Inflation verkauft wird. Diese Preisinflation lässt sich jedoch durch geschickt gewählte Warenkörbe und andere Tricks eine lange Zeit lang gut verschleiern. Auch das wird im Buch recht gut erklärt.

Durch massiven Kaufkraftverlust und gleichzeitig extrem niedrige Zinsen bezahlt also der Bürger die Entschuldung. In Deutschland laufen diese Prozesse bereits eine gewisse Zeit. In diesem Zusammenhang erläutern die Autoren auch, dass Deutschland eben nicht vom Euro profitiert hätte, wie immer wieder gerne von offizieller Seite beteuert wird.

Am Ende des Buches schließlich erklären beide Autoren in einem Frage-und-Antwort-Spiel ihre Strategie zur Vermögenssicherung unter diesen Erwartungen. Sie empfehlen im Wesentlichen Gold und persönlich genutzte Immobilien sowie insbesondere Qualitätsaktien. Dass sie dabei natürlich auch in gewissem Umfang für ihr Unternehmen trommeln, verwundert nicht.

Insgesamt liest sich der Text gut. Er räumt mit vielen Polit-Märchen auf und schildert die Lage und die wahrscheinliche Entwicklung ungeschminkt.

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