Bertrand Badiou

 4.4 Sterne bei 51 Bewertungen
Autor von Herzzeit, Briefwechsel und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Bertrand Badiou

Herzzeit

Herzzeit

 (44)
Erschienen am 16.11.2010
Briefwechsel

Briefwechsel

 (5)
Erschienen am 26.03.2001
Eingedunkelt

Eingedunkelt

 (2)
Erschienen am 01.09.1991

Neue Rezensionen zu Bertrand Badiou

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Rezension zu "Herzzeit" von Bertrand Badiou

"Du liest jetzt. Ich denk an deine Stimme."
The iron butterflyvor 5 Jahren

Unter dem Titel "Herzzeit" wurde der Briefwechsel von Ingeborg Bachmann und Paul Celan veröffentlicht. Der Begriff "Herzzeit" verweist auf Celans Gedicht "Köln, Am Hof", welches nach dem Wiederaufleben der Liebesbeziehung von Ingeborg und Paul im Jahr 1957 entstand.

1948 lernen sich die 21-jährige und der 27-jährige in Wien kennen und lieben. Beide noch unbekannt und jung, doch jeder für sich schon mit Erfahrungen und Ängsten belastet.

Paul Celan, Jahrgang 1920, Sohn deutschsprachiger Juden, verliert seine Eltern nach deren Deportation im Winter 1942/43. Er selbst überlebt in einem rumänischen Arbeitslager, arbeitet nach dem Krieg als Übersetzer.

Ingeborg Bachmann, Jahrgang 1926, in Klagenfurt geboren und aufgewachsen, befreit sie sich durch das Medium Sprache aus einer von Nationalsozialismus und Krieg beherrschten Umgebung. Und so treffen im Wien des Jahres 1948 zwei junge Menschen aufeinander, die zwar aus konträren Welten stammen, jedoch durch ihre Liebe zur Sprache zueinander finden.

Das spiegelt sich sowohl im Briefwechsel an sich, als auch in den Gedichten, die beide für den anderen bzw. erst möglich durch die Beziehung zum anderen erschaffen. So stellt der Briefwechsel zwischen 1948 und 1967 einen sehr intimen Einblick in die ausgesprochen wechselhafte, aber auch wechselwirksame Beziehung, Freundschaft, Liebschaft von IB und PC dar. Näher kann man ihnen selbst in ihren Werken nicht kommen. Tief berührt lese ich von Liebe, Zuneigung, Sehnsucht, die sich quält durch räumliche und historische Distanz. Traurig stimmt mich vor allen Dingen, wie gebunden die beiden Dichtergrößen in ihrem Alltag, ihrem Dasein verharren mussten. Oft wirkt es auferlegt durch Pflichterfüllungen, durch Existenzängste. Wie die berühmten Königskinder, die nicht zueinander kommen konnten, streben IB und PC wie Sterne in unterschiedlichen Bahnen aufeinander zu, um kurz darauf wieder auseinander zu driften.

Gerade Paul Celan leidet schmerzlich unter den Plagiatsvorwürfen von Seiten Claire Goll. Er kämpft gegen eine auch damals schon allmächtige Kraft; die Presse. Plattform für Parolen und Meinungen, die oft um der Diskussion willen publiziert werden, wenig hinterfragt und doch manifestiert, wenn sie einmal gedruckt wurden.

Auch die mittlerweile erfolgreiche Autorin Ingeborg Bachmann sowie zahlreiche befreundete Autoren erreichen mit ihren Einwürfen nicht die Linderung, die Celan helfen oder befreien könnte.

So endet die Liebe, die Freundschaft und viel zu früh beider Leben unerfüllt. Doch haben Bachmann und Celan jeder für sich ein Lebenswerk hinterlassen, welches sie durch ihr Lieblingsmedium Sprache immer wieder ins Zimmer treten lässt.

Das Buch selbst gliedert sich in die chronologische Abfolge des Briefwechsels zwischen Ingeborg und Paul. Es folgt der Briefwechsel zwischen Paul und Max Frisch, der von 1958 bis 1962 mit Ingeborg eine Beziehung führte sowie die Korrespondenz zwischen Bachmann und Gisèle Celan-Lestrange, Ehefrau von Paul Celan. Abbildungen aus dem Leben von IB und PC, von Briefen oder Zeichnungen GCL's. Kommentare der Herausgeber, eine Zeittafel sowie die mit vielen weiteren Informationen und Erklärungen versehenen Stellenkommentare.

Eine sehr intensive Lektüre, die Einblicke in die Leben zweier in ihren Sehnsüchten gebundenen Menschen bietet. Zudem ein Stück Geschichte, mit viel Feingefühl und Kenntnis zum Leben erweckt aus Erinnerungen, Dokumenten und Nachlässen.

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Rezension zu "Briefwechsel" von Bertrand Badiou

Nur in der Kunst gelungen
jamal_tuschickvor 5 Jahren


Eine von Prüfungen erschütterte Liebe verband den Dichter der „Todesfuge“, Paul Celan  (1920 – 1970), mit der Künstlerin Gisèle Celan-Lestrange (1927 – 1991). Sie vollzog sich im Schatten der großen Nähe zwischen Celan und Ingeborg Bachmann. Sie wurde überschattet auch von der seelischen Zerrüttung des Lyrikers aus der Bukowina, der erst in den späten vierziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts in Paris einen Ort zum Leben fand. „Zu leben“ taucht als große Beschwörung immer wieder in den Briefen auf, die Celan an Gisèle Celan-Lestrange schrieb.

Das Paar begegnete sich 1951 und heiratet drei Jahre später. Gisèle, eine Tochter aus gutem Haus, ist von dem Dichter, der sich als Lehrer an der Ecole Supérieur erhält, bis zur Selbstaufgabe eingenommen. Sie wähnt sich in einer Liebe „außerhalb jeder Logik“. Dem Angebeteten sichert sie zu: „Du hast schon eine Lebensblume für mich geschaffen“. Celan reagiert zunächst aus einer überlegenen Position. Weltmännisch führt er die Angst an, „die immer gegenwärtig ist, wenn sich das Herz gefährlich einmischt“. Bald nimmt Gisèle sich seiner mit fürsorglichen Absichten an: „Ich möchte dich gegen alle Boshaftigkeiten des Lebens verteidigen“. Sie teilt Celans Groll auf Claire Goll, die den Dichter des Plagiats bezichtigt und nach seiner Auffassung bei ihm in der Kreide steht. Sie kokettiert mit ihrer Unwissenheit und unterschreibt sich als kleine Pfirsichblüte. Man muss wenig über Dichter wissen, um schon zu wissen, dass diese Variante des Rollenspiels ihnen nicht liegt. Auch Celan strapaziert seine Gisèle mit Alltagsverweigerungen. Er stellt sich ihr anheim als „Dein kleiner Mann“ und als „Ihr kleiner Poet“. Er schreibt aus Deutschland, wo er Walter Höllerer, Heinrich Böll, Siegfried Unseld und mit den heikelsten Empfindungen Martin Heidegger trifft. Als „epochal“ überliefert er ein Gespräch mit dem Philosophen im Auto. Im Übrigen gibt Celan Deutschland nicht viel. Im Verlauf der Neunzehnhundertsechziger Jahre gerät sein Leben aus den Fugen. Er bedarf psychiatrischer Betreuung. 1965 versucht der Lyriker seine Frau zu töten, 1970 ertränkt er sich in der Seine. Das sind Eckdaten eines nur in der Kunst gelungenen Lebens.

 

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Rezension zu "Herzzeit" von Bertrand Badiou

Rezension zu "Herzzeit" von Ingeborg Bachmann
Tillabackevor 9 Jahren

Dieses Buch war ein Geschenk und selbst hätte ich es mir bestimmt nicht gekauft! Was schade gewesen wäre, weil dieser Titel ein echtes Erlebnis ist. Die schönen Briefe und Gedichte, man mag gar nicht glauben, was man liest. Wenn die zwei unterschiedlichen Persönlichkeiten Celan und Bachmann, er hat in Nazizeiten im KZ gesessen - sie behütete Tochter eines österreichischen NS-Symphatisten, aufeinandertreffen, ist von Beginn an klar, dass die Gefühle extrem sind. Extreme Liebe oder extreme Abneigung - aber sicher ist, dass sie sich gegenseitig insperieren.

Ohne dieses Buch wäre ich wahrscheinlich niemals den Gedichten Celans begegnet und mir würde heute etwas fehlen. Bisher habe ich mich noch nicht dem literarischem Nachlass Ingeborg Bachmanns widmen können, aber das mag noch kommen.

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