1674. Karibik. Eliza gerät bei einer gewagten Rettungsmission an Bord des Piratenschiffes Golden Treasure und hat nur eine Chance dort zu überleben: Sie muss der Crew beitreten. Außerdem scheint der Kapitän mehr über Eliza zu wissen, als er zugibt.
In diesem atmosphärischen Roman von Bess stimmt einfach alles. Man kann die salzige Brise fast spüren und den Geruch von Rum und Schießpulver erahnen.
Durch die Augen der Protagonistin, das Leben auf einem Piratenschiff kennenzulernen, war eine sehr spannende Erfahrung. Dass es dort, wie vermutlich auf fast jedem Schiff zur damaligen Zeit, etwas rauer zuging, aber nicht ohne Regeln, erfährt der Leser hier aus erster Hand. Die Piratencrew ist ein bunt gemischter Haufen Kerle, die ebenso liebenswert, wie auch abstoßend sein können. All diese Aspekte vermittelt Bess sehr einfühlsam, was mir unheimlich gut gefallen hat.
Commodore James, der zweite Erzähler, ist deutlich geordneter unterwegs. Er ist trotz seiner wichtigen Position ein nahbarer Mann, sehr sympathisch und begibt sich für die Liebe in reichlich gefährliche Situationen. *seufz*
Die nautischen Begriffe, die einem immer wieder begegnen, werden zwar im Glossar erklärt, aber für mich war das wenig hilfreich, weil ich es erst am Ende entdeckt habe. Meist konnte ich mir ungefähr vorstellen, was gemeint war, aber bei Weitem nicht in allen Situationen (außer beim feurigen Achtersteven). Dadurch fehlte mir an manchen Stellen ein wenig die Möglichkeit, mich zu orientieren.
Insgesamt ist der Schreibstil trotzdem leicht und bildhaft. Man kann der Handlung um Eliza und James sehr gut folgen und bekommt häppchenweise die Gründe für hinter Elizas Gedächtnisverlust präsentiert.
Mich hat das Buch sehr gut unterhalten und bekommt eine klare Leseempfehlung für alle, die hochseetauglich sind, oder zumindest einen Rum vertragen können.
4,5 von 5 Daumen hoch


