Bessa Myftiu Amours au temps du communisme

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Inhaltsangabe zu „Amours au temps du communisme“ von Bessa Myftiu

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  • Rezension zu "Amours au temps du communisme" von Bessa Myftiu

    Amours au temps du communisme

    Ricardo Caeiro Pessoa

    12. April 2012 um 09:58

    Es ist schon eine Weile her, dass die drei Frauen zu Besuch in ihrer früheren Heimat Albanien waren. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks sind sie in den Westen ausgewandert. Nun treffen die drei, die sich vorher noch nie begegnet sind, am Flughafen in Rom nicht ganz zufällig aufeinander. Sie möchten nach Tirana reisen, um der Hochzeit einer gemein-samen Jugendfreundin beizuwohnen, die nach über 20 Jahren endlich den Mann ihres Lebens heiraten wird. Wegen eines Streiks kommt es zu zahlreichen Abflugverspätungen und sie sind gezwungen, die Nacht im Wartesaal des Flughafens zu verbringen. Anstatt sich aufzuregen und zu beklagen, beschließen sie, sich den unfreiwilligen Auf-enthalt mit gutem Rotwein – namentlich prägnant: Mille e una notte – und dem Erzählen ihrer früheren Liebeleien zu versüßen – Liebesgeschichten zur Zeit eines gleichsam kommunistischen wie archaisch anmutenden Albaniens. In diesem Albanien der 80er Jahre herrschen kompromisslose Gesetze, Verbote und Gebote, öffentlich wie privat. Doch wo die Liebe Raum greift, ist es fast unmöglich, diese Mauern, aufgepfropft durch althergebrachte Traditionen, Sitten, durch Aberglauben und kommunistische Ideologie, nicht zu durchbrechen – oder zu umgehen. Und so erzählen die drei Frauen der Reihe nach ihre ‚verbotenen‘ und mitunter wenig ruhmreichen Geschichten, gestrickt aus bitteren Tränen, Gefühle des Verrats, heimlicher Abtreibung mit Pferdespritzen und Katzenantiobitioka, Verurteilung wegen Inzests, tragischen Enttäuschungen: Anila, geschiedene Mutter, ist hin und hergerissen zwischen dem bäuerlichen Halil und dem Dichter Murat, zwei kosovarische Freunde, die in Albanien Zuflucht suchen mussten. Die beruflich erfolgreiche Diana sieht sich im Bett mit der Angst ihres deutlich jüngeren Liebhabers Thanass konfrontiert – Albanier der griechischen Minderheit im Süden Albaniens –, der sich tags zuvor sein bestes Stück im Hosenschlitz eingeklemmt hatte und darin nun einen göttlichen Wink in Richtung Enthaltsamkeit vermutet. Und Monda fühlt sich seit ihrer Kindheit zu ihrem Cousin hingezogen, was ihr von ihrer sozialen Umgebung nur Verächtung einbringt. Die Geschichten sind nicht frei von Pathos und großem Unglück, gehen jedoch nicht ins Kitschige über, da die Schilderung absurder und grotesker Situationen dem Humor das Feld bereitet, ganz im Sinne Dianas, die zu Beginn vorausweist, die Unerbittlichkeit des Kommunismus habe ihnen eine gewisse Lebensphilosophie abverlangt: Sie nehmen selbst die schrecklichsten Situationen noch mit einer Spitze zynischem und schwarzem Humor. Angesichts des durch den Titel (bei mir) geweckten Erwartungshorizonts enttäuscht der Roman – oder vielmehr Novellenzyklus – durch ein Übergewicht des Individuellen und Privaten. Die Chance, die drei Liebegeschichten stärker in Zeitgeschichte und kulturellen Kontext einzubetten, wurde leider verpasst – die zweite Geschichte bspw. spielt zur Hälfte in Deutschland. Ein etwas schärferer und vor allem länger verweilender Blick auf die gesellschaftlichen Umstände hätte dem Text durchaus gut getan. Zudem unterscheiden sich die drei Geschichten in Erzählweise und Thema nur gering. Frei nach dem Motto Dianas weisen sie alle die gleiche Skurrilität auf. Literaturanalytisch ist der Text insofern unstimmig, als dass die drei Frauen nacheinander ohne Unterbrechungen und Rückfragen der anderen jeweils 100 Seiten durcherzählen und selbst Briefe wortgetreu wiedergeben. Wobei dieser Aspekt eher literaturwissenschaftlich denn für den normalen Leser von Bedeutung ist. Trotz dieser Beanstandungen ist ›Amours au temps die communisme‹ ein sehr unterhaltsames Buch, in dem niederschmetternde Erfahrungen – worin wieder das Universelle liegt – mit Sarkasmus, Zynismus, Ironie, aber auch mit Schmunzelhumor aufgebrochen und leichter verdaulich werden. Dies erinnert ein wenig an die wunderbare Erzählkunst Alina Bronskys. Die sozialen und politischen Absurditäten des Albaniens der 80er Jahre werden einem durch den skurrilen Blick der Erzählerinnen aufgedröselt und die Diskurse und deren Nachwirkungen unterhaltsam dekonstruiert.

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