Betina González Nach allen Regeln der Kunst

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Inhaltsangabe zu „Nach allen Regeln der Kunst“ von Betina González

"Ich sage Betina González eine große Zukunft voraus." José Saramago "Einen Moment lang hätte man annehmen können, die hochtrabende Art meines Vaters diene einer Sache, doch wenn mein Vater im Leben für irgendetwas kämpfte, dann nur für sich selbst." Nach allen Regeln der Kunst hat sich Fabio Gemelli durchs Leben gemogelt - als mittelmäßiger Bildhauer, untreuer Ehemann und schlechter Vater. Etliche Jahre nach seinem Tod stößt seine Tochter Claudia zufällig auf eine seiner Skulpturen, die er offenbar einer ehemaligen Geliebten vermacht hat. Neugierig geworden, beginnt Claudia, die Lebensgeschichte ihres Vaters zu rekonstruieren. Sie nimmt Kontakt mit weiteren Geliebten auf, um mehr über ihn zu erfahren. Doch jede der Frauen hat ihre eigene Wahrheit. Elegant und voller Poesie erzählt González von der Suche einer Tochter nach ihrem Vater, bei der so manches "Wunschbild" auf der Strecke bleibt. Ihr Roman ist aber nicht zuletzt auch als kritische Parabel auf Argentinien zu lesen, das nach Größe strebt und an seinen Untugenden scheitert.

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  • Rezension zu "Nach allen Regeln der Kunst" von Betina González

    Nach allen Regeln der Kunst
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    05. October 2010 um 20:31

    Betina González wurde 1972 in der Nähe von Buenos Aires geboren. Im Jahr 2003 zog sie nach Texas, um dort Creative Writing zu studieren. 2006 schloss sie ihre Ausbildung ab und im selben Jahr erschien ihr Roman “Nach allen Regeln der Kunst”, der mit dem renommierten Premio Clarin ausgezeichnet wurde. Jury-Mitglied José Saramago, der kürzlich verstorbene Literatur-Nobelpreisträger, lobte den Roman von González in höchsten Tönen: »Ich sage Betina González eine große Zukunft voraus.« In “Nach allen Regeln der Kunst” setzt sich Betina González mit dem Phänomen der multiplen Persönlichkeit auseinander. Der Künstler Fabio Gemelli ist bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen. Unter dem Vorwand eine Biographie zu verfassen, versucht nun seine Tochter Claudia zu erfahren, wer ihr schmerzlich vermisster Vater wirklich war. Denn keiner seiner zahlreichen Freunde und Affären scheint ihn tatsächlich gekannt zu haben. Und so versucht Claudia aus den vielen kleinen Puzzleteilen, die sie auf ihrem Weg findet, ein vollständiges Bild des Vaters zusammen zu setzen. Schnell stellt sie fest, dass die Berichte seiner früheren Geliebten und engen Vertrauten Nina und Graciela leicht zu widerlegen sind. Die einzigartige Liliana Fiore, die anscheinend ein besonderes Verhältnis zu dem Bildhauer hatte und von der sich Claudio eine endgültige Aufklärung erhofft, ist jedoch schwer aufzufinden. Am Ende ihrer Reise trifft Claudia schließlich auf einen Astrologen, der ihr die angeblich wahre Geschichte des Künstlers erzählt. Aber erst als sie eines Tages eine verloren geglaubte Skulptur ihres Vaters entdeckt, lernt sie ihren Vater tatsächlich kennen. Betina González erzählt nicht nur eine Familiengeschichte bzw. die Geschichte einer Tochter, die nach ihrer Herkunft sucht, sondern auch die Geschichte eines Landes. Denn indem die Autorin dem Leser immer wieder kleine Informationshäppchen zu Argentinien verabreicht, erfährt der Leser einiges über die kulturelle Szene des Landes und ganz speziell Cortázar von Buenos Aires. Hier will Fabio unbedingt dazu gehören und versucht “nach allen Regeln der Kunst” – was auch Schwindel und Fälschen beinhaltet – dort zu landen, wo man ihm Aufmerksamkeit und Respekt entgegen bringt. Denn wahre Künstler, wie zum Beispiel Fernando Pessoa oder Michelangelo Buonarroti, sind Auserwählte: “Der wahre Künstler ist der, dessen Werke nur die Fortsetzung seines Organismus bilden, eine Verlängerung seines Körpers und Geistes.” Eine große Rolle spielt auch das Buch “Rayuela” von Julio Cortázar. Liliana schenkte Fabio ein Exemplar, das sie zum wahrscheinlich längsten Brief der Welt transformierte, indem sie viele Stellen unterstrich und kommentierte; zum Beispiel diese: “Das Leben, Kupplerin des Todes, glänzendes Kartenspiel, Tarock mit vergessenen Schlüsseln, das von gichtigen Händen zu einer tristen Patience degradiert wird.” Von den drei Menschen, mit denen sich Claudia über ihren Vater unterhält, erfährt nur eine, dass Claudia die Tochter von Gemelli ist. Eine Besonderheit ist dabei die Gestaltung der Kapitel. Mal ist es ein Monolog, mal eine Kassetten-Aufnahme, mal ein Dialog, dem jeweiligen Inhalt entsprechend aber immer sehr gelungen gewählt. Interessant auch die unterschiedliche Haltung von Fabios Geliebten: Nina war verliebt, Graciela dagegen begeistert, Liliana scheint in ihm einen guten Freund gesehen zu haben. Alle drei Frauen haben den Künstler jedenfalls auf eine Weise erlebt, wie ihn seine Tochter nie hätte kennen lernen können. So entsteht für den Leser eine Lebensgeschichte als Ansammlung kleiner Miniaturen, die nur durch Claudias Nacherzählung zum einem kohärenten Bild zusammenwachsen.

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