Betsy Mason

 5 Sterne bei 3 Bewertungen

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Schätze der Kartografie - einst und jetzt

Dieses prächtige Buch hält, was es verspricht: In „Kartenwelten“ wird den Lesern die Welt der Karten in eindrucksvoller Weise näher gebracht. Hier geht es nicht um schnöde Anweisung, schnell von A nach B zu kommen, sondern um die Vielfalt der Themen und Aussagen, die Landkarten enthalten. 

Die Autorin hat die Wunderwelt der Karten in neun Themenbereich zusammengefasst: 

  • Wasserstraßen
  • Städte
  • Konflikte und Krisen
  • Landschaften
  • Wirtschaft
  • Wissenschaft
  • Menschliche Erfahrungen
  • Welten
  • Kunst und Fantasien

 

Der Leser wird gleich zu Beginn des Buches von einer Karte des Mississippi (S. 14) empfangen, dessen mehrfach verlegte Flussbetten wie ein surrealistisches Gemälde anmuten. 

Betsy Mason spannt den Bogen von der antiken Landkarte über mitteltalterliche und neuzeitliche Karten bis hin zu Satelliten- und GPS-basierte Karten. Viele davon seit ewigen Zeiten unter Verschluss wie die Karten aus der ehemaligen UdSSR (S. 84) oder Japans (S. 105), die vor allem auf strategische Ziele ihrer Feinde dokumentierten. 

Noch vor den diversen Computersimulationen hat die US-Army Modelle von Utah-Beach nachbauen lassen, um die Landung der Alliierten 1944 in der Normandie zu ermöglichen (S. 100). 

Wie eng Kunst und Karte miteinander verwoben sind, zeigt das Kartenwerk von Prof. Eduard Imhof, der ein Pionier auf dem Gebiet der naturalistischen Darstellung von Gebirgen war (S. 132). 

Wer schon einmal vor einem Panorama eines Schigebietes gestanden ist, hat sich eher über schwarze, rote oder blaue Pisten und vielleicht auch der nächsten Einkehrmöglichkeit Gedanken gemacht, als über die Entstehung dieser Pistenkarten. Hier auf S. 139 kann die Idee und ihre Umsetzung nachgelesen werden. 

Der Vorläufer der ICAO-Karte, ohne die der internationale Flugverkehr nicht möglich wäre, zeigt, dass Fliegen früher mehr Spaß machte (S. 168).  

Besonders beeindruckt haben mich die wissenschaftlichen Karten wie z.B. die der Enthüllung des Meeresbodens (S. 184).  

Und wenn heute die Darstellung von Statistiken über Wanderbewegungen von Menschen oder Hotspots von Krankheiten kaum ohne Karten auskommen können, ist dies keine Erfindung der letzten Jahre, sondern findet ihre historische Entsprechung. 

Ich könnte noch Stunden über dieses Buch berichten, doch lest diese Faszination der „Kartenwelten“ selbst. 

Das Buch ist hochwertig verarbeitet und hat ein Lesebändchen. Im Anhang findet der interessierte Leser noch weiterführende Literatur. Der informative Inhalt und die großartigen Abbildungen rechtfertigen den stolzen Preis von rund 50 Euro. Ein wunderbares Geschenk für Kartenliebhaber. 

Fazit: 

Schätze der Kartografie auf rund 300 Seiten - sie verdienen mit Fug und Recht 5 Sterne. 

Was sich alles in Karten abbilden lässt...

Ein wahrer Schatz!!

Ich gebe es gerne zu: Karten fand ich schon immer faszinierend. Egal, ob im Dierke-Atlas als Schülerleihgabe des Gymnasiums (könnte ich eigentlich mal hin bringen), den ich schon alt und zerfleddert überlassen bekam. On im Internationalen Atlas von Kümmerly + Frey, Rand McNelly und Westermann oder ob es die super Strassenkarten von freytag & berndt sind, schöner, interessanter als jedes Navi..

Dieser Prachtband ist insofern die Krönung, weil er alle möglichen alten, nach Vermutung handgezeichneten Karten, neue GPS-basierte Karten, Stadtpläne bzw. deren Entwicklung, Karten aus Kriegszeiten wie auf den Seiten 94/95 die Kartierung der Schäden in London im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges oder die Deutsche Karte der U-Boot Angriffe des Ersten Weltkrieges zeigt. 

Eine Karte, die die Zielstaaten der Flüchtlinge aus Syrien anno 2016 aufweist, Landschaftskarten in Quasi-3D-Erscheinung, Karten, in denen die landwirtschaftliche Bodennutzung in den USA gezeigt wird. Oder die vergleichende Entwicklung der Warenströme zwischen England und den Kolonien in den Jahren 1858, 1864 und 1865. Karten aus der Zeit der Prohibition in den USA, in denen der Pfarrer John Christian Wiltberger Jr. die USA in einen Teil der Entsagung und einen Teil der Trunkenheit mit dem 'Wine Lake', dem 'Beer Lake', dem 'Rum Lake' sowie dem 'Whiskey Lake' unterteilte.

Eine Karte der Apokalypse, der Azteken, des Universums jenseits unseres Sonnensystems und wie die Erde zu finden sein könnte...

Die Aufzählung könnte noch weiter und weiter gehen. Einfach nur schön, interessant und bestens erklärt. Hervorragender Druck, Buchbändel, gut gebunden. Den Kartenwelten hätte ein Ledereinband oder zumindest ein Lederrücken und Goldschnitt gut zu Gesicht gestanden. Dann wäre aber der Preis wohl zu sehr in die Höhe geschnellt. Obwohl das Buch den Preis so wie jetzt oder höher in der Luxusvariante Leder/Goldschnitt auf jeden Fall verdient hat/hätte.


Mehr als nur bunt

Landkarten haben trotz digitaler Revolution nichts von ihren Mysterien verloren. Kein Piratenfilm, der ohne Schatzkarte auskommt. Keine Reiseband ohne graphische Wegbeschreibung. Keine Wanderroute ohne Kurven und Ecken. 

Die Farbenpracht vergangener Karten ist im Laufe der Zeit einer nüchternen Praktikabilität gewichen. Jedoch einfach mal so beispielsweise den Grand Canyon zu kartographieren, das geht auch nicht. Acht Jahre benötigte Bradford Washburn vor rund vierzig Jahren, um dieses Naturschaupiel zu erfassen. Schweres Gerät musste auf Gipfel geschaffte werden. Für Berechnungen standen zwar schon präzise Computer zur Seite. Die Karte selbst zu erstellen, war ein Abenteuer, dessen Ergebnis all die Mühen vergessen ließ. 

Eine Karte ist aber nicht immer nur der schnöde Wegweiser, um sicher von A nach B zu kommen. Karten dienen Ökonomen zum Beispiel den Weg von Waren nachvollziehen zu können. Und auch das ist keine Erfindung der globalisierten Gegenwart. 

Dieser Prachtband hält sein Versprechen ganze Welten von Karten zu präsentieren. Betsy Mason und Greg Miller lassen phantastische Welten erstehen, die bisher kaum jemand in dieser Hülle und Fülle jemals betrachten durfte. Ist man anfangs noch von der Farbenvielfalt und Detailverliebtheit historischer Karten geblendet, vertieft man sich zugleich in die Texte. Deren Informationsgehalt lenkt nicht von den Bildern ab, sondern schafft ein einzigartiges Kartenuniversum. Museumsreife Karten, Karikaturen (auch dafür eignen sich Karten!) und Abbildungen, die erst auf den zweiten Blick ihr kartographisches Wissen darlegen, geben sich ein Stelldichein, die den Leser immer wieder ins Bücherregal greifen lassen, um die Sinne zu stimulieren. Boston, Hongkong, der Pazifik sind nur drei Beispiele für Karten, die den Leser, der sich wie ein Besucher in einer fremden farbenfrohen Welt fühlen darf, immer wieder Neues entdecken lassen. 

Vergessen Sie Schatzkarten! Hier sind die wahren Schätze!


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