Bettina Flitner

 4,4 Sterne bei 17 Bewertungen
Autor von Meine Schwester, Meine Schwester und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Bettina Flitner

Bettina Flitner ist 1961 in Köln geboren, wo sie auch heute wieder lebt. Sie startete als Filmemacherin, arbeitet aber nach ihrem Studium an der Film- und Fernsehakademie in Berlin als Fotografin. Oft kombiniert sie in ihren Arbeiten, die in vielen Galerie- und Museumsausstellungen gezeigt wurden, Fotografie und Text. Sie arbeitet u.a. für Zeitschriften (Stern, Emma, Cicero) und veröffentlichte zahlreiche Bücher. Zuletzt erschien im Elisabeth Sandmann Verlag ihr Bild-Textband »Väter & Töchter«.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Bettina Flitner

Cover des Buches Meine Schwester (ISBN: 9783462002379)

Meine Schwester

 (13)
Erschienen am 10.02.2022
Cover des Buches Meine algerische Familie (ISBN: 9783462051209)

Meine algerische Familie

 (2)
Erschienen am 15.02.2018
Cover des Buches Frauen mit Visionen (ISBN: 9783896603579)

Frauen mit Visionen

 (1)
Erschienen am 31.03.2006
Cover des Buches Frauen, die forschen (ISBN: 9783899104028)

Frauen, die forschen

 (0)
Erschienen am 04.09.2008
Cover des Buches Väter & Töchter (ISBN: 9783945543832)

Väter & Töchter

 (0)
Erschienen am 07.03.2021
Cover des Buches Meine Schwester (ISBN: 9783742422972)

Meine Schwester

 (1)
Erschienen am 16.02.2022

Neue Rezensionen zu Bettina Flitner

Cover des Buches Meine Schwester (ISBN: 9783462002379)
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Rezension zu "Meine Schwester" von Bettina Flitner

Spurensuche der "kleinen" Schwester
Corisovor 3 Monaten

Aufgewachsen ist Bettina Flitner mit ihrer Schwester Susanne im linksliberalen Bildungsbürgertum der alten BRD. Einblicke bekommt man in die Welt der charismatischen Großeltern, die dort vertretene Wertewelt und die daraus resultierenden Erwartungen an die beiden Töchter. "Die Schöne und die Kluge", "die Liebe und die Achtung" - es sind die Gegensätze, die der Vater kommuniziert und immer wieder einen Spalt in die Beziehung der Töchter treibt.

Bettina ist die jüngere, die im Schutz der älteren Susanne steht, sie bewundert, manchmal neidet, gemeinsam mit ihr in die Fantasiewelt flüchtet und vor allem eine Front gegen die Erwachsenen bildet. Je mehr die Familie zerbröselt, die Mutter in die Depression fällt, der Vater sich aufgrund der Berufsbiographie und anderen Frauengeschichten aus dem Familienalltag zurückzieht, desto mehr sind die Mädchen auf sich gestellt. Sie geben sich Struktur und Halt, bis die Pubertät und die weibliche Reife Susanne in eine andere Welt treibt. Die Familie zerfällt in ihre Einzelteile, Bettina beginnt sich aus dem Familiensystem und dem damit zusammenhängenden Erwartungsdruck zu lösen und eigene Wege zu gehen. So ganz scheint sie sich jedoch nie von der Sehnsucht zu lösen, im Schutz der größeren Schwester stehen zu wollen. Doch Susanne kippt immer mehr in die Depression, in Ängste und Zwänge und verliert zusehens den Boden unter den Füßen.

Bettina Flitner ist die langjährige Partnerin von Alice Schwarzer und das machte mich neugierig. Von Anfang an ist klar, dass Susanne sterben wird und doch entwickelte das Buch einen Sog, in dem ich irrsinniger Weise hoffte, es möge anders ausgehen. Bettina Fliner läßt uns ein wenig ein in ihren Alltag, kurz vor dem Suizid ihrer Schwester. Verstehbar wird, dass die Fragen: "Hätte es einen Ausweg gegeben? Hätte ich etwas merken, etwas tun können?" nie wirklich beantwortet werden.

Das Buch ist eine Spurensuche und zeugt von einer Sehnsucht, in der gemeinsamen Biographie Antworten zu finden. Auch wenn dort kleine Erklärungskrümel liegen mögen, so gilt es doch zu akzeptieren, was ist und wie es gekommen ist. Bettina Flitner lässt uns an ihrem persönlichen Verarbeitungsprozess teilhaben, dafür ist ihr zu danken. Und doch hatte ich manchmal das Gefühl, zu sehr in die Intimität anderer/Verstorbener einzudringen. Da habe ich mich gefragt, ob ich das wirklich lesen muss. Vermutlich nicht, aber es gehörte eben zum ganzen dazu.

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Cover des Buches Meine Schwester (ISBN: 9783462002379)
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Rezension zu "Meine Schwester" von Bettina Flitner

Ein Trauer-Memoir
Aischavor 3 Monaten

Bettina Flitner ist bislang vor allem als Fotografin in Erscheinung getreten, manchen ist sie vielleicht auch als Frau an der Seite von Alice Schwarzer bekannt. Nun hat Flitner ihr erstes literarisches Buch veröffentlicht, ein Memoir, in dem ihre ältere Schwester eine zentrale Rolle spielt. Die Schwester, die jahrelang unter Depressionen litt und ihr Leben durch Selbstmord beendete, ebenso wie die Mutter 33 Jahre zuvor.

Die beiden Schwestern müssen nicht nur mit dem Suizid der Mutter klar kommen, sondern auch damit, den Erwartungen des Vaters an ihre beruflichen Laufbahnen nie zu genügen. Überhaupt ist das familiäre Umfeld schwierig. Die Eltern sind linksliberale Bildungsbürger und haben wechselnde Liebschaften. Es war zwar die Zeit der Hippies, der sexuellen Revolution und der freien Liebe, doch so wirklich frei schienen sie nicht - Eifersucht prägte den Alltag. Zwar suchte man dies vor den Töchtern zu verbergen, in dem die Eltern Krisengespräche auf Französisch führten, aber die Kinder bekamen die Spannungen natürlich dennoch zu spüren. Auch das Verhältnis zu den Großeltern war alles andere als herzlich, waren diese doch voller althergebrachter Standesdünkel und sehr autoritär.

Bettina Flitner macht all dies - und noch vieles mehr - mit ihrem literarischen Debüt öffentlich. Vorwürfe findet man dabei erstaunlich wenige, oft nur in Andeutungen. Nein, dies ist keine Anklageschrift, sondern der Versuch der Autorin, durch möglichst nüchternes Erzählen die eigene Geschichte besser zu verstehen. Und doch ist der Text sehr bewegend, auch wenn es manch langatmige Passage gibt. Überdies beschlich mich mehr als einmal das unangenehme Gefühl, unerlaubterweise in einem fremden Tagebuch zu lesen. Vermutlich deshalb, weil Flitner nichts verfremdet oder anonymisiert, sondern alle Familienangehörigen bei vollem Namen nennt. Einzig Susanne wird von ihr fast durchgängig als "meine Schwester" benannt, ganz als ob die Autorin bei aller Offenheit doch einen Rest an Distanz wahren möchte.

Sprachlich ist der Text recht solide, die Sätze sind oft knapp, ruhig, unprätentiös. Insgesamt überzeugt mich die Form nicht ganz so wie der Inhalt. Die Erzählung wirkt auf mich, als ob Tagebücher etwas überarbeitet und für die Öffentlichkeit aufpoliert wurden. Die wenigen Metaphern sind nicht sonderlich originell, etwa die Darstellung der Depression als schwarze Raben, die die Kranke umflattern.

Aber "Meine Schwester" ist ein Buch, das mich berührt hat. Nicht zuletzt dadurch, dass sich Flitner auf die Suche nach Antworten begibt und es zugleich aushält, dass einige Fragen offen bleiben. Und darin liegt, bei aller Tragik, auch ein gewisser Trost.

Kommentare: 1
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Cover des Buches Meine Schwester (ISBN: 9783462002379)
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Rezension zu "Meine Schwester" von Bettina Flitner

Ehrlich und berührend
skiaddict7vor 6 Monaten

«Da waren sie wieder. Die schwarzen Raben. Meine ganze Kindheit und Jugend über waren sie da. Sie kündigen sich nicht an. Sie näherten sich langsam, aber unaufhaltsam. Und dann waren sie da, ließen sich draussen auf den Bäumen nieder. Sie warteten, bis es so weit war. Und mit einem Schlag waren sie im Haus. Sie setzten sich überallhin, in die Küche, an den Esstisch, auf das Sofa. Sie waren im Flur, auf der Treppe und im Badezimmer. Sie saßen da, und sie blieben. Wie lange sie bleiben würden, wusste man nie. Einen Monat. Drei Monate. Oder länger?»


Bettina Flitner verlor 2017 ihre ältere Schwester durch Suizid. Jahre zuvor hatte sie ihre Mutter auf die selbe Weise verloren. Nun teilt sie ihre Geschichte. Sie erzählt vom Aufwachsen in Köln, dem Jahr in New York City, den Beziehungsproblemen der Eltern, den Ängsten der Mutter und später der Schwester, den Aufenthalten in der Psychiatrie. Sie erzählt von den schwarzen Raben, die sie so gut kennt. Und obwohl sie die Raben schon so oft gesehen hat, weiss sie nicht, wie man sie verjagen kann. 

Flitners Biographie hat mich sehr berührt. Ihr Schreibstil ist ehrlich, teils poetisch, und immer schonungslos. Obwohl sie nie Depressionen erlebt hat, schafft sie es mit den schwarzen Raben doch unglaublich treffend, diese zu beschreiben. Danke, Frau Flitner, dass Sie über dieses Thema sprechen. Dass Sie die Familiengeschichte öffentlich machen. Ich schätze das sehr, wie hoffentlich viele andere Leser auch. Ein sehr wichtiges, gutes, berührendes, trauriges Buch.

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Gespräche aus der Community

Herzlich willkommen zu unserer inklusiven Challenge für aktuelle Gegenwartsliteratur mit Niveau! 

Wenn euch anspruchsvolle Neuerscheinungen begeistern und ihr euch gerne mit anderen Buchverrückten darüber austauscht, seid ihr hier goldrichtig.

Unser Hauptanliegen ist ein barrierefreier Zugang zur Literatur über verschiedene Medien und die geteilte Freude am Lesen.

Aktuelles: 

Zum Abschluss unserer Challenge möchten wir gerne unseren eigenen Community Award ausrufen und unseren Lieblingsroman des Jahres wählen. Ich bin sehr gespannt, welcher das wird.


Schickt mir bitte bis Sonntag, den 4.12., eine PN mit euren drei Jahreshighlights. Aus den Vorschlägen erstellen wir eine Shortlist, über die wir dann bis Sonntag, den18.12., nochmal abstimmen. Dann könnt ihr euch die Siegertitel noch schnell zu Weihnachten wünschen. 😁


Und die Challenge für 2023 gibt es auch schon!

https://www.lovelybooks.de/autor/LovelyBooks/LovelyBooks-Spezial-1287744138-w/leserunde/7422478752/7422483083/


Vom    01.01.2022    bis    31.12.2022    möchten    wir    15    anspruchsvolle    Romane    lesen   . 

Anspruchsvolle Romane? Gemeint sind Bücher der Gegenwartsliteratur, die in diesem Jahr erschienen sind oder noch erscheinen werden und die an diesen Beitrag angehängt sind. Auch Neuauflagen von Klassikern zählen dazu. 

Falls ihr Vorschläge zu interessanten Neuerscheinungen habt, könnt ihr diese gerne im entsprechenden Unterthema einreichen. Habt jedoch bitte Verständnis, dass nicht jedes Buch in die Liste aufgenommen werden kann.

Da es uns wichtig ist, dass die Challenge so barrierefrei wie möglich ist, könnt ihr die Bücher als Printexemplar, E-Book, ungekürztes Hörbuch oder auch in der Originalsprache/in einer anderen Sprache lesen. Denn was in dieser Challenge zählt ist der Inhalt, nicht die Form des Mediums. 

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Es gelten die Bücher, die in der unten angehängten Liste zu finden sind (wir füllen gerade auf! ;D ).

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Das Minimum für den Lostopf sind also 15 rezensiere Bücher. Ihr seid Viellesende und habt die 15 Bücher schnell geschafft? Wunderbar! Auch für euch haben wir uns etwas überlegt: Pro 5 gelesene und rezensiere Bücher mehr gibt es 1 Extra-Los für euch! 

(d.h. mit 20 Büchern bekommt ihr 2 Lose, mit 25 Büchern 3 Lose usw.) 

Wichtige zusätzliche Hinweise: Eure Rezensionen müssen nicht lang sein. Sie sollten euren Leseeindruck wiedergeben, eine bloße Inhaltsangabe reicht nicht, eine größere Analyse des Buches muss es aber auch nicht sein. Wir wünschen uns eine etwas ausführlichere Kurzmeinung. 

Für die Verlosung des Buchpaketes werden nur Rezensionen zu den hier angehängten Büchern berücksichtigt.

Zum Schluss bleibt nur noch zu sagen: Wir wünschen euch viel Freude beim Lesen, Hören, Diskutieren, Staunen und Entdecken. Auf ein schönes Bücherjahr 2022! 

Eure SEVEN


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705 Beiträge
lesehorizonts avatar
Letzter Beitrag von  lesehorizontvor 12 Stunden

Gute Idee! Ich muss aber erst mal in mich gehen...

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