Bettina Szrama Das wilde Kind von Hameln

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Inhaltsangabe zu „Das wilde Kind von Hameln“ von Bettina Szrama

Der aufsehenerregende Fall des Wilden Peter von Hameln 1724: Das Auftauchen eines verwilderten Knaben nahe Hameln sorgt für Spekulationen und Mutmaßungen am kurfürstlichen Hof von Hannover. Der Kommissar Aristide Burchardy ermittelt in der mysteriösen Angelegenheit. Doch der wilde Peter, wie er fortan von den Hamelnern genannt wird, will nicht sprechen und führt sich wie ein Wolf auf. All dies interessiert Aristide allerdings weniger als das kurfürstliche Wappen auf dem Hemdfetzen, den der nackte Wilde um den Hals trug. Peter wird im Armenhaus untergebracht und trifft dort auf Grete, die Tochter des Aufsehers. Unbemerkt bringt sie sich in den Besitz des einzigen Nachweises über Peters Herkunft. Der armen Kreatur verbunden, flieht sie mit Peter und begleitet ihn auf seinem abenteuerlichen Weg bis an den englischen Königshof Georg I. Nicht nur dieser, auch ein Celler Zuchthausaufseher, ein englischer Lord und eine hannoversche Prinzessin hegen ein auffälliges Interesse für den Wilden. Immer wieder kreuzen sich dabei Aristides und Gretes Wege, bis er ihr, in seinem Bestreben in den Besitz des Hemdfetzens zu kommen, das Leben rettet. Als er endlich hinter Peters Geheimnis kommt, muss er erkennen, dass er selbst ein wichtiger Teil in dieser Geschichte um Macht, Mord und Intrigen ist. Hat seine Liebe zu Grete trotzdem eine Chance? …„Ihr solltet Euch unbedingt mit eigenen Augen davon überzeugen, Majestät“, riet ihm Charles. „Es hat schon etwas Seltsames auf sich mit dem Kind. Der Knabe soll, als man ihn fand, keinerlei menschliche Verhaltensweisen gezeigt haben. Er hat wohl nie gelernt, aus einer Tasse zu trinken oder Kleidung zu tragen. Stattdessen läuft er wie ein Tier auf Händen und Füßen und schläft auf den Ellbogen. Was glaubt Ihr, Majestät, wie dieses Kind in den Wäldern überlebt hat?“…

The Wild Boy, ein gut recherchierter, spannender historischer Roman, der eine vergessene, interessante Begebenheit zu neuem Leben erweckt.

— samea
samea

Die Story ist gut, die Handlung hat für mich zu viele Ungereimtheiten. Ich war beim Lesen zu oft verwirrt, deshalb diesmal von mir 3 Sterne.

— Gelinde
Gelinde

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    Das wilde Kind von Hameln
    Toirse

    Toirse

    19. February 2016 um 21:34

    Erster Eindruck hmm, das Buch hat ein sehr angenehmes Format, aber das Cover gefällt mir nicht so. Irgendwie macht es da einfach nicht *klick* für mich, die Schrift gefällt mir aber sehr gut  Inhalt 1724: In der Nähe von Hameln taucht ein verwilderter Junge auf, er trägt einen Hemdfetzen mit dem kurfürstlichen Wappen um den Hals. Der wilde Peter, wie er genannt wird, führt sich jedoch wie ein wildes Tier auf und kann nicht sprechen. Zunächst wird er ins Armenhaus gebracht, dort freundet sich Grete, die Tochter des Aufsehers, mit ihm an. Aber nicht nur sie interessiert sich für den Jungen, auch der kurfürstliche Kommissar Aristide Burchady sowie der Leibarzt des englischen Königs, die Kronprinzessin und ein Zuchthausaufseher aus Celle möchten mehr wissen... Meine Meinung Zu Beginn des Buches hatte ich erst einige Schwierigkeiten mich in die Sprache einzufinden, nachdem ich vorher eine Zeit lang vorallem Jugendbücher gelesen hatte, war dass erst einmal etwas ungewohnt. "Das wilde Kind von Hameln" ist auch sicher eines der Bücher, dass sich stark an der tatsächlichen Sprechweise der Zeit orientiert. Insgesamt ist das Buch gut gemacht, mich persönlich konnte "Das wilde Kind von Hameln" aber trotzdem nicht recht überzeugen. Über Strecken fand ich es wirklich schwierig weiter zu lesen, zwar ist die Geschichte sehr interessant, nur irgendwie kam nie dieses "Ich muss jetzt unbedingt wissen wie es weiter geht"-Gefühl auf. Die Figuren blieben eben einfach nur Figuren und ich konnte mich nicht in sie reinfühlen. Gerade Leute wie Aristide Burchady sowieso so ziemlich der gesamte englische/hannoveranische Hof sind sehr undurchsichtig. Ja, bei Hofe war es damals sicher nicht gut die eigenen Gefühle an die große Glocke zu hängen und leicht durchschaubar zu sein, aber als Leser brauche ich zu mindestens einen kleinen Ansatzpunkt um eine Figur verstehen zu können. Bei Grete fällt es mir etwas leichter, aber zwischen ihr und mir stehen prinzipielle Unterschiede im Charakter. Das ist allerdings nicht die Schuld der Autorin und wären mir nicht die meisten anderen Figuren ebenso verschlossen geblieben, wäre es auch nicht weiter schlimm. Gut recherchiert ist das Buch auf jeden Fall, so weit ich das beurteilen kann. Großer Pluspunkt auch: Das historische Setting ist keinesfalls nur Deko sondern die Geschichte lebt irgendwie auch von diesem Umfeld. Fazit Ein solider historischer Roman, der sicher seine Fans finden wird. Ich persönlich fand ihn eher okay als gut. 3 Sterne dafür. Ich habe dieses Buch im Tausch für eine ehrliche Meinung als Rezensionsexemplar erhalten. Diese Rezension erschien zuerst auf meinem Blog Büchernest.

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  • Es muss nicht immer Kaspar Hauser sein...

    Das wilde Kind von Hameln
    samea

    samea

    Kaspar Hauser kennt jeder. Doch wer hat schon einmal etwas von Peter aus Hameln gehört? Im 18. Jahrhundert wird im hamelner Wald ein ca. 13 Jahre alter Junge gefunden. Wo kommt dieses Kind her und welche Bewandtnis hat es mit ihm? Ist er geistesgestört oder gar vom Teufel besessen? Grete, die Tochter des Armenhausaufsehers, bringt dem Jungen Zuneigung entgegen und versteckt einen Stofffetzen mit einem Wappen. Bettina Szrama erzählt hier eine historische Begebenheit, von der ich zuvor noch nie etwas gehört hatte. Schon auf den ersten Seiten nimmt Peter und Gretes Schicksal den Leser gefangen und entführt ihn in eine fremde Zeit. Wie ich es von der Autorin gewohnt bin, sind ihre Figuren sehr gut ausgearbeitet und glaubhaft dargestellt. Der Ablauf der Handlung ist in sich logisch, jedoch nicht vorhersehbar und an vielen Stellen überraschend. Gretes Mut habe ich sehr bewundert. Für eine junge Frau der damaligen Zeit, handelt sie sehr eigenständig. Sie wächst über sich hinaus und wagt es der Welt der Männer auf ihre eigene Art und Weise zu trotzen. Besonders wichtig war mir dabei, dass sie nicht wie eine Frau aus unserem Jahrhundert agierte. Gedanken der Gleichberechtigung von Mann und Frau tauchen bei ihr nicht auf. Grete bleibt ein Kind ihrer Zeit und in der Denkweise ihrer Zeit. Im Buch waren mehrere Szenen enthalten die mich tief bewegt haben. Besonders die Figur Georg I. hat mich nachdenklich gemachten. Wer schon Bücher dieser Autorin gelesen hat der weiß, dass er in ihren Romanen mit historischen Fakten konfrontiert wird. Diese werden natürlich ausgeschmückt aber nicht verfälscht. Diese historische Genauigkeit, die mit einem eingängigen Erzählstil kombiniert wird, machen für mich den Reiz der Bücher von Bettina Szrama aus.Dieses Buch gehört eindeutig zu den besten Büchern, die ich in diesem Jahr gelesen habe.

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    • 2
    bettina_szrama

    bettina_szrama

    14. December 2015 um 10:33
  • Leserunde zu "Das wilde Kind von Hameln" von Bettina Szrama

    Das wilde Kind von Hameln
    bettina_szrama

    bettina_szrama

    Der Acabus-Verlag stellt für eine Leserunde und anschließenden Rezensionen fünf Bücher für diese wunderschöne Geschichte um den Wolfsjungen Peter zur Verfügung. Die Geschichte um den Hamelner Peter, der 1724 unweit vor den Toren Hamelns in einem tierähnlichen Zustand aufgefunden wurde ist eine wahre Geschichte, aufgeschrieben von mir mit etwas Fantasy. Sie hat nichts mit dem Kaspar Hauser Fall zu tun, der 100 Jahre später einen Medienboom auslöste. Bis dahin aber, erregte dieser interessante Fall um das Wolfskind Peter Gelehrte und Wissenschaftler ganz Europas. Auch der kurfürstliche Hof von Hannover sowie das englische Königshaus zeigten ein starkes Interesse an dem Knaben. Es wurden Ermittler beauftragt, unter anderem der kurfürstliche Kommissar Aristide Burchardy, nach dessen Herkunft zu forschen. Dies hat mich zu der Geschichte inspiriert und es sind Dinge herausgekommen, die selbst mich in Erstaunen versetzten. Zum Inhalt: Der aufsehenerregende Fall des Wilden Peter von Hameln 1724: Das Auftauchen eines verwilderten Knaben nahe Hameln sorgt für Spekulationen und Mutmaßungen am kurfürstlichen Hof von Hannover. Der Kommissar Aristide Burchardy ermittelt in der mysteriösen Angelegenheit. Doch der wilde Peter, wie er fortan von den Hamelnern genannt wird, will nicht sprechen und führt sich wie ein Wolf auf. All dies interessiert Aristide allerdings weniger als das kurfürstliche Wappen auf dem Hemdfetzen, den der nackte Wilde um den Hals trug. Peter wird im Armenhaus untergebracht und trifft dort auf Grete, die Tochter des Aufsehers. Unbemerkt bringt sie sich in den Besitz des einzigen Nachweises über Peters Herkunft. Der armen Kreatur verbunden, flieht sie mit Peter und begleitet ihn auf seinem abenteuerlichen Weg bis an den englischen Königshof Georg I. Nicht nur dieser, auch ein Celler Zuchthausaufseher, ein englischer Lord und eine hannoversche Prinzessin hegen ein auffälliges Interesse für den Wilden. Immer wieder kreuzen sich dabei Aristides und Gretes Wege, bis er ihr, in seinem Bestreben in den Besitz des Hemdfetzens zu kommen, das Leben rettet. Als er endlich hinter Peters Geheimnis kommt, muss er erkennen, dass er selbst ein wichtiger Teil in dieser Geschichte um Macht, Mord und Intrigen ist.  Hat seine Liebe zu Grete trotzdem eine Chance? „Ihr solltet Euch unbedingt mit eigenen Augen davon überzeugen, Majestät“, riet ihm Charles. „Es hat schon etwas Seltsames auf sich mit dem Kind. Der Knabe soll, als man ihn fand, keinerlei menschliche Verhaltensweisen gezeigt haben. Er hat wohl nie gelernt, aus einer Tasse zu trinken oder Kleidung zu tragen. Stattdessen läuft er wie ein Tier auf Händen und Füßen und schläft auf den Ellbogen. Was glaubt Ihr, Majestät, wie dieses Kind in den Wäldern überlebt hat?“

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    • 84
  • Das wilde Kind von Hameln

    Das wilde Kind von Hameln
    buecherwurm1310

    buecherwurm1310

    05. October 2015 um 15:14

    Wir befinden uns im Jahre 1724, als ein total verwilderter Junge in der Nähe von Hameln aufgegriffen wird. Alles deutet darauf hin, dass der Junge nicht unter Mensche aufgewachsen ist. Er hat zwar einen Fetzen von einem Hemd um den Hals, kann nur unartikulierte Laute von sich geben und läuft auf allen Vieren. Der Bauer nimmt ihn mit in die Stadt und es wird beschlossen, dass der Junge in das Armenhaus St. Spiritus unter Amtsaufseher Müller kommt. Bereits als man ihn baden will, reagiert er aggressiv. Der anwesende Kommissar Aristide Buchardy ordert an, dass sich Grete, die Tochter von Müller, um den verängstigten Jungen kümmern soll, denn er hat gesehen, dass der Junge friedlicher auf Grete reagiert. Sie findet die richtigen Worte und beruhigt ihn. Er erhält den Namen Peter. Der Bürgermeister gesteht dem Jungen eine Leibrente zu, wenn es Müller gelingt, in vier Wochen einen Menschen aus ihm zu machen. Doch leider sperrt ihn Müller weg, so dass der Versuch misslingen muss. Grete hat den Hemdfetzen mit einem Wappen, der auf eine bessere Herkunft schließen lässt, aufgehoben. Bald wird über seine Herkunft spekuliert, denn das Wappen ist das Wappen des Kurfürsten von Hannover. Nun nehmen viele Anteil an seinem Schicksal. Was verbindet den Jungen aber mit Aristide Buchardy, der auch sein Interesse immer wieder bekundet. Die Charaktere sind sehr authentisch und bildhaft beschrieben, so dass man gut mitfühlen oder auch sich aufregen konnte. Grete ist eine Person, die in dem Findling einen Menschen sieht und ihn entsprechend behandelt. Dabei wird sie selbst von ihrem trunksüchtigen Vater alles andere als menschlich behandelt. Die duckmäuserische Grete entwickelt sich zu einer starken Frau, die für ihren Schützling kämpft. Aristide Buchardy macht Eindruck auf Grete. Er ist charmant, aber auch sehr undurchsichtig. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege. Wir In dieser Geschichte befinden wir uns in der Zeit der Aufklärung. Die Menschen wollen begreifen und Erklärungen finden. Es gibt philosophische Überlegungen, was den Menschen ausmacht. Da war es kein Wunder, dass man Peter als „Versuchskaninchen“ betrachtete. All das nimmt neben den politischen Verhältnissender und der Geschichte von Peter einen großen Raum ein. Das Buch lässt sich angenehm lesen und schildert eine Epoche des Aufbruchs. Ein interessantes historisches Buch.

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  • ein interessanter historischer Roman über eine unglaubliche Begebenheit

    Das wilde Kind von Hameln
    irismaria

    irismaria

    04. October 2015 um 19:06

    Bettina Szramas historischer Roman "Das wilde Kind von Hameln" basiert auf einer kaum zu glaubenden historischen Begebenheit: 1724 wird bei Hameln ein Junge aufgegriffen, der scheinbar jahrelang unter wilden Tieren im Wald gelebt hat. Sein Schicksal interessiert nicht nur seine Finder, sondern wird Thema am kurfürstlichen Hof von Hannover und sogar am englischen Königshof Georg I. während die Dorfbewohner den "Idioten" am liebsten erschlagen oder ins Irrenhaus stecken würden, möchten Wissenschaftler Experimente mit ihm machen. Einzig die junge Grete, die Tochter des Armenhausaufsehers, wo der Junge untergebracht wurde, begegnet ihm menschlich und baut Kontakt zu ihm auf. Als entdeckt wird, dass Peter einen Hemdfetzen mit dem kurfürstlichen Wappen um den Hals trägt, schießen die Spekulationen über seine Herkunft ins Kraut... "Das wilde Kind von Hameln" ist flüssig geschrieben und man merkt, dass die Autorin viel recherchiert hat. Die damalige Zeit an der Schwelle zur Neuzeit ist gut dargestellt. Aberglaube und Wissenschaftsdrang, politische Verstrickungen und persönliche Eigenarten, all das kommt gut rüber. Dass sich neben der Handlung um das wilde Kind noch einige weitere Handlungsstränge entwickeln und immer dominanter werden, ist wohl den historischen Fakten geschuldet. Mir hätte besser gefallen, wenn der Schwerpunkt mehr auf Peter gelegen hätte. Mein Fazit: ein interessanter historischer Roman aus einer Zeit, von der ich noch wenig gelesen habe

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  • Verstand & Vorurteil

    Das wilde Kind von Hameln
    Aspasia

    Aspasia

    1724 wird auf einem abgeernteten Feld am Waldesrand in der Nähe von Hameln im Fürstentum Lüneburg-Braunschweig ein etwa 12 jähriger Junge aufgegriffen. Er ist, von einem zerfetzter Hemd um den Hals abgesehen, unbekleidet, ist dreckig, übersät mit Ungeziefer. Die langen, dunklen Haaren fallen ihm über sein Gesicht und verdecken seine Cupido gleiche Oberlippe. Er reicht seinem dem Bauer, der ihn ergreift, nur bis zum Gürtel. Statt aufrecht zu gehen, läuftt er bevorzugt auf allen Vieren. Seine Zunge ist an beiden Seiten in der Mundhöhle festgewachsen, so dass er nicht sprechen, lediglich Laute artikulieren kann. Der Bauer nimmt den sonderbaren, wilden Jungen mit in die Stadt. Dort werden der Bürgermeister und der Stadtschulze auf ihn aufmerksam und beschließen den seltsamen Fund näher zu inspizieren. Er wird in das vom Amtsaufseher Müller, einem aggressiven, stadtbekannten Trinker und Spieler, geführte Armenhaus St. Spiritus überstellt. Dort versuchen die Männer den verwilderte Jungen in einen Badezuber zu zwingen, doch der völlig verängstigte, reagiert wie ein gefangener Wolf. Selbst der Versuch ihm mit der Peitsche zu disziplinieren fruchtet nicht. Da kommt einem der anwesenden Männer, dem äußerst charmanten, fürstlichen Kommissar Aristide Buchardy, die Idee, die im Waschhaus anwesende, halbwüchsige Tochter Gretel zur Besänftigung des tierischen Knaben einzusetzen. Neugierig und arglos nähert er sich ihr. Grete, die seine Hilflosigkeit und Angst spürt, spricht leise und beruhigend auf ihn ein. Sie verspricht ihn zu beschützen und gibt ihm seinem Namen: Peter. Sie ist die Erste, die in dem Wilden den Menschen sieht. Der Bürgermeister beschließt einer experimentellen Studie gleich, dass Gretels Vater vier Wochen Zeit hat “…aus dem Wildfang einen Menschen zu machen. Ansonsten kommt er zu den Idioten ins Tollhaus.” Dafür setzt er eine Leibrente aus. Peter wird wie ein Tier weggesperrt. Grete hat den Hemdfetzen, den einzigen Hinweis auf Peters Identität, gerettet, und entdeckt auf dem feinen Gewebe den Rest eines verblassten, leider für sie unleserlichen Wappens. Bettina Szrama, die Autorin dieses akribisch recherchierten Historischen Romans, lässt vor den Augen ihre Leser im Beziehungsdreieck des geheimnisvollen wilden Jungen, dessen Bekanntheit als “Peter, der wilde Junge aus Hameln” ihn bis an den Hof König Georg I von England bringen wird, seiner Beschützerin Gretel, der Übersetzerin seiner unsozialisierten Handlungen, und jenes undurchsichtigen Kommissars, der die Wege, der beiden auf mysteriöse Weise immer wieder kreuzt, und dessen Interesse an Peters Herkunft über die Pflichterfüllung eines fürstlichen Befehl hinaus zu gehen scheint, eine der aufregendsten europäischen Epochen auferstehen: die Aufklärung. Es war das Zeitalter der Entdeckungen, erster naturwissenschaftlicher Versuche, die Denker waren besessen vom Hunger nach einer besseren, von rationalen Verstehen angetriebenen Welt. Ihre Schlüsselfiguren waren Rousseau, Voltaire, Newton, Descartes und der Englische Philosoph John Locke und ihre Prämisse: der Mensch ist von Natur aus gut. Es war eine Zeit, in der sich endlich die Idee der Vernunft gegen den Aberglauben durchsetzen sollte. Philosophen diskutierten die genau Definition dessen, was einen Menschen ausmachte? Die Sprache? Fragten sich, ob der Mensch eine Seele hätten, oder ob nicht? Wenn Peter nicht sprechen konnte, besaß er dann auch keine Seele? War er nur ein Tier? Oder war ein liebenswürdiger “nobler Wilder”, der alleine im Wald ein von der Gesellschaft unverdorbenes Leben geführt hatte? Der Umgang der georgianischen Gesellschaft mit Peter war so etwas wie der Lackmustest all dieser Überlegungen. Peters Geschichte inspirierte nicht nur Bettina Szrama zu ihren Roman “Das wilde Kind von Hameln”, sondern auch zeitgenössischen Literaten wie Jonathan Swift, Mary Edgeworth und Daniel Defoe begeisterten sich für “the most wonderful wonder” und “one of the greatest curiosities of the world since the time of Adam.” Auch heute scheint er nicht vergessen, sein Grab in Berkhamsted wird regelmäßig mit Blumen geschmückt. ( nach: Lucy Worsely http://www.bbc.com/news/magazine-14215171) Szrama hat es nun verstanden in wundervoller Sprache die verschiedenen Handlungstränge, die Geschichte des wilden Jungen, die auf einer Vielzahl historischer Quellen beruht, eine davon, sein von Georg I in Auftrag gegebenes Portrait, gemalt von William Kent, hängt immer noch im im Treppenhaus des Kensington Palace, als auch die in Norddeutschland bekannte und bis heute romantisierte tragische Königsmarck-Affaire, sowie die romantische Liebesgeschichte des tugendhaften Mädchens mit dem, einem höheren Ziel folgenden, Abenteurer zu einer absolut fesselnden Geschichte zu verweben. Dieser Roman hat alles, was man sich von einem historischen Roman wünscht: Infotainment at its best!

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    • 2
  • Interessant

    Das wilde Kind von Hameln
    connychaos

    connychaos

    23. September 2015 um 13:55

    1724 wird in einem Wald bei Hameln ein Junge gefunden, völlig verwildert und nicht fähig zu sprechen. Im Armenhaus soll dem Jungen Manieren beigebracht werden, Grete, die Tochter des Aufsehers, ist von dem Jungen fasziniert, er erhält den Namen Peter und sie kümmert sich um ihn. Der kurfürstliche Hof und Kommissar Aristide Burchardy zeigen starkes Interesse an dem wilden Jungen und Grete versucht ihn zu beschützen. Sie flieht mit ihm an den englischen Königshof von Georg I. Die Geschichte liest sich sehr flüssig und interessant. Man erfährt viel über die damalige Zeit, wie es am Hofe zuging, wie bei den einfachen Leuten. Nur ab und an bringen mich Zeitsprünge etwas aus dem Konzept oder manche Schilderungen lesen sich etwas langatmig. Andere Szenen sind dann wieder sehr spannend und mitreißend. Die Figuren sind sehr facettenreich beschrieben, Peter und Grete habe ich sofort ins Herz geschlossen, bei Aristide habe ich lange überlegt, ob man ihm vertrauen kann. Ich hätte mir im Nachwort genauere Informationen gewünscht, welche Teile der Geschichte der Wahrheit entsprachen und welche sich die Autorin nur ausgedacht hat. 3,5 Sterne

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  • Das wilde Kind von Hameln

    Das wilde Kind von Hameln
    Gelinde

    Gelinde

    Das wilde Kind von Hameln, von Bettina Szrama Cover: Passend zur Geschichte, ein Kind das nur als Schatten vor einem Wald dargestellt wird. Inhalt: 1724 wird in der Nähe von Hameln ein verwilderter Knabe aufgegriffen. Im Armenhaus von Hameln soll er „gebändigt“ werden. Die Tochter des Armenhausaufsehers, Grete gibt ihm den Namen Peter und schließt ihn in ihr Herz. Ihre Bemühungen ihn zu beschützen, bringen sie in große Gefahr und bis an den Hof des Königs. Die Mächtigen am kurfürstlichen Hof hegen plötzlich großes Interesse an Peter und beauftragen Kommissar Aristide Burchardy damit, Nachforschungen anzustellen. Doch Aristide hat auch persönliche Gründe hier genauer zu ermitteln und immer wieder kreuzen sich seine Wege mit Grete. Seine inneren Dämonen lassen ihn auch nicht frei Handeln, obwohl er sich eindeutig zu Grete hingezogen fühlt. Meine Meinung: Dies ist nun mein drittes Buch der Autorin, es ist wieder in ihrer ganz eigenen Art geschrieben. Fast schon habe ich das Gefühl sie will den Leser (heraus)fordern. Eine andere Zeit, eine andere Lebens und Denkweise. Die Geschichte fasziniert und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, und doch legen sich beim Lesen (bei mir) zu viele Dinge quer. Es sind für mich zu viele unglaubwürdige, unreale und widersprüchliche Handlungen und Situationen. Auch wenn ich mir immer wieder vor Augen führe, dass dies eine ganz andere Zeit ist. Da werden reihenweiße Dinge mündlich versprochen und im nächsten Moment gebrochen und doch glaubt jeder dem Andern. Ein Hemdfetzen oder Briefe werden als Beweise geltend gemacht, wer weiß ob die echt sind und woher der Hemdfetzen ist. Die Personen werden alle sehr unterschiedlich dargestellt. Sie machen innerhalb des Buches immer wieder Wandlungen durch, kaum einer ist klar zu durchschauen, sei dies nun Peter, Grete, Aristide, König Georg oder der Wissenschaftler Monbotto. Autorin: Bettina Szrama, geboren in Meißen, absolvierte 1991 ein Literaturstudium an der Schule des Schreibens in Hamburg. Danach schrieb sie für Regionalzeitungen und Tierzeitschriften. Sie schreibt außerdem Sachbücher und seit 1994 verstärkt belletristische Romane. Mein Fazit: Die Story ist gut, die Handlung hat für mich zu viele Ungereimtheiten. Ich war beim Lesen zu oft verwirrt, deshalb diesmal von mir 3 Sterne.

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    • 3
  • Das wilde Kind

    Das wilde Kind von Hameln
    nirak03

    nirak03

    30. July 2015 um 20:07

    1724 wird in einem Wald in der Nähe von Hameln ein verwildertes Kind gefunden. Es ist ein Junge und er bekommt den Namen Peter. Zunächst soll sich das Armenhaus um das Kind kümmern. Grete, die Tochter des Aufsehers nimmt sich bald des Knaben an, dieser kann weder sprechen noch kennt er menschliche Nähe, sein Verhalten gleicht dem eines Wolfes. Grete, versucht sein Vertrauen zu gewinnen und ihm zu helfen. Dann taucht Aristide Burchardy auf, er ist ein Kommissar mit Geheimnissen. Auch er interessiert sich für den Knaben, vor allem aber für dessen Herkunft. Ein Stofffetzen den Peter bei sich trug könnte Aufklärung bringen. Schon bald stellt sich heraus, dass Peter und Aristide mehr verbindet als zunächst gedacht. Die Untersuchungen von Aristide gehen bis in die höchsten Kreise. Spannend wird hier von dem Knaben erzählt, der im 18. Jahrhundert im Wald von Hameln gefunden wurde. Viele Legenden ranken sich um die Geschichte. Die Autorin Bettina Szrama hat ihm nun ein Gesicht gegeben. Aber nicht nur dem wilden Kind, sondern vor allem den Menschen, die es fanden und aufzogen und versuchten ihm ein Heim zu geben. Grete, die Tochter des Aufsehers, sie hatte sich bemüht dem Jungen zu helfen und gleichzeitig zeigt ihr Leben auch, wie die Menschen damals lebten. Grete durfte als Frau nicht über sich selbst bestimmen, sie versucht nun hier ihr eigenes Schicksal zu ändern. Sie setzt sich über so manches Verbot des Vaters hinweg und ist bereit für Peter zu kämpfen aber auch für ihre eigene Liebe und Zukunft. Zu Beginn der Geschichte ist Grete noch ein unbedarftes junges Mädchen aber sie wächst mit ihren Aufgaben und der Verantwortung für den Jungen. Aristide Burchardy ist ein ziemlich undurchsichtiger Charakter. Er will die Herkunft des Kindes klären und stößt dabei auf noch mehr Geheimnisse vor allem am englischen Königshof von Georg I.. Die Suche nach Peters Herkunft bringt auch für Burchardy einiges an Informationen an den Tag. Immer wieder wird das Kind hin und her geschoben und ausgestellt. Die Autorin schafft es wunderbar, die Hilflosigkeit Peters zu vermitteln. Aber auch die Versuche von Grete, ihn als das zu sehen was er ist, nämlich ein hilfloses Kind, sind wunderbar dargestellt. Es macht einfach Spaß der Geschichte von Peter zu folgen. Es wird spannend und vor allem authentisch erzählt. Mir hat gerade diese Geschichte von Bettina Szrama wunderbar gefallen. Es stehen einem einfach Bilder vor Augen, man sieht förmlich das Kind Peter und dann später auch schon den jungen Mann, der er einmal werden wird. Aber nicht nur Peter ist gut dargestellt auch die anderen Charaktere wie eben Grete und Aristide sind lebhaft und wirken lebendig und echt. „Das wilde Kind von Hameln“ ist eine fiktive Geschichte mit einem realen Hintergrund. Die Autorin hat sie wunderbar ausgearbeitet und lebendig werden lassen. Sie erzählt von dem Leben des Kindes und von den Schwierigkeiten, die gerade das 18. Jahrhundert mit sich brachten. Gleichzeitig ist diese Geschichte voller Geheimnisse, die sich so nach und nach entschlüsseln. Unbedingt lesen, es ist interessant und lebhaft erzählt. 

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