Bettina Ziegler

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Cover des Buches Killerspiele (ISBN: 9783941955301)

Killerspiele

(1)
Erschienen am 01.03.2011
Cover des Buches Warum mich keiner anfasst ... (ISBN: 9783941955295)

Warum mich keiner anfasst ...

(0)
Erschienen am 01.12.2010

Neue Rezensionen zu Bettina Ziegler

Cover des Buches Killerspiele (ISBN: 9783941955301)
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Rezension zu "Killerspiele" von Bettina Ziegler

Trishen77
Bedenklichkeiten

Welche Verantwortung hat ein Dichter gegenüber der Welt? Dichtung, sagte Gottfried Benn, verbessert die Welt nicht, aber sie tut etwas viel Entscheidenderes: Sie verändert sie. Muss ein Dichter, um dies zu erreichen: Grundlegendes ansprechen? Verbesserungen vorschlagen? Schönheit erhalten? Gegen Unrecht protestieren?
In Bezug auf diese Fragen ist die Dichtung immer sehr komplexe Wege gegangen. Wer wirklich politisch Dichten will, der wird sich immer den Vorwurf der Bevormundung oder Großtuerei anhören müssen, wenn er die Subtilität auch nur eine Sekunde außer Acht lässt – denn Dichtung ist nun einmal Subtilität, sonst ist sie besser Prosa. Wem gegenüber man als Dichter Verpflichtungen hat, lässt sich schwer sagen. Und es ist eine Frage, die, wenn überhaupt, nur durch Präzedenzfälle zu einer Antwort kommen kann.

"Um Stress zu minimieren,
schwimmen wir mit dem Strom.
Wir werden nichts riskieren.
Wegschauen hat Tradition."

Es ist vielleicht widersprüchlich, aber es ist mein Empfinden, wenn ich sage, dass man Bettina Ziegler für diesen Band zugleich loben und ermahnen muss. Loben für ihre Reimkunst, die meistens gut und manchmal bestechend ist, nicht nur in der Form, sondern auch im Inhalt; Ermahnen dafür, dass sie sich ab und an wenig um subtile Übermittlung, eben das, was ich oben angesprochen habe, schert.

"Von ihren Idealen
blieben im Überblick
am Ende rote Zahlen
und Hoffnung auf mehr Glück."

Eine fabelhafte Strophe aus einem Gedicht über ein Paar. Während des ganzen Bandes ist mir aufgefallen, dass Ziegler da gut ist, wo sie Beobachterrolle einnimmt. Diese Gedichte sind nicht nur gut gereimt oder nett, wie man es bei vielen anderen gereimten Versen sagen kann, sondern wirklich eindrücklich und erfassen das Problem oder die Wesenheit der Dinge ganz gut. Da, wo sie aber auch nur einen Schritt über ihre Beobachterrolle hinaustritt, gerät die Anwesenheit des Lesers ins Wanken. Er fühlt sich, nicht etwa wegen unangenehmer Wahrheiten, sondern wegen einer schlichten Tatsache brüskiert: Das Frau Ziegler den Dialog mit ihm zugunsten eines Aufrufs vernachlässigt. Etwas, was sie vielleicht nicht beabsichtigte, ja, was, näher betrachtet, vielleicht nicht mal immer stimmt, aber doch einen echten Knacks im Leseerlebnis hinterlässt.

"Das Andere und Seltene
ist auf der Welt begehrt.
Und nur aus der Besonderheit
bezieht es seinen Wert.

Der Mensch, er mag den Menschen nicht,
wie die Erfahrung lehrt,
der anders und besonders ist.
Da ist es umgekehrt."

Man kann sich ja lange darüber streiten, ob Reime einen Ausdruck verdeutlichen und erweitern oder eher bloß strecken - Fakt ist aber, dass Reime keine Funktion sind, sondern eine poetische Relevanz. Wo dass außer Acht gelassen wird, fragt man sich leider doch zu schnell: Warum in einem Gedicht?

Ich möchte Frau Ziegler nicht in irgendeiner Weise unterstellen, dass ihr die Sachen nicht am Herzen liegen, die sie in ihren Versen einfängt - zu sehr spürt man ihre echte Anteilnahme und bewundert ihre Sorgfalt, gemischt mit Präzision, wenn es um das Thema Mobbing oder um Beziehungen unter Menschen geht. Und auch in vielem anderen hat sie sicherlich in ihrer Meinung die Zustimmung vieler. Aber eben die Frage: Warum in einem Gedicht? Ein Gedicht, um der Inszenierung willen? Das ist dann leider keine wirkliche Dichtung. Dabei beherrscht Fr. Ziegler eindeutig auch wirkliche Dichtung.

"Herbstsonne schicket mit gleißendem Licht
sich an, die Konturen zu schärfen,
gezeichnete Schatten zu werfen.
Ungeschminkt zeigt die Natur ihr Gesicht."

So manches Naturgedicht, so manche sehr eigene, aus einem eigenen Blickfeld stammende Betrachtung ist in ihrer Klarheit sehr gut gelungen. Mancher Vers fast sprichwörtlich. Manche Idee auf jeden Fall lesenswert. Es bleibt die Frage, ob man den Rest ebenfalls gern lesen oder ertragen kann - denn dann sollte man den Band auf jeden Fall einmal zur Hand nehmen: es steht Wichtiges und Bemerkenswertes darin.

"Es gibt Dinge, über die man nicht reden kann, über die aber zu schweigen unmöglich scheint", lautet eine Feststellung von Michael Foucault. In diesem Sinne kann man verstehen, was Bettina Ziegler veranlasst hat, über Ölplattformen, Amokläufe, Killerspiele oder die Gefahren des Internets zu schreiben. Viel besser wären diese Betrachtungen in kurzen Prosasentenzen aufgehoben, die ihnen die Dringlichkeit der Verse nehmen und sie wirken lassen. Denn in Gedichte gehören, meiner Meinung nach, die wirklich inneren Dinge des Lebens, in vortreffliche Zeilen gefasst wie diese, zu denen ich Bettina Ziegler nur gratulieren kann:

"Noch immer such ich jeden Tag nach meiner Mitte.
So vieles, das von Außen an mir zerrt.
Und an das Schicksal habe ich nur diese Bitte:
Dass es den Weg zu meiner Mitte nicht versperrt."

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