Das Mädchen in der falschen Welt
Ich hatte wirklich keine Ahnung, was mich erwartet. Auch keine Ahnung von Amisch-Gemeinden und deren Sitten. Das Leben in so einer Gemeinschaft ist den meisten wohl fremd und ich fand es wirklich interessant, einiges darüber zu erfahren. Es fällt schwer, nicht zu glauben, dass die Buchreihe nicht in entfernter Vergangenheit spielt, sondern die Geschichte der Großmutter der Autorin Beverly Lewis erzählt. Die Amisch leben schlicht, streng gläubig und ihr Leben ist geprägt von alten Traditionen. Sie leben auf Bauernhöfen, bewegen sich mithilfe von Kutschen statt Autos fort, nähen sich ihre Kleidung selbst anstatt zu kaufen und Telefone besitzen sie auch nicht. All diese Dinge lehnen sie ab.
Die Hauptfigur, Katie, versucht schon ihr Leben lang sich ihrer Gemeinschaft anzupassen, ein einfaches und gehorsames Leben zu führen und sich unterzuordnen, mehr oder weniger erfolgreich. Immer wieder fühlt sie sich zu verbotenen Dingen hingezogen, wie dem Tragen von schönen Kleidern oder offenen Haaren und dem Singen, Summen und Spielen von Musik, die nicht dem traditionellen Kirchenliederbuch entstammt. Als sie kurz vor ihrer Hochzeit mit einem Bischof von ihrer Adoption und englischen statt amischen Abstammung erfährt, ändert sich alles für sie. Sie gibt ihren Versuchungen endgültig nach und wird letzendlich aus der Gemeinschaft verbannt. Am Ende macht sie sich auf den Weg in ein neues Leben, auf die Suche nach ihrem wahren Ich und auch ihrer leiblichen Mutter als ihre wahre Liebe, Daniel, wieder auftaucht. Er war der einzige Mensch, der Katie je richtig verstanden hat und ihre Liebe zur Musik teilte bis er nach einem Schiffsunglück als tot erklärt wurde. Nun will er Katie wiedersehen, die nie aufgehört hat, ihn zu lieben oder zu vergessen, nun aber fort ist...
Das Ende macht mich total neugierig auf den zweiten Band! Gerade zum Ende hin konnte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen und habe sehr bei Katies Entscheidungen nach Freiheit und gegen ihre Familie und ihre komplette Gemeinschaft mitgefiebert. Ich bewundere ihren Mut, die gewohnten Traditionen zu hinterfragen und alles, was sie kennt, hinter ihr zu lassen. Auch wenn die Amisch mit ihrem einfachen Leben sehr zufrieden scheinen, war bereits am Anfang klar, dass Katie nicht in dieses Leben passt, trotz all ihrer Anstrengungen. Wenn sie sich gefügt und von all ihren Herzenswünschen verabschiedet hätte, wäre sie wohl nie richtig glücklich geworden. Ich habe sehr mit Katie gefühlt, Mitleid, Freude und Stolz. Hoffentlich findet sie ihre richtige Mutter bevor diese stirbt und trifft irgendwie auf Daniel, die Geschichte zwischen den beiden ist wirklich herzzerreißend!