Biago de Giovanni Gramsci - Debatte I

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Inhaltsangabe zu „Gramsci - Debatte I“ von Biago de Giovanni

U. a. von Giovanni, Biago de ; Gerretana, V. ; Paggi, L. 173 S.
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  • Rezension zu "Gramsci - Debatte I. Hegemonie, Staat und Partei" von Biago de Giovanni

    Gramsci - Debatte I
    Heike110566

    Heike110566

    27. April 2012 um 20:19

    Die Thesen von Antonio Gramsci (1891-1937) geben bis heute immer wieder Grund, unter Kommunisten die Frage zu diskutieren, ob Gramscis Gedankengänge Grundlage für erfolgreiches kommunistisches Handeln sein können. - Ich denke: Nein! Insofern ging ich also voreingenommen an die Lektüre dieses Buches, in dem sich mehrere Referate und Diskussionsbeiträge eines Seminars der Kommunistischen Partei Italiens (KPI) aus dem Jahre 1977 befinden. Zentraler Bestandteil der Theorie von Gramsci sind die Begriffe Hegemonie, Staat/Zivilgesellschaft, Herrschaft/Führung. Gramsci vertrat, verkürzt ausgedrückt an dieser Stelle, die These, dass die Kultur der Arbeiterklasse auch im entwickelten kapitalistischen Staat die Hegemonie gewinnen kann. Für ihn stand die Zivilgesellschaft nicht per se in Opposition zum Staat, sondern sie sei Teil des Staates. Daraus resultierte seine These, dass auch in der entwickelten kapitalistischen Gesellschaft die Arbeiterklasse die Hegemonie im Staat (also im Parlament und letztlich der Regierung) gewinnen und so dann ihre sozialistischen Ziele erreichen kann. Ich halte dies für ausgeschlossen und bislang hat mir die Entwicklung in den entwickelten kapitalistischen Staaten recht gegeben. Und auch die Entwicklung der Verhältnisse gerade in Italien der letzten Jahrzehnte beweist dies auch. Das Kapital zieht die Sicherheitsreißleinen, wenn die Hegemonie ihrer Positionen gefährdet sieht. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zeigte: Je stärker linke Kräfte auftreten, desto reaktionärer wird das Vorgehen des Kapitals. Gramsci sprach desweiteren von einem notwendigen "Stellungskrieg" der Arbeiterklasse gegenüber der Bourgeoisie, um dadurch schrittweise kleine Verbesserungen zu erzielen und Verschlechterungen für die Arbeoterklasse zu verhindern. Ich denke, dass es sicher richtig ist, auch über Reformen im kapitalistischen System die Stellung der Massen zu verbessern. Aber: die Ausgabe der Losung "Stellungskrieg" droht, dass das Erzielen von Reformen Zweck des Kampfes der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten ist und nicht Reformen nur Mittel zum Zweck sind. Hier bietet sich an, einen Blick in Rosa Luxemburg "Sozialreform oder Revolution" diesbezüglich zu werfen. Das Buch zur Gramsci-Debatte der KPI liefert, obwohl es weitestgehend pro Gramsci ist, jede Menge Argumente gegen diese grundlegenden Auffassungen von Gramsci, wenn man die Kontexte der Entstehungszeit des Buches und der Entwicklungen danach (bis heute) beim Lesen mit in seine eigenen Überlegungen mit einbezieht.

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