Am See

von Bianca Bellová 
4,6 Sterne bei5 Bewertungen
Am See
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Daniel_Allertseders avatar

Ein großartiger Rroman

killmonotonys avatar

Bildgewaltig, tieftraurig und schön zugleich erzählt Biance Bellová vom Schicksal des jungen Namis und seiner Suche nach Antworten.

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Inhaltsangabe zu "Am See"

Bianca Bellová, die spannendste neue Stimme der tschechischen Literatur, erzählt bildgewaltig und schonungslos - eine Geschichte wie ein Traum. Nami wächst bei seinen Großeltern in einem Fischerdorf am Ende der Welt auf. Die Bewohner glauben an einen Seegeist, der über ihr Schicksal bestimmt. Doch als der See Nami das bisschen nimmt, das er hatte, beschließt er, sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Er will seine Mutter finden und bricht in die Hauptstadt auf. Nami begegnet tiefer Grausamkeit neben echter Freundschaft.
Doch dem See entkommt er nicht.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783036957784
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:240 Seiten
Verlag:Kein & Aber
Erscheinungsdatum:12.02.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Daniel_Allertseders avatar
    Daniel_Allertsedervor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Ein großartiger Rroman
    Ein großartiger Roman

    Meine Meinung

    „Am See“ ist das Debüt der tschechischen Autorin Bianca Bellová – ein Ausnahmetalent, eine neue große Stimme der tschechischen und internationalen Literatur. „Am See“ ist ein herausragendes Buch, ein Hilfeschrei, eine Anomalie der standardisierten Literatur, ein Paukenschlag – eine Biografie eines jungen Mannes, der sein Leben selbst in die Hand nimmt und nach seiner wahren Identität und seinen Wurzeln sucht, ein Road-Trip, aber mehr eine Dokumentation, mit schrecklichen Details und einer Figur, die überzeugt, die ans Herz geht, die nervt, die aber auch berührt. Nami nämlich ist der Inbegriff für Stärke; geprägt von den Russen, die sein Dorf besetzt haben, geprägt vom Tod der Großeltern, geprägt vom rüpelhaften Umgang der inoffiziellen Erziehungsberechtigten. Nami schlägt sich durch, die tschechische Autorin Bianca Bellová hat keine Skrupel, offenbart eine authentische Sicht eines tschechischen Jugendlichen, der nicht im goldenen Seidenbett geboren wurde, und der nur die Erinnerungen an seine Mutter, die leider verschwunden ist, als seinen wichtigsten Schatz zählen darf. Unglaublich klug und intelligent erzählt wurde Nami’s Lebensweg, seine Niederschläge, seine sexuellen Neigungen, seine Selbstfindungen, seine Art, die Dinge zu sehen. Die Autorin verwendete hierbei einen wachsenden Sprachstil; heißt, als Nami noch Kind und Jugendlicher war liest man Kraftausdrücke, als Nami erwachsen war spürt man durch die Schreibe förmlich die Energie unserer Hauptfigur, eine Bastei, die heraussticht, die keinesfalls zusammenbricht, eine pulsierende Verkörperung eines literarischen Tornados. Ein unglaublich dramatischer und inspirierender Roman, der nicht nur einen tollen Charakter birgt, sondern auch eine beeindruckende Botschaft: Selbstbewusstsein ist das A und O im öffentlichen Auftreten, keinerlei Scheu bieten, nicht zeigen, wie verletzlich man ist; keinesfalls den Boden schruppen wenn man die Möglichkeit hat, aus goldenen Gläsern zu trinken – erst spät bemerkt Nami seine Kraft, seine Stärke, sein verstecktes Element, welches erst zum Vorscheint kommt, wenn er seiner Mutter immer näher kommt. Zumindest habe ich das so interpretiert – Bianca Bellová ist großartig; sie fährt eine erfolgreiche Schiene auf dem Weg zum Ziel – begeisterte Leser, die Nami lieben werden. Sehr inspirierend und vor allem: unterhaltend!

    Fazit

    Ein Roman mit Feuer – herrlicher Schreibstil, gepaart mit einer Figur, deren Biografie dramatisch und inspirierend ist. Facettenreich und atmosphärisch grandios – ganz große Empfehlung!

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    Gwhynwhyfars avatar
    Gwhynwhyfarvor 7 Monaten
    große Literatur

    Der Anfang: »Nami schwitzt. Er hält Großmutters fleischige Hand. Die Wellen des Sees klatschen regelmäßig an den Betonpier. Vom Stadtstrand dringt Geschrei herüber, oder eher ein schrilles Kreischen. Es muss Sonntag sein, wenn er mit Großmutter und Großvater hier auf der Decke sitzt.«

    Gleich zu Beginn erfahren wir, der große See, an dem eine Familie sitzt, trocknet immer weiter aus. Der kleine Nami, drei Jahre alt, soll schwimmen lernen. Er schluckt Wasser und muss sich später übergeben. Er wohnt bei den Großeltern, weiß nicht, wer die Eltern sind. Die Großeltern werden es ihm auch nie verraten. Im Dorf leiden viele Menschen an Ekzemen, verunstaltete Kinder kommen zur Welt. Die Großeltern sind harte Knochen, die Liebe für Nami ist aber spürbar unterhalb der harten Erziehung. Bald stirbt der Opa und irgendwann ist Nami allein, verlässt das Dorf, geht in die Stadt, um die Mutter zu suchen.

    »›Elender Rotzbengel, ein Glück, dass du keinen Vater hast, der dich verdreschen könnte!‹
    Nami überlegt und malt sich aus, wie ihm sein Vater eine Tracht Prügel verpasst. Die Vorstellung findet er schön.«

    Das Buch hat mich mit einem Sog erfasst, verfangen in die traurige Geschichte, deren Traurigkeit nicht enden will. Nami wird langsam erwachsen, lernt seine Sexualität kennen, seine Grenzen, sich zu wehren, Scham, Feigheit. Er ist auf der Suche nach der eigenen Identität.

    »›Du hast ein hübsches Ekzem‹, sagt er dann beiläufig.
    ›Wie jetzt?‹, fragt Zaza mit finsterem Blick.
    ›Bei den meisten ist es rot und geschwollen, aber deins ist so … rosig, niedlich halt.‹«

    Wir befinden uns an einem großen See, Ölförderung, Umweltverschmutzung, Fischfabrik, Armut, Kolchosen, Melonen, Pfirsiche, Tomaten, Blini mit Kaviar, Stör, Hering, frisch frittierte Krapfen zum Frühstück, Schafskäse, Hammelfleischfrikadellen, Piroggen und viel Brot mit viel Zwiebeln, wir befinden uns an einem fiktiven Ort, man trinkt Schnäpse namens »Schardonee«. Im Hinterland liegt die Wüste, die Russen sind Besetzer und Feind. In dichtem Erzählton und Zeitraffer schafft es Bianca Bellová, ein Gefühl für Land und Leute zu geben, sich in die Protagonisten einzufinden. Die dichte personale Perspektive mit Tempo im Präsens lässt Folgen von kurzen Sätzen wie Ohrfeigen an den Leser erscheinen. Es rappelt und beruhigt sich, angepasst an die Gefühlslage des Protagonisten. Bianca Bellová ist eine Meisterin des Subtextes.

    »Nami nimmt den Geruch von Mottenkugeln wahr, und ihm wird von dem vertrauen Duft leicht schwindelig. Für einen Augenblick ist er wieder in Großmutters Schrank, wo er immer saß, wenn er sich vor seinem betrunkenen Großvater verstecken musste, den Mottenkugelduft einatmete und sich den verlausten Kopf kratzte.«

    Ein wundervolles Buch, das mit all seiner Traurigkeit berührt. Ein Funken Hoffnung bleibt, man wünscht dem gereiften Nami Glück. Denn das hatte er bisher immer, wenn man es ganz genau nimmt. Die Welt meint es nicht wirklich schlecht mit ihm. Bianca Bellová, 1970 in Prag geboren, arbeitet als Autorin, Übersetzerin und Dolmetscherin. In der Tschechei ist sie eine bekannte Schrift-stellerin. Für ihren Roman »Am See« wurde sie mit dem tschechischen Buchpreis »Magnesia Litera« sowie mit dem Literaturpreis der Europäischen Union, »European Union Prize for Literature« ausge-zeichnet.

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    killmonotonys avatar
    killmonotonyvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Bildgewaltig, tieftraurig und schön zugleich erzählt Biance Bellová vom Schicksal des jungen Namis und seiner Suche nach Antworten.
    Rezension: Am See

    „Ja, ja und ja!“ — so oder so ähnlich waren meine Gedanken, als die Pressemitteilung zu Bianca Bellovás neustem Buch eintrudelten. Nicht, dass ich schon vorher was von ihr gelesen hätte, nein, aber dieser Klappentext schien praktisch nach mir zu rufen! Es geht um den jungen Nami, der in einem kleinen Fischerdorf mitten im Nirgendwo bei seinen Großeltern wohnt. Von seiner Mutter hat er nur eine einzige, sehr flüchtige Erinnerung. Niemand will ihm auf seine Fragen antworten und im Dorf kursieren Unmengen sehr negativer Gerüchte über seine vermeintliche Mutter. Wie die Menschen in seinem Dorf wächst Nami mit dem Glauben an den Seegeist auf, der seit Urzeiten böse ist und den See austrocknen lässt. Um ihn zu besänftigen, werden die unheilbar Kranken, bereits Toten oder Kriminellen zu ihm in den See geworfen. Doch es hilft nichts, und weil der See stark austrocknet, mit Kadavern gefüllt wird und überall eine Salzkruste hinterlässt, sind die Bewohner, die am und im See arbeiten, mit Ekzemen übersät. Als bei einem Unwetter sein Großvater ums Leben kommt und wenig später auch seine Großmutter dem Seegeist übergeben wird, ist Nami auf sich allein gestellt. Der Kolchosvorsitzende, seine Frau und deren dreiarmiges Baby ziehen kurzerhand ungefragt in das Haus seiner Großeltern und Nami erlebt keine schöne Zeit, er ist den Launen des Vorsitzenden ausgesetzt und wird in den Hühnerstall eingesperrt. Kurzerhand beschließt er, in die Hauptstadt zu reisen, um dort seine Mutter zu finden. Eine weiter Weg steht ihm bevor, gespickt mit viel harter Arbeit und Freunden, die keine Freunde sind.


    Bianca Bellová zeichnet hier das Portrait eines kleinen Dorfes, das irgendwo zwischen Aberglauben, Krankheit und Rückständigkeit steckt. Und mittendrin ist Nami. Nami, der sich vor keiner Arbeit scheut, sich nicht beschwert, dass er zwischen den Hühnern schlafen muss, Nami, der alles verloren hat und auf der Suche nach seiner Mutter eine weite Reise zurücklegt und Situationen erleben muss, die ihm lieber erspart gewesen wären. So asphaltiert er Straßen, arbeitet in einem Schwefelwerk und landet schließlich bei einem reichen Drogendealer, wo er zum ersten Mal in seinem Leben auf einer richtigen Matratze schläft – ein ungeahnter Luxus für ihn. Nami versteht nicht, warum in diesem Haus alles so protzig und „auf dumme, sinnlose Weise teuer und luxuriös“ sein muss und zieht auch bald, nach einer Episode, die das fragwürdige Töten von Tieren beinhaltet, weiter. Müde, erschöpft und am Ende seiner Kräfte, physisch wie psychisch, wird er schließlich von einer alten Dame aufgenommen. Weiß sie etwas über seine Mutter? Und wird er sie schließlich nach all den Strapazen finden?


    Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/bianca-bellova-am-see

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    lensch_devourvor 6 Monaten
    freiegedankens avatar
    freiegedankenvor 6 Monaten

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