Bill Pronzini Trauerarbeit

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  • 3 Rätsel für Nameless Detective

    Trauerarbeit
    TheRavenking

    TheRavenking

    19. May 2016 um 22:27

    Bill Pronzinis Serienheld, der namenlose Detektiv, erlebt die härteste Woche seines Lebens. Gleich drei schwierige Fälle bereiten ihm Sorgen. Dabei wirkten sie anfangs wie Routineangelegenheiten. Nameless soll eine reiche Frau aufspüren, die einen schweren Unfall mit Fahrerflucht verursacht hat und seitdem abgetaucht ist. Das hört sich nach einer einfachen Sache an, denkt er sich – ein paar mal telefonieren, ihre Bekannten aushorchen und ihr dann die Vorladung zustellen. Auch seine zweite Aufgabe klingt einfach: Eine Klientin gibt ihm den Auftrag, ihren Ehemann zu beschatten, der angeblich fremdgeht. Der klassische Job für jeden Privatdetektiv. Und dann wird er noch gebeten bei einem hohen Tier den Sicherheitsmann zu spielen und wertvolle Hochzeitsgeschenke zu bewachen. Das mutet nach einer erniedrigenden Arbeit an, nach langweiliger, seelenloser Plackerei, aber Nameless ist kein Sherlock Holmes, der sich seine Fälle aussuchen kann. Das Geld ist knapp und wenn die Klienten unsympathisch sind, muss man ihre Tiraden über sich ergehen lassen. Alle drei Aufträge münden in Verbrechen, die jedes Mal der unmöglichen Variante angehören: Es kommt zu einem unmöglichen Verschwinden, es geschieht ein Mord in einer verschlossenen Wohnung und jemand entwendet aus einem streng bewachten Raum einen wertvollen Ring. Parallel dazu hat Nameless Beziehungsprobleme. Seine Freundin weist seinen Heiratsantrag zurück und deren Vater hält ihn für ihn einen Versager. Sein Selbstwertgefühl ist reichlich angekratzt. Pronzini hat einen Helden geschaffen, der wenig Heroisches an sich hat. Kaum einer würde den übergewichtigen Mann im mittleren Alter als cool oder geschweige denn gefährlich bezeichnen. Wie viele Italiener kocht er gerne und sein liebstes Hobby ist das Lesen alter Groschenromane, die er wie einen Schatz hütet. 53 Jahre zählt der Detektiv hier, 1984, bereits, wenn man in Betracht zieht, dass die Reihe bis heute fortgesetzt wird, kann man davon ausgehen, dass er, ähnlich wie der berühmte Hercule Poirot, irgendwann in der Zukunft wohl aufhören wird zu altern. Ein großartiger Stilist ist Pronzini sicher nicht. Er überzeugt auch weder mit einer besonders dichten Atmosphäre oder schlagfertigen Dialogen. Bei ihm ist die Handlung König. Wie sehr man Trauerarbeit genießt, hängt dann auch ganz davon ab, wie sehr man den Plot-orientierten Rätselkrimi mag, der sich gerade heute einer eher überschaubaren Beliebtheit erfreut. Gerade mal 150 Seiten hat Pronzinis Ermittler, um drei komplizierte Fälle zu lösen und trotzdem bleibt auch noch Platz für privates Beziehungsgeplänkel. Dabei haben die drei Verbrechen an und für sich wenig miteinander zu tun, so, dass man das Gefühl hat, man bekäme hier eher drei Kurzgeschichten geboten als einen durchgehenden Roman. Aber wer pure Krimis mit wenig Fett auf den Knochen mag und bereit ist auf größere psychologische Tiefe zu verzichten, kommt hier auf seine Kosten.

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