Billy Hutter Karlheinz

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Inhaltsangabe zu „Karlheinz“ von Billy Hutter

Ende der 1990er Jahre entdeckt Billy Hutter bei einer Haushaltsauflösung in Ludwigshafen den Nachlass von Karlheinz N., der kurz zuvor mit Mitte sechzig auf ungeklärte Weise im Rhein ertrank. Die Wohnung ist bis unter die Decke mit Gegenständen und unendlich vielen Papierstapeln vollgestellt, wobei alles mit größter Sorgfalt geordnet scheint. Und statt alles leer zu räumen, an Möbeln und Gegenständen das, was zu Geld zu machen ist, zu verwerten, und den Rest der Müllverbrennungsanlage zu übereignen, beginnt Hutter, sich mit dem Nachlass dieses Menschen zu beschäftigen. Denn Karlheinz, Sohn eines Chemikers bei der BASF, hat sein Leben akribisch dokumentiert: seine Schulzeit, die Bombardierung seiner Heimatstadt, seine Studienfachwahl nach dem Abitur. Die sonntäglichen Ausflüge mit den Eltern in die Pfalz, zu deren Zweck man eigens ein Auto kaufte. Jede Anschaffung, vom Hosenknopf bis zur Hotelrechnung, wird aufgelistet, auch die gelegentlichen Besuche bei Prostituierten. Aus Kinderzeichnungen, Schulaufsätzen und unzähligen Tagebüchern lassen sich die prototypischen Zutaten eines Spießerlebens ablesen, das – bei aller Besonderheit – exemplarisch die westdeutsche Nachkriegszeit und die Jahre des Wirtschaftswunders und der 1960er und 1970er Jahre dokumentiert. Und wie immer, wenn man sich mit der Geschichte jener Jahre auseinandersetzt, wird neben Banalem und unfreiwillig Komischem auch das Grauen sichtbar. Und so führt Hutters Zeitreise nicht nur in den nahen Pfälzer Wald oder in die Alpen, sondern bis nach Ravensbrück und nach Auschwitz.

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    Karlheinz
    sofie

    sofie

    12. December 2015 um 11:04

    „Die Besuchergruppe betritt – ihr seid, freiwillig oder nicht, Teil einer Stadtführung, die das Motto „Auf Karlheinz‘ Spuren“ trägt und ein wenig mit Helmuts Führung „Städtebauliche Fehlleistungen Ludwigshafener Sozialdemokraten“ konkurriert – eine breite Toreinfahrt, […].“ (S. 43) Der Verlag und auch der Autor bezeichnen „Karlheinz“ als einen Roman, ich bin mir nicht sicher, ob ich das auch so sehe. Die verschriftlichte Stadtführung aus dem obigen Zitat trifft es schon eher. Worum geht es? Billy Hutter löst Haushalte auf und restauriert Möbel und bei einer solchen Haushaltsauflösung fällt ihm der Nachlass von Karlheinz in die Hände. Karlheinz hat sein Leben ziemlich detailreich dokumentiert, unter anderem durch Taschenkalender, in die er jeden Tag Notizen schreibt. Und anhand dieser Unterlagen nimmt uns der Autor eben mit auf eine Führung durch Karlheinzens Leben. Das ist eigentlich weder besonders spannend, auch nicht unbedingt besonders tragisch, durchschnittlich ist es aber auch nicht. Karlheinz ist schon ein jemand, den man wohl als Kauz beschreiben würde. Zu seinen Hobbys zählt Autofahren und er sammelt Regenmäntel. Er kommt nicht aus seiner Heimatstadt und auch nicht aus dem elterlichen Haushalt heraus. Die Eltern bleiben sein Leben lang der Mittelpunkt. Das besondere an diesem Buch ist wohl, dass man gemeinsam mit dem Autor zum Voyeur wird. Dieser Mensch hat tatsächlich gelebt, er ist keine historische Persönlichkeit. Daher fühlt sich das Lesen manchmal so an, als würde man in ein fremdes Wohnzimmer oder Schlafzimmer schauen. Und gemeinsam mit dem Autor entwickelt man eine gewisse Faszination für dieses Leben. Zum Schluss konnte ich das Buch wirklich kaum weglegen, weil ich wissen wollte, wie es denn nun mit Karlheinz weitergeht. Wie gesagt, ich weiß nicht, ob ich das Buch als Roman bezeichnen würde, aber es ist auf jeden Fall ein interessantes Kunstprojekt und ich habe es durchaus gern gelesen.

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  • Karlheinz von Billy Hutter

    Karlheinz
    booksaremybestfriends

    booksaremybestfriends

    08. October 2015 um 22:33

    Klappentext: Karlheinz, Sohn eines Chemikers bei der BASF, hat sein Leben akribisch dokumentiert: seine Schulzeit, die Bombardierung seiner Heimatstadt, seine Studienfachwahl nach dem Abitur, die gemeinsamen Ausflüge mit den Eltern im „Opel-Auto“ und die gelegentlichen Besuche bei Prostituierten. Auf Grundlage dieser Aufzeichnungen hat Billy Hutter den Roman eines Lebens geschrieben, das, bei aller Besonderheit, exemplarisch die Jahre des Wirtschaftswunders und der 1960er und 1970er Jahre in Westdeutschland nacherzählt. Ein unspektakuläres Leben auf 222 Seiten. Karlheinz ist der Stereotyp der grauen Maus/ des grauen Mäuserichs, lebt sein Leben lang bei seinen Eltern, bringt wie etwas richtig zu Ende, hat kaum soziale Kontakte und doch berührt er mich. Karlheinz lebt in seiner ganz eigenen Welt, er hält alles minutiös fest was er tut, schreibt Berge von Papieren mit kleinen, für uns, unwichtigen Dingen aus seinem Leben voll. Er liebt sein Leben, so wie es ist, sonst wäre er nicht so gewesen. Er hat keine besondere Aura oder Ausstrahlung, wirklich nichts Besonderes an sich, dennoch scheint man ihn zu kennen und zu mögen. Durch Billy Hutters Erzählungen und den Ausschnitten aus Karlheinz eigenen Aufzeichnungen lebt man sein ganzes Leben mit ihm, man kennt seinen Alltag, seine Beziehungen, seine kleinen Marotten und von denen hat er viele, ziemlich viele. Doch zu allererst regt mich das Buch zum Nachdenken an, möchte ich, dass später jemand mein ganzes Leben durchwühlt und alles wegwirft, was kein Geld mehr einbringt? Möchte ich, dass jemand Fremdes alles von mir sieht, meine Geheimnisse kennt? Denn genau das passiert Karlheinz nach seinem Tod, Billy Hutter ist Wohnungsentrümpler und stößt eher zufällig auf Karlheinz Wohnung in Ludwigshafen. Aber auch Billy Hutter wird von Karlheinz gefesselt und ein Stück seines Lebens wird dominant von Karlheinz begleitet, sonst hätte er nie ein Buch über ihn geschrieben. Ich denke die Intention des Autors war es uns Karlheinz vorzustellen, einen Mann wie ihn fast jeder kennt, der etwas komisch ist und immer abseits steht. Für mich war Karlheinz nicht das beste Buch was ich gelesen habe, aber dafür eins der realistischsten, denn Karlheinz hat existiert und es existieren auch heute noch viele Millionen „Karlheinze“ auf der Welt, die ein ähnliches Leben führen wie er. Die Frage ist nur, will man als Karlheinz enden? Als jemand der nach dem Tod der Eltern keinen Sinn mehr im Leben sieht? Der sein ganzes Leben lang an die Eltern gebunden ist und niemals alleine lebt? Nein, ich will nicht zu so jemandem werden und ich glaube auch von euch, die ihr das hier lest will niemand so werden. Jeder will doch ein erfülltes Leben, einen Partner an der Seite den er liebt, eine Wohnung oder ein Haus, eine eigene Existenz, einen Job den man liebt und nicht das was die Eltern einem vorleben und was nahezu nahtlos übernommen wird. So war nun mal Karlheinz Leben, ich nehme es als Weckruf mich über mein Leben, meine Familie, meine Freunde und alles andere was sich mir bietet zu freuen und das Neue anzunehmen, sollte es an die Tür klopfen. Ich selbst wurde durch eine Radioshow auf Karlheinz aufmerksam, die Moderation hat Karlheinz Leben so interessant geschildert, das ich dachte: man, das musst du lesen. Auch im ARD Morgenmagazin wurde Karlheinz bei den Buchvorstellungen erwähnt und in der Buchhandlung als es zur Bestellung aufgegeben wurde, war auch die Inhaberin des Ladens begeistert davon. Es ist schon interessant, wie viel man in einem so einfachen Leben sehen kann.

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