Birgit Emich Bürokratie und Nepotismus unter Paul V. (1606-1621)

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Inhaltsangabe zu „Bürokratie und Nepotismus unter Paul V. (1606-1621)“ von Birgit Emich

Bürokratie und Nepotismus gelten nach modernem Verständnis als unvereinbare Prinzipien behördlichen Handelns. Wo bürokratisch verwaltet wird, fallen die Entscheidungen idealerweise "ohne Ansehen der Person" (Max Weber), wo Nepotismus - Vetternwirtschaft - regiert, zählen persönliche Beziehungen weit mehr als sachliche Argumente. Im Rom der frühneuzeitlichen Päpste schlossen sich vormoderne Bürokratie und Nepotismus keineswegs aus. So stand zwischen 1538 und 1692 stets ein Kardinal an der Spitze der kurialen Verwaltung, der mit dem regierenden Papst verwandt war und als dessen alter ego zwei zusätzliche Aufgaben hatte: Er betreute die Klientel, die sein Onkel als Landesherr benötigte, als überparteilicher Papst aber nicht haben durfte. Und er sorgte durch die planmäßige Bereicherung seiner Familie für deren Etablierung im Hochadel. Dass dieser kardinalizische Papstverwandte, der Kardinalnepot, nicht nur den nach ihm benannten Nepotismus verkörperte wie kein zweiter, sondern auch den wichtigsten Behörden der Kurie vorstand, wirft eine Frage auf: Welche Folgen hatte die personelle Verklammerung von Bürokratie und Nepotismus für die Tätigkeit der römischen Behörden, für deren Kurs zwischen Sachverstand und Privatinteressen?
Um eine Antwort auf diese bislang nicht beachtete Frage zu finden, werden am Beispiel des Pontifikats Pauls V. (1605-1621) Arbeitsteilung und Machtverhältnisse zwischen dem Papst, seinem Neffen und den sachkundigen Sekretären in den zentralen römischen Einrichtungen ermittelt. Die Rekonstruktion des Behördenalltags beschränkt sich nicht auf das Staatssekretariat als außenpolitische Schaltstelle, sondern umfaßt auch die Gremien für die Verwaltung des Kirchenstaates, die Apostolische Kammer, das päpstliche Militär sowie die kirchlichen Kongregationen. Überdies berücksichtigt die Studie jene Büros, die dem Nepoten für seine Zusatzaufgaben zur Verfügung standen und der kurialen Behördengeschichte bisher entgangen sind: das Patronage- und das Privatsekretariat. Damit wird es möglich, die vom Papstneffen unterzeichneten Briefmassen in drei verschiedene Korrespondenztypen mit je eigenen Bearbeitungswegen, Diskursen und Inhalten zu unterscheiden: In der Amtskorrespondenz behandelten die Fachleute der Behörden im Namen, aber ohne Beteiligung ihres Chefs die anstehenden Sachfragen, in der Patronagekorrespondenz betreute der Nepot persönlich seine Klientel, und in der Privatkorrespondenz kümmerten sich seine engsten Mitarbeiter um die Geldquellen der Papstfamilie. Alle drei Korrespondenztypen sollte kennen, wer die Quellen und damit die Vielschichtigkeit der römischen Politik voll erfassen will. Aber auch die Rolle des Nepoten ist erst im Lichte der dreisträngigen Überlieferung klar zu erkennen: Wenn er in seinem oder seiner Klienten Interesse in die Arbeit der Experten eingriff, behinderte er zwar die sachgerechte Amtsführung in den Behörden. Die grundsätzliche Ausgliederung der Patronage- und Versorgungspolitik stellte jedoch eine Form der Arbeitsteilung dar, die eine administrative Modernisierung im Windschatten des Nepoten ermöglichte und dessen Bilanz weit besser ausfallen läßt, als es die Gegenüberstellung von Bürokratie und Nepotismus nahelegt.
Das Werk enthält eine BIOGRAPHISCHE SKIZZE zu Paul V., zahlreiche ÜBERSICHTEN über die Aktenbestände der verschiedenen Büros sowie 12 SCHRIFTPROBEN zur Identifizierung der bislang unbekannten Sekretäre. Ein REGISTER schließt den Band ab.

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