Birgit Müller-Wieland

 4 Sterne bei 5 Bewertungen
Autorin von Flugschnee, Reisen Vergehen und weiteren Büchern.
Birgit Müller-Wieland

Lebenslauf von Birgit Müller-Wieland

Birgit Müller-Wieland wurde am13. September 1962 als Birgit Feusthuber in Schwanenstadt in Oberösterreich geboren. Nach dem Abitur studierte sie 1980 Germanistik und Psychologie an der Universität Salzburg, Rostock und Ostberlin. Anschließend arbeitete sie als Literaturwissenschaftlerin und Journalistin und leitete von 1991 bis 1993 den Dachverband der Salzburger Kulturstätten. 1997 heiratete sie den Komponisten und Dirigenten Jan Müller-Wieland. 2004 wurde ihre Tochter geboren. Heute arbeitet sie als freie Schriftstellerin, zuerst in Berlin, seit 2007 in München. Im Jahr 2000 nahm sie am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb teil. Ihr Roman "Flugschnee" wurde für den Deutschen Buchpreis 2017 nominiert.

Alle Bücher von Birgit Müller-Wieland

Birgit Müller-WielandFlugschnee
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Flugschnee
Flugschnee
 (5)
Erschienen am 22.02.2017
Birgit Müller-WielandRuhig Blut
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Ruhig Blut
Ruhig Blut
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Erschienen am 01.01.2002
Birgit Müller-WielandReisen Vergehen
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Reisen Vergehen
Reisen Vergehen
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Erschienen am 01.03.2016
Birgit Müller-WielandWohin auch immer
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Wohin auch immer
Wohin auch immer
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Erschienen am 11.08.2009
Birgit Müller-WielandDas neapolitanische Bett
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Das neapolitanische Bett
Das neapolitanische Bett
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Erschienen am 23.08.2005
Birgit Müller-WielandDie Farbensucherin
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Die Farbensucherin
Die Farbensucherin
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Erschienen am 01.01.1997

Neue Rezensionen zu Birgit Müller-Wieland

Neu
himbeerbels avatar

Rezension zu "Flugschnee" von Birgit Müller-Wieland

Beeindruckend und schwach zugleich
himbeerbelvor 2 Monaten

Mit dem Roman „Flugschnee“ schaffte es Birgit Müller-Wieland bis auf die Longlist des Deutschen Buchpreises im vergangenen Jahr. Mich lässt das Buch eher mit gemischten Gefühlen zurück.

Lucys Bruder Simon ist verschwunden. Das Nachdenken über ihn führt sie zu einem früheren Wintertag ins Haus der Großeltern in Hamburg, an dessen Ende etwas geschah, das den Kindern verschwiegen wurde. Dieses Schweigen bestimmt nicht nur die weitere Zukunft, sondern reicht auch in die Generation der Großeltern und Urgroßeltern zurück, welche sich in vielfältig Ungesagtes verstrickten, politisches, persönliches. Helene, die Großmutter, kämpft gegen Ende ihres Lebens allerdings umso vehementer um ihre Erinnerungen: jede, auch die schlechteste, ist ihr willkommen, um dem „Schmelzen im Kopf“ zu widerstehen.

“Was macht das Glück einer Familie aus? Wenn es – neben vielen Komponenten wie der Abwesenheit von Krankheiten, sicherem Einkommen und dergleichen – gemeinsame Erinnerungen sind, die Zusammenhalt ermöglichen, miteinander gelebte Vergangenheit“, so denkt Lucy an einem Dezembertag in Berlin an eine unglückliche Familie. Als Leser erlebt man dabei, wie sie immer wieder innerlich das Wort an ihren verschwundenen Bruder Simon richtet und dabei ihre Gedanken zu sortieren versucht. Unterbrochen wird dies unter anderem durch Rückblicke in die Zeit, als ihre Eltern sich kennen lernten, in die Kennenlernzeit ihrer Großeltern, bis zurück in die Nazi-Zeit.

Anfangs fand ich nur sehr schwer Zugang zu der Geschichte, da Zeitsprünge und Weiterführung mit den wechselnden Personen und Handlungssträngen mich verwirrten, doch die Absätze und Kapitel griffen irgendwann gekonnt ineinander, so dass sich schließlich doch ein Zusammenhang ergab und sich nach und nach die Geschichte der Familie in Puzzle-Teilchen zusammensetzte.

Ich mochte besonders das Ausdrucksvermögen der Autorin, die es schaffte mit wenigen Worten eindringlich Stimmungen, Gefühle und Situationen zu beschreiben. Vor allem beeindruckten mich die Schilderungen des Schnees, der sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch zieht und den Leser atmosphärisch mit der Gedämpftheit frisch fallenden Schnees umgibt – für mich ein besonderes Leseerlebnis. Aber oftmals war die Handlung auch langatmig und mir wollte sich bis zum Schluss leider nicht so recht erschließen, wohin dieses Buch den Leser eigentlich führen will. Und so hinterließ mich „Flugschnee“ mit einem unbestimmten unzufriedenen Gefühl, weil ich mir irgendwie doch mehr davon erwartet hätte. Schade.

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MikkaGs avatar

Rezension zu "Flugschnee" von Birgit Müller-Wieland

Nach Hause möchte ich.
MikkaGvor einem Jahr

Der Titel des Buches könnte nicht perfekter zum Inhalt passen.
Flugschnee ist nämlich ein ganz besonders feiner Schnee. Doch was so zauberhaft und harmlos klingt, kann den Schutz eines vermeintlich sicheren Daches heimtückisch unterwandern: die winzigen Eiskristalle werden bei starkem Wind noch durch die kleinste Ritze geweht, was mitunter zu gravierenden Schmelzwasserschäden führt.
Der Schnee ist ein Leitmotiv dieses Buches, das sich über mehrere Generationen einer Familiengeschichte erstreckt, erzählt aus verschiedenen Perspektiven, die sich nach und nach zu einem Gesamtbild zusammensetzen. Denn auf den ersten Blick erscheint diese Familie wie ein sicheres Gebäude, das die Unbilden schwieriger, sogar grausamer Zeiten in gemeinschaftlichem Zusammenhalt übersteht – doch wird mit jeder Seite klarer: Geheimnisse, Ungesagtes, halb Vergessenes, das sind die Ritzen, durch die das Unglück hereingeweht wird.
Meist wird dieses Leitmotiv von der Autorin wunderbar eingesetzt, manchmal empfand ich die Methaphorik jedoch als etwas zu forciert: so wird mehrmals betont, dass die Großeltern versuchen, die durch den Flugschnee an ihrem Haus entstandenen Schäden einfach zu ignorieren, als müsste man einem begriffsstutzigen Leser noch einmal deutlich vor Augen führen, wie es um diese Familie steht.
Denn deren Konstrukt gerät in der jüngsten Generation nun endgültig ins Wanken, seit der Sohn, Simon, spurlos verschwunden ist. Einen Großteil der Geschichte sieht der Leser durch die Augen seiner Schwester Lucy, die seit vielen Jahren den immer gleichen Schneetraum träumt: einen wiederkehrenden Albtraum, den sie sich selbst nicht erklären kann, dessen Ursprung aber möglicherweise das in Gang gesetzt hat, was letztendlich zu Simons Verschwinden führte.
"Weihnachten wird kommen. Das Wort ist wie ein schriller Ton. Es schmerzt in den Ohren.Mein Herz schlägt so, dass ich die Hand drauflege.Ich summe und singe idiotischerweise:Happybirthdaytoyou.Als Kind hat das geholfen, manchmal.Ansingen und Summen gegen etwas, das irgendwie falsch ist. Happybirthdayhappybirthdayhappybirthdaytoooyouuuuu."(Zitat)
Birgit Müller-Wieland erzählt eine Geschichte, in der das Unglück nicht als großes Drama auftritt, sondern leise und schleichend. Dennoch kann man sich dem als Leser immer weniger entziehen, denn die Art und Weise, wie sie es erzählt, ist wunderbar konstruiert und erzeugt dadurch seine ganz eigene Spannung. Vieles von dem, was diese Familie erlebt, findet sich so oder so ähnlich auch in der Geschichte unzähliger anderer Familien, und dennoch ist das Mosaik, das entsteht, durch und durch originell.
Ich musste mehr als einmal an ein Zitat aus Tolstoys 'Anna Karenina' denken: "Alle glücklichen Familien gleichen einander. Jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Art unglücklich."
Die Charaktere sind in meinen Augen bestechend lebensecht, obwohl man immer nur Fragmente aus ihrem Leben zu sehen bekommt. Die Autorin hat ein Gespür dafür, eine enorme Komplexität mit dem zu erreichen, was sie zwischen den Zeilen mitteilt. Und so stellt man irgendwann fest, dass das Buch eine Vielzahl von Themen vermittelt hat: nicht nur Generationenkonflikte und Familiengeheimnisse, sondern zum Beispiel auch Gedanken über Demenz, Abtreibung und die epigenetische Trauma-Vererbung.
"Nach Hause möchte ich." (Zitat)
Der Schlüssel zu allem, was geschieht, liegt in Lucys Traum(a), beziehungsweise dessen Ursache. Und hier hat das Buch mich sehr enttäuscht, denn die Auflösung erschien mir fast schon banal, die Ereignisse zusammenhaltslos – womöglich wurden aber für mein Empfinden am Schluss einfach zu viele Dinge noch schnell abgehandelt. Überhaupt sind die so sorgsam gehüteten Geheimnisse der verschiedenen Familienmitglieder zum Teil deutlich weniger bedeutungsschwer als erwartet.
"Überall war es weiß, als ich aufblickte, makellos weiß, eine Art grundloses Existieren – es zog einen Schmerz nach sich. Der Schmerz war wie etwas, das ich einmal gekannt aber irgendwann vergessen hatte.Weißweißweiß.War es Licht?War es Farbe? Der Satz blieb."(Zitat)
Der Schreibstil hat viele magische Momente, in denen er, ruhig und schwerelos, eine ungeheure sprachliche Schönheit entwickelt.  Allerdings ist es hier ähnlich wie mit dem Leitmotiv: manchmal wirkten Formulierungen auf mich etwas überstrapaziert, und dann verlor sich für mich jeglicher Zauber. 
Fazit: Birgit Müller-Wieland erzählt die Geschichte einer Familie, die auf leise Art und Weise unglücklich ist und das selber nicht gänzlich realisiert. Das Buch springt zwischen Zeiten und Perspektiven, und dabei kristallisiert sich langsam heraus, dass hier nicht nur Familienporträts und Haarfarben vererbt wurden, sondern auch Traumata und Geheimnisse.
Oft fand ich das großartig, über weite Strecken spannend und gekonnt erzählt – manchmal aber auch zu gewollt und im Endeffekt enttäuschend aufgelöst. Alles in allem ein Buch, das ich interessant fand, das mich aber nicht bis zu Schluss überzeugen konnte. 

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miss_mesmerizeds avatar

Rezension zu "Flugschnee" von Birgit Müller-Wieland

Birgit Müller-Wieland - Flugschnee
miss_mesmerizedvor einem Jahr

Eine Familie voller Geheimnisse, die alle an einem Tag zwanzig Jahre zuvor plötzlich offenlagen, einem Tag mit Schneefall, ein Tag voller Freude für die Kinder und voller Schrecken für die Erwachsenen. Das Verschwinden ihres Bruders Simon lässt Lucy zurückdenken an jenen Tag, an dem seltsame Besucher das Haus ihrer Großeltern aufsuchten. Helene, die Großmutter, schon von Demenz gezeichnet, aber in manchen Momenten doch klar in der Erinnerung an das, was in den Kriegstagen geschah, als sie noch ein Kind war. Lorenz, der seine Frau mit Sorge beobachtet und immer wieder in seinem eigenen Haus an der Galerie der Bilder vorbeigeht und so manches nicht versteht, was er und Helene damals erlebten. Arnold, Lucys und Simons Vater, der beruflich hadert und eine Entscheidung bezüglich eines Geheimnisses treffen muss, von dem er zufällig Kenntnis erlangte. Vera, die Mutter, die wegen anhaltender Übelkeit nicht direkt mitkam zu den Großeltern, doch sie hat sich nicht nur den Magen verstimmt. Was sie an diesem Tag wirklich bewegte, wird sie erst Jahre später offenbaren. Und dann kommen die Besucher mit einem Erinnerungsstück.

Es schneit an dem unheilvollen Tag, sogenannter Flugschnee, der besonders fein ist und dadurch auch ins Haus eindringen kann. Ähnlich wie dieser feine Schnee, der nicht durch seine Masse unmittelbar erdrückt, sondern leicht ist und hübsch anzusehen, in seiner Konsequenz aber schwere Folgen haben kann, so sind auch die Geheimnisse und Erinnerungen der Figuren. Sie können sie über Jahre verdrängen, ignorieren, doch sie sind da und beharrlich dringen sie ein, bis der Schaden offenkundig wird. Schnee ist kalt, bietet keine Wärme, ist man ihm schutzlos ausgeliefert, kann er töten. Dieses Bild begleitet den Roman, ebenso wie Lucys Erinnerungen an ihren Bruder, ihre Familie und ähnlich wie beim Schneetreiben ist auch ihr Blick noch getrübt und erlaubt keine klare Sicht auf die Vergangenheit und die Zukunft:
„Diese Weihnachten, damals.
Ich weiß vom Schnee, und daß danach nichts mehr war wie zuvor.
Weiß ich das wirklich? Oder haben sich Gefühle von anderen – deine oder die unserer Eltern, Großeltern – in meinen Kopf gelegt und geben sich als meine aus?
Oder werde ich einfach ein bißchen wahnsinnig?“


Der Roman ist nicht mit einem großen Spannungsbogen aufgebaut, auch wenn zu Beginn schon das Verschwinden Simons thematisiert wird und man sich fragt, was geschehen sein mag, lebt er nicht von dieser übergreifenden Frage. Dennoch schafft die Autorin einen Sog, der einem weiterlesen lässt; je mehr man von den Figuren erfährt, desto mehr will man über sie und ihre Vergangenheit und ihre Geheimnisse wissen. Trotz des unaufgeregten Tons, der fehlenden dramatischen Ereignisse, die die Handlung voranpeitschen würden, wird man mitgerissen von dieser Familiengeschichte. Doch ebenso wie Lucy muss sich auch der Leser fragen, ob er, trotz der Kenntnis um viele ihrer Geheimnisse, wirklich hinter ihre Fassaden blicken kann:
„Aber das Bohrende blieb: Die Frage, wer du eigentlich bist.
Ob wir je etwas von dir gewußt haben.
Was das für ein Mensch war, der neben uns gelebt und so viel vor uns verborgen hatte.“

Diese Frage muss man sich auch in der eigenen Welt stellen. Was weiß an von den Menschen der eigenen Familie? Welche Dinge tragen sie in sich, verborgen vor den anderen? Die sie bewegten und immer noch bewegen und die lange unter der Oberfläche verborgen bleiben. Birgit Mülle-Wielands Roman stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2017, was diese Geschichte mit dem unscheinbaren Cover, das doch ganz hervorragend gewählt ist, sowohl aufgrund der Konstruktion wie auch der sprachlichen Umsetzung vollends verdient hat. 

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Birgit Müller-Wieland wurde am 13. September 1962 in Schwanenstadt (Österreich) geboren.

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