Flugschnee

von Birgit Müller-Wieland 
4,0 Sterne bei5 Bewertungen
Flugschnee
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miss_mesmerizeds avatar

Bemerkenswert konstruiert, entwickelt einen Sog, der einem nicht mehr loslässt.

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Inhaltsangabe zu "Flugschnee"

“Was macht das Glück einer Familie aus? Wenn es – neben vielen Komponenten wie der Abwesenheit von Krankheiten, sicherem Einkommen und dergleichen – gemeinsame Erinnerungen sind, die Zusammenhalt ermöglichen, miteinander gelebte Vergangenheit“, so denkt Lucy an einem Dezembertag in Berlin an eine unglückliche Familie.

Ihr Bruder Simon ist verschwunden. Das Nachdenken über ihn führt sie zu einem früheren Wintertag ins Haus der Großeltern in Hamburg, an dessen Ende etwas geschah, das den Kindern verschwiegen wurde. Dieses Schweigen bestimmt nicht nur die weitere Zukunft, sondern reicht auch in die Generation der Großeltern und Urgroßeltern zurück, welche sich in vielfältig Ungesagtes verstrickten, politisches, persönliches. Helene, die Großmutter, kämpft gegen Ende ihres Lebens allerdings umso vehementer um ihre Erinnerungen: jede, auch die schlechteste, ist ihr willkommen, um dem „Schmelzen im Kopf“ zu widerstehen.

Schnee und Stein sind in diesem Roman die Materialien, an denen die Figuren scheitern oder wachsen, an denen sie dem Bedrohlichen eine Form abzuringen, dem Zerstörerischen ein “Dennoch” entgegenzusetzen versuchen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783701312481
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:343 Seiten
Verlag:Müller, Otto
Erscheinungsdatum:22.02.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    himbeerbels avatar
    himbeerbelvor 2 Monaten
    Beeindruckend und schwach zugleich

    Mit dem Roman „Flugschnee“ schaffte es Birgit Müller-Wieland bis auf die Longlist des Deutschen Buchpreises im vergangenen Jahr. Mich lässt das Buch eher mit gemischten Gefühlen zurück.

    Lucys Bruder Simon ist verschwunden. Das Nachdenken über ihn führt sie zu einem früheren Wintertag ins Haus der Großeltern in Hamburg, an dessen Ende etwas geschah, das den Kindern verschwiegen wurde. Dieses Schweigen bestimmt nicht nur die weitere Zukunft, sondern reicht auch in die Generation der Großeltern und Urgroßeltern zurück, welche sich in vielfältig Ungesagtes verstrickten, politisches, persönliches. Helene, die Großmutter, kämpft gegen Ende ihres Lebens allerdings umso vehementer um ihre Erinnerungen: jede, auch die schlechteste, ist ihr willkommen, um dem „Schmelzen im Kopf“ zu widerstehen.

    “Was macht das Glück einer Familie aus? Wenn es – neben vielen Komponenten wie der Abwesenheit von Krankheiten, sicherem Einkommen und dergleichen – gemeinsame Erinnerungen sind, die Zusammenhalt ermöglichen, miteinander gelebte Vergangenheit“, so denkt Lucy an einem Dezembertag in Berlin an eine unglückliche Familie. Als Leser erlebt man dabei, wie sie immer wieder innerlich das Wort an ihren verschwundenen Bruder Simon richtet und dabei ihre Gedanken zu sortieren versucht. Unterbrochen wird dies unter anderem durch Rückblicke in die Zeit, als ihre Eltern sich kennen lernten, in die Kennenlernzeit ihrer Großeltern, bis zurück in die Nazi-Zeit.

    Anfangs fand ich nur sehr schwer Zugang zu der Geschichte, da Zeitsprünge und Weiterführung mit den wechselnden Personen und Handlungssträngen mich verwirrten, doch die Absätze und Kapitel griffen irgendwann gekonnt ineinander, so dass sich schließlich doch ein Zusammenhang ergab und sich nach und nach die Geschichte der Familie in Puzzle-Teilchen zusammensetzte.

    Ich mochte besonders das Ausdrucksvermögen der Autorin, die es schaffte mit wenigen Worten eindringlich Stimmungen, Gefühle und Situationen zu beschreiben. Vor allem beeindruckten mich die Schilderungen des Schnees, der sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch zieht und den Leser atmosphärisch mit der Gedämpftheit frisch fallenden Schnees umgibt – für mich ein besonderes Leseerlebnis. Aber oftmals war die Handlung auch langatmig und mir wollte sich bis zum Schluss leider nicht so recht erschließen, wohin dieses Buch den Leser eigentlich führen will. Und so hinterließ mich „Flugschnee“ mit einem unbestimmten unzufriedenen Gefühl, weil ich mir irgendwie doch mehr davon erwartet hätte. Schade.

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    MikkaGs avatar
    MikkaGvor einem Jahr
    Nach Hause möchte ich.

    Der Titel des Buches könnte nicht perfekter zum Inhalt passen.
    Flugschnee ist nämlich ein ganz besonders feiner Schnee. Doch was so zauberhaft und harmlos klingt, kann den Schutz eines vermeintlich sicheren Daches heimtückisch unterwandern: die winzigen Eiskristalle werden bei starkem Wind noch durch die kleinste Ritze geweht, was mitunter zu gravierenden Schmelzwasserschäden führt.
    Der Schnee ist ein Leitmotiv dieses Buches, das sich über mehrere Generationen einer Familiengeschichte erstreckt, erzählt aus verschiedenen Perspektiven, die sich nach und nach zu einem Gesamtbild zusammensetzen. Denn auf den ersten Blick erscheint diese Familie wie ein sicheres Gebäude, das die Unbilden schwieriger, sogar grausamer Zeiten in gemeinschaftlichem Zusammenhalt übersteht – doch wird mit jeder Seite klarer: Geheimnisse, Ungesagtes, halb Vergessenes, das sind die Ritzen, durch die das Unglück hereingeweht wird.
    Meist wird dieses Leitmotiv von der Autorin wunderbar eingesetzt, manchmal empfand ich die Methaphorik jedoch als etwas zu forciert: so wird mehrmals betont, dass die Großeltern versuchen, die durch den Flugschnee an ihrem Haus entstandenen Schäden einfach zu ignorieren, als müsste man einem begriffsstutzigen Leser noch einmal deutlich vor Augen führen, wie es um diese Familie steht.
    Denn deren Konstrukt gerät in der jüngsten Generation nun endgültig ins Wanken, seit der Sohn, Simon, spurlos verschwunden ist. Einen Großteil der Geschichte sieht der Leser durch die Augen seiner Schwester Lucy, die seit vielen Jahren den immer gleichen Schneetraum träumt: einen wiederkehrenden Albtraum, den sie sich selbst nicht erklären kann, dessen Ursprung aber möglicherweise das in Gang gesetzt hat, was letztendlich zu Simons Verschwinden führte.
    "Weihnachten wird kommen. Das Wort ist wie ein schriller Ton. Es schmerzt in den Ohren.Mein Herz schlägt so, dass ich die Hand drauflege.Ich summe und singe idiotischerweise:Happybirthdaytoyou.Als Kind hat das geholfen, manchmal.Ansingen und Summen gegen etwas, das irgendwie falsch ist. Happybirthdayhappybirthdayhappybirthdaytoooyouuuuu."(Zitat)
    Birgit Müller-Wieland erzählt eine Geschichte, in der das Unglück nicht als großes Drama auftritt, sondern leise und schleichend. Dennoch kann man sich dem als Leser immer weniger entziehen, denn die Art und Weise, wie sie es erzählt, ist wunderbar konstruiert und erzeugt dadurch seine ganz eigene Spannung. Vieles von dem, was diese Familie erlebt, findet sich so oder so ähnlich auch in der Geschichte unzähliger anderer Familien, und dennoch ist das Mosaik, das entsteht, durch und durch originell.
    Ich musste mehr als einmal an ein Zitat aus Tolstoys 'Anna Karenina' denken: "Alle glücklichen Familien gleichen einander. Jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Art unglücklich."
    Die Charaktere sind in meinen Augen bestechend lebensecht, obwohl man immer nur Fragmente aus ihrem Leben zu sehen bekommt. Die Autorin hat ein Gespür dafür, eine enorme Komplexität mit dem zu erreichen, was sie zwischen den Zeilen mitteilt. Und so stellt man irgendwann fest, dass das Buch eine Vielzahl von Themen vermittelt hat: nicht nur Generationenkonflikte und Familiengeheimnisse, sondern zum Beispiel auch Gedanken über Demenz, Abtreibung und die epigenetische Trauma-Vererbung.
    "Nach Hause möchte ich." (Zitat)
    Der Schlüssel zu allem, was geschieht, liegt in Lucys Traum(a), beziehungsweise dessen Ursache. Und hier hat das Buch mich sehr enttäuscht, denn die Auflösung erschien mir fast schon banal, die Ereignisse zusammenhaltslos – womöglich wurden aber für mein Empfinden am Schluss einfach zu viele Dinge noch schnell abgehandelt. Überhaupt sind die so sorgsam gehüteten Geheimnisse der verschiedenen Familienmitglieder zum Teil deutlich weniger bedeutungsschwer als erwartet.
    "Überall war es weiß, als ich aufblickte, makellos weiß, eine Art grundloses Existieren – es zog einen Schmerz nach sich. Der Schmerz war wie etwas, das ich einmal gekannt aber irgendwann vergessen hatte.Weißweißweiß.War es Licht?War es Farbe? Der Satz blieb."(Zitat)
    Der Schreibstil hat viele magische Momente, in denen er, ruhig und schwerelos, eine ungeheure sprachliche Schönheit entwickelt.  Allerdings ist es hier ähnlich wie mit dem Leitmotiv: manchmal wirkten Formulierungen auf mich etwas überstrapaziert, und dann verlor sich für mich jeglicher Zauber. 
    Fazit: Birgit Müller-Wieland erzählt die Geschichte einer Familie, die auf leise Art und Weise unglücklich ist und das selber nicht gänzlich realisiert. Das Buch springt zwischen Zeiten und Perspektiven, und dabei kristallisiert sich langsam heraus, dass hier nicht nur Familienporträts und Haarfarben vererbt wurden, sondern auch Traumata und Geheimnisse.
    Oft fand ich das großartig, über weite Strecken spannend und gekonnt erzählt – manchmal aber auch zu gewollt und im Endeffekt enttäuschend aufgelöst. Alles in allem ein Buch, das ich interessant fand, das mich aber nicht bis zu Schluss überzeugen konnte. 

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    miss_mesmerizeds avatar
    miss_mesmerizedvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Bemerkenswert konstruiert, entwickelt einen Sog, der einem nicht mehr loslässt.
    Birgit Müller-Wieland - Flugschnee

    Eine Familie voller Geheimnisse, die alle an einem Tag zwanzig Jahre zuvor plötzlich offenlagen, einem Tag mit Schneefall, ein Tag voller Freude für die Kinder und voller Schrecken für die Erwachsenen. Das Verschwinden ihres Bruders Simon lässt Lucy zurückdenken an jenen Tag, an dem seltsame Besucher das Haus ihrer Großeltern aufsuchten. Helene, die Großmutter, schon von Demenz gezeichnet, aber in manchen Momenten doch klar in der Erinnerung an das, was in den Kriegstagen geschah, als sie noch ein Kind war. Lorenz, der seine Frau mit Sorge beobachtet und immer wieder in seinem eigenen Haus an der Galerie der Bilder vorbeigeht und so manches nicht versteht, was er und Helene damals erlebten. Arnold, Lucys und Simons Vater, der beruflich hadert und eine Entscheidung bezüglich eines Geheimnisses treffen muss, von dem er zufällig Kenntnis erlangte. Vera, die Mutter, die wegen anhaltender Übelkeit nicht direkt mitkam zu den Großeltern, doch sie hat sich nicht nur den Magen verstimmt. Was sie an diesem Tag wirklich bewegte, wird sie erst Jahre später offenbaren. Und dann kommen die Besucher mit einem Erinnerungsstück.

    Es schneit an dem unheilvollen Tag, sogenannter Flugschnee, der besonders fein ist und dadurch auch ins Haus eindringen kann. Ähnlich wie dieser feine Schnee, der nicht durch seine Masse unmittelbar erdrückt, sondern leicht ist und hübsch anzusehen, in seiner Konsequenz aber schwere Folgen haben kann, so sind auch die Geheimnisse und Erinnerungen der Figuren. Sie können sie über Jahre verdrängen, ignorieren, doch sie sind da und beharrlich dringen sie ein, bis der Schaden offenkundig wird. Schnee ist kalt, bietet keine Wärme, ist man ihm schutzlos ausgeliefert, kann er töten. Dieses Bild begleitet den Roman, ebenso wie Lucys Erinnerungen an ihren Bruder, ihre Familie und ähnlich wie beim Schneetreiben ist auch ihr Blick noch getrübt und erlaubt keine klare Sicht auf die Vergangenheit und die Zukunft:
    „Diese Weihnachten, damals.
    Ich weiß vom Schnee, und daß danach nichts mehr war wie zuvor.
    Weiß ich das wirklich? Oder haben sich Gefühle von anderen – deine oder die unserer Eltern, Großeltern – in meinen Kopf gelegt und geben sich als meine aus?
    Oder werde ich einfach ein bißchen wahnsinnig?“


    Der Roman ist nicht mit einem großen Spannungsbogen aufgebaut, auch wenn zu Beginn schon das Verschwinden Simons thematisiert wird und man sich fragt, was geschehen sein mag, lebt er nicht von dieser übergreifenden Frage. Dennoch schafft die Autorin einen Sog, der einem weiterlesen lässt; je mehr man von den Figuren erfährt, desto mehr will man über sie und ihre Vergangenheit und ihre Geheimnisse wissen. Trotz des unaufgeregten Tons, der fehlenden dramatischen Ereignisse, die die Handlung voranpeitschen würden, wird man mitgerissen von dieser Familiengeschichte. Doch ebenso wie Lucy muss sich auch der Leser fragen, ob er, trotz der Kenntnis um viele ihrer Geheimnisse, wirklich hinter ihre Fassaden blicken kann:
    „Aber das Bohrende blieb: Die Frage, wer du eigentlich bist.
    Ob wir je etwas von dir gewußt haben.
    Was das für ein Mensch war, der neben uns gelebt und so viel vor uns verborgen hatte.“

    Diese Frage muss man sich auch in der eigenen Welt stellen. Was weiß an von den Menschen der eigenen Familie? Welche Dinge tragen sie in sich, verborgen vor den anderen? Die sie bewegten und immer noch bewegen und die lange unter der Oberfläche verborgen bleiben. Birgit Mülle-Wielands Roman stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2017, was diese Geschichte mit dem unscheinbaren Cover, das doch ganz hervorragend gewählt ist, sowohl aufgrund der Konstruktion wie auch der sprachlichen Umsetzung vollends verdient hat. 

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    Geliss avatar
    Gelisvor einem Jahr
    Wie ein Mosaik im Schneegestöber

    Simon ist verschwunden und seine Schwester Lucy taucht in ihre Gedankenwelt ein, erinnert sich an den Winter im Schnee bei den Großeltern. Der Winter in der Kindheit, von dem Simon ihr erzählen wollte, der wohl der Auslöser für sein Verschwinden bedeutet.
    Nicht nur Lucy erzählt diese Geschichte, auch ihre Großeltern und Eltern kommen zu Wort und gewähren Einblick in ihre Gedanken und Erinnerungen. Stück für Stück ergänzt sich das Mosaikbild ihrer Familiengeschichte, das bis zuletzt wie durch Schneegestöber betrachtet, verbleibt - ganz klar wird das Bild auch am Schluss nicht, aber man kann doch einiges erkennen.
    Die Erzählweise ist ungewöhnlich. Bei vielen Büchern weiß man als Leser mehr als die Protagonisten. Hier tappt man wie Lucy im Dunkeln und so wie sie ihre Erinnerung an damals bruchstückweise wiederfindet, entdeckt man als Leser die Geschichte ihrer Familie. Dadurch, dass man lange nicht erkennen kann, worauf die Geschichte hinläuft, war mein Einstieg etwas holprig. Später hat es mich dann aber doch gepackt und ich konnte das Buch nicht mehr weglegen, weil ich unbedingt wissen wollte, was sich hinter allem verbirgt. Vom Ende war ich etwas enttäuscht, ich hätte mir da ein klareres Bild gewünscht, es passt allerdings zum Rest der Geschichte und der Erzählweise.

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    yellowdogs avatar
    yellowdogvor einem Jahr
    Erinnerungsbilder aus Flugschnee

    Ein junger Mann namens Simon ist spurlos verschwunden! Ein Schock für seine Schwester Lucy und seine Eltern Arnold und Vera.

    Schon ganz zu Beginn fällt am Roman die Sprache auf. Ein inneres Zwiegespräch der Protagonistin mit dem verschwundenen Bruder, Erinnerungsarbeit an die gemeinsamen Erlebnisse der Vergangenheit. Eine Bewusstseinsdarstellung, die den Schmerz des Verlustes darstellt, aber auch die Ungewissheit und die Angst, dass es einen Suizid gab. Oder ist Simon nur untergetaucht? Was sind seine Beweggründe?

    Diese Kapitel in Berlin wechseln sich mit anderen Handlungsebenen der Vergangenheit ab, z.B. 20 Jahre zuvor in Hamburg mit dem schon älteren Lorenz. Er ist Lucys und Simons Großvater.

    Es gibt auch einige Kindheitsszenen mit Simon und Lucy. Aus dem ganzen entsteht eine komplexe Familiengeschichte.

    Bemerkenswert, wie auch die Literatur im Text eingesetzt wird: Das Berlinbuch “Die Ästhetik des Widerstands” von Peter Weiß, Novalis und die schwedische Schriftstellerin Karin Boye. Das trägt bei, den hohen Ton des Romans zu unterstützen.

    Wenn man sich die Definition von Flugschnee ansieht (sehr feiner Schnee, der bei stärkerem Wind entsteht und die Schneekristalle auch unter die Dachhaut oder die Dachziegel eines Hauses eindringen lässt.) kann man einen Zusammenhang zur Wirkung der Sprache von Birgit Müller-Wieland erkennen. Wie Flugschnee dringen die Erinnerungsbilder in Lucy.

    Das gilt jedenfalls für viele Passagen, aber es gibt auch einige, wo es nur leichten Schneefall gibt. Da wird die Geduld des Lesers auf die Probe gestellt.

    Aber die Geschichte braucht diesen Raum. Vorfälle der Vergangenheit werden langsam herausgearbeitet, die Zusammenhänge familiärer Probleme ergeben sich erst allmählich. Man muss sich nur gewiss sein, dass sich die Autorin Zeit lässt, dann ist das schon okay.

    Die Ernsthaftigkeit, die Birgit Müller-Wieland ihrer Sprache verleiht und wie sie mit ihr arbeite, ist bewundernswert.

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