Birgit Schwarz Geniewahn: Hitler und die Kunst

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Inhaltsangabe zu „Geniewahn: Hitler und die Kunst“ von Birgit Schwarz

Zu den folgenreichsten Eigenschaften Hitlers gehörte, dass er sich für ein Genie hielt. Übernommen hatte er die Genievorstellung bereits in seiner Jugend aus Künstlerbiographien des 19. Jahrhunderts. Nach seiner Ablehnung an der Wiener Akademie verinnerlichte er sie im Konzept des verkannten Künstlers. Das romantische Geniekonzept, das sich längst ideologisiert und mit nationalistischen, rassistischen und antisemitischen Inhalten aufgeladen hatte, bildete die Basis seiner Weltanschauung und Selbstkonzeption als „Führer“, Künstler-Politiker und Stratege. Künstlertum und Geniewahn erzeugten auch die Notwendigkeit der ständigen Selbstbestätigung und Selbstdarstellung als Kunstfreund und Mäzen und bildeten damit die Grundlage für die Kulturbesessenheit des Dritten Reiches. War die Architektur das Medium des NS-Staates, so dienten historische Gemälde Hitlers persönlicher Imagepflege. Erstmalig werden die Gemäldekollektionen in Hitlers Wohnungen und diversen Residenzen vorgestellt und ihre Bedeutung rekonstruiert, die die Hauptwerke für den Diktator hatten. Seinen Abgang aus der Geschichte plante Hitler als Kunstsammler und Stifter einer Gemäldegalerie. „Kriege“, so äußerte er 1942, „kommen und vergehen, was bleibt, sind einzig die Werke der Kultur.“ Aus dem Galerieprojekt bezog er psychische Energien, die den Zweiten Weltkrieg verlängerten und Millionen Leben kosteten.

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  • Rezension zu "Geniewahn: Hitler und die Kunst" von Birgit Schwarz

    Geniewahn: Hitler und die Kunst

    ChiefC

    07. August 2012 um 10:19

    Immer mal wieder taucht in der Flutwelle der Bücher über Hitler und das Dritte Reich ein Werk auf, das tatsächlich neue Erkenntnisse vermittelt. Birgit Schwarz’ „Geniewahn: Hitler und die Kunst“ gehört dazu. Zwar weiß jeder, dass Hitler gerne Maler geworden wäre, jedoch zweimal in Wien an der Aufnahmeprüfung scheiterte. Doch wie sehr dieser Wunsch sowie Hitlers Kunstverständnis sein Wesen und seine Politik prägten, hatte bis dato noch niemand so heraus gearbeitet. Dreh- und Angelpunkt ist dabei der Geniekult, der sich im 18. Jahrhundert entwickelte und dem Hitler bis zuletzt anhing. Er sah sich selbst als „verkanntes Genie“ und fokussierte unter anderem auch seine eigene Sammlertätigkeit teilweise auf Künstler, die, ebenso wie er selbst, von den Akademien verschmäht worden waren. Letzteren galt Hitlers unversöhnlicher Hass. Selbst in der Schlussphase des Krieges nahm sich Hitler immer noch reichlich Zeit, über die von ihm in Auftrag gegebenen Sammlungen und geplanten Museen, etwa in Linz, wo er seinen Lebensabend verbringen wollte, zu brüten. Auch in dieser Beschäftigung mit musischen Dingen neben allem Militärischen eiferte er seinem großen Vorbild Friedrich dem Großen nach. Viele Biografen haben Hitlers Kunstinteresse als reines Hobby abgetan und/oder Hitler als kompletten Dilettanten abgestempelt. Beides ist so nicht richtig, wie Schwarz akribisch nachweist. Oft beruhen solche Auffassungen auch auf Zeitzeugenberichten, die manchmal sogar bewusst falsch sind, wie im Falle Albert Speers, der, wie man heute weiß, über viele Dinge gelogen hat, um seine eigene Rolle besser darzustellen. Schwarz’ Buch gibt einen hervorragenden Überblick über Hitlers künstlerische Interessen. So gut es ging hat sie auch die Ausstattung mit Kunstwerken seiner privaten und offiziellen Räume rekonstruiert und illustriert. Einziger Kritikpunkt an dem doch so aufwändig ausgestatteten Buch: Das Lektorat hätte besser sein können. Es finden sich etliche Flüchtigkeitsfehler, manchmal auch falsche Bildzuordnungen. Dafür aber kann die Autorin, die übrigens brillant schreibt, jedoch nichts. Deshalb: fünf Punkte.

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