Birgit Vanderbeke Wer dann noch lachen kann

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Inhaltsangabe zu „Wer dann noch lachen kann“ von Birgit Vanderbeke

Am Anfang steht ein Autounfall. Sie überlebt, aber die Schmerzen wollen einfach nicht vergehen. Bis ihr eine Freundin die Telefonnummer eines gewissen Pierre Mounier anvertraut. Der habe schon einer Menge Leute geholfen, lass dich von ihm anschauen, sagt die Freundin. Die Behandlung dauert keine Stunde, und Monsieur Mounier verabschiedet sich heiter, ein weiterer Termin sei nicht nötig. Auf unbestimmte Weise scheint er mit ihr verbunden, wie eine Gestalt aus ihrer Vergangenheit. Beim Hinausgehen wirft sie einen beiläufigen Blick auf das Schild neben seiner Eingangstür, auf dem sich Mounier als Therapeut für Mikrokinesie ausweist, und plötzlich erinnert sie sich an ein Detail aus ihrer Kindheit: eine kleine Figur, mit der vergessene Geschichten, die sie erlebt oder gelesen hat, schmerzvoll zu ihr zurückkehren.
Birgit Vanderbekes Heldin sucht die Befreiung von ihrer Familie – und erkennt erst spät, dass Gewalt allgegenwärtig ist.

Sehr gut, viel besser als Sommer der Wildschweine.

— Godelewa

Es ist emotional, erdrückend, bedrückend, traurig, macht sprachlos und lässt den Leser nachdenklich zurück.

— Buchraettin

Ein Buch, das zu sprachlos machen kann, um es zu renzensieren. Ein Plädoyer für das Erinnern und das Aussprechen des Erinnerten. Grandios!

— Joachim_Tiele

Ein erschütterndes, beklemmendes und auch grandioses Werk über Gewalt, Schmerz und vor allem über das Schweigen.

— killmonotony

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  • Es ist emotional, erdrückend, bedrückend, traurig, macht sprachlos

    Wer dann noch lachen kann

    Buchraettin

    02. October 2017 um 08:23

    Es ist ein Buch mit einer Geschichte, die größtenteils aus der Sicht eines Kindes erzählt wird. Es ist keine Geschichte, die einen lachen lässt, sondern genau das Gegenteil. Es ist emotional, erdrückend, bedrückend, traurig, macht sprachlos und lässt den Leser nachdenklich zurück. Die Stimme eines Kindes, das von seiner Kindheit erzählt. Unsichtbare Begleiter, die eigenen Stimme als Erwachsene, die begleiten das Kind, trösten, geben Mut, geben Ratschläge. Dann die Erwachsenen, Nachbarn. Menschen, die nichts hören wollen, nicht zuhören, nicht hinsehen, schweigen. Die Perspektive wechselt auch immer mal in die Zeit, als dieses Kind erwachsenen ist. Nach einem Unfall hat sie Schmerzen. Sie besucht einen Therapeuten, der an den unsichtbaren Begleiter der Kindheit erinnert, der die Wunden der Kindheit erkennt. Mir hat hier die Umsetzung der Geschichte gefallen. Es gibt nicht diese detaillierten Szenen, in denen beschrieben wird, was genau vorfällt. Es gibt eher Andeutungen, aus denen aber deutlich wird, dass das Kind von den Eltern misshandelt wird. Die Mutter lässt dem Kind immer wieder Medikamente verschreiben, der Vater ist gewalttätig. Der Leser wird im Buch immer wieder direkt angesprochen. Der Leser wird aufgefordert nachzudenken, aufzupassen. Ich erhalte als Leser das Gefühl Teil der Geschichte zu werden.Mir hat auch der Stil des Buches gefallen. Ich lese als Leser zwischen den Zeilen. Ohne zu viele Detail, Brutalität. Es ist auch so intensiv genug und berührt den Leser in seinem Inneren. Die Gedanken des Kindes, seine Angst, seine Zweifel, seine Fragen, warum niemand sieht, hört, zuhört.Es ist ein kleines Büchlein mit einer intensiven Geschichte. Emotional, ergreifend, nachdenklich, erschütternd. Ich bin als Leser voller Mitleid mit dem Kind. Auch die Sicht als Erwachsene, dass sie die Erlebnisse des Kindes in sich trägt, das finde ich sehr gut dargestellt. Die Kindheit, die einen das ganze Leben begleitet. Die Kindheit, die das ganze Leben bestimmt, gerade wenn die Kindheit so verlief wie bei dieser Frau. Ein Buch, das den Leser mit einem Kloß im Hals zurücklässt.

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  • Statt einer Rezension.

    Wer dann noch lachen kann

    Joachim_Tiele

    06. September 2017 um 20:26

    Meistens entsprechen bei LovelyBooks die Inhaltsangaben zu Büchern dem Klappentext des gedruckten Buches. Bei diesem nicht. Daher sei er hier zitiert:'Es gibt nur einen einzigen Menschen, der auf Sie aufpassen kann. Das sind Sie.'Die Erzählerin geht zurück in ihre Kindheit. Der Vater ist gewalttätig, und die Mutter versucht, sie mit Medikamenten ruhigzustellen. Aufmerksam nimmt die Kleine die Schwingungen in ihrer Familie wahr und tröstet sich nachts in Gesprächen mit ihrem erwachsenen Ich, von dem sie liebevoll 'Karline' genannt wird. Als sie Jahrzehnte später nach einem Autounfall eine überraschende Schmerztherapie erfährt, fügen sich die Erinnerungen zu einer Geschichte. Eine Geschichte, die erzählt werden muss, weil sie nicht vorbei ist. Birgit Vanderbeke nähert sich literarisch ihrer eigenen Familiengeschichte. Mit raffiniertem Sprachwitz vereint sie in ihrem Schreiben erzählerische Klugheit und emotionale Schärfe. Liebes Lektorat bei Piper und manchen anderen Verlagen, die mit irreführenden Werbeaussagen auch LeserInnen ansprechen wollen, für die ein Buch nicht geschrieben ist: Manchmal muss man der Marketingabteilung einfach sagen: Klappe halten!  Das esoterische Wunderheilungsefasel der Inhaltsangabe, die so auch auf der Verlagswebseite steht, nützt dem Buch nicht. Wer es daraufhin kauft, kann leicht enttäuscht werden. Und wer sich von dem Hokuspokus der Verkaufsansprache abschrecken lässt, läuft Gefahr, ein wirklich großartiges literarisches Werk zu verpassen. My 50 cts.06.09.2017 - Joachim Tiele

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  • Der Mikrochinese

    Wer dann noch lachen kann

    Buecherschmaus

    04. September 2017 um 09:14

    „„Du wirst das erzählen“ hat der Mikrochinese gesagt.“ Dabei liegt er auf dem Leuchtglobus, der nicht leuchtet, weil die Glühbirne gleich am Anfang kaputt gegangen und von den Eltern nie ersetzt worden ist. Der steht neben dem Bett der kleinen Ich-Erzählerin. Der Mikrochinese ist ihr imaginierter Vertrauter und Ratgeber, genauso wie ihre „Altstimme“, ihre Stimme, die aus der Zukunft zu ihr spricht, ihr erwachsenes Ich verkörpert und ihr zumindest die Hoffnung gibt, „das hier“ zu überleben, irgendwie zu überstehen. Denn manchmal sieht es so aus, als würde die Grenze überschritten. Die Grenze, von der man weiß, „wenn sie da drüberrutschen, ist es zu Ende.“ „Das war ganz ähnlich wie bei der Kubakrise und dem Dritten Weltkrieg, und jetzt ist es wieder so mit allem, was die Menschen mit der Erde machen.“Die Grenze, die die namenlose Ich-Erzählerin (ihre Altstimme nennt sie Karline) fürchtet, ist die Grenze der Gewalt, der „väterlichen Hand“. Es ist der Vater, der seine verträumte, unruhige, rastlose Tochter immer wieder mit äußerster Brutalität körperlich züchtigt. Verstörend ist es, zu hören, wie der Vater sie nicht nur aufs übelste beschimpft, sondern sie oft derart verprügelt und misshandelt, dass sie um ihr Leben fürchtet. „Ich mochte es nicht, wenn das Blut an mir trocknete und klebrig wurde, weil die Haut unter der Blutschicht sich dann nicht mehr anfühlte wie Haut und sich auch nicht mehr normal bewegen ließ. normalerweise merkt man gar nicht, wie die Haut sich bewegt. Das ist genau wie beim Atmen. Man merkt gar nicht, dass man atmet. bis man plötzlich unter Wasser gedrückt wird oder ein Kissen aufs Gesicht kriegt.“Verstörend vor allem, weil die Schilderungen so lapidar daherkommen. Es ist „nicht der Rede wert“ oder sie hatte „in dieser Sache ein bisschen Pech“. Es ist der naive Blick des Kindes, der in einfachen Sätzen, aber umso eindringlicher seine Lage analysiert, sie oft sogar relativiert, denn „Meine Eltern sind nicht vor meinen Augen verhungert oder ertrunken, ich war nicht ohne Bett und ohne Dach über dem Kopf (…), es geht uns gut.“ Das eigene Elend zu relativieren, um zu überleben. Es ist aber eigentlich nicht das Kind, das hier von seinem Elend in der nach außen tadellosen Familie zu Beginn der 60er Jahre mit Eigenheim, Zweitwagen und in der Pharmabranche erfolgreichem Vater erzählt, sondern die erwachsene Frau, die durch ein Schlüsselerlebnis eindringlich an diesen nie verarbeiteten Lebensabschnitt erinnert wird. Nach einem Autounfall leidet sie noch sehr lange an furchtbaren Schmerzen, die nicht therapierbar, ja nicht einmal genau diagnostizierbar sind. Die Ärzte sind ratlos, eine Freundin rät ihr den Besuch bei einem Therapeuten. Ein wenig Handauflegen, ein paar harmlose Fragen und ein Déja-vu: „In meinem Hirn tat es einen elektrischen Schlag.“„Das ist nicht vergangen“ und „Wer dann noch lachen kann, der kann lachen.“Sprach so nicht auch der Mikrochinese, der alte Vertraute aus schlimmen Kindertagen. Monsieur Mounier nun praktiziert Mikrokinesie (!). Er ist der Auslöser dafür, dass sich für die Ich-Erzählerin ein Fenster in ihre verdrängte Vergangenheit öffnet, sie sich an all die Dinge erinnert, den schlagenden Vater; die Mutter, die ihn immer wieder zu den Bestrafungen aufforderte, dabei das Radio in der Küche laut aufdrehte, die ihre Tochter mit Medikamenten ruhigzustellen versuchte; die Nachbarn und Lehrer, die all die Zeichen nicht sehen wollten. Niemand der dem Kind zu Hilfe kam. Aber auch die eigene Ohnmacht. „In all den Jahren ist mir nichts eingefallen, was ein Kind dagegen machen kann, weil es wahrscheinlich überhaupt nichts gibt, was es dagegen machen könnte.“Auch ihrem Mann Gianni kann sie sich plötzlich mehr öffnen, zum ersten Mal Dinge ansprechen, die sie noch niemandem erzählt hat, ja, vor sich selbst verschlossen hat. Der Frauenarztbesuch, bei dem die Mutter den Arzt dazu nötigte, ihrer zehnjährigen Tochter die Minipille zu verschreiben. Was das mit dem Vater, der seinem „Augenstern“ das Lied „Reich mir die Hand mein Leben“ pfiff, zu tun hat, wird nur angedeutet. Auch bei Gianni dauert es eine Weile, bis „der Groschen fiel“. Überhaupt wird Birgit Vanderbeke selten explizit. Sie deutet an, überlässt es dem Leser, Schlüsse daraus zu ziehen. Ihre erwachsene Erzählstimme nähert sich der kindlichen dabei in den erinnerten Szenen fast unwillkürlich an. Sie ist wieder gefangen in der damaligen Hilflosigkeit. Aber sie erkennt, dass man „ohne Erinnern nicht in die Zukunft schauen“ kann. Heilung liegt für sie im Aussprechen. Wie ihr der Mikrochinese gesagt hat, sie wird es erzählen. Im Bewusstwerden, im Erzählen, im Niederschreiben liegt die Hoffnung auf Befreiung von der Last der Kindheit. Wie der Onkel Winkelmann, der Zimmergenosse im Flüchtlingsheim, immer sagte: Man muss wachsam sein und aufpassen und genau hinschauen, auch wenn es einem den Magen umdreht. Und dann soll man das Maul aufmachen. Das ist eine der Erkenntnisse, die im Buch immer wieder wiederholt werden, praktisch wie Lehrsätze immer wieder von der Erzählerin memoriert. Sie beziehen sich dabei explizit nicht nur auf Gewalt in den Familien, sondern auch gegen all die anderen Dinge, die in der Welt der Menschen so falsch laufen: Kriege, Umweltzerstörung, Vertreibung etc. „Wir haben die Verantwortung für unsere Kinder.Wir haben die Verantwortung in der Welt.“Das Bedrohliche ist in Birgit Vanderbekes Geschichte zu Beginn nur undeutlich zu spüren, das ganze Ausmaß der Gewalt wird erst am Schluss richtig deutlich, schraubt sich wie eine Spirale allmählich hoch, wenn sich die Erinnerungsscherben zu einem Mosaik zusammensetzen. Das zieht die Leserin in einen Sog hinein, dem man sich schwer entziehen kann. Oft ertappt sie sich, dass auch sie nicht mehr so genau hinschauen möchte, „obwohl es nicht mehr so weitergehen konnte“. Und tun wir das in unserem Alltag an so vielen Stellen nicht auch tatsächlich viel zu oft? Dass die Erzählerin ihren Peiniger, den Vater trotz allem irgendwie verteidigt (er erkennt das Stoppschild nicht), fühlt sich falsch an. Ist aber wohl nicht ungewöhnlich.Zurück bleibt eine tief erschütterte, nachdenkliche Leserin. So sollte das bei Literatur sein.

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  • Rezension: Wer dann noch lachen kann

    Wer dann noch lachen kann

    killmonotony

    23. August 2017 um 20:44

    Wow, was für ein Buch. Voller Wort- und Erzählgewalt erzählt Birgit Vanderbeke in ihrem Roman „Wer dann noch lachen kann“ von der eigentlich traumatisierenden Kindheit Karlines, die diese als „Pech“ bezeichnet. Karlines Vater schlägt sie grün und blau, obwohl er seine Tochte ja eigentlich nicht „kaputt schlagen“ möchte – manchmal erfordert es eben einfach die „väterliche Hand“, das sagt zumindest ihre Mutter, die bei solchen Episoden dann in die Küche geht und das Radio laut dreht. Ihre Mutter möchte die kleine Karline am liebsten auch mit allen möglichen Medikamenten ruhig stellen, um ihr jegliche Fantasie auszutreiben. Karline tut, was ein Kind in einer solchen Zeit tun muss: Sie flüchtet sich in Fantasiewelten. Dort hört sie eine tiefe Stimme, die ihre eigene sein muss. Daraus schließt sie, dass es für sie eine Zukunft geben muss. Also hält sie weiterhin die Züchtigung und das Vollstopfen mit Medikamenten aus und hofft auf bessere Zeiten. Als Karline eines Abends blutend in ihrem Bett aufwacht, entdeckt sie auf ihrem Nachttisch den Mikrochinesen, der zu dem Ganzen nur zu sagen hat: „Wer dann noch lachen kann“. Nicht, dass mein Vater mich tatsächlich kaputt geschlagen hätte, sonst wäre ich ja gestorben, aber ich wusste nie so ganz, ob er selber wusste, wann aus dem Schlagen Kaputtschlagen wurde. Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

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