Birte Jensen

 3.3 Sterne bei 4 Bewertungen

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Das Leben ist nicht extra small

Das Leben ist nicht extra small

 (4)
Erschienen am 01.07.2016

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HeLo23s avatar

Rezension zu "Das Leben ist nicht extra small" von Birte Jensen

Bewegend, traurig und sehr authentisch
HeLo23vor einem Monat

Ich finde es gut, dass es mittlerweile einige Bücher über Essstörungen gibt in denen Betroffene und ehemals Betroffene ihre Gefühle und Gedanken offen darlegen. Noch immer wird dieser Krankheit in der Gesellschaft viel zu wenig Beachtung geschenkt. Und das obwohl so viele junge Mädels und auch Burschen betroffen sind.

Leider ist es immer noch ein Tabuthema und wird häufig mit den Worten: "Ja, iss halt mehr" abgetan. Wenn das mal so einfach wäre!

Das Buch handelt von einem Mädchen namens Birte die beschließt eine Diät zu machen um ein paar Kilo abzunehmen. Wie so häufig, ein typischer Einstieg in die Anorexie. Sehr gut beschrieben werden immer wieder die Gedankengänge und auch die "Stimme" der Krankheit. Als ebenfalls Betroffene kann ich sehr viele Überlegungen und Argumente der "Stimme" nachvollziehen und mich gut reinversetzen. Leider...
Ich finden den Weg, den Birte gegangen ist und ihren Mut, den Kampf und die Willenskraft wirklich bemerkenswert. Auch toll ist der Rückhalt der Familie und der Freunde.

An manchen Stellen wiederholt es sich etwas, ich weiß zwar aus Erfahrung, dass es im wahren Leben auch so ist und es immer wieder Hochs und Tiefs gibt, im Buch fand ich es teilweise aber etwas zu häufig und "langgezogen".

Während des Lesens konnte man Birte immer besser kennenlernen und ich muss sagen sie wuchs mir irgendwie ans Herz. Ich finde es schön, dass Birte am Schluss eine gute Einstellung erlangt hat und hoffentlich inzwischen (noch immer) stark ist :) 


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Rezension zu "Das Leben ist nicht extra small" von Birte Jensen

Ein ernstes Thema
nana_fkbvor 2 Jahren

Magersucht ist meiner Meinung nach noch immer ein Thema, über das nur sehr wenig gesprochen wird. Erst, wenn es nicht mehr zu übersehen ist, wird das Thema angesprochen oder in den Medien darüber gesprochen. Dass der Ursprung viel tiefer sitzt und früh angegangen werden sollte, steht erst im Nachhinein zur Debatte.

Ähnlich war es auch bei Birte. Angefangen mit einer „normalen“ Diät, hat sie sich immer weiter reinziehen lassen in den Strudel des Kalorienzählens. Ihre Tage hat sie nach ihrem Sportprogramm strukturiert. Wenn dadurch die ein oder andere Mahlzeit ausfällt – umso besser. Freunde und Familie haben sie lange Zeit beobachtet, haben versucht, früh zu appellieren, sie zum Essen zu bringen. Doch Birte hat immer wieder einen Weg gefunden, ums Essen herum zu kommen. Und so ihre Familie und auch sich indirekt belogen.

Während des Lesens wird vor allem ihr innerer Konflikt sehr gut deutlich. Sie spricht immer wieder von ihren zwei Stimmen: die „Magersucht“-Stimme und ihre eigene Stimme. Mit der Zeit übernimmt die erste Stimme die Regie: Sie entscheidet wie wenig Birte nur noch essen darf, wie viel und wie oft sie Sport machen soll etc. Ihre eigene innere Stimme, die mit der Zeit merkt, dass es langsam gefährlich wird, wird immer leiser und wird immer wieder von der ersten Stimme übertönt. Die Magersucht und der Wunsch, etwas Besonderes / Einzigartiges zu werden, haben die Oberhand und lassen keine andere Stimme mehr zu. Egal, wie sehr Birte mit der Zeit dagegen ankämpft. Sie kann sich nicht behaupten gegen die Magersucht-Stimme, die ihr immer wieder sagt, wie viele Kalorien sie noch essen darf und ihr sehr deutlich macht, was für ein trauriger Fall sie ist, wenn sie doch mal zu viel isst.

Für mich als Leser ist es sehr schwer und emotional, diesen Prozess zu beobachten. Man wünscht dieser jungen Erwachsenen nur das Beste und hofft, dass sie bald sieht, wie Besonders und Einzigartig sie schon ist. Auch ohne weiter abzunehmen. Doch sie sieht das nicht so. Zumindest noch nicht.

Der Leser konnte also nach und nach ihre Entwicklung miterleben. Zwischendurch gab es immer wieder Momente wo man angenommen hat, dass sie es jetzt schafft, dass sie ihre Magersucht-Stimme ausblenden kann. Die Hoffnung hatten auch ihre Familie und Freunde und haben sie tatkräftig unterstützt. Doch dann kommt doch wieder ein Rückfall. Und noch einer..

Ihren Tiefpunkte hatte sie, als sie nur noch 45,9 kg gewogen hat. 45 kg wird als Grenze zur Lebensgefahr gesehen und die Betroffenen müssen in eine Klinik eingewiesen werden. Diesen Schritt wollte Birte aber nie gehen. Trotzdem brauchte sie einige Anläufe, um letztlich zu realisieren, was sie sich und ihrem Körper mit diesem Nahrungsverzicht antut. Nicht zu vergessen, was sie auch ihrer Familie damit antut. Sie hört ihre Mutter weinen, merkt wie verzweifelt ihre Eltern sind. Doch der Schritt, der ihnen das Leid zumindest teilweise nehmen würde, kann sie nur sehr schwer gehen.

Erst mit Hilfe eines Therapeuten schafft sie es, mit ihrer Magersucht-Stimme umzugehen. Sie lernt, mit dieser Stimme zu leben. Denn die Illusion, dass diese Stimme ganz verschwindet, konnte ihre der Therapeut nicht nehmen. Ein erster Rückschlag für sie. Doch trotzdem hat sie es mit der Zeit geschafft, die Stimme größtenteils zu ignorieren. Und wieder auf ihre eigene innere Stimme zu hören.

Das Buch ist wie ein Tagebuch geschrieben. Jeder Abschnitt hat ein Datum als Überschrift und wir erfahren etwas zum „heutigen“ Thema, welches Birte beschäftigt. Am Ende kommen dann noch ihre Mutter, ihre Freunde, ihr Tutor und der Therapeut zur Sprache. Hier erfahren wir vor allem, welche Vorwürfe sich die Personen machen. Die Frage, ob man früher hätte eingreifen müssen, wird von einigen gestellt. Es wird aber auch deutlich gemacht, dass jede magersüchtige Person anders mit der Magersucht umgeht. Eine Konfrontation kann nicht immer gut ausgehen. Bei Birte war es z.B. so, dass sie ihrer Freundin Meike erst von ihrer Situation erzählt hat, als diese sie direkt gefragt hat. Vorher hat sie Andeutungen abgetan oder ist nicht drauf eingegangen.

Alles in allem ein sehr bewegendes und emotionales Buch!

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