Björn Kuhligk Die Stille zwischen null und eins

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Inhaltsangabe zu „Die Stille zwischen null und eins“ von Björn Kuhligk

„Wenn Du Blätter siehst, die laufen / sagte der Sohn des Metzgers / sind es schnelle Ameisen“. In seinem neuen Gedichtband verlässt Björn Kuhligk die Großstadt und wendet sich der Natur zu. Selbstverständlich schreibt dieser für seine bewussten Stilbrüche und funkensprühenden Kurzschlüsse bekannte Dichter keine ungebrochene Naturlyrik, doch gestattet er sich hier einen ganz gelassenen und berührenden Ton: „Ich stand im Sand, sah / auf die Linie und telefonierte zwei, drei Möwen nach / ich war komplett“. Während Björn Kuhligk die Position des Menschen auf diesem Planeten auslotet, bleibt er wunderbar plastisch und erzählt auf engstem Raum Geschichten.

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  • Rezension zu "Die Stille zwischen null und eins: Gedichte" von Björn Kuhligk

    Die Stille zwischen null und eins
    jamal_tuschick

    jamal_tuschick

    03. February 2013 um 12:19

    KANADA IN DER KONSOLE Neue Gedichte von Björn Kuhligk Gedichte sind Zeichensetzungen. Jedes Komma gilt. Diese Striche am Sockel harter und bei den Sohlen butterweicher Buchstaben profitieren bis zur Promotion von ihren Stellungen. Leitende Angestellte in börsennotierten Betrieben stehen unmöglich besser da: als Kommas im Gedicht. Das fällt mir einmal wieder auf in Stillleben und anderen Stücken, die Björn Kuhligk in seinem neuen, von Hanser Berlin kuratierten Band „Die Stille zwischen null und eins“ ausstellt. Viel wie von fern Noch eine Tändelei? Noch mehr Plauderpoesie für den Bobo? Unwillkürlich fürchtet man sich davor bei jeder lyrischen Versammlung in der Zellenbrüderlichkeit einer Zeitgenossenschaft. Tändelei oder Artillerie: das bleibt sich gleich. Es wird aber auch keine Artillerie in Stellung gebracht von Kuhligk. Ich lese „Der Himmel, die Angst, das Meer“ in drei Wellen - und kriege Achim Reichels Sturmwarnung „Aloha Heja He“ zugespielt. Was will man mehr von Lyrik als ein Lied: „Der Idiot spielte am Abzug der Harpune“, das könnte auch von Reichel ein Vers sein. Viel wirkt wie von fern. Ein wiederkehrendes Wort ist „Feldstecher“. Die Gedichte ergeben einen Atlas mitunter - heißen sie „Nikosia“ „Palmen vereinzelt“ - und (am) „Bosporus“ brüllt Europa (einem Videotouristen ins Ohr) wie ein Stier so wenig beflissen. In „Bukarest“ bleibt ein Hund liegen. Ganz klar. Die Titel ziehen Transparente auf. Die Namen von Städten und Ländern und Landschaften öffnen Bögen wie in Bilderbüchern – und Alben frei von Schnappschüssen. Beinah jedes Stück geht über seinen Augenblick hinaus: „Wen wir schon vergessen hatten/ war der, … der die Sonne für eine Ampelphase hielt“. Manchmal hebt der Vorhang der Pupille sich aber nur für den Moment: „Die Gewehre im Anschlag/ Lagen wir noch tief im Gehölz/ Hinter uns drei Hirsche/ auf der Lade ...“. Das Gedicht „Urlaub in Kanada“ sieht wie Kino aus, so wie „Deer Hunter“ - der Dichter als De Niro. Richard Ford wird sich gleich hinter das Steuer „des gemieteten Pick-ups“ klemmen. In der Konsole „Kanada“ in einer Taschenbuchausgabe. Osmotische Beziehungen zwischen Sprach- und Realwelt, zwischen Echtzeit und Museum (Kuhligk spekuliert auf die Patina erschlaffter Wörter): da ist immer eine Geschichte, die einfach erzählt wird. Hintergeht man die lyrische Rhythmisierung, erkennt man ohne weiteres die Übergänge aus der Persönlichkeit des Gedichts in das Gesellschaftliche von Erzählungen. Man entdeckt Orte der kühlen Diktion. Sie heißen Spiekeroog und sind gut für jene minimalen Erschütterungen, die Gedichte auslösen können. - Dieses seismische Räuspern knapp unter einer Oberfläche.

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