Blaine Harden Flucht aus Lager 14: Die Geschichte des Shin Dong-hyuk, der im nordkoreanischen Gulag geboren wurde und entkam - Ein SPIEGEL-Buch

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Inhaltsangabe zu „Flucht aus Lager 14: Die Geschichte des Shin Dong-hyuk, der im nordkoreanischen Gulag geboren wurde und entkam - Ein SPIEGEL-Buch“ von Blaine Harden

Erschütternd und unvorstellbar

— catly

Schreckliche Zustände in nordkoreanischen Straflagern. Ich hatte Gänsehaut

— FraukeK

Hatte ich mir persönlich etwas mehr von erhofft. Aber man kann es Lesen.

— Ein LovelyBooks-Nutzer

Es ist schwer in Worte zu fassen, was dieses Buch bei einem hinterlässt.

— ErleseneBuecher

Wahnsinn, dass auf unserer Erde noch solche Zustände herrschen...

— Grappa

Schockiernde Erlebnisse aus dem Lager, mit hilfreichen Informationen über Nordkorea unterlegt.

— Einsamkeit

Ein uneineschränkt lesenswertes Buch. Null Bewertungen (Beachtung) außer mir. Ranwagen, es lohnt sich.

— menschhj
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  • Erschreckend!

    Flucht aus Lager 14: Die Geschichte des Shin Dong-hyuk, der im nordkoreanischen Gulag geboren wurde und entkam - Ein SPIEGEL-Buch

    catly

    16. September 2016 um 14:16

    Bei diesem Buch handelt es sich um einen detaillierten autobiografischen Bericht eines Nordkoreaners, der in einem der schlimmsten der von der Regierung verleugneten politischen Straflager geboren wurde und dem die Flucht gelungen ist.Das Buch ist allerdings nicht, wie anfangs erwartet, von ihm selbst, sondern von einem Journalisten geschrieben, welcher sich jahrelang mit diesem Thema beschäftigte.Das Buch ist sehr schonungslos und realistisch geschrieben. Der Autor berichtet auf Grundlage der Erzählungen des Flüchtlings von den strengen Lagerverhältnissen, die Hinrichtungen, Psychoterror und unmenschliche Bedingungen beinhalten. Jedes Kapitel befasst sich mit einem anderen Thema. Es werden die Erzählungen aus dem Lager und allgemeine Hintergrundinformationen über das Land (zum Beispiel über die anhaltende Hungersnot, die politischen Verhältnisse zu anderen Ländern, oder auch Steuerbetrüge um dem Diktator einen angemessenen Geburtstag zu verschaffen) verknüpft, was ich als sehr positiv empfunden habe, da man so einen sehr guten Einblick in das Land und seinen Unterdrückungsapparat bekommt. Dies hatte der Autor sich auch zum Ziel gesetzt.Auch den Einwand, dass manche Details vielleicht nicht ganz der Wahrheit entsprechen würden, da Flüchtlinge in einer schlechten finanziellen Situation wären und durch die "Gehirnwäsche" in Nordkorea oft Probleme haben Vertrauen aufzubauen, wird angesprochen. Allerdings hat man den Eindruck, dass der Autor alles ausführlich mit anderen Berichten und Erfahrungen abgeglichen hat und man so auf den Bericht vertrauen könnte. Sehr gut fand ich auch, dass der Autor auch Berichte und Erfahrungen von anderen geflüchteten Personen unterschiedlicher Stellungen und mit unterschiedlich langer Aufenthaltsdauer in diesem Land eingestreut hat. Auch den mehrmals angesprochenen Vergleich zu den Konzentrationslagern unter dem Nazi-Regime und auch die Anführungen, warum diese Lager in Nordkorea sogar noch schlimmer wären, fand ich gut, da zu den KZs ja doch etwas mehr Hintergrundinformationen und Erlebnisberichte bekannt sind.Viel Konzentration ist zum Lesen dieses Buches auf jeden Fall erforderlich, um die Fakten zu verstehen und alles miteinander verknüpfen zu können. Es wird ein nüchterner und sachlicher Schreibstil verwendet und die Sprache ist eher als anspruchsvoll einzustufen; es werden schon einige Fremdwörter verwendet.Am Ende des Buches sind noch einmal die Regeln, die im Lager gegolten hatten, so wie Karten vom Lager und von der Fluchtroute des Nordkoreaners angeführt, was ich so als Überblick auch positiv empfunden habe.Erschreckend war für mich auch der Einblick in das Denken der Nordkoreaner auch nach einer gelungenen Flucht. Zu diesem Thema wurden Studien und Zitate von Psychologen angeführt. Es ist für mich unvorstellbar, dass man eine ganze Bevölkerung langfristig so manipulieren und psychisch eigentlich langfristig schädigen kann.Diese Erzählung ist auch deshalb so einzigartig, weil sich Nordkorea vollkommen von allen anderen Ländern abschottet und nichts über die Zustände in seinem Inneren preisgeben will. Es ist ein Wunder, dass diesem Mann die Flucht gelang, genauso wie die Veröffentlichung dieses Berichts.  Meiner Meinung nach sollte dieses Buch eine Pflichtlektüre für jeden sein. Ich musste mir immer wieder ins Gewissen rufen, dass diese Zustände tatsächlich jetzt in diesem Moment herrschen, und das, obwohl durch zahlreiche Berichte von Flüchtlingen (auch wenn diese nicht unbedingt aus den Zwangslagern kommen) die schrecklichsten Dinge über dieses Land, das seine lächelnde, glatte Fassade trotz allem aufrecht erhalten kann und das nur selten am Bildschirm der allgemeinen Medien erscheint, bekannt sind.

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  • Ziemlich heftiger Lesestoff

    Flucht aus Lager 14: Die Geschichte des Shin Dong-hyuk, der im nordkoreanischen Gulag geboren wurde und entkam - Ein SPIEGEL-Buch

    FraukeK

    17. March 2016 um 12:12

    Bislang wusste ich kaum etwas über Nordkorea, das letzte kommunistische Land auf der Welt. Das Buch hat mir Abgründe aufgezeigt, die ich nicht einmal zu erahnen wagte. Flucht aus Lager 14: Die Geschichte des Shin Dong-hyuk, der im nordkoreanischen Gulag geboren wurde und entkam. So der komplette Titel auf Deutsch. Der Klappentext: Das diktatorisch regierte Nordkorea ist fast völlig isoliert, aggressiv und bettelarm. Und es hält rund 150.000 seiner Bürger in Lagern gefangen, die vergleichbar sind mit NS-Konzentrationslagern oder dem Gulag. Da die Lager seit Jahrzehnten existieren, gibt es inzwischen Tausende, die dort aufgewachsen sind. Einer von ihnen ist Shin Dong-hyuk. Blaine Harden erzählt die Geschichte des 1982 im sogenannten Lager 14 geborenen Shin, der bis zu seiner Flucht nie etwas anderes kennengelernt hatte als die grausame und primitive Lagerwelt. Menschlichkeit, Vertrauen, Wärme, Zuneigung und jegliche Errungenschaften der Zivilisation waren ihm unbekannt, Hunger, Misstrauen und brutale Züchtigungen hingegen Alltag. Shins Zeugenbericht gibt einen tiefen Einblick in die unmenschlichen Lebensverhältnisse, die in dieser Lagerhölle herrschen, und schildert das berührende Schicksal eines jungen Mannes, dem wie durch ein Wunder die Flucht in die Freiheit gelang. Der Klappentext alleine versprach schon ziemlich starken Tobak, aber beim Lesen der gut 250 Seiten musste ich stellenweise die Luft anhalten und mich fragen: Kann man einen jungen Mann verurteilen, der seine Mutter und seinen Bruder verraten hat, obwohl er wusste, dass er damit deren Todesurteil unterschrieb? Shin wurde in eine Welt hineingeboren, in der er nur die Grausamkeiten eine Strafgefangenenlagers kennen lernte. Nicht irgend ein Gefangenenlager, sondern eines der schlimmsten. Ein Lager für politisch Gefangene, die nach Meinung des Regimes nicht „umkehrbar“ sind. Mit vier Jahren erlebte er die erste öffentliche Hinrichtung und von da an war es an der Tagesordnung. Von klein an wurde ihm eingeprügelt, die Gesetze und Regeln im Lager zu verinnerlichen und alles andere mit dem Tode bestraft wurde. Das Stehlen von Essen – Todesstrafe. Liebe untereinander – Todesstrafe. Gedanke an Flucht – Todesstrafe. Nichtmelden von Fluchtplänen anderer – Todesstrafe und so fort! Es ist ein bewegender Lebensbericht eines jungen Mannes, der nur Grausamkeiten kennen lernte, in der für Mitgefühl kein Platz war. Ein Leben unter Demütigungen, Elend, Hunger, Verrat, Schlägen, Folter und Tod. Ein Leben in der er sich fragte warum seine Eltern ihm so etwas antaten, warum er in eine solche Welt hinein geboren wurde. Ein Buch, das betroffen macht und gnadenlos aufzeigt, wie menschenverachtend das Regime in Nordkorea ist. Absolute Leseempfehlung!

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  • Zehn Gesetze, Denunzieren & Hunger

    Flucht aus Lager 14: Die Geschichte des Shin Dong-hyuk, der im nordkoreanischen Gulag geboren wurde und entkam - Ein SPIEGEL-Buch

    ErleseneBuecher

    Es ist schwer in Worte zu fassen, was dieses Buch bei einem hinterlässt. Es wirkt zu Beginn so unecht, unwirklich, da man es nicht begreifen kann. Es ist gerade zu Beginn so erschreckend nüchtern geschrieben, ohne Gefühle. Aber genau das ist es ja, wie Shin in dem Lager groß geworden ist – ohne Gefühle. Ich habe schon viele Bücher über Konzentrationslager aus dem 2. Weltkrieg gelesen. Das Grauen, von welchem dort berichtet wird, geht einem durch Mark und Bein, man kann kaum atmen. Diese Einzelschicksale lassen einen nicht kalt. Ganz normale Leute werden plötzlich aus ihrem Leben gerissen, verlieren alles, was ihnen lieb und teuer ist und werden erniedrigt und gefoltert. Man kann es (ansatzweise) nachvollziehen, was diese Menschen durchmachen. Aber in diesem Fall, bei diesem Buch, kann es keiner nachvollziehen, da Shin schon so aufgewachsen ist. Er hat nichts verloren, da er nie etwas besessen hat. Er konnte nicht um seine Mutter weinen, da er nicht wusste, was Liebe ist. Wenn das alles irgendwie bewusst wird, durchläuft es einem eiskalt! Nordkorea ist eines der absurdesten, erschreckendsten und unfassbarsten Länder der Welt. Es sollte gerade momentan jedem klar sein, was die Bevölkerung da gerade durchmacht und was für machthungrige, gefühlskalte und dumme Menschen dort an der Macht sind. Das Thema darf nicht wieder unter den Tisch fallen. Gerade solche Bücher, wie dieses hier, sollten gelesen werden und Bewusstsein schaffen. Das Deprimierendste an dem Buch ist, dass es kein Happy End gibt. Klar ist Shin die Flucht gelungen und er ist dem äußeren Martyrium entkommen, aber innerlich lässt es einen ja nicht plötzlich los. Es wird noch ein langer Weg… Bewertung: 5 von 5 Punkten

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    • 2

    Arun

    22. April 2014 um 23:50
  • Emotionaler Einblick in ein bewegstes Leben

    Flucht aus Lager 14: Die Geschichte des Shin Dong-hyuk, der im nordkoreanischen Gulag geboren wurde und entkam - Ein SPIEGEL-Buch

    Rebel_Heart

    19. September 2013 um 19:51

    Oh man, ich glaube, dass ist das erste Mal, dass ich gar nicht genau weiss, was ich bei einem Buch schreiben soll, wie ich am besten beschreiben soll, was in mir vorgeht. Die Geschichte des Shin Dong-hyuk hat weltweit für Furore gesorgt und vermutlich nicht nur bei mir einen kleinen bleiben Eindruck hinterlassen.   Shin wurde 1982 im sogenannten Lager 14 geboren. Jahrelang kannte er nichts anderes als das Leben dort, als die grausame und primitive Lagerwelt. Schon früh wurde ihm eingebläut, dass Gefühle nicht erwünscht sind, dass es völlig normal ist, wenn ein Lehrer seine 6jährige Schülerin mit dem Rohrstock totprügelt, weil sie ein paar Maiskörner in ihrer Tasche hatte. Gezeugt wurde er im Lager 14 durch eine sogenannte Belohungsehe, seine Kindheit verlief in Bahnen, wie wir sie hier vermutlich nie erleben werden, wie sie keiner von uns nachvollziehen kann. Die Aufseher in dem Gefängnis könnten brutaler nicht sein, was nicht nur Shin am eigenen Leib zu spüren bekommt. Obwohl er selbst derjenige ist, der die Fluchtpläne seiner Mutter und seines Bruders an dieWärter verrät, wird er noch brutal dafür gefoltert und muss letztendlich sogar die Hinrichtung der beiden hautnah aus der ersten Reihe mitansehen. Gefühlt hat er dabei gar nichts,  immerhin sind im Gefühle aller Art vollkommen fremd. Erst als er Park kennenlernt, reift ihm in das Verlangen, die Welt ausserhalbdes Lagers kennenzulernen und mit Parks Hilfe gelingt ihm das schier unfassbare: Die Flucht aus Lager 14. Gemeinsam mit Shin selbst hat der Autor ein Buch geschaffen, welches zum Nachdenken anregt. Zum Nachdenken darüber, wie gut wir es letztendlich eigentlich haben und wir hart das Regime in Korea tatsächlich war und noch immer ist, denn solche Lager existieren noch immer. Oft genug wusste ich während des Lesens einfach nicht, was ich wirklich denken sollte, wie ich an Shin's Stelle all das verarbeitet hätte. Ich glaube, vielen von uns ist gar nicht bewusst, dass solche Lager in Korea bis zum heutigen Tage noch immer existieren und vielleicht kann dieser Erfahrungsbericht sogar das eine oder andere Auge ein bisschen weiter öffnen, diese "Gleichgültigkeit", die nicht nur in Korea herrscht, ein wenig.. mildern. Ein Buch, welches mich mit gemischten Gefühlen zurücklässt und seine 5 von 5 Sonnenblumen doch verdient hat, wobei ich finde, dass man solche Bücher nicht anhand von Sternen oder Sonnenblumen bewerten sollte.

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  • eine unglaubliche Geschichte: Nordkorea - Das größte Gefängnis auf Erden...

    Flucht aus Lager 14: Die Geschichte des Shin Dong-hyuk, der im nordkoreanischen Gulag geboren wurde und entkam - Ein SPIEGEL-Buch

    itwt69

    18. May 2013 um 10:02

    Das Buch schildert die Zustände im Lager selbst, in Nordkorea, in China, wo viele Tausend Flüchtlinge stranden und natürlich in Südkorea, wo jeder Nordkoreaner erst einmal Starthilfe bekommt. Da die meisten aber derart traumatisiert sind, können viele nicht auf die eigenen Füße kommen. Falls auch nur ein Bruchteil der geschilderten Ereignisse stimmen sollte, so ist das mit menschlichem Verstand kaum zu begreifen. Innerhalb der Lager herrschen Zustände, die man mit unmenschlich noch sehr schmeichelhaft bezeichnen kann. Unfassbar, dass sich ein Volk seit so langer Zeit von einer Herrscherdynastie dermaßen unterdrücken lässt, vor allem mit dem Hintergrund der immer wieder ausbrechenden Hungersnöte. Aktuell ist die Thematik natürlich auch durch die atomaren Drohgebärden des neuen "Führers". Wenn die Herrschenden eines Tages mal in Bedrängnis kommen sollten, dann könnte es höchst gefährlich werden. interessant ist auch die Tatsache, das in Südkorea kaum jemand Notiz davon nimmt und der eigene Reichtum im Vordergrund steht. Eine Wiedervereinigung sehen die meisten sehr kritisch, da diese gewaltige wirtschaftliche kosten für Südkorea nach sich ziehen würden.

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  • Rezension zu "Flucht aus Lager 14: Die Geschichte des Shin Dong-hyuk, der im nordkoreanischen Gulag geboren wurde und entkam - Ein SPIEGEL-Buch" von Blaine Harden

    Flucht aus Lager 14: Die Geschichte des Shin Dong-hyuk, der im nordkoreanischen Gulag geboren wurde und entkam - Ein SPIEGEL-Buch

    ghostlight

    24. February 2013 um 11:28

    Dieses Buch möchte ich hiermit allen ans Herz legen, die sich für das aktuelle Weltgeschehen interessieren. Flucht aus Lager 14 ist ein wertvoller und informativer Zeugenbericht eines Nordkoreaners über die Existenz der Zwangsarbeiterlager, welchen noch mehr globale Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. Das Buch bietet einen guten Einblick in ein Land, welches sich durch eine despotische Regierung, eine katastrophale Wirtschaft und die permanente Missachtung jeglicher Menschenrechte auszeichnet. Verfasst wurde es von dem amerikanischen Journalisten Blaine Harden, der die Lebensgeschichte des Nordkoreaners Shin Dong-hyuk erzählt. Zum Inhalt: Shin Dong-hyuk kam 1982 im Lager 14 zur Welt. Hier wuchs er auf, abgeschottet von der Außenwelt, umgeben von einem Hochspannungszaun und unter strengster Bewachung durch rücksichtlose, gewalttätige Wärter. Im ersten Teil des Buches wird beschrieben, welche Erfahrungen Shin in seiner Kindheit und im Jugendalter macht und wie der Arbeitsalltag der Häftlinge strukturiert ist. Die Erzählungen werden immer wieder von gut recherchierten Fakten zu den einzelnen Themen, wie bspw. das Lagersystem, die Regierung und das Militär, ergänzt. Das Zwangsarbeiterlager Nr. 14 ist ein „Bezirk unter absolute Kontrolle“ mit besonders brutalen Arbeitsbedingungen. Hier führen verschiedene Faktoren wie Krankheiten, Hunger und vor allem die schwere Arbeit in Fabriken, Bergwerken oder landwirtschaftlichen Betrieben in der Regel zu einem vorzeitigen Tod der Häftlinge. Ohne, dass jemals eine Anklage oder ein Gerichtsverfahren stattfindet. Nur die Wenigsten werden wieder in die Freiheit entlassen. Die Existenz dieser Arbeitslager nördlich der Hauptstadt Pjöngjang wird von der nordkoreanischen Regierung allerdings dementiert. Doch diese sind mittels Google-Earth innerhalb der zerklüfteten Berge Nordkoreas sehr gut erkennbar. Schätzungsweise 150 000 bis 200 000 Gefangene leben in diesen Lagern, ihre Zahl ist steigend. Shins Eltern lernten sich im Lager kennen. Beide wurden gefangen genommen, nachdem Angehörige bei ihren Fluchtplänen aus dem Land aufgeflogen waren. Ein „normales“ Familienleben kennt Shin zu jener Zeit nicht. In seiner Mutter sieht Shin lediglich eine Konkurrentin im täglichen Kampf um ausreichend Essen. Sein Vater schenkt ihm keinerlei Aufmerksamkeit und sein Bruder bleibt ihm nahezu unbekannt. Aufgrund dessen ist ihm die Bedeutung der Wörter „Liebe“, „Mitgefühl“ und „Familie“ völlig unbekannt. Ebenso das Wissen um eine Welt außerhalb des Lagers. Die Schule, welche er besucht, dient nur dazu, die Kinder mittels Gehirnwäsche zu fleißigen Arbeitersklaven zu machen. Die Gefangenen untereinander befinden sich im ständigen Misstrauen, gegenseitiger Denunziation und Misshandlung. Doch Shin akzeptiert die Werte, Regeln und drakonischen Strafen der Wärter, sie sind sein Zuhause. Die harte Arbeit unter menschenunwürdigen Bedingungen gehört zum normalen Alltag der Kinder und Erwachsenen. Eine besonders einprägsame Erfahrung ist für Shin der Tag, an dem seine Mutter und sein Bruder in seinem Beisein ermordet werden. Dieser Vorfall und die Gründe hierfür verfolgen Shin noch heute. In der langen Zeit der Gefangenschaft entkommt Shin oftmals nur knapp dem Tod. Im Alter von 23 Jahren gelingt Shin durch großes Glück die Flucht. Und bis heute ist er der Einzige, dem die Flucht aus Lager 14 gelang, da es sich um das am stärksten bewachte Lager handelt. Erst im Jahr 2004 dachte Shin das erste Mal überhaupt daran, zu fliehen. Ein neuer Häftling, Park Yong Chul, schaffte es, mit seinen Erzählungen von der Welt außerhalb des Lagers Shin zu beeindrucken. "Plötzlich verstand er, wo er war und was ihm fehlte. Das Lager 14 war nicht länger sein Zuhause. Es war ein scheußlicher Käfig." (S. 139) Die zweite Hälfte des Buches handelt schließlich davon, wie sich Shin in den folgenden Monaten bis nach China und Südkorea durchschlug - und was in den Jahren nach seiner Flucht geschah. Meine Meinung zum Buch: Der Erfahrungsbericht hat mich sehr gefesselt. Die Schilderungen des jungen Shin Dong-hyuk haben mich sowohl traurig als auch wütend gemacht, während des Lesens schüttelte ich oft den Kopf, schockiert von den zahllosen unfassbaren Vorkommnisse wie Folter und Quälerei, sexuellem Missbrauch und weiteren unmenschlichen Bedingungen in diesen Arbeitslagern. Es ist kein Wunder, dass Shin heute, wie er selbst sagt, dem Lager zwar physisch entkommen konnte, aber psychisch noch immer ein Gefangener ist. Sehr gut finde ich den Anhang, welcher informative Kartenausschnitte zu Nordkorea und Shins nachgezeichneten Fluchtweg enthält. Zusätzlich sind hier die 10 Gesetze des Lagers 14, nach welchen Shin lebte, aufgeführt. Im Innenteil des Buches finden sich zudem einige eindrucksvolle Fotos und Zeichnungen. Für mich persönlich ist es eines der wichtigsten Bücher, das ich je gelesen habe und es hat mich ein wenig enttäuscht, dass es nicht mehr Beachtung durch die Medien erfahren hat und in meinem Buchhandel nur im hintersten Regal zu finden ist. Zurück bleibt nun ein Gefühl der Hilflosigkeit und der Wunsch, etwas zu bewegen bzw. dass die internationale Politik diesem Terror endlich ein Ende bereitet. Doch es ist klar, dass sich dies nicht so einfach umsetzen lässt. Der Vorsitzende der Washington Post Company äußerte sich zu diesem Fall folgendermaßen: „Skandalös“ seien nicht nur die Zustände in Nordkorea, sondern auch „die Gleichgültigkeit der Welt gegenüber der Existenz der Zwangsarbeiterlager in Nordkorea.“

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