Blanca Busquets Die Woll-Lust der Maria Dolors

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Inhaltsangabe zu „Die Woll-Lust der Maria Dolors“ von Blanca Busquets

Ein Schlaganfall hat der 85-jährigen Maria Dolors die Sprache genommen. Seitdem lebt sie bei ihrer Tochter und deren Familie. Unbeachtet sitzt sie tagein, tagaus in ihrem Sessel und strickt. Dabei erinnert sie sich an ihr bewegtes Leben und bekommt durchaus mit, wie es hinter der Fassade ihrer scheinbar so normalen Familie aussieht. Denn jeder hütet hier ein Geheimnis – auch Dolors selbst.

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    Die Woll-Lust der Maria Dolors

    Jisbon

    20. May 2016 um 18:19

    Trotz anfänglicher Probleme mit dem Schreibstil habe ich dieses Buch sehr gerne gelesen, oder vielleicht auch gerade deshalb. Ich mag komplexe Geschichten, in denen ich immer ein bisschen mitdenken muss, um mich nicht von der wechselnden Situation verwirren zu lassen. Irgendwann habe ich sogar Gefallen an diesen wechselnden Zeitformen gefunden, weil ich interessant fand, wie verschiedene Ereignisse in Maria Dolors' Erinnerung/Gedankenwelt verknüpft wurden und auch, wie es mit der Arbeit am Pullover zusammenhing. Durch diese Erzählweise setzen sich die Bruchstücke des Lebens der Protagonistin nach und nach zusammen, bis man schließlich ziemlich am Ende einen guten Überblick hat und verstehen kann, wie alles zusammenhängt und auch, dass manche Handlungen der Vergangenheit selbst noch dreißig Jahre danach ihre Auswirkungen haben. Überhaupt ist die Geschichte leicht philosophisch angehaucht - kein Wunder, immerhin hat Dolors dieses Fach (heimlich) studiert. Dolors ist eine sehr aufgeschlossene Frau, die auch keine Probleme mit Homosexualität hat und für die damalige Zeit erstaunlich offen war. Allerdings ist sie alles andere als ein Tugendschaf, beispielsweise ließ sie ihren eigenen Mann sterben und beging ohne Scham Ehebruch. Sie hat ihre eigenen Vorstellungen, zu allem eine Meinung und ihr Verstand ist wirklich noch sehr wach. Dadurch, dass wir die Geschichte quasi durch ihre Gedanken erleben und es sich um ihr Leben dreht, ist alles sehr subjektiv, wir sehen die Dinge nur so, wie sie es sieht, und nehmen dadurch auch die einzelnen Charaktere durch ihre Augen wahr. Dadurch kann man sich sehr stark mit der Hauptperson identifizieren, und andere Blickwinkel auf die Personen bekommt man durch Monologe, die die Charaktere führen, wenn sie sich allein fühlen (“Oma bekommt ja nichts mehr mit”). Der Epilog bietet zudem Einblicke in die Gedankenwelt der im Buch auftretenden Figuren, was ein abrundender Schluss ist. Was mir auch positiv aufgefallen ist: heikle Themen wie Homosexualität und Magersucht werden aufgegriffen, sind keine Tabuthemen und werden auch nicht schlecht geredet beziehungsweise verklärt. Es wird gezeigt, dass Magersucht sehr schlimm ist und dass man Hilfe braucht, außerdem, dass die Betroffenen oft blind dagegen sind."Die Woll-Lust der Maria Dolors" ist in meinen Augen ein wirklich schönes Buch, das ich in wenigen Stunden gelesen habe und welches mich sehr berührt hat. Vor allem im letzten Kapitel hatte ich Tränen in den Augen. Bei der Wertung schwankte ich erst zwischen 4,5 und 5 Sternen, aber letztendlich sind es glatte 5 geworden. ;)__________________Herzlichen Dank an den Verlag und Vorablesen für den Gewinn.

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  • Tolles generationsübergreifendes Buch

    Die Woll-Lust der Maria Dolors

    cachingguys

    11. February 2016 um 07:16

    Schon der zweideutige Titel des Buches greift beide Seiten auf, denn die heute 85 jährige Dolores war auch mal jung. Heute lebt sie nach einem Schlaganfall, der ihr die Sprache nahm, bei ihrer jüngeren Tochter Leonor, dem Schwiegersohn Jofre und den Enkeln Marti und Sandra. Da sie auch kaum noch laufen kann sitzt sie meistens im Wohnzimmer, wo sie selten bemerkt wird und quasi zum Inventar gehört.  Hören, auch wenn das nicht jeder glaubt, kann sie aber noch sehr gut und so erfährt sie so einiges von ihren Mitbewohnern, was dem Rest der Familie verborgen bleibt, da jeder seine Kleineren und größeren Geheimnisse hat. Wunderschön geschrieben sind die Erinnerungen an die Vergangenheit mit dem Geschehen der Gegenwart verwoben. Aus den Gedanken von Dolors sprechen die Gelassenheit und Weisheit des Alters, die auf ihr Leben zurückblickt, das sie wahrlich gelebt hat. Und auch sie hat ihre Geheimnisse. Viele verschiedenen Themen und Arten des Zusammenlebens werden in diesem Buch angesprochen: Sexualität spielt eine große Rolle, aber diese wird nie abwertend beschrieben, sondern immer sehr einfach und gefühlvoll dargestellt. Ob es um das 1. Mal geht, um Fremdgehen der verschiedenen Personen oder um Homosexualität, alles gehört in dieser Familie mit zum Alltag und muss von allen Personen verarbeitet werden. Sie möchte noch einmal einen ganzen Pullover stricken und der soll für Sandra sein. Sehr gefühlvoll geschrieben war das Buch ein wahres Lesevergnügen. Hätte ich die Wahl zwischen stricken oder lesen, würde ich mich für das Buch „Die Woll-Lust der Maria Dorlos“ entscheiden. Nicht viele Bücher schaffen es den Leser durchweg ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern - dieses gehört aber dazu.  

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  • Dolors

    Die Woll-Lust der Maria Dolors

    Isabell47

    02. June 2015 um 10:56

    Eine Familie, in der jeder einige Geheimnisse hat und eine Großmutter, die durch einen Schlaganfall dazu verdammt ist, nicht mehr mit Ihnen kommunizieren zu können bzw. dies nur nur noch durch kleine geschriebene Botschaften, zeigen etc. kann. Die Idee ,die Geschichte aus Sicht von Dolors, der zu Schweigsamkeit verdammten alten Dame zu erzählen,  hat mir am Anfang sehr gefallen, aber dann entwickeln sich zu viele Handlungsstränge und die Erzählerin wechselt ständig die Zeiten. Es werden sehr viele Geschichten angerissen u. a. Fremdgehen der Großmutter, der Tochter und des Schwiegersohnes, Liebeskummer, Homosexualität bei Enkel und Tochter,  Magersucht etc.. Mir wurde es zu viel auf einmal und dadurch wirkte eine tolle Erzählidee auf einmal völlig aufgesetzt und überzogen. Ein Buch, was ich leider nicht weiterempfehlen kann, trotz des netter Ideen.

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  • Eine ganz "normale" spanische Familie...

    Die Woll-Lust der Maria Dolors

    lesewiese

    09. August 2013 um 12:33

    In ihrem Sessel im Wohnzimmer sitzend, bekommt Maria Dolors vieles mit, nur das weiß ihre Familie nicht. Nach einem Schlaganfall kann sie nicht mehr sprechen, allerdings glauben alle, dass sie auch nicht bzw. nur mehr sehr schlecht hören kann. Stimmt aber nicht! Diesen Umstand kann Maria Dolors nutzen, um die Geheimnisse in ihrer Familie zu erfahren, ohne etwas von ihren Geheimnissen preis zu geben. Maria Dolors lebt bei ihrer Tochter Leonore, deren Mann Jofre und den beiden Kindern Sandra und Marti. Sie erfährt als erste, dass Sandra – zarte 16 – mit ihrem Freund Sex hat, danach von ihm verlassen wird und in eine Essstörung verfällt. Maria Dolors ist auch die erste, die mit bekommt, dass ihr Enkel Marti schwul ist – das findet sie besonders toll, denn sie kann sich die Reaktion ihres Schwiegersohnes schon vorstellen. Ihr Schwiegersohn Jofre, ein Lehrer, betrügt seine Frau hingegen mit einer Freundin seiner Tochter. Und Leonore, lässt von allen auf sich herumtrampeln, wird von ihrem Chef genötigt mit ihm zu schlafen, dann befördert und fängt danach eine Affäre mit dem Sohn ihres Chefs an. Eine ganz normale Familie eben, aber auch Maria Dolors hat ihre Geheimnisse und diese erzählt sie, während sie in ihrem Sessel im Wohnzimmer sitzt und einen Pullover für ihre Enkelin strickt. Maria Dolors war als sie Jung schwer verliebt in einen Arbeiter aus der Fabrik, in der ihr Vater Geschäftsführer war. Antoni war ihre große Liebe und teilte auch ihre Leidenschaft für Bücher und das Lesen. Sie ließ sich auf ihn ein, ohne damals an die Gefahren und die Skandale zu denken, die das Ganze mit sich ziehen könnte. Auf der anderen Seite gab es in der Familie der Fabriks-Besitzer einen Sohn, Eduard. Auch er hatte eine heimliche Geliebte, die Schwanger wurde. Damals in den 1960er-Jahren in Spanien, war das eine Tragödie. Leonor und Eduard heirateten also. Leonor war damals schon von Antoni und Eduard akzeptierte Teresa als seine Tochter. Einige Jahre später bekamen sie Leonore. Eduard musste die Fabrik von seinen Eltern übernehmen und wirtschaftete diese in den Ruin. Eines Tages, die Kinder waren noch klein, traf Maria Dolors Antoni auf dem Rummelplatz wieder. Die Liebe, die die beiden für einander empfunden hatten, war immer noch da. Antoni betrieb einen kleinen Bücherladen und da Maria Dolors nicht mit ansehen konnte, wie ihr Mann die Familie in den Ruin trieb, nahm sie sein Angebot an, dort zu arbeiten. Sie begann außerdem Philosophie zu studieren, da sie das schon immer wollte. Eduard war außer sich, akzeptierte sein Schicksal allerdings und wurde zum Hausmann. Antoni und Maria Dolors begannen eine Affäre, wurden allerdings von seiner Frau ertappt, die ihm drohte ihm seine Kinder zu entziehen, falls er sich scheiden lassen sollte. Einige Jahre nach Eduards Tod, an dem Maria Dolors nicht ganz unschuldig war, zogen die beiden trotzdem zusammen und lebten glücklich bis Antoni ebenfalls verstarb.

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  • Die Woll-Lust der Maria Dolors von Blanca Busquets.

    Die Woll-Lust der Maria Dolors

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    29. March 2013 um 19:44

    Maria Dolors ist eine Frau am Ende ihres Lebens, nach einem Schlaganfall verstummt, lebt sie nun bei ihrer zweitgeborenen Leonore. Leonores Familie sitzt dabei dem Irrglauben auf die Oma wäre nicht mehr ganz bei Trost. Doch Maria Dolors kriegt noch allerhand mit von dem was in der Familie und zwischen deren Mitgliedern so vorgeht. Um sich von all dem ungewollten Wissen etwas abzulenken beschließt sie für Enkelin Sandra einen Pullover zu stricken… Eine süße Idee ist dies mit dem Stricken schon, denn so wie Maria Dolors mit dem Pulli voran kommt, so entwickeln sich auch die Geschehnisse und Beziehungen innerhalb ihrer Familie. Doch nicht nur darum geht es in diesem Roman, denn während Maria Dolors eifrig strickt, hört sie nicht nur die heimlichen Telefonate ihres Schwiegersohns mit dessen Geliebten, sondern verliert sich auch in ihren Gedanken an ihre Jugend, Ehe und Affären. Unterhaltsam ist dieser Roman also sehr, gibt es doch immer einen Streitpunkt oder irgendeine Komplikation, sowie mehrere Familiengeheimnisse, die im Laufe der Kapitel gelüftet werden. Die Sichtweise der betagten Dame ist dabei äußerst charmant, obwohl Maria Dolors selbst nicht immer ganz so charmant ist und war. Blanca Busquets hat hier eine ganz wunderbare Heldin geschaffen, die einen ungewöhnlichen Blick hat, auf das was um sie herum geschieht und immer mal wieder die Krallen ausfährt, wenn auch nur in Gedanken. Dabei ist dies kein seichter Frauenroman, denn öfter als nicht geht es um ernste Themen, Lebensentscheidungen, die die Figuren ins Unglück gestürzt haben und welche sie nun bereuen. Manchmal kommen diese ersten Einschübe wie aus heiterem Himmel und wirken damit etwas unglaubwürdig. Busquets wollte wohl unbedingt auch etwas kontrovers sein und ab und zu schafft sie es dabei kongruent zu bleiben, dann wiederum verstrickt sie sich in ihrem eigenen Garn. Ein charmanter Roman, vor allem durch seine Erzählerin, der aber auch erste Themen anschneidet und so manchmal etwas einschneidet.

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  • Rezension zu "Die Woll-Lust der Maria Dolors" von Blanca Busquets

    Die Woll-Lust der Maria Dolors

    Klusi

    07. February 2012 um 15:55

    Seit sie einen Schlaganfall erlitten hat, lebt die 86-jährige Maria Dolors bei ihrer jüngeren Tochter und deren Familie, denn sie kann sich nicht mehr selbst versorgen. Sie kann nicht mehr sprechen und hat mit dem Laufen Probleme, und nur weil sie sich nicht mehr mit Worten ausdrücken kann, sind einige Familienmitglieder der Meinung, sie wäre auch taub und würde nicht mehr mitbekommen, was um sie herum geschieht. Aber dem ist ganz und gar nicht so. Während sie in ihrem Sessel sitzt und an einem Pullover für ihre 16-jährige Enkelin strickt, hängt sie ihren Gedanken nach. Es sind zum Teil schöne, lustige, aber auch tragische Erinnerungen, die ihr einfallen. Sie lässt vor ihrem inneren Auge die bewegte Vergangenheit noch einmal ablaufen, und sie ergeht sich in philosophischen Betrachtungen, denn immerhin hat sie früher einmal Philosophie studiert. Nebenbei erfährt sie so mancherlei, was in der Familie vorgeht. Das ist nicht gerade wenig, denn alle haben ein gut gehütetes Geheimnis, auch sie selbst. Manches ist überraschend für die alte Dame, vielleicht sogar ein wenig schockierend. Da kann es schon einmal passieren, dass Dolors vor Schreck eine Masche von der Stricknadel fallen lässt. Jedoch wächst das schöne, kuschelige Strickstück, trotz mehrerer kleiner Rückschläge, langsam aber stetig, und Dolors hat noch viel vor, denn auch für den Enkelsohn möchte sie gerne einen Pullover stricken. Bis auf den Epilog ist das ganze Buch aus der Sicht von Maria Dolors geschrieben. Die Idee, die dem Roman zugrunde liegt, ist sehr schön. Beim Lesen musste ich öfter unwillkürlich schmunzeln, denn Dolors hat eine scharfe Beobachtungsgabe und ihre ganz eigene, oft humorvolle Sichtweise der Dinge. Bei der Betrachtung ihrer Mitmenschen zeigt sie sich erstaunlich tolerant und weise. Insgesamt kann ich also sagen, dass mir die Geschichte und auch der Schreibstil gut gefallen haben. Leider muss ich aber auch einen Minuspunkt anmerken, denn bei den Problemen, die Dolors’ Familie beschäftigen, wurde meiner Meinung nach viel zuviel in die Handlung gepackt. Hier nur eine kleine Auswahl: Magersucht und Bulimie, Verführung Minderjähriger, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Ehebruch (in mehreren Fällen), Homosexualität (ebenfalls in mehreren Fällen)… Die Liste könnte man noch fortsetzen, sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich möchte hier bewusst nicht alles aufzählen, da sich einiges erst ziemlich am Ende des Buches herausstellt, und ich würde sonst unweigerlich zu viel verraten. Diese übertriebene Ansammlung von Extremsituationen, in einer relativ kleinen, überschaubaren und „normalen“ Familie, das wirkte auf mich absolut unglaubwürdig und hat meine Lesefreude leider etwas getrübt.

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  • Rezension zu "Die Woll-Lust der Maria Dolors" von Blanca Busquets

    Die Woll-Lust der Maria Dolors

    beedy

    12. December 2011 um 12:12

    Das Leben ist keine Strickvorlage! Inhalt: ***** Maria Dolors hat einen Schlaganfall erlitten und kann seit dem nicht mehr sprechen. Sie fristet nun ihr Dasein in der Wohnung ihrer jüngsten Tochter. Niemand scheint sich so recht für sie zu interessieren. Nur Marti, ihr Enkel, kümmert sich um sie und betrachtet sie auch nicht als Dekorationsgegenstand. Die anderen hingegen bemerken sie nicht und so kann sie ungestört in ihrem Sessel im Wohnzimmer sitzen und bekommt so allerhand von der Familie mit. Jeder trägt ein Geheimnis mit sich und selbst Dolors hat ihr eigenes. Während Dolors beginnt für ihre Enkelin Sandra einen Pullover zu stricken, lässt sie ihr Leben Revue passieren. Meine Meinung: ******** Den größten Einblick in den Charakter gewährt uns Dolors, da man ihr Leben vom Beginn ihrer ersten Liebe und allen anderen Wirrungen und Irrungen mitbekommt. Mir haben die Einschübe besser gefallen, als das Jetzt. In der Familie hat jeder so sein Geheimnis, was genau, darauf möchte ich nicht eingehen. Es kommt aber immer wieder zu Situationen, in denen Dolors helfen möchte, nur kann sie nicht sprechen und das Schreiben funktioniert auch nicht mehr so gut. So kann sie nur mit Gesten helfen und manchmal möchte sie schimpfen oder trösten und auf das alles muss Dolors verzichten. Die Autorin konnte dieses Gefühl gut rüber bringen, wenn aus einer kommunikativen Persönlichkeit plötzlich ein stummer Fisch wird. Ich finde auch, dass die Autorin schön zeigt, wie man immer wieder auf alte Menschen vergisst. Dolors ist immer da, sitzt in ihrer Ecke und fällt nicht weiter auf. Sie wird als selbstverständlich betrachtet, und da sich jeder mit sich selbst beschäftigt, hat man für jemanden der nicht mehr „richtig“ funktioniert, eben kein Interesse mehr über. Dieser Aspekt kam in dem Buch gut rüber. Die meiste Zeit wird man aber in die Gedankenwelt von Dolors gezogen. Sie erinnert sich an ihr Leben, ihre Taten und auch an Dinge die nicht allzu lange zurückliegen. Man erhält daher einen guten Einblick. Jedoch bin ich nicht ganz mit der Handlungsweise von Dolors einverstanden und manchmal empfand ich sie in ihren Handlungen nicht so sympathisch. Einerseits beschwert sie sich über ihre jüngste Tochter, dass sie kein Rückgrat besitzt, andererseits scheint Dolors in ihrer Jugend auch keines gehabt zu haben. So manches wirkt eigenbrödlerisch und ich kann es nicht ganz so nachvollziehen. Anfangs muss man sich etwas auf die schnellen Wechsel zwischen Jetzt und Früher einstellen, geht aber mit der Zeit ganz gut und es wirkt flüssig. Der Schluss war für mich das Schönste an dem Buch und auch die Art und Weise, wie Dolors ihr Leben aufgearbeitet hat. Dies hat eine eigentümliche Stimmung bei mir hinterlassen. Den Epilog hätte man sich aber sparen können. Ich sehe das Buch im Mittelfeld, es lässt sich leicht lesen und manchmal kann man mit Dolors mitfühlen, manchmal aber gar nicht. Die anderen Familienmitglieder scheinen aneinander vorbei zu leben und sind für mich nur Beiwerk in dem Buch, da die Geschichte von Dolors interessanter ist. Die Autorin schafft zwar Stimmung und sorgt für gute Lesbarkeit, jedoch fehlt mir noch das I-Tüpfelchen. Aber irgendwie ist es bedrückend, wenn man alt ist und auf sein Leben zurückblickt, mit dem Gedanken, dass man eben nicht mehr viel Zeit hat. Diese Stimmung ist bei mir im Kopf geblieben. Jedoch habe ich mit Dolors dann doch wieder nicht so mitgelitten und deshalb ist das Buch für mich okay!

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  • Rezension zu "Die Woll-Lust der Maria Dolors" von Blanca Busquets

    Die Woll-Lust der Maria Dolors

    mikealuna

    01. October 2011 um 14:30

    "Die Woll-Lust der Maria Dolors" von Blanca Busquets stellte sich beim Lesen als durchaus nicht einfache Lektüre heraus. Richtung Ende zeigte sich immer mehr, dass es sich um ein ernstzunehmendes Buch zum Thema Generationenkonflikt und Umgang mit dem Alter handelt. Dies war zu Beginn des Biches noch nicht abzusehen. Maria Dolors, 85-jährige Protaginistin des Buches, berichtet in gedanklichen Rückblenden von ihrem Leben und der Liebe. Dies geschieht während sie im Wohnzinmmer ihrer jüngsten Tochter sitzt und einen Pullover für ihre Enkelin strickt. Währenddessen beobachtet sie zudem das Familienleben, welches sich vor ihren wachsamen Augen und Ohren ausbreitet. Denn sie mag zwar nach einem Schlaganfall verstummt sein, hören und sehen kann sie jedoch noch gut. Und so bekommt sie die Affäre von Tochter und Schwiegersohn mit, die Liebesprbleme und Essstörung der Enkelin und das durchaus schwere Outing des Lieblingsenkels. Denn dieser ist es, des als einziger bemerkt, dass die Oma noch alles mitbekommt. Um ihre Finger beschäftigt zu halten, während sie sich das vor ihr ausbreitende Familienleben beobachtet und über ihre Vergangenheit nachdenkt, beginnt sie für ihre Enkelin einen Pullover zu stricken. Je weiter sie mit dem Pullover kommt, um so mehr erfährt man von ihrem Leben als gut situierte Fabrikdirektorerntochter mit unstandesgemäßer erster Liebe, notgedrungener Heirat mit dem Sohn der Fabrikbesitzer, ungeliebtem Ehemann, Affäre mit der Jugendliebe und so weiter. Und auch die Dramen im Familienleben ihrer Tochter entfalten sich immer mehr. Die "Woll-Lust" des Titel ist also durchaus zweideutig zu verstehen - Woll-Lust wegen der Leidenschaft fürs Stricken und Wollust wegen der, wie ein roter Faden, durch alle Leben gehenden Hauptthematik der Liebe. Maria Dolors verdrängt, dass es ihr gesundheitlich immer schlechter geht. Schließlich jedoch verstirbt sie. Beim Begräbnis erfährt man nun die Gedanken ihrer Liebsten zu deren aktuellen Lebenssituation en sowie zum Leben der verstorbenen Oma. Gerade hier ergibt sich, wie verschieden die Sichtweisen der Menschen sind. Und man erkennt, wie viele Geheimnisse und Dramen in einer einzigen Familie verborgen sein können.

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  • Rezension zu "Die Woll-Lust der Maria Dolors" von Blanca Busquets

    Die Woll-Lust der Maria Dolors

    Siiri

    12. August 2011 um 12:46

    Inhalt: Maria Dolors ist 85 Jahre alt und lebt seit einem Schlaganfall bei ihrer Tochter Leonor und deren Familie. Wegen des Schlaganfalls kann sie nicht mehr sprechen, doch arbeiten sowohl ihr scharfer Verstand als auch ihr Gehör nach wie vor ausgezeichnet. Leider will das der Großteil ihrer Verwandten nicht einsehen, so dass sie meist behandelt wird, als sei sie nicht nur stumm, sondern auch taub und nicht mehr bei klarem Verstand. Doch dies ist ihr mittlerweile ganz recht, denn so bekommt sie sehr viel von dem mit, was in der Familie vor sich geht, da ihre Lieben es nicht als notwendig erachten, ihre Geheimnisse vor der alten Dame zu verbergen. Dolors hat einen Plan: sie möchte ihre 16-jährigen Enkelin Sandra mit einem wunderschönen, selbstgestrickten Pullover überraschen. Dieser Plan und die unbändige Lust auf das Stricken, die sie daraufhin befällt, geben Dolors einen neuen Sinn im Leben und ein neues Ziel. Während sie mit der Herstellung des hübschen Kleidungsstückes beschäftigt ist, erfährt sie ganz nebenbei zahlreiche Geheimnisse, die ihre Familienmitglieder voreinander hegen und lässt zudem ihr eigenes, ereignisreiches Leben nochmals Revue passieren… Meine Eindrücke: Maria Dolors habe ich mit ihrer direkten, resoluten Art sofort in mein Herz geschlossen. Deshalb hat es mir großen Spaß gemacht, nach und nach den Geheimnissen und Ereignissen in ihrem Leben auf den Grund zu gehen. Und sie blickt wahrlich auf ein bewegtes und aufregendes Leben zurück, denn sie hat jede Minute davon voll ausgekostet. Dabei hat sie sich allerdings nicht immer gesellschaftskonform verhalten und insbesondere die starren gesellschaftlichen Benimmregeln für die Angehörigen der Oberschicht in ihrer Zeit hat sie nicht immer befolgt… Für ihre Zeit ist Dolors eine bewundernswert selbstbewusste Frau, die stets genau weiß, was sie will und was nicht. Sie hat eine große Vorliebe für Bücher, für die Philosophie und alles Geisteswissenschaftliche, weshalb ich einfach nicht umhin konnte, sie sympathisch zu finden. Und das, obwohl sie alles andere als ein Engel ist. So behandelt sie ihre Pflegekraft Fuensanta beispielsweise nicht gerade mit Samthandschuhen, so dass die Bedienstete sehr unter ihr zu leiden hat. Auch gibt es in ihrem Leben ein Geheimnis, das ich so keinesfalls erwartet hätte und das mich folglich auch ziemlich erschüttert hat. Allerdings muss ich auch anmerken, dass ich diese Tat von Maria Dolors niemals erwartet hätte und somit auch etwas unglaubwürdig fand. Interessant ist auch ihr Verhältnis zu ihren Töchtern Teresa und Leonor, wobei sie erstere eindeutig bevorzugt, da sie genau wie ihre Mutter ein sehr unabhängiger, starker Charakter ist. Leonor dagegen ist sehr devot gegenüber ihrem Ehemann Jofre, den sie richtiggehend vergöttert. Dolors ist entsetzt über die Naivität und Ignoranz ihrer jüngeren Tochter und wird nicht müde, sich in Gedanken darüber zu beschweren. Leonor geht allen Problemen – und davon gibt es in dieser Familie mehr als genug – am liebsten aus dem Weg und betrachtet die Welt zumeist durch eine rosarote Brille. Auch die Probleme ihrer Kinder spielt sie lieber herunter, als sich ihnen zu stellen. Trotz dieser Eigenschaften hätte ich mir von Dolors aber gewünscht, dass sie ihrer jüngeren Tochter etwas mehr Mutterliebe entgegenbringt. Ihren Schwiegersohn Jofre kann Dolors nicht ausstehen, denn sie wird das Gefühl nicht los, dass er ihre Tochter nur ausnutzt und sie zudem noch schlecht behandelt. Und Jofres Geheimnis, dem sie auf die Spur kommt, trägt nicht gerade dazu bei, Sympathien für ihn bei seiner Schwiegermutter zu wecken. Sorgen bereitet ihr ihre hochsensible Enkelin Sandra, die nur sehr schwer mit ihrer Pubertät und dem Erwachsenwerden zurechtkommt und unter den familiären Verhältnissen sehr zu leiden scheint. Ihr Liebling in der Familie ist ihr Enkel Martí, der sie als einziges als vollwertiges Familienmitglied behandelt und ihr als Informatikstudent sogar den Umgang mit dem Computer nahebringen möchte, was ihm allerdings nicht so ganz gelingt. Allerdings hat auch er ein Geheimnis, das ihm Probleme mit seinem Vater einbringen könnte. Das Buch punktet mit seinen sorgfältig und mit Liebe zum Detail ausgearbeiteten Charakteren, wobei ich mich doch ein wenig daran gestört habe, dass einige von ihnen ein wenig zu stereotyp für meinen Geschmack geraten sind. So ist Jofre zum Beispiel durch und durch ein Ekel – hier hätte ich mir gewünscht, dass die Autorin auch ihm ein paar positive Eigenschaften zugesteht, um ihn noch ein wenig vielschichtiger zu gestalten. Dolors ist dagegen gut gelungen, sie ist eine sehr starke Persönlichkeit mit zahlreichen guten Seiten, doch weist sie auch ein paar eindeutige Schattenseiten auf. So ist sie beispielsweise recht intolerant gegenüber anderen Denk- und Lebensweisen, mit denen sie sich nicht identifizieren kann. Der Schreibstil ist recht einfach gehalten und lässt sich somit leicht und flüssig lesen. Es fiel mir schwer, das Buch zwischendurch aus der Hand zu legen, da ich stets gespannt darauf war, immer mehr Geheimnisse und Enthüllungen über die Familie offenbart zu bekommen. Die Geschehnisse in der Gegenwart und die Erinnerungen an frühere Ereignisse gehen in Dolors Gedankenwelt fließend ineinander über, oftmals erinnert sie sich aufgrund einer gegenwärtigen Begebenheit an Episoden aus ihrem früheren Leben. Dies fand ich sehr gelungen, da hier oftmals auch Verbindungen zwischen früher und heute aufgegriffen werden. Das Buch ist – bis auf den Epilog – aus der Sicht von Dolors geschrieben, was einen umfassenden Einblick in ihre Gedankenwelt ermöglicht. Ein Wermutstropfen ist die fast schon unrealistische Fülle an Problemen, mit denen diese scheinbar ganz normale Familie zu kämpfen hat. Insbesondere zum Schluss hin erschienen mir hier manche Sachen ein wenig zu dick aufgetragen und ich konnte das eine oder andere Mal nur noch den Kopf schütteln. Dennoch halte ich das Buch für lesenswert, da die Perspektive der stummen Großmutter recht außergewöhnlich und interessant ist, zumal das Buch sehr kurzweilig ist und sich zügig und flüssig lesen lässt.

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  • Rezension zu "Die Woll-Lust der Maria Dolors" von Blanca Busquets

    Die Woll-Lust der Maria Dolors

    pat_ricia

    31. July 2011 um 08:22

    Unterschätzt mal die nicht, die still in der Ecke sitzen und stricken :) Sie wissen mehr vom Leben und über uns, als wir es ahnen.... Wunderschönes Buch !

  • Rezension zu "Die Woll-Lust der Maria Dolors" von Blanca Busquets

    Die Woll-Lust der Maria Dolors

    bookorpc

    06. April 2011 um 13:08

    Könnte Dolors noch sprechen, würde sie ihrem Enkel jetzt sagen, komm, setz dich zu mir, ich will dir eine Geschichte erzählen, die Geschichte eines Lebens, das wahrlich gelebt wurde, ich habe es ganz bewusst ausgekostet, so wie eine Saftorange, bis zum letzten Tropfen, die Geschichte eines Lebens, das so gelebt wurde, wie man leben sollte, wie auch du es leben wirst. ( Zitat Seite 235-236 ) Dieser Satz beschreibt finde ich am besten um was es in Blanca Busquets Buch, “Die Woll - Lust der Maria Dolors” geht und zwar um das Leben von Dolors und wie sie es lebte. Inhalt: Seit einem Schlaganfall kann Maria Dolors nicht mehr reden, aber sie ist nicht taub und auch geistig noch sehr fit. Davon sind aber nicht alle in ihrer Familie überzeugt, man nimmt sie teilweise nur wie ein Möbelstück in der Wohnung war und nur ihr Enkel Martí macht sich die Mühe ihr neue Sachen, den Computer zu erklären. Ihr Schwiegersohn telefoniert in ihrer Gegenwart mit seiner Geliebten und Sandra, ihre Enkelin, stellt ihr zwar ihren Freund vor, merkt aber nicht das die Oma sie beobachtet, wenn sie vor dem Spiegel posiert. Dolors lebt als stille Beobachterin in der Familie und nimmt die Geheimnisse auf, die alle verbergen wollen. Da sie nicht nur untätig herumsitzen will, strickt sie für Sandra einen Pulli als Überraschung. Während des Strickens schweifen ihre Gedanken immer wieder mit die Vergangenheit ab… Meine Meinung: Bereits beim ersten Blick aufs Cover fällt einem das Strickzeug ins Auge und nach dem ersten Seiten erklärt sich die schwarze Katze als Felix, die Computerkatze, die Dolors so fasziniert. Den Aufbau des Buches finde ich sehr originell, die Kapitel sind in Strickabschnitte unterteilt, es beginnt mit der Idee zum Pulli, über den Ausschnitt und endet mit dem Vernähen. Am Ende folgt ein Epilog in den die Gedanken der Familienmitglieder und Freunde über Dolors aufgegriffen werden, da die Rest der Geschichte aus ihrer Sicht erzählt wird. Die Kapitel selbst sind immer sehr ähnlich: Dolors sitzt über ihrer Strickarbeit, man erfährt aktuelle Geschehnisse aus der Familie ihrer Tochter Leonor und diese enthalten immer wieder ansetzte, die einen nahtloses Eintauchen in die Vergangenheit von Dolors ermöglichen. Die Gedankensprünge kommen unerwartet und wenn man nicht aufpasst, hat man selbst das Gefühl verwirrt zu sein, da teilweise Ereignisse von Früher erneut aufgegriffen werden, aber dann angereichert mit weiteren Informationen. Erst dachte ich mir das es für Dolors sehr schmerzhaft ist, von ihrer Familie nicht beachtet zu werden, aber während des Lesens hatte ich eher das Gefühl, dass sie froh war nicht mit allen reden zu müssen.... Fazit: Ein humorvolles, aber auch zum Nachdenken anregendes Buch, über das Alter und die dunklen Geheimnisse einer Familie, das ich gern weiterempfehle.

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  • Rezension zu "Die Woll-Lust der Maria Dolors" von Blanca Busquets

    Die Woll-Lust der Maria Dolors

    micia1904

    11. March 2011 um 18:20

    Ich habe schon immer gerne die Geschichten meiner Oma angehört...und Dolors Geschichte habe ich gerne gelesen. Durch einen Schlaganfall kann die 85-jährige Maria Dolors nicht mehr sprechen. Da sie nicht mehr sprechen kann denkt jeder in ihrer Familie, dass sie auch taub und nicht mehr geistig fit ist. Wenn ihre Familie wüsste, dass Dolors noch alles mitbekommt was sich zuhause abspielt, würden sich bestimmt alle schämen. Angefangen von Dolors Tochter bis zu ihrem Enkel haben im Haus ein Geheimnis, jedoch Dolors kennt sie alle. Manchmal ist es zum Vorteil, dass man schweigt und sich doof stellt. Dolors hat schon immer Bücher und das Stricken geliebt. Eines Tages verspürt sie wieder das Verlangen zu stricken, daher beginnt sie ein Pullover für ihre Enkelin zu stricken. Währenddessen gibt sie uns Einblicke in ihr früheres Leben und lauscht den Dingen. Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen. Besonders gut fand ich die einzelnen Gedankengänge von Dolors. Von einem Moment in den nächsten springt Dolors mit ihren Gedanken zwischen der Gegenwart und Vergangenheit. Sehr rührend fand ich ihre Geschichten aus der Vergangenheit. Im Gegenzug fand ich die Geschichten in der Gegenwart zum Schmunzeln. Eben eine schrecklich nette Familie...Daily Soap verdächtig! :o) Eine tolle Mischung! Blanca Busquets Schreibstil ist flüssig und angenehm geschrieben. Die Geschichte ist unterhaltsam, zum Schmunzeln, aber auch sehr ergreifend. Habe sie mit Freude und in Kürze gelesen.

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  • Rezension zu "Die Woll-Lust der Maria Dolors" von Blanca Busquets

    Die Woll-Lust der Maria Dolors

    Lilli33

    11. March 2011 um 14:16

    Woll-Lust Nach einem Schlaganfall kann die 85-jährige Maria Dolors nicht mehr sprechen. Sie wohnt bei der Familie ihrer jüngeren Tochter, wo sich ihr so manches Geheimnis offenbart, da keiner sich die Mühe macht, etwas vor ihr zu verbergen. Man ist ja der Meinung, dass sie sowieso nichts mehr mitbekommt. Doch geistig ist Dolors noch relativ fit und hören kann sie auch noch sehr gut. So macht sie sich ihre eigenen Gedanken zu den Geschehnissen um sie herum. Da ist ihre Enkelin Sandra, die ihren Freund Jaume mit nach Hause bringt und in ihrem Zimmer Sex mit ihm hat. Das gefällt der Oma, denn früher war es bei ihr doch genau so. Sie hat eine erstaunlich unkomplizierte Einstellung zur Sexualität. Auch die Homosexualität ihrer älteren Tochter bereitet ihr keine Probleme. Lediglich, dass der Schwiegersohn anscheinend eine Geliebte hat, findet sie gar nicht gut, aber den kann sie sowieso nicht leiden. Den Titel kann man durchaus zweideutig sehen. Zwar strickt Dolors einen Pulli für Sandra, doch hat die Geschichte auch viel mit Sexualität zu tun. Und so wie der Pulli langsam Formen annimmt, entwickelt sich auch die Geschichte weiter. Dolors ist eine sehr sympathische Figur. Sie erinnert mich sehr an meine eigenen Großeltern. Wo die Eltern sich Sorgen machen oder schimpfen, können Großeltern alles viel gelassener sehen. Dabei hat die abgeklärte Dolors einen wesentlich besseren Überblick, was sich in der Familie tut, als all die anderen Personen, die doch sehr auf sich selbst fixiert sind. Blanca Busquets gewährt dem Leser Einblick in Dolors‘ Gedanken, denn aus deren Sicht ist das Buch geschrieben, und zwar in der 3. Person. Dolors blickt immer wieder in die Vergangenheit zurück, sodass nach und nach ihre eigene Geschichte offen gelegt wird. Dabei springt sie nahtlos zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her, ohne spezielle Absätze oder Überleitungen. Doch ist das kein Problem, man erkennt beim Lesen sofort, wo man sich gerade befindet. Auf diese Weise werden die Leben der drei Generationen eng miteinander verstrickt. Busquets erzählt, wie die Gesellschaft sich im Laufe der Zeit verändert hat (nicht immer zum Guten), doch manche Dinge ändern sich nie. Bei den Vorkommnissen übertreibt die Autorin für meinen Geschmack ein wenig. Da sind plötzlich alle homosexuell, magersüchtig oder betrügen den Gatten / die Gattin. Doch Dolors eigenes Geheimnis hat mich doch sehr überrascht. Da es ganz schön turbulent zugeht, ist das Buch sehr unterhaltsam, dabei aber auch tiefgründig und lebensklug.

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  • Rezension zu "Die Woll-Lust der Maria Dolors" von Blanca Busquets

    Die Woll-Lust der Maria Dolors

    Lesegenuss

    09. March 2011 um 11:38

    "Still sitzt sie da und strickt emsig vor sich hin: Seit einem Schlaganfall lebt Dolors bei der Familie ihrer Tochter Leonor. Zwar kann sie nicht mehr sprechen, aber dennoch hat sie nach wie vor einen scharfen Verstand. Blind und taub ist sie auch nicht geworden - doch alle glauben es so meint sie, dass man sie wie ein Möbelstück behandelt. Während sie einen wundervollen Pullover in leuchtenden Farben strickt, entgeht ihr nichts, was in dieser anscheinend normalen Familie vorgeht. Jeder hütet ein Geheimnis, einschließlich Dolors." Die 85jährige Maria Dolors erleidet einen Schlaganfall und kann danach nicht mehr sprechen. Ihre jüngste Tochter Leonor nimmt sie bei sich und ihrer Familie auf. Nunmehr leben drei Generationen unter einem Dach: ihre Tochter Leonor, deren Mann Jofre, die beiden Enkel Sandra und Marti und Maria Dolors. Für diese ist es nicht einfach, ihren Umzug zu akzeptieren, sie fühlt sich nicht alt und gebrechlich (vielleicht nur ein bisschen), geistig fit, sie kann sehen und hören, nur ihre Sprache sind unverständliche Laute. Es bereitet ihr Schwierigkeiten, nunmehr umsorgt und betreut zu werden, denn bislang war sie auf sich selbst gestellt. Alterssturheit ist heute ein gebräuchliches Wort dafür. Die Umstellung ist nicht einfach für sie, denn ihr Verstand ist hellwach, und ihren Augen entgeht nichts. Aber das fällt der Familie gar nicht auf, denn diese kümmern sich sehr wenig um sie. Eigentlich ist es wie ein unscheinbar abgestelltes Stück Möbel, welches im Zimmer steht und einmal am Tag der Staub abgewischt wird. So lässt sie sich eines Tages Wolle besorgen und fängt an zu stricken, findet sich also mit ihrem Jetzt in gewisser Weise ab. Sie sitzt jeden Tag in ihrem Sessel und strickt an einem Pullover für ihre Enkelin Sandra. Beim Lesen des Titels könnte man auf andere Gedanken kommen, aber dem ist nicht ganz so, wenn man den Klappentext liest. Hier bezieht es sich für den Moment einzig und allein auf die Beschäftigung von Maria Dolors, der sie tagtäglich nachgeht. Das ist ihre alltägliche Abwechslung zwischen Aufstehen und Schlafengehen. Doch im Laufe der Geschichte nimmt der Komplex Sexualität immer mehr Formen an. Und so nimmt Maria Dolors alles um sich auf, sieht und hört, was in der Familie vor sich geht bzw. öffnen sich die Familiengeheimnisse vor ihr. Der Familie entgeht, dass Maria anfängt, sich ihre eigenen Gedanken um die Familie um sie herum zu machen. Sie beobachtet sehr genau, was in der Familie geschieht. Sei es ihre Enkelin, die wie ein Spatz isst und schon in jungen Jahren ihren Freund mit nach Hause bringt und mit ihm Sex hat. Während Maria Dolors in die Vergangenheit rückblickt, zeigt sich, dass sie eine freie Einstellung zur Sexualität hat. (Ich schreibe bewusst Maria Dolors, weil es mich beim Lesen gestört hat, dass immer nur Dolors geschrieben wurde und empfand es als Abwertung). Dass ihr Schwiegersohn wohl eine Geliebte hat, stört sie irgendwie, aber sie mag ihn nicht. Zumal sie ihre Tochter vor ihm gewarnt hatte, ihn zu heiraten. Jofre, hält sich für "den Mann", in meinen Augen ein Patriarch, dessen Frau Leonor sich alles gefallen lässt, von ihm unterdrückt wird. Wo bleibt hier die Emanzipation der Frau? Leonor lebt nach dem Motto "Schließe deine Augen, damit ich nichts sehe", und damit verletzt sie sich selbst, aber vor allem ihre Tochter. Aber was man nicht sehen will, das bemerkt man auch nicht. Einzig ihr Enkel Marti ahnt, dass seine Großmutter mehr von allem mitbekommt, als alle anderen ahnen. Die Autorin erzählt in der Gegenwart und Vergangenheit, wobei die Geschichte aus Sicht von Maria Dolors geschrieben ist. Sie taucht ein in ihre Erinnerungen, ihre Gedanken führen sie in ihr früheres Leben und ihre Geheimnisse. So zieht es sich wie ein Faden durch den ganzen Roman, immer ein Stück vom Wollknäuel. Die Vorgänge innerhalb der Familie, der Geheimnisse, die jeder einzelne versucht, vor dem anderen zu verbergen, zu hüten, sind mit der Anlass, dass Maria Dolors aus ihrer Vergangenheit erzählt. An ihr früheres Leben, an ihre Liebe, die sie trotzdem nicht geheiratet hat. Zeitweise jedoch springt Maria Dolors in ihren Gedanken, dass man meint, den Faden zu verlieren. Auf knapp 280 Seiten hat die Autorin sehr viel Stoff und Handlung gepackt, aber am Schluss hatte ich das Gefühl, es musste zusammengepresst zu Ende gebracht werden, also einfach ein paar Maschen fallen lassen. Die Geschichte besitzt sehr viel Potential, die Grundidee ist gut, doch eine 100-prozentige Umsetzung ist der Autorin nicht gut geglückt. Sie hätte mehr daraus machen können. Die auch heute aktuellen, fast alltäglichen Probleme, sei es die Magersucht, die Sexualität oder Gewalt, aber auch um die Alten der Familien, ich denke es waren die Grundideen, sind leider im Laufe des Schreibens von der Autorin zwar behandelt worden, doch ich hätte mir gewünscht, sie wäre intensiver darauf eingegangen. So ist vieles oberflächlich angesprochen, nicht weiter ausführlich aufgenommen worden. Die Charaktere haben mir gut gefallen, nicht immer waren sie mir sympathisch, wie es im Leben halt so ist. Den einen mag man, den anderen nicht. Es kommt immer darauf an, wie man miteinander umgeht. Die Farbe des Covers war sehr ansprechend, ein warmes Rot, und ein fühlbarer Umschlag, wie ich es manchmal von Kinderbüchern her kenne. Ich mag diese Art von Familiengeschichten, in denen zum einen aus einer Zeit erzählt wird, die mich interessiert, aber auch zum anderen die Gegenwart mit einfließt. Da ich selber sehr gern stricke, ging mir natürlich doch beim Lesen einiges durch den Kopf. Und irgendwo sah ich dann auch meine Oma vor mir, bis zu ihrem Unfall war sie so agil, obwohl auch die 80 weit überschritten, und durch einen Unfall von heute auf morgen zum Nichtstun verdammt, bettlägerig. Beim Schreiben dieser Rezension ertappe ich mich dabei, wie oft ich beim Lesen des Buches an sie gedacht habe. Meiner Meinung nach sollte das Buch den Leser zum Nachdenken anregen. Denn: Was ist mit uns, wenn wir alt werden? Wie geht man mit uns um? Also Themen über Themen. Fakt: Ich werde das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen.

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  • Rezension zu "Die Woll-Lust der Maria Dolors" von Blanca Busquets

    Die Woll-Lust der Maria Dolors

    insomniac

    05. March 2011 um 10:30

    Maria Dolors hat ein sehr bewegtes Leben, welches mit heimlicher Liebe und Geheimnissen gespickt ist. Es scheint, als habe Sie die Neigung dazu auch an ihre Familie weitergegeben. Sei es die lesbische Tochter, deren einziges Abenteuer mit einem Mann ausgerechnet mit dem zukünftigen ihrer Schwester ist. Oder besagte Schwester, die mit ihrem Chef schläft um ihren Job zu behalten und danach mit dessen Sohn - weil der ihr gefällt. Der Schwiegersohn, der mit der minderjährigen Freundin seiner Tochter etwas anfängt. Die magersüchtige Enkelin oder der schwule Enkel. Kurz und gut: in diesem Buch ist so einiges los und nur Dolors ist diejenige, die wirklich alles mitbekommt, da sie für taub und stumm gehalten wird und somit der kompletten Familie als Klagemauer dient. Eine mit Witz erzählte Geschichte über das Leben, die Familie und all die kleinen und großen Geheimnisse, die jeder mit sich herumträgt.

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