Eigentümlich unschön schaut das Cover aus. Eine Kladde, ordentlich mit Spanngummi verschlossen und mit einer großen Büroklammer zusammengehalten. Es sind Knicke und eine durchgekritzelte Handynummer auf dem leicht fleckigen Kladdendeckel. Leicht vergilbtes Papier, darauf schwarze und rote Schriftfarben. Eine Arbeitsmappe, behelfsmäßig, schnell zur Hand, im mobilen Einsatz. Damit unterwegs kein Gedanke verloren geht, vergebens war. Es geht um den Inhalt, nicht ums schön finden.
Man muss den Schreibstil mögen, sonst werden die gut 570 Seiten sehr lang. Viele Satzreihen, Dialoge ohne Anführungszeichen, Beschreibungen teils quälend bis ins letzte - vermeintlich - unwesentliche Detail.
Tagelang habe ich Seite um Seite in den Händen gewälzt und das Erlesene mindestens so lang im Kopf hin- und herbewegt.
Die Hauptperson Terese erschien mir manchmal spröde, verhärtet, oberflächlich, dann leidenschaftlich, mutig, immer wieder mitmenschlich. Ich fand es faszinierend in die Geschichte einzutauchen, den Gefühlen und Handlungen zu folgen. Meine Neigung, die Personen zu bewerten, musste ich zurücknehmen. Nur so konnte ich den Charakteren freien Lauf und sie an mich heranlassen.
Interessant fand ich, dass Kirchhoff Schauplätze in Indien, Deutschland und England wählt, und die Figuren aus vielen verschiedenen Ländern sind. Die Themen Krieg und Waffen, aber auch Flucht, Vertreibung und freiwillige Emigration (wie Ranas Mutter) ziehen sich durchs ganze Buch. So wie Terese am Inder Rana liebt, wie er in seinem Viertel arabisch spricht, finden sich weitere Ambivalenzen, die, so scheint es, Terese den Weg für Öffnung und Wandel bereiten.
Mir hat die Lektüre sehr gefallen.





















