Bodo Kirchhoff Infanta

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Inhaltsangabe zu „Infanta“ von Bodo Kirchhoff

»Wie bei jedem guten Film ist man bei diesem Roman traurig, wenn er zu Ende ist.« SWRKurt Lukas, ein männliches Fotomodell, wird als Gast in einer ehemaligen Missionsstation in den Tropen aufgenommen. Inmitten fünf alter Patres verliebt er sich in die Haushälterin Mayla. Über Nacht werden die Patres zu Komplizen einer großen Liebe; sie sind Anstifter, Mitwisser, Kuppler, unermüdliche Beobachter. Bodo Kirchhoff erzählt von einer Kettenreaktion und ihren staunenden Zeugen, von der einzigen positiven Katastrophe, die das Leben bereithält: der Liebe.

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  • Das Leben ist kein Roman

    Widerfahrnis
    serendipity3012

    serendipity3012

    Das Leben ist kein Roman „Diese Geschichte, die ihm noch immer das Herz zerreißt, wie man sagt, auch wenn er es nicht sagen würde, nur hier ausnahmsweise, womit hätte er sie begonnen?“ S. 5Dieser Beginn von Bodo Kirchhoffs neuem Buch, das heute offiziell erscheint und das als Novelle angekündigt wird, zeigt schon sehr gut, was den Leser stilistisch erwartet. Es ist dieser Ton, in dem die Geschichte erzählt wird, ein Stil voller Nebensätze, die oft noch etwas hinzufügen, etwas verdeutlichen, als wolle der Erzähler unbedingt Klarheit schaffen. Als wolle er unbedingt zeigen, wie sie sind, seine beiden Hauptfiguren, und es gelingt ihm ganz wunderbar, sie zu charakterisieren und lebendig werden zu lassen.Die Hauptfiguren, das sind auf der einen Seite Julius Reither, dessen Vorname fast nie fällt und der offenbar daran gewöhnt ist, nur bei seinem Familiennamen genannt zu werden, ein ehemaliger Verleger, der seinen Verlag aufgegeben hat, weil es inzwischen mehr Schreibende als Lesende gebe. Und auf der anderen Seite Leonie Palm, die ehemals ein Hutgeschäft besaß, aber auch dies gibt es nicht mehr, denn Hutgesichter seien nicht mehr zeitgemäß. Diese beiden also, die von der Zeit überholt geworden zu sein scheinen, treffen aufeinander. Aus einem unverfänglichen Gespräch wird die Idee eines nächtlichen gemeinsamen Ausflugs und aus dem Ausflug wird eine gemeinsame Reise durch ganz Italien. Wie das alles geschieht, wie etwas mit den beiden geschieht, das erzählt Kirchhoff so, als gäbe es keine andere Möglichkeit, als würden diese Dinge unanfechtbar in die Welt gestellt. So ist die Frage nach der Glaubwürdigkeit dieser beiden und ihrer Geschichte auch keine, die sich stellt. Reither und Leonie Palm fahren also mit dem Auto durch Italien und entscheiden immer wieder neu, ob und wie es weitergehen soll, während sie dabei erstaunlich viele Zigaretten rauchen und langsam zueinander finden: Zwei, die die Lebensmitte überschritten haben, die Erfahrungen gemacht und Verletzungen erlitten haben, die Fehler gemacht haben, und die ein wenig ungläubig scheinen ob der Möglichkeit, dass sie dies erleben. So ist der Titel der Novelle „Widerfahrnis“ auch sehr treffend (obwohl die Geschichte auch noch eine andere Erklärung für ihn anbietet): Diese Reise und alles was während ihr geschieht, scheint wie etwas, das ihnen, das vor allem Reither widerfährt. Wie weit ist er Handelnder? Hat er die Fäden in der Hand?Immer wieder muss Reither, der in seiner Zeit als Verleger so viele Manuskripte gelesen und für ungeeignet befunden hat, feststellen, dass das, was ihm nun in der Wirklichkeit passiert, keinem guten Roman – in seinen Augen guten Roman – ähnelt. Viele Wörter, Wendungen, so muss er feststellen, kommen ihm für seine Situation spontan als passend in den Sinn, - in einem Manuskript hätte er sie alle herausgestrichen. Aber das Leben ist kein Roman.„… er sprach von Büchern, […] geschrieben von Frauen wie von Männern, nur erzählten Frauen von ihren Wunden, Männer von ihren Narben.“ S. 208Welche Narben wird das Geschehene in Reither hinterlassen? „Widerfahrnis“ hat beim Lesen einen immer stärker werdenden Sog auf mich ausgeübt, die Geschichte dieser beiden, die sich treffen und feststellen, dass diese Begegnung der Anfang von etwas sein könnte und die dann, ehe sich dieses Etwas festigen kann, unerwartet gestört werden und aus dem Gleichgewicht geraten, hat mich in ihren Bann gezogen. Kirchhoff schafft mit seiner so präzisen Sprache eine ganz spezielle Stimmung und vermittelt den Eindruck, dass jedes einzelne Wort da steht, wo es hingehört. Wie in den beiden anderen Büchern, die ich gelesen habe, den Romanen „Infanta“ und „Verlangen und Melancholie“, ist die Liebe und ihre Kraft wieder sein Thema. Kirchhoff beweist mit „Widerfahrnis“, dass er auch die kurze Form beherrscht. Obwohl nicht als Roman erschienen, sondern als Novelle, steht er mit seinem Buch auf der Longlist des Deutschen Buchpreis 2016. Und da gehört er auch hin.

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  • Rezension zu "Infanta" von Bodo Kirchhoff

    Infanta
    Monsignore

    Monsignore

    05. April 2010 um 16:32

    Anders als alle anderen Romane: Sechs alte Priester erleben in einer Missionsstation in Äquatornähe plötzlich und völlig unerwartet den inneren Frühling: ihre Haushilfe ist vom Mädchen zu einer nicht nur bildschönen, sondern durch den Einfluss der Patres auch noch blitzgescheiten Frau geworden. Für die örtlichen Jungs ist diese Kombination abschreckend, doch die alten Herren sind begeistert. Während die Patres noch mit ihrer letzten harten Prüfung hadern, kommt ein Gast - ein gutaussender Deutscher aus Rom, der kurzerhand mit der Haushilfe ins Bett steigt. - Na, klingt das spannend? Natürlich nicht. Aber es ist trotzdem ein richtig gutes Buch, ich habe es schnell von vorne bis hinter gelesen und mich daran erfreut.

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