Bodo Kirchhoff Verlangen und Melancholie

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Inhaltsangabe zu „Verlangen und Melancholie“ von Bodo Kirchhoff

Was trägt eine Liebe? Wann endet ein Leben? Hinrich findet an einem sonnigen Maitag einen Brief mit schwarzem Rand in seinem Briefkasten. Hinrich wagtnicht, den Umschlag zu öffnen. Seit seine Frau vor neun Jahren bei einem Sturz ums Leben gekommen ist, lebt er allein.Erst eine Reise nach Warschau bringt Aufklärung – und stellt alles auf den Kopf, woran er geglaubt hat.Ein großer Roman über Liebe und Verrat – und über die Frage, welches Leben der Mensch führte, den man am besten zukennen glaubte.

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    Verlangen und Melancholie

    Gospelsinger

    25. February 2015 um 21:53

    „Alte Paare haben etwas von Buchstützen, dazwischengeklemmt ihr Leben, das, was einmal war und nie mehr sein wird(…)“ Hinrichs Frau Irene hat sich diesem Leben durch Suizid entzogen, und nachdem er nun auch seine Tätigkeit bei einer großen Zeitung, wo er für die Regionalkultur zuständig war, nicht mehr ausübt, füllt er seine Tage mit dem Nachdenken über das Warum dieser Tat und mit Erinnerungen an gemeinsame Aufenthalte in Italien. Das beschäftigt ihn so sehr, dass ihn auch ein mysteriöser Brief mit schwarzem Rand nicht davon abhalten kann; er zögert das Öffnen des Briefes immer weiter hinaus. Hinrich kann nur von seinem Enkel Malte, dem er durch das Deutsch-Abitur hilft, aus seinen Grübeleien herausgerissen werden. Hinrich bedauert die heutige Generation, „weil ihnen die Zukunft im Nacken sitzt, das erste Praktikum, der beste Studienplatz, ihr Auslandsjahr mit Sternchen, die lückenlose Vita, während in unseren Nacken nur das endlich über den Fassonschnitt gewachsene Haar kitzelte (…) und die Zukunft der nächste Tag war.“ Schließlich überredet Malte Hinrich, das Schwarzgeld zu retten, das Irene gehört hat und das noch auf einem Konto in der Schweiz liegt. Die beiden begeben sich also auf eine gemeinsame Reise, und diese Reise findet nicht nur äußerlich statt. „Die Erinnerungen an das Schöne, das lange zurückliegt, sie sind größer als man selbst, und ihre Übermacht kommt immer unerwartet, wie aus dem Hinterhalt.“ Es ist auch eine Reise der Erinnerungen, und zu der Erinnerung an Irene gesellt sich die Erinnerung an Hinrichs erste große Liebe, Almut, und an seine frühere Geliebte, Marianne. Und auch dem „Warum“, der Frage, warum Irene Suizid begangen hat, kommt Hinrich auf dieser Reise näher. Sehr viel Handlung hat dieses Buch nicht, das braucht es jedoch auch nicht. Das Buch lebt von der Sprachmacht des Autors, von den klugen Formulierungen, den Betrachtungen über Liebe, Entfremdung, Verlust und Gefühl, von den Beschreibungen Frankfurts und Italiens. Dies ist eines dieser Bücher, die einen völlig aus den Alltag reißen, die einen anspruchsvoll unterhalten und auch fordern, die einen in wunderbarer Sprache schwelgen lassen.

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  • Eine gedankliche Reise in die Vergangenheit, voll Verlangen und Melancholie

    Verlangen und Melancholie

    Insider2199

    Eine gedankliche Reise in die Vergangenheit, voll Verlangen und Melancholie Dies ist mein erster Roman von Bodo Kirchhoff und wird sicherlich nicht mein Letzter bleiben – so viel ist schon sicher! Das wunderschöne Cover, der sehr treffende Titel und interessante Klappentext hatten es mir angetan, und ich bin wahrlich nicht enttäuscht worden... Zum Inhalt: Hinrich, ein pensionierter Frankfurter Kultur-Redakteur, verlor seine Frau Irene vor 9 Jahren, die sich ohne Abschiedsbrief mit einem Sturz vom 43 Meter hohen Goetheturm das Leben nahm. Abgesehen von seinen gelegentlichen Kontakten zu seiner Tochter Naomi und seinem Enkel Malte, dem er durch Diskussionen über Romantik und Ethik durchs mündliche Abitur hilft, lebt er zurückgezogen, nur in Erinnerungen schwelgend – vor allem über die Frauen in seinem Leben: seine Jugendliebe Almut, die er mit seinem Enkel Malte in Zürich trifft, seine Geliebte Marianne, die ein Geheimnis hütet, und Zusan, die Polin aus Warschau, die ihm über den Verlust von Irene hinweg hilft. Aber vor allem quält Hinrich die Frage, warum Irene sich das Leben nahm und woran es lag, dass er die Zeichen nicht erkannte. Ist die Antwort darauf vielleicht in dem Brief mit schwarzem Rand zu finden, den er eines Tages erhält? Hinrich ist noch nicht bereit, sich dieser Wahrheit zu stellen... Meine Meinung: Was sofort auffällt ist die poetische Sprache und das Fehlen von Anführungszeichen. Der eine oder andere Leser mag dies evtl. vielleicht am Anfang als gewöhnungsbedürftig empfinden, mich hat es eigentlich nicht gestört, denn trotz allem kann man dem Erzählten sehr gut folgen und der Text liest sich flüssig. Viele Passagen möchte man markieren (oder tut es sogar), weil sie so schön poetisch oder treffend sind oder man sie einfach nicht vergessen möchte. Hier drei Kostproben: „Das Erwachsenenleben, es beginnt nicht mit dem Führerschein, dem Studium oder dem ersten Job, es beginnt mit der ersten Stunde, in der man mit sich selbst allein ist und ahnt, dass es so enden wird.“ – „...wohl wissend, dass alles Denken einem immer nur sagt, wer man ist, hingegen das Sichvergessen einem eröffnet, dass man ist.“ – „Die Kritik ist keine Leidenschaft des Kopfes, sie ist der Kopf der Leidenschaft.“ Was als zweites auffällt ist die Handlungsarmut. Im ersten Teil gibt es eine kurze Reise nach Zürich, während dieser Hinrich mit seinem Enkel Geld über die Grenze schmuggelt und seine Jugendliebe Almut trifft, und im zweiten Teil reist Hinrich nach Warschau, um die Polin Zusan zu suchen, aber abgesehen davon, besteht der Roman vornehmlich aus Gedanken und Erinnerungen. Durch Hinrichs Angst, den „Umschlag mit Rand“ zu öffnen, wird subtile Spannung beim Leser aufgebaut, obwohl ich mir persönlich gewünscht hätte, dieser erste Teil (vor der Reise nach Warschau) wäre ein wenig gestraffter gewesen. Besagter zweiter Teil in Warschau und später dann in Italien verleiht dem Text insgesamt viel Dynamik. Hinrich trifft sich mit einem alten Freund, der ihm nicht nur die Stadt zeigt, sondern ihn auch der großen Kern-Frage des Romans, dem „Warum“ – Warum musste Irene sterben? – langsam näher bringt. Wobei allerdings dem Leser viel Raum für Spekulation gelassen wird. Normalerweise mag ich ja keine unbeantworteten Fragen (oder offene Enden), aber in diesem Fall hat es mich eigenartigerweise nicht gestört, und ich führe dies darauf zurück, dass der Autor dem Leser sehr geschickt mögliche Antworten gibt, über die er sich selbst seine Gedanken machen oder ein Urteil bilden kann. Somit ist es letztlich gar nicht mehr so wichtig, was wirklich geschah, sondern nur eben die Sichtweise jedes einzelnen Lesers – das fand ich sehr interessant und habe es so auch noch nie in einem Buch vorgefunden. Deswegen wird wahrscheinlich auch jeder Leser auf die Frage „Warum hat Irene sich umgebracht?“ eine etwas andere Antwort geben. Eine Leserunde zu diesem Buch, sprich auch ein Austausch mit Autor und Lesern, hätte mir SEHR gut gefallen! So klappte ich am Schluss das Buch auch mit einem zufriedenen Seufzer zu und habe noch sehr lange über diesen Roman nachdenken müssen – was ich sehr positiv meine; ich mag diese gleiche Wirkung auch bei Filmen: gerade gestern verließ ich das Kino, in dem ich mir „Interstellar“ ansah, ein Film meines absoluten Film-Gotts Christopher Nolan und musste auch Stunden über diesen genialen Plot nachdenken (vergleichbar mit „Memento“ oder „Inception“) – und das ist für mich ein Zeichen von Qualität, weil nicht sehr viele Bücher oder Filme diese Wirkung bei mir hinterlassen haben oder konnten – dieses Buch konnte es! Fazit: Ein sprachlich und thematisch sehr anspruchsvoller Roman – Kirchhoff spricht hier über die großen Themen des Lebens wie die Liebe und den Tod, aber auch über das Älter werden und die damit verbundene Melancholie bei gleichzeitig jung bleibendem Verlangen; abgerundet wird das Ganze mit gedanklichen Ausflügen in die Kunst (Eros in Pompeji) und Dichtung (Gedichte von Pier Paolo Pasolini, dem umstrittenen, italienischen Dichter und Regisseur, der auch vorne im Buch eine Widmung erhält) und Impressionen von Italien (Venedig, Rom, Neapel). Es ist sicherlich kein Buch, das man mal schnell nebenbei liest, aber wenn man sich ganz darauf einlässt, ist es ein literarischer Genuss, den ich nur weiterempfehlen kann – daher die vollen 5 Sterne (trotz ein paar Längen im ersten Teil). Ich habe mir bereits vorgenommen, weitere Werke von diesem Autor zu lesen, z.B. den Vorgänger „Die Liebe in groben Zügen“ oder auch „Infanta“ und „Parlando“.

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  • Gewinnt die Lieblingsbücher des LovelyBooks-Teams aus dem Jahr 2014!

    Wurfschatten

    Daniliesing

    In diesem Jahr hat das LovelyBooks-Team wieder fleißig gelesen und dabei tolle Bücher entdeckt. Natürlich möchten wir euch auch 2014 nicht vorenthalten, welche Bücher uns am meisten begeistert, berührt und gefesselt haben. Deshalb findet ihr hier nun jeweils das Lieblingsbuch von allen Teammitgliedern aus diesem Jahr. Ein glücklicher Gewinner darf sich später über ein Buchpaket mit allen 12 Büchern freuen und damit eine wunderbare Lesezeit verbringen. Unsere Buchtipps: 1. Jules1988 empfiehlt: "Miss Blackpool" von Nick Hornby Mein Lieblingsbuch 2014 ist Nick Hornbys neuer Roman „Miss Blackpool“. Obwohl es kein typischer Hornby ist, liebe ich das Buch als Fan trotzdem. Hornbys feinsinniger Humor und seine liebevolle und einfühlsame Art, seine Figuren zu beschreiben - sowohl ihre Stärken als auch ihre Schwächen - machen diesen Roman so besonders. Man verliert sich in der Geschichte des Teams rund um Barbara, ihre Höhen und Tiefen, Freundschaft und Liebe und hat dabei das Gefühl, diese Menschen wirklich zu kennen. 2. Daniliesing empfiehlt: "Der Träumer" von Pam Muñoz Ryan und Peter Sis Für mich war "Der Träumer" eine ganz zufällige Entdeckung beim Büchershopping. Nur selten finde ich noch Bücher, die ich nicht zuvor schon irgendwo gesehen habe, doch hier wurde ich überrascht. Einmal aufgeschlagen und die ersten Sätze gelesen, hatte mich dieses wunderbare Buch aus dem Aladin Verlag sofort verzaubert. Als ich dann die großartigen Illustrationen von Peter Sis entdeckte, war es um mich geschehen: dieses Buch musste mir gehören! Schnell stellte sich heraus, dass ich mit meiner Entscheidung absolut richtig lag. Im Urlaub nahm ich das Buch zur Hand und konnte es gar nicht mehr zur Seite legen. Zwar ist das Buch als Kinderbuch ausgezeichnet, doch mit seinen 380 Seiten und einer wunderbar poetischen Sprache ist es für jeden erwachsenen Buchliebhaber ein wahrer Genuss. Pam Muñoz Ryan erzählt tiefgründig und bewegend die Geschichte des kleinen Neftali, dem der Leser beim Erwachsenwerden zuschauen darf. Der Junge hat keine leichte Kindheit - sein Vater macht es ihm mit hohen Erwartungen schwer, er ist häufig krank und lebt lieber in seiner eigenen Phantasie, statt draußen rumzutollen. Neftali ist ein Träumer! Wie der Junge sich trotz aller Schwierigkeiten durchschlägt und die Lebensgeschichte welches bekannten Dichters sich dahinter verbrigt, das solltet ihr am besten selbst herausfinden. Dieses Buch geht zu Herzen und ist mein persönliches Jahreshighlight! 3. TinaLiest empfiehlt: "Wurfschatten" von Simone Lappert Mich hat dieses Jahr besonders der Debütroman von Simone Lappert begeistern können: „Wurfschatten“ ist nicht nur äußerlich ein wunderschönes Buch, sondern es besticht auch durch die beeindruckende Schreibkunst, die die Autorin an den Tag legt. Sie schafft es, die Ängste, die die Protagonistin Ada beherrschen, beklemmend und dunkel zu beschreiben und die Geschichte doch zart wirken zu lassen, einfühlsam und authentisch. Mit dem kleinen, wenn auch vorhersehbaren Hauch Liebe, der Adas Ängste zurückzudrängen versucht, und der Prise Drama am Ende hat "Wurfschatten" mich dann endgültig abgeholt und den Roman für mich zu etwas Besonderem gemacht. Ich hoffe sehr, dass bald ein zweites Buch von Frau Lappert folgen wird und kann in der Zwischenzeit nur jedem ihr Erstlingswerk empfehlen! 4. JohannaE1988 empfiehlt: "Die hellen Tage" von Zsuzsa Bánk In "Die hellen Tage" erzählt Zsuzsa Bánk auf eine besonders schöne und ruhige Art eine Geschichte über Freundschaft, Familie und die schwierige Zeit des Erwachsenwerdens. Beim Lesen begleitet man die drei Freunde Aja, Seri und Karl von der glückvollen und teils auch tragischen Kindheit bis zum Erwachsenenalter und wünscht sich bei einem der so unbeschwerten Tage im zauberhaften Garten, die die drei so oft erlebten, dabei gewesen zu sein. Alle drei, so unterschiedlich sie auch sind, teilen das Schicksal, mehr oder weniger ohne Vater aufzuwachsen. Neben der Geschichte über eine besondere Freundschaft und der innigen Beziehung zwischen den Kindern und ihren Müttern, hat mich vor allem die unaufgeregte Erzählweise Bánks und ihre einfühlsame und warme Sprache beeindruckt und mich richtig entspannen lassen. Auch bei den Zerreißproben und Schwierigkeiten, die die drei im Laufe der Geschichte durchleben müssen, bangt und hofft man mit und fühlte ich mich oft an meine eigene Kindheit und Jugend erinnert. 5. aba empfiehlt: "Unterholz" von Jörg Maurer Ich habe sehr gute Bücher gelesen in diesem Jahr. Manche Bücher haben mich tief berührt, andere haben mich nachdenklich gemacht - aber mit Jörg Maurer habe ich auf hohem Niveau gelacht! Für mich kam dieses Buch im richtigen Moment. Es hat mich amüsiert und abgelenkt. "Unterholz" ist der fünfte Band um den oberbayrischen Kommissar Jennerwein, einer meiner literarischen Lieblingsfiguren überhaupt. Krimis gehören nicht zu meiner Lieblingslektüre, aber nachdem ich den ersten Band dieser Serie gelesen habe, konnte ich nicht anders, als ein Fan von Jörg Maurer und vom ganzen Team um Kommissar Jennerwein zu werden! 6. doceten empfiehlt: "Beginners" von Raymond Carver Raymond Carver gilt neben Hemingway als einer der ganz großen Autoren der American Short Story: mit geschliffener und schnörkelloser Sprache auf den Punkt gebracht sind seine Themen Verlust, Einsamkeit und das Scheitern der amerikanischen Mittelschicht. Seine Geschichten deprimieren, erschüttern mit jeder Zeile. Mit Beginners erscheint seine Buch "Wovon wir reden, wenn wir über Liebe sprechen" erstmalig in der Urfassung, ohne die stark kürzenden Eingriffe seines Lektors Gordon Lish. Nicht ganz so lakonisch und brachial, dadurch aber viel berührender. Ein Buch, um dunkle Wintertage noch dunkler zu machen - manchmal braucht man das ja. 7. clickclackboom empfiehlt: "Das Haus des Windes" von Louise Erdrich Auch wenn Lieblingsbücher zu bestimmen mir schwer fällt, da es immer so viele gute Bücher gibt, kann ich sagen, dass „Das Haus des Windes“ eines meiner liebsten Bücher 2014 ist. Es erzählt die Geschichte vom 13-jährigen Joe, der das unaufgeklärte Verbrechen an seiner Mutter rächen möchte und dabei erwachsen werden muss. Die Protagonisten des Romans sind Nachfahren der nordamerikanischen Indianer und so bekommt man interessante Einblicke in das Leben im Reservat, die Stammesgeschichten und die Gesellschaftsverhältnisse in den USA. Obwohl es um ein ernstes, trauriges Thema geht, ist „Das Haus des Windes“ ebenso ein lustiges Buch über das Leben als Teenager und die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens. Louise Erdrich hat Charakter geschaffen, die vielschichtig sind und die einem beim Lesen ans Herz wachsen. 8. kultfigur empfiehlt: "Die Hyperion-Gesänge Band 1-2" von Dan Simmons Dan Simmons erzählt fantastisch, die Bücher entwickeln einen Sog, den ich bisher sehr selten erlebt habe. Jeder, der gerne Science Fiction liest und philosophisch angehauchte Bücher liebt, wird die insgesamt rund 3.000 Seiten nur so verschlingen. Die beiden Bücher sind nicht nur mein persönliches Highlight 2014, sondern ganz weit oben auf der Liste meiner Herzensbücher. Ich wünschte, ich könnte noch einmal von vorne beginnen! 9. Katha_Luko empfiehlt: "Pfaueninsel" von Thomas Hettche Hettches Buch öffnet die Türen zu einer Welt voller Exotik, Groteske und Kuriositäten aber auch zu der komplexen und zerbrechlichen Architektur der menschlichen Seele. Die Hauptfigur ist Marie, die als Kleinwüchsige auf die preußische Lustinsel verfrachtet wird, um dort zum Vergnügen des Königs als Schlossfräulein ihr Dasein zu verbringen. Neben einem Mohr, einem Riesen, wilden Tieren und geheimnisvollen Pflanzen gilt sie als eine von vielen verqueren Launen der Natur. Damit steht sie im krassen Kontrast zu einer damals weit verbreiteten naturphilosophischen Auffassung, die nur das Wohlgeformte und Regelmäßige für schön und wertvoll erklärt – eine Auffassung, die mit ihren Jahren auf der Insel Maries Menschenwürde und Lebensmut beständig abträgt. Hettches „Pfaueninsel“ fängt Atmosphären ein als wäre er selbst Zeuge des merkwürdigen Lebens auf der Insel gewesen, seine Charakterzeichnungen und Schilderungen seelischer Zustände und schließlich seine authentische Zeichnung der historischen Gegebenheiten ziehen den Leser in ihren Bann: Ich war selten so berührt von einem Buch und seiner Hauptfigur! 10. peckomingo empfiehlt: "Cobra" von Deon Meyer Viel Zeit zu lesen hatte ich leider nicht in diesem Jahr, doch bei meiner Südafrika-Reise wurde natürlich ein Deon Meyer-Buch gelesen. Cobra ist nicht nur ein Thriller, sondern gleichzeitig auch eine Mischung aus Politik und psychologischen Betrachtungen. Das Tempo und die Spannung werden durchgehen hoch gehalten. Schauplätze, Eigenheiten und Sitten des Landes werden authentisch vermittelt. 11. Sophia29 empfiehlt: "Rosen, Tulpen, Nelken" von Heike Wanner Zu meinen Lieblingsbüchern 2014 gehört definitiv „Rosen, Tulpen, Nelken“ von Heike Wanner. Ich habe von der Autorin schon mehrere Bücher gelesen, aber dieses hat mir ganz besonders gut gefallen. Es geht darin um Sophie, die ihre Mutter schon in frühen Jahren verloren hat. Zufällig fällt ihr eines Tages das Poesiealbum ihrer Mutter in die Hände und als sie es durchblättert, stellt sie fest, dass sie keinen der darin enthaltenen Namen kennt. Um mehr über das Leben ihrer Mutter und somit auch mehr über sich selbst zu erfahren, macht sie sich mit ihren zwei besten Freundinnen in einem Wohnmobil auf den Weg und versucht die Personen zu finden, die im Leben ihrer Mutter eine Rolle gespielt haben … Heike Wanner ist es in diesem Buch gelungen, zwei Geschichten – die Geschichte von Sophie und die ihrer Mutter – auf spannende Weise miteinander zu verbinden und gleichzeitig zu verdeutlichen, wie unverzichtbar wirklich gute Freunde in unserem Leben sind. Seid ihr neugierig auf unsere 12 Lieblingsbücher 2014 geworden? Dann habt ihr bis einschließlich 7. Januar Zeit bei der Verlosung eines Buchpakets mit allen 12 Büchern mitzumachen. Jetzt müsst ihr uns nur noch folgendes verraten und dann seid ihr dabei: Da wir immer gerne Bücher verschenken, würden wir von euch gern wissen, welche Bücher ihr dieses Jahr zu Weihnachten verschenkt und wieso ihr euch für genau diese entschieden habt? Wir wünschen euch ein wunderschönes Weihnachtsfest & einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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  • „… was Sie hier sehen, ist das Verlangen, das immer nur fast erreichbare Glück…

    Verlangen und Melancholie

    serendipity3012

    06. December 2014 um 15:02

    „… was Sie hier sehen, ist das Verlangen, das immer nur fast erreichbare Glück…" Hinrich, ehemaliger Kulturredakteur in seinen 60ern, hat vor neun Jahren seine Frau Irene verloren, die sich durch einen Sprung vom Frankfurter Goetheturm das Leben nahm. Seitdem versucht er, ihren Tod zu begreifen und zu verstehen, was ihm nicht recht gelingen möchte. Hinrichs Tochter Naomi hat längst ihr eigenes Leben, sein Enkel Malte steckt gerade mitten im Abitur, durch das der Großvater ihm hindurch hilft, indem sie Literatur- und Ethikthemen diskutieren. Als Hinrich einen schwarz umrandeten Brief erhält, öffnet er den Brief zunächst nicht. Er ist sicher, dass niemand in seinem engeren Umfeld ist gestorben ist, und so legt er den Brief erst einmal beiseite. Hinrich befindet sich stets zwischen „Verlangen und Melancholie“, dem so treffenden Titel des neuen Romans von Bodo Kirchhoff. Der Leser ist dabei, wenn Hinrich und Malte in einer nicht ungefährlichen Aktion Schwarzgeld aus der Schweiz nach Deutschland herüberzuschaffen versuchen. Und wenn Hinrich sich – immer auch voller Liebe – ein wenig darüber wundert, mit welcher Selbstverständlichkeit Malte sich in unserer hoch technisierten Welt zurechtfindet, während er aber immer aus seiner Sicht des Älteren beobachtet, wie Malte das Leben sieht. So zum Beispiel: „Das Erwachsenenleben, es beginnt nicht mit dem Führerschein, dem Studium oder dem ersten Job, es beginnt mit der ersten Stunde, in der man mit sich selbst allein ist und ahnt, dass es so enden wird.“ Das Verhältnis zwischen Enkel und Großvater ist aber nur eines von mehreren, denen sich Kirchoffs Roman widmet. Vor allem Hinrichs Beziehungen zu einigen Frauen, die in seinem Leben eine große Rolle gespielt haben, stehen im Vordergrund. Da ist Marianne, mit der Hinrich noch zu Irenes Lebzeiten eine Affäre hatte, da ist die junge Polin Zusan, die er bereits verwitwet kennenlernte und die ihm in alltäglichen Dingen half. Und seine Jugendliebe Almut, die er nach vielen Jahren noch einmal wieder trifft. Indem er das, was ihn mit diesen Frauen verband, Revue passieren lässt, geht es im Kern aber immer wieder um Irene, seine große Liebe, darum, wie gut man einander kennt, auch nach jahrzehntelanger Ehe, und immer wieder auch um das Alter, das er nun alleine erlebt. „… woran man hier kaum denken wollte und es doch tut, wenn man allein ist – sich endlos Gedanken machen, die schlimmste Alterskrankheit.“ Hinrich sucht vor allem nach der einen Antwort: Dem Grund für Irenes Selbstmord. Sie ging ohne Abschiedsbrief. Kirchhoffs Roman zieht in seinen Bann. Obwohl der Leserin die Lebensrealität eines älteren Mannes naturgemäß fremd ist, obwohl nicht alles, was Hinrich denkt und wie er handelt, immer leicht nachvollziehbar ist, so sind diese Einblicke in Hinrichs Leben doch erhellend, sie sind berührend, sie regen zum Nachdenken an – und auch zu Zustimmung und Verständnis. Hinrich begibt sich in „Verlangen und Melancholie“ in die Schweiz, nach Polen, nach Italien, vor allem reist er aber gedanklich. „Die Liebe in groben Zügen“, Kirchhoffs zuvor erschienener Roman, befasst sich mit der Institution Ehe. Er impliziert – so zumindest ist es den Feuilletons zu entnehmen (leider habe ich den Roman noch nicht gelesen) – dass der Seitensprung zur Ehe dazu gehört. Zwar straft auch „Verlangen und Melancholie“ diese Behauptung nicht Lügen, trotzdem steht Protagonist Hinrich der Liebe und Ehe, der Entscheidung für einen einzigen Menschen, positiv gegenüber. Auch wenn dies in der Rückschau geschieht, da die Beziehung unwiederbringlich beendet ist und man über das Vergangene und die Verstorbenen gerne in Verklärung denkt. Obwohl Kirchhoff im letzten Drittel manchmal ein wenig die Luft ausgeht, der Roman vielleicht noch ein klein wenig gestrafft hätte werden können, war mein zweiter Kirchhoff (nach dem ebenfalls überzeugenden „Infanta“) eine begeisternde Lektüre. Stilistisch elegant, gut lesbar im besten Sinne. Reich-Ranicki sagte einst, in der Literatur interessierten ihn allein die Liebe und der Tod. Wir wissen nicht, ob ihm „Verlangen und Melancholie“ wohl gefallen hätte, aber Kirchhoff wagt sich hier an die großen Themen des Lebens.

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  • Die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2014 steht fest

    Poesiesoso

    Am 13. August hat die Jury die Longlist für den Deutschen Buchpreis bekannt gegeben. Im nächsten Schritt werden sechs dieser Titel für die Shortlist nominiert, die am 10. September veröffentlicht wird. Der Gewinner wird dann am 6. Oktober zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse verkündet.  Ich habe einige Titel so gar nicht auf der Longlist erwartet, andere wiederum hätte ich gern darauf gesehen. Wie geht es euch? Welches Buch ist euer Favorit? Was glaubt ihr, wer auf der Shortlist stehen wird? Hier nun die Kandidaten: Franz Friedrich: Die Meisen von Uusimaa singen nicht mehr, Sasa Stanisic: Vor dem Fest  , Heinrich Steinfest: Der Allesforscher , Thomas Hettche: Pfaueninsel , Lukas Bärfuss: Koala , Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand , Feridun Zaimoglu: Isabel , Ulrike Draesner: Sieben Sprünge vom Rand der Welt , Antonio Fian: Das Ploykrates-Syndrom , Esther Kinsky: Am Fluss , Angelika Klüssendorf: April , Martin Lechner: Kleine Kassa , Gertrud Leutenegger: Panischer Frühling , Charles Lewinsky: Kastelau , Thomas Melle: 3000 Euro , Matthias Nawrat: Unternehmer , Christoph Poschenrieder: Das Sandkorn , Lutz Seiler: Kruso , Marlene Streeruwitz: Nachkommen. , Michael Ziegelwagner: Der aufblasbare Kaiser

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