Bohumil Hrabal Ich habe den englischen König bedient

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Inhaltsangabe zu „Ich habe den englischen König bedient“ von Bohumil Hrabal

Der Pikkolo beginnt zu erzählen, nachdem er als solcher im "Hotel Zum Goldenen Prag" angestellt worden ist, wo er die Kunst des Servierens erlernen soll. Es bedurfte nicht viel Zeit, bis er begriff, was zu werden es sich lohne, was ihn entgegen seiner ärmlichsten Herkunft, entgegen seinem kleinen Wuchs groß machen würde. Millionär wollte er werden. Der Weg war lang, von Hotel zu Hotel, vom Oberkellner Zdenek zum Oberkellner Skrivanek, der, fragte man ihn, woher er denn alles wisse und warum er alles voraussehen könne, antwortete: Ich habe den englischen König bedient. Der Pikkolo aber, der schon längst keiner mehr war, war ausersehen, selbst diesen unübertrefflichen Mann zu übertreffen: Er durfte den abessinischen Kaiser bedienen. Verfilmt von Jiri Menzel mit Julia Jentsch.

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  • Rezension zu "Ich habe den englischen König bedient" von Bohumil Hrabal

    Ich habe den englischen König bedient
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    04. December 2012 um 13:05

    Mit ungefähr 15 Jahren kommt der Erzähler nach Prag und beginnt, als Pikkolo im Hotel zu arbeiten. Er erweist sich dank seiner Beobachtungsgabe und Lernbereitschaft als geschickt, aber auch als außerordentlich raffiniert. Während er die reichen Gäste beobachtet, reift sein Entschluss, selber reich werden zu wollen und einer von ihnen zu werden. Die ersten Schritte dorthin erleichtert ihm seine Unverfrorenheit: Beim Verkauf von heißen Würstchen am Bahnhof betrügt er Kunden, die bereits im Zug sitzen, um deren Rückgeld. Er zögert die Rückgabe möglichst so lange hinaus, bis der Zug mit Kunde und Würstchen, aber ohne Rückgeld abfährt. Ein Hotelgast, der selbst Opfer dieses Tricks wurde, nimmt den Pikkolo beiseite; er ist ihm nicht böse, sondern bestärkt ihn in seinem Treiben. Wie man an seinem Würstchenverkauf sehen könne, würde aus ihm Großes werden. Der Pikkolo arbeitet nach einer Zwischenstation in einem diskreten Hotel für die privaten Amüsements der Reichen und Wichtigen wieder in einem großen Haus, wo ihn ein routinierter Kellner einlernt. Dieser schult ihn darin, jedem Gast beim Hereinkommen bereits Herkunft und Speiseabsichten anzusehen. Doch die Anstellung in diesem Haus endet wie alle anderen bisher auch: Ihm wird gekündigt. Bisher in der Regel wegen eines Missverständnisses. Dieses Mal jedoch ist die Liebe schuld. Der Pikkolo hat sich ausgerechnet während des zweiten Weltkriegs in die deutsche Sportlehrerin Lisa verliebt. Hrabal lässt seinen Pikkolo eine Geschichte erzählen, die ganz harmlos beginnt. Der Ich-Erzähler blickt auf sein Leben zurück, berichtet von einer beruflichen Station nach der anderen. Immer weiter scheint er auf seiner Karriereleiter klettern zu können: Zuerst bedient er wohlhabende Prager, dann einen General und den Präsidenten, gefolgt von einem Diner des abessinischen Kaisers, bei dem er auserwählt wird, dem höchsten Gast persönlich zu servieren. Er fabuliert ein grandioses Festmahl zusammen, das die Leibköche des Kaisers gebraten haben und erhält für seine Dienste einen Orden. Mit diesem putzt er sich künftig bei jeder Gelegenheit heraus, um Anerkennung und Achtung zu erheischen. Die lustvolle Szenerie endet, als die Deutschen Prag besetzen. Während der Erzähler als heiratsfähig gestempelt wird, verurteilen zahllose andere Stempel seine Landsleute zum Tod. Zum ersten Mal scheint er richtig ins Grübeln zu kommen, ordnet seine Gedanken aber schnell seinem hoch gesteckten Ziel unter. Das Leben spielt nicht nur diesen Erwartungen des Erzählers seine Streiche. Ein Aufstieg mit Hilfe seiner deutschen Frau bleibt ihm verwehrt und auch nach dem Krieg gibt es keine Karriere. Er schaft es wohl, mit Lisas und seinem Geld ein Hotel zu kaufen, doch die Herkunft des Geldes, die ihm zu Beginn noch wenig Kummer bereitete, verschafft ihm nun schlaflose Nächte. Und die Hoteliers akzeptieren ihn nicht als Ihresgleichen, nicht einmal, nachdem er mit ihnen wegen seiner Millionen interniert wird. Die Erzählung spielt auch mit den Erwartungen des Zuhörers. Der Pikkolo wirkt naiv und hilflos, entpuppt sich aber als sehr wandelbar und dreht sein Fähnchen in jeder Situation geschickt nach dem Wind. Er weiß aus Unglücken seinen Vorteil zu ziehen und tappt stur mit jeder Strömung mit. Hauptsache, sie bringt ihm seinem Ziel ein wenig näher. Zur positiven Identifikationsfigur wird man damit nicht, wohl aber zu einem Anker in der Geschichte, mit dem man Jahr für Jahr an den Geschicken des Landes und der Leute teilhaben kann. Wolfram Berger erzählt die Geschichte des Pikkolos ganz hervorragend und authentisch; das dürfte zu einem großen Teil daran liegen, dass er im Gegensatz zu vielen anderen Sprechern Dialekt sprechen darf. Und so scheint der Pikkolo direkt neben einem zu sitzen, um sein Leben auszubreiten. Eine hervorragende Umsetzung, die im Vergleich zum Buch wohl gekürzt scheint, aber wenig an ihrem grotesken Humor und ihrer Zweischneidigkeit verloren haben dürfte.

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