Boris Fishman

 3.7 Sterne bei 6 Bewertungen

Lebenslauf von Boris Fishman

Boris Fishman, geboren 1979 in Minsk, emigrierte 1988 mit neun Jahren nach Amerika. Heute lebt er in New York und arbeitet in der Redaktion des "New Yorker". "Der Biograf von Brooklyn" ist sein erster Roman und erscheint im Winter 2015 bei Blessing.

Alle Bücher von Boris Fishman

Der Biograf von Brooklyn

Der Biograf von Brooklyn

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Erschienen am 02.11.2015
Wodka Kalaschnikow

Wodka Kalaschnikow

 (1)
Erschienen am 07.11.2005
Wild East

Wild East

 (0)
Erschienen am 01.10.2004
A Replacement Life

A Replacement Life

 (0)
Erschienen am 20.01.2015
The Creative Writer

The Creative Writer

 (0)
Erschienen am 15.12.2011

Neue Rezensionen zu Boris Fishman

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Klene123s avatar

Rezension zu "Eine Welt voller Wunder und rein gar nichts zu befürchten" von Boris Fishman

Roadtrip zu sich selbst
Klene123vor einem Jahr

Maya und Alex sind russische Amerikaner oder amerikanische Russen? Sie wissen es manchmal selbst nicht so ganz. Beide haben ihre kulturellen Wurzeln in ihr neues Leben integriert, aber hier und da auf eine andere Weise. Sie leben gemeinsam mit den Eltern von Alex und ihrem Sohn Max, der adoptiert ist, in New Jersey. Ein Kleinstadtleben wie im Bilderbuch sollte es sein, aber ist es irgendwie doch nicht. Max ist ein bisschen anders als Maya und Alex es sich erhofft hatten und nun überlegen sie woran das liegen könnte. An den Genen? An der Erziehung? An der Religion? An der Umgebung?

Um das herauszufinden, versucht Maya alles mögliche: Psychologe, Wahrsagerin bis hin zu einem Roadtrip.


Doch dieser Trip wird eher eine Reise zu ihrem Selbst. Dabei kommt Max irgendwie zu kurz, denn in den Stellen in denen er zu Wort kommt, ist er ein schlauer und aufgeweckter Junge von dem ich gerne mehr erfahren hätte. Auch Alex ihr Mann bleibt sehr grau in der Geschichte. Nur ihre Schwiegereltern bekommen etwas Farbe und auch damit einhergehend, Mayas Träume, Wünsche und Sehnsüchte. Leichtfüßig finde ich es leider nicht, Maya erzählt mit einer gewissen Schwermut und wird mir einfach nicht sympathisch. Ich kann ihre Beweggründe nur hier und da nachvollziehen.

Was mich weiter lesen lässt, ist die Hoffnung auf Auflösung und die wundervolle Beschreibung der Landschaft.


Fazit 

Mir bleiben Mayas Gedanken häufig zu oberflächlich und die Geschichte damit farblos. Man hätte ein bisschen mehr Gedanken der anderen Familienmitglieder einbringen können. Dennoch sind hier und da tolle Gedanken dabei und der malerische Schreibstil treibt einen weiter.

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Bris avatar

Rezension zu "Der Biograf von Brooklyn" von Boris Fishman

Geschichtenerzähler und Sammler
Brivor 2 Jahren

Slava kam als Kind mit seiner Familie über Umwege aus Weißrussland nach Amerika. Eine Genehmigung für eine problemlose Ausreise gab es ausnahmslos für Israel. Amerika war nur über mehrere europäische Stationen erreichbar. Im Gegensatz zu seiner Familie versucht Slava seine Herkunft aus dem Gedächtnis und damit aus seinem Leben so weit wie möglich herauszuhalten.Zwar wohnen alle Familienmitglieder in New York, doch trennen Slava und seine Eltern und Großeltern mittlerweile Welten.

Während seine Familie ihr weißrussich-jüdischen Wurzeln eher pflegt, führt Slava ein amerikanisches Leben. Er arbeitet als Jungredakteur, im Grunde möchte er aber mehr als die "zum Piepen" benannte Kolumne füttern, die Stilblüten anderer Zeitungen kommentiert. Eigentlich fühlt er sich als Schriftsteller. Kurz nach dem Tod seiner Großmutter, die als junge Frau im Minsker Ghetto lebte, trifft ein Brief der „Konferenz für jüdische Schadensersatzansprüche gegen Deutschland“ ein. Da die eigentlich zu entschädigende Person keine Ansprüche mehr geltend machen kann, hat der erfinderische und clevere Großvater eine Idee: Auch wenn Großmutter Sofias Schicksal nicht ganz den Voraussetzungen entspricht, die gegeben sein müssen, um eine Entschädigung zu erlangen, so hätte sie doch nach humanen Maßstäben jedes Recht auf eine Zahlung. Slava will sich Geschichten ausdenken? Hier bekommt er die Gelegenheit. Zunächst soll er nur für den Großvater einen Antrag "aufhübschen", doch dabei bleibt es nicht ...

Boris Fishmans Geschichte um den leicht betrügerisch veranlagten Großvater, der seinen Enkel zur Fälschung anstiftet, liest sich zunächst witzig, locker und unterhaltsam. Doch nach einem rasanten Einstieg gerät die Lektüre - analog zu den Lebensumständen des Hauptprotagonisten - ein wenig ins Schlingern. Slava wird zwischen den unterschiedlichen Personenkreisen, zwischen den verschiedenen Lebenswelten hin und her geworfen - seinem Innenleben ist das nicht eben zuträglich und der Leser sieht sich mit einer Reihe von Personen konfrontiert, die teilweise kurz auf der Bühne des Geschehens erscheinen, um rasch wieder zu entschwinden. Die Darstellung einer bestimmten Lebensweise scheint dieses Vorgehen zu erfordern, verwirrt aber leider ein wenig. Wohin die Reise gehen mag, die so zügig in eine Richtung zeigte, ist zunächst fraglich. Auch das kann spannend sein, gewisse Bezüge aber muss man sich erarbeiten. Glücklicherweise enthält der Roman einen kurzen Anhang, der Anspielungen erklärt, die man als nicht aus dem russischen Kulturkreis stammender Mensch, nicht eben parat haben muss. Die Struktur des Roman, die sich Fishman gewählt hat, steht ganz offensichtlich in der Tradition der großen russischen Erzähler.

Dennoch gelingt es sowohl Slava als aus dem Leser aus der Verwirrung wieder aufzutauchen. Das Spiel mit Lüge und Wahrheit bringt ihn seiner Familie wieder näher. Dabei entdeckt er etwas ganz wesentliches für sein weiteres Leben: die Vergangenheit gehört zum Leben. Wie Fishman seinen Hauptprotagonisten diese Erkenntnis finden lässt ist durchaus beachtenswert. Denn obwohl Slava seine Großmutter geliebt hat, hat er sie nie nach ihren Erlebnissen während des Zweiten Weltkrieges befragt. Wie in vielen Familien wurden diese prägenden Erlebnisse verschwiegen, um ein neues Leben beginnen zu können. Doch letztendlich ist dieses Schweigen ein Fehler - auch wenn die Erinnerung schmerzhaft ist - beraubt es die Nachkommen doch einer Facette von Identifikation von Verständnis, die wichtig ist, um einen eigenen Platz zu finden. Glücklicherweise stellt Fishman Slava aber einen äußerst pragmatischen und gewieften Großvater an die Seite, der den Enkel nur allzu gerne in die eigene kulturelle Enklave in Brooklyn zurück holen möchte. Ob es ihm gelingt? Das sollte sich jeder selbst erlesen. Eine besondere Beziehung zwischen Enkel und Großmutter, die das Versäumte nicht ungeschehen machen kann, aber dennoch versöhnlich stimmt, bildet ein denkbar gutes Ende, das nicht unbedingt ein glückliches sein muss. Aber lest selbst.








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PrinceXLs avatar

Rezension zu "Der Biograf von Brooklyn" von Boris Fishman

Auswanderer in NYC
PrinceXLvor 3 Jahren

Slavas Familie stammt aus Minsk in Weißrussland. Seine Großmutter hat das jüdische Ghetto dort überlebt, was nur wenigen gelang. Damit wäre sie berechtigt, Zahlungen von Deutschland zu erhalten. Da sie nun aber leider verstorben ist, kommt sein Opa auf die Idee, ihre Geschichte zu seiner zu machen. Slava lässt sich schließlich überreden, den Brief mit der gefälschten Biografie zu formulieren. Sein Großvater, eifrig wie er ist, informiert einige Landsleute in der Nachbarschaft darüber, die Slava sogleich bitten, auch für sie tätig zu werden. Damit wird das Geschichtenbasteln fast schon zu seiner Hauptbeschäftigung. Er wird im Laufe der Zeit immer nervöser wegen dieser illegalen Tätigkeit. Wird er nicht schon verfolgt? Kann sein Großvater denn nichts für sich behalten?

Boris Fishman rückt eine Generation ins Rampenlicht, die bald schon ausgestorben sein wird. Seine alten, liebenswert kauzigen Charaktere sind im alltäglichen Straßenbild eher unauffällig. Was sie aber im Laufe ihres Lebens mitgemacht haben prägt sie bis heute. In Kriegszeiten und danach in der Sowjetzeit, in der die Juden auch unterdrückt wurden, waren Anpassungsfähigkeit und Einfallsreichtum nötig, um über die Runden zu kommen. Slava dagegen ist nach der Auswanderung nach Amerika in einer ganz anderen Gesellschaft aufgewachsen. Er versucht sich von den weißrussischen Wurzeln zu lösen und bricht den Kontakt zur Familie ab. Erst als seine Oma stirbt wendet er sich ihr wieder zu. Somit muss er doch einen Weg finden, diesen Konflikt zwischen seiner Abstammung und seinem modernen Leben zu lösen.

Die Sprache des Romans ist weder blumig noch verschachtelt. Trotzdem erscheinen mir die Beschreibungen der Orte und Personen sehr bildhaft. Besonders die Dialoge zwischen Slava und seinem Großvater fand ich herrlich. Ständig sind sie am Streiten und doch voller Zuneigung. Das ist sehr gut eingefangen.

Nicht zuletzt ist das Buch auch eine Liebeserklärung an New York. Ob Brooklyn oder Manhattan, die Atmosphäre und die Facetten der Stadt und deren Einwohner wirken sehr lebendig und glaubhaft. Gerade das Multikulturelle macht diese Stadt so einmalig.

Mein Fazit:

Eine Familiengeschichte von Auswanderern und den nachfolgenden Generationen. Für mich ist das Buch ein interessanter Einblick in das Leben von Menschen, die ihre Heimat verlassen haben um für sich und ihre Kinder eine freie und würdigere Zukunft zu finden. Besonders gut gelungen finde ich die Sprache, mit der der Autor eine glaubwürdige Atmosphäre und ganz besondere Charaktere erschafft.

© Marcus, buecherkaffee.de 


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