Boris Fishman Der Biograf von Brooklyn

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Inhaltsangabe zu „Der Biograf von Brooklyn“ von Boris Fishman

Den Journalisten Slava Gelman aus Manhatt an und seine aus der Sowjetunion nach Brooklyn emigrierte, schrullige Familie trennen nur ein paar U-Bahn-Stationen – und doch Welten. Nun ist Slavas geliebte Großmutter Sofia gestorben, gleichzeitig trifft ein Brief der „Konferenz für jüdische Schadensersatzansprüche gegen Deutschland“ ein. Ob Sofia eine Vergangenheit zu erzählen hat, die eine Entschädigung rechtfertigt? Slavas Großvater wittert eine Gelegenheit. Auch wenn Sofias Schicksal nicht den strengen Anforderungen für eine solche Zahlung entspricht: Ist sein Enkel nicht Schriftsteller? Schriftsteller schreiben doch Geschichten. So wird Slava unfreiwillig und zögerlich zum Biografen seiner Familie. Wenig später kann er sich vor Aufträgen aus der Nachbarschaft kaum retten – bis die ganze Sache aufzufliegen droht ... Der Biograf von Brooklyn ist ein berührender und komischer Debütroman, der auf Fragen nach Gerechtigkeit, Familie und Gedenken überraschende und nachhallende Antworten findet.

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    Der Biograf von Brooklyn
    Bri

    Bri

    31. May 2016 um 11:44

    Slava kam als Kind mit seiner Familie über Umwege aus Weißrussland nach Amerika. Eine Genehmigung für eine problemlose Ausreise gab es ausnahmslos für Israel. Amerika war nur über mehrere europäische Stationen erreichbar. Im Gegensatz zu seiner Familie versucht Slava seine Herkunft aus dem Gedächtnis und damit aus seinem Leben so weit wie möglich herauszuhalten.Zwar wohnen alle Familienmitglieder in New York, doch trennen Slava und seine Eltern und Großeltern mittlerweile Welten.Während seine Familie ihr weißrussich-jüdischen Wurzeln eher pflegt, führt Slava ein amerikanisches Leben. Er arbeitet als Jungredakteur, im Grunde möchte er aber mehr als die "zum Piepen" benannte Kolumne füttern, die Stilblüten anderer Zeitungen kommentiert. Eigentlich fühlt er sich als Schriftsteller. Kurz nach dem Tod seiner Großmutter, die als junge Frau im Minsker Ghetto lebte, trifft ein Brief der „Konferenz für jüdische Schadensersatzansprüche gegen Deutschland“ ein. Da die eigentlich zu entschädigende Person keine Ansprüche mehr geltend machen kann, hat der erfinderische und clevere Großvater eine Idee: Auch wenn Großmutter Sofias Schicksal nicht ganz den Voraussetzungen entspricht, die gegeben sein müssen, um eine Entschädigung zu erlangen, so hätte sie doch nach humanen Maßstäben jedes Recht auf eine Zahlung. Slava will sich Geschichten ausdenken? Hier bekommt er die Gelegenheit. Zunächst soll er nur für den Großvater einen Antrag "aufhübschen", doch dabei bleibt es nicht ...Boris Fishmans Geschichte um den leicht betrügerisch veranlagten Großvater, der seinen Enkel zur Fälschung anstiftet, liest sich zunächst witzig, locker und unterhaltsam. Doch nach einem rasanten Einstieg gerät die Lektüre - analog zu den Lebensumständen des Hauptprotagonisten - ein wenig ins Schlingern. Slava wird zwischen den unterschiedlichen Personenkreisen, zwischen den verschiedenen Lebenswelten hin und her geworfen - seinem Innenleben ist das nicht eben zuträglich und der Leser sieht sich mit einer Reihe von Personen konfrontiert, die teilweise kurz auf der Bühne des Geschehens erscheinen, um rasch wieder zu entschwinden. Die Darstellung einer bestimmten Lebensweise scheint dieses Vorgehen zu erfordern, verwirrt aber leider ein wenig. Wohin die Reise gehen mag, die so zügig in eine Richtung zeigte, ist zunächst fraglich. Auch das kann spannend sein, gewisse Bezüge aber muss man sich erarbeiten. Glücklicherweise enthält der Roman einen kurzen Anhang, der Anspielungen erklärt, die man als nicht aus dem russischen Kulturkreis stammender Mensch, nicht eben parat haben muss. Die Struktur des Roman, die sich Fishman gewählt hat, steht ganz offensichtlich in der Tradition der großen russischen Erzähler.Dennoch gelingt es sowohl Slava als aus dem Leser aus der Verwirrung wieder aufzutauchen. Das Spiel mit Lüge und Wahrheit bringt ihn seiner Familie wieder näher. Dabei entdeckt er etwas ganz wesentliches für sein weiteres Leben: die Vergangenheit gehört zum Leben. Wie Fishman seinen Hauptprotagonisten diese Erkenntnis finden lässt ist durchaus beachtenswert. Denn obwohl Slava seine Großmutter geliebt hat, hat er sie nie nach ihren Erlebnissen während des Zweiten Weltkrieges befragt. Wie in vielen Familien wurden diese prägenden Erlebnisse verschwiegen, um ein neues Leben beginnen zu können. Doch letztendlich ist dieses Schweigen ein Fehler - auch wenn die Erinnerung schmerzhaft ist - beraubt es die Nachkommen doch einer Facette von Identifikation von Verständnis, die wichtig ist, um einen eigenen Platz zu finden. Glücklicherweise stellt Fishman Slava aber einen äußerst pragmatischen und gewieften Großvater an die Seite, der den Enkel nur allzu gerne in die eigene kulturelle Enklave in Brooklyn zurück holen möchte. Ob es ihm gelingt? Das sollte sich jeder selbst erlesen. Eine besondere Beziehung zwischen Enkel und Großmutter, die das Versäumte nicht ungeschehen machen kann, aber dennoch versöhnlich stimmt, bildet ein denkbar gutes Ende, das nicht unbedingt ein glückliches sein muss. Aber lest selbst.

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  • Auswanderer in NYC

    Der Biograf von Brooklyn
    PrinceXL

    PrinceXL

    03. December 2015 um 18:26

    Slavas Familie stammt aus Minsk in Weißrussland. Seine Großmutter hat das jüdische Ghetto dort überlebt, was nur wenigen gelang. Damit wäre sie berechtigt, Zahlungen von Deutschland zu erhalten. Da sie nun aber leider verstorben ist, kommt sein Opa auf die Idee, ihre Geschichte zu seiner zu machen. Slava lässt sich schließlich überreden, den Brief mit der gefälschten Biografie zu formulieren. Sein Großvater, eifrig wie er ist, informiert einige Landsleute in der Nachbarschaft darüber, die Slava sogleich bitten, auch für sie tätig zu werden. Damit wird das Geschichtenbasteln fast schon zu seiner Hauptbeschäftigung. Er wird im Laufe der Zeit immer nervöser wegen dieser illegalen Tätigkeit. Wird er nicht schon verfolgt? Kann sein Großvater denn nichts für sich behalten? Boris Fishman rückt eine Generation ins Rampenlicht, die bald schon ausgestorben sein wird. Seine alten, liebenswert kauzigen Charaktere sind im alltäglichen Straßenbild eher unauffällig. Was sie aber im Laufe ihres Lebens mitgemacht haben prägt sie bis heute. In Kriegszeiten und danach in der Sowjetzeit, in der die Juden auch unterdrückt wurden, waren Anpassungsfähigkeit und Einfallsreichtum nötig, um über die Runden zu kommen. Slava dagegen ist nach der Auswanderung nach Amerika in einer ganz anderen Gesellschaft aufgewachsen. Er versucht sich von den weißrussischen Wurzeln zu lösen und bricht den Kontakt zur Familie ab. Erst als seine Oma stirbt wendet er sich ihr wieder zu. Somit muss er doch einen Weg finden, diesen Konflikt zwischen seiner Abstammung und seinem modernen Leben zu lösen. Die Sprache des Romans ist weder blumig noch verschachtelt. Trotzdem erscheinen mir die Beschreibungen der Orte und Personen sehr bildhaft. Besonders die Dialoge zwischen Slava und seinem Großvater fand ich herrlich. Ständig sind sie am Streiten und doch voller Zuneigung. Das ist sehr gut eingefangen. Nicht zuletzt ist das Buch auch eine Liebeserklärung an New York. Ob Brooklyn oder Manhattan, die Atmosphäre und die Facetten der Stadt und deren Einwohner wirken sehr lebendig und glaubhaft. Gerade das Multikulturelle macht diese Stadt so einmalig. Mein Fazit: Eine Familiengeschichte von Auswanderern und den nachfolgenden Generationen. Für mich ist das Buch ein interessanter Einblick in das Leben von Menschen, die ihre Heimat verlassen haben um für sich und ihre Kinder eine freie und würdigere Zukunft zu finden. Besonders gut gelungen finde ich die Sprache, mit der der Autor eine glaubwürdige Atmosphäre und ganz besondere Charaktere erschafft. © Marcus, buecherkaffee.de 

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