Jeden Tag riskieren die Torfstecher von Nebelbruch im Schwarzmoor ihr Leben, denn nur dort gibt es den begehrten Nachttorf zu finden, den Alchymisten benötigen, um Magie zu wirken. Auch der junge Milan wird eines Tages Torfstecher werden und sich ins Reich des Nachtwyrms, des letzten Drachen, wagen. Doch dann begeht seine Schwester ein Verbrechen und die ganze Familie wird in ihrem Namen bestraft. Auf der Flucht vor Schuld und Hass flieht Milan jeden Tag der Gefahr zum Trotz in die wilden Moore – und wird zum Moorläufer. Doch er hat keinen Schimmer, was ihn in der Wildnis wirklich erwartet…
Boris Koch, bekannt für seine Drachenflüsterer-Saga, erzählt mit dem Fantasy-Einzelband „Moorläufer“ eine Geschichte von Schuld und Gier, voller Atmosphäre und Magie. Doch das Buch ist ganz anders, als man beim Lesen des Klappentextes erwarten könnte. „Moorläufer“ ist vermeintlich eine Reise in unerforschte, tiefe Moore und eine Entdeckungsreise in die Natur, vielleicht ein Abenteuer mit einem majestätischen Drachen. Tatsächlich kommt der aber kaum vor.
Stattdessen begleitet der Leser Milan durch seine raue, schmerzhafte Kindheit und durch endlose Schuldgefühle ausgelöst durch das Verbrechen und dem Tod seiner Schwester. In einer Gemeinschaft, die am unteren Ende der Gesellschaft steht, wird Stolz und Ehre unter seinesgleichen großgeschrieben und Milan durch seine Familie schnell zum Außenseiter – eigentlich eine interessante Geschichte, aber eben nicht das, was das Buch verspricht. So fragt man sich beim Lesen lange, wo das Buch sich eigentlich hinentwickeln soll, wo – abgesehen von Schuld und Ausgrenzung – der Konflikt der Handlung liegt.
Eine Antwort bleibt das Buch lange schuldig, zunächst braucht es lange, um die Handlung überhaupt in Gang zu bringen, der Einstieg ist zwar nicht langweilig, zieht sich aber doch eine Weile hin. Genauso geht es dann auch im restlichen Buch weiter. Der Autor spart nicht mit der faszinierenden, düsteren Atmosphäre der Moore, wohl aber mit Drachen und Erklärungen. Anstelle dessen erhalten wir eine Liebesgeschichte, zu der man beim Lesen eher keinen Bezug herstellen kann, einfach weil der Schreibstil recht distanziert ist. Da die Handlung einen langen Zeitraum umfasst, gibt es schlicht sehr viel mehr Telling als Showing und so kommt keine große Nähe zu den Protagonisten auf.
Die wiederum sind jung und voller Widerspruchsgeist, pfeifen also auf gut gemeinte Ratschläge und setzen ihren Willen durch – mal mehr mal weniger erfolgreich. Dennoch sind sie nicht unsympathisch, sie haben sich ihr Happy End durchaus verdient, auch wenn es etwas überhastet platziert wirkt.
Generell geht der letzte Akt des Buches, der große Showdown recht schnell über die Bühne, gerade im Vergleich mit dem vorherigen, langwierigen Aufbau.
Wer Drachen und Abenteuer erwartet, der könnte von diesem Buch leider enttäuscht werden. Statt Reisen und mystischen Wesen geht es vor allem um Treue, Schuld und Intrigen. Die Geschichte ist absolut nicht schlecht, aber gar nicht das, was das Buch verspricht und dementsprechend eher enttäuschend, gerade wenn man die anderen Drachenbücher des Autors kennt. Wer allerdings Geheimnisse, mysteriöse Irrlichter und Alchemie kennenlernen möchte, der könnte dennoch Freude an diesem Buch haben.


































